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Carl Sternheim 'Die Hose'

Subtitle: Techniken der Figurencharakterisierung in Sternheims Komödie 'Die Hose', dargestellt am Beispiel des Ehepaars Maske

Termpaper, 2009, 27 Pages
Author: Doreen Kötschau
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Event: Komödien um 1900
Institution/College: http://www.uni-jena.de/
Category: Termpaper
Year: 2009
Pages: 27
Grade: 1,3
Language: German
Archive No.: V130907
ISBN (E-book): 978-3-640-36912-6
ISBN (Book): 978-3-640-36947-8

Abstract

„Das bürgerliche Lustspiel ‚Die Hose’ nimmt in Sternheims Werk eine Stellung ein, die [mit] derjenigen des ‚Urteils’ für Kafkas Entwicklung vergleichbar ist.“ Carl Sternheim beginnt am 7. Juli 1909 mit der ersten Niederschrift des bürgerlichen Lustspiels „Der Riese“. Am 1. September 1910 schließt er die Bearbeitung ab und veröffentlicht sie Ende 1910 unter dem Titel „Die Hose“. Max Reinhardt nimmt die Komödie im Oktober 1910 zur Uraufführung im Deutschen Theater an. Der Inhalt: Ein unbescholtenes Bürgerweib, das die ‚Unaussprechlichen’ verliert, wodurch zwei lüsterne Untermieter magnetisch angelockt werden, um ihr den Hof zu machen, und ihr Ehemann, der kleine Beamte Theobald Maske, der seine Neigungen unter der Tarnkappe seiner Unscheinbarkeit zu verbergen gelernt hat, und die Fähigkeit besitzt, aus diesem ‚Unglück’ mehrfach Kapital zu schlagen und wie ein ‚Riese’ den Sieg über sein Weib davonzutragen, dieser Stoff war ganz darauf angelegt, die getarnte Wohlanständigkeit und Prüderie der wilhelminischen Bürger zu schockieren und als Schein zu entlarven.


Excerpt (computer-generated)

Gliederung

1. Einleitung 2

2. Techniken der Figurencharakterisierung in Sternheims Komödie ,,Die Hose", dargestellt

am Beispiel des Ehepaars Maske 3

2.1 Figurale Charakterisierung 3

2.1.1 Explizite figurale Charakterisierung 3

2.1.1.1 Eigenkommentar im Dialog 3

2.1.1.1.a Theobald Maske 3

2.1.1.1. b Luise Maske 5

2.1.1.2 Eigenkommentar im Monolog Luise Maske 6

2.1.1.3 Fremdkommentar im Dialog 7

2.1.1.3.1 Fremdkommentar im Dialog in praesentia 7

2.1.1.3.2. Fremdkommentar im Dialog in absentia 8

2.1.2. Implizite figurale Charakterisierung 10

2.1.2.1 Außersprachliche figurale Charakterisierung 10

2.1.2.1. a Theobald Maske 10

2.1.2.1. b Luise Maske 15

2.1.2.2 Sprachliche figurale Charakterisierung 17

2.1.2.2. a Theobald Maske 17

2.1.2.2. b Luise Maske 18

2.2. Auktoriale Charakterisierung 18

2.2.1. Explizit auktoriale Charakterisierung ­ Sprechender Name 18

2.2.1.1 Theobald Maske 18

2.2.1.2 Luise Maske 20

2.2.2. Implizit auktoriale Charakterisierung 21

2.2.2.1 Korrespondenz und Kontrast 21

2.2.2.1.a Theobald Maske 21

2.2.2.1.b Luise Maske 21

2.2.2.2 Implizit charakterisierender Name 22

3. Zusammenfassung und Schluss 23

Literaturverzeichnis 25

Primärliteratur: 25

Sekundärliteratur: 25


1. Einleitung

,,Das bürgerliche Lustspiel ,Die Hose′ nimmt in Sternheims Werk eine Stellung ein, die [mit]

derjenigen des ,Urteils′ für Kafkas Entwicklung vergleichbar ist."1 Carl Sternheim beginnt

am 7. Juli 1909 mit der ersten Niederschrift des bürgerlichen Lustspiels ,,Der Riese". Am 1.

September 1910 schließt er die Bearbeitung ab und veröffentlicht sie Ende 1910 unter dem

Titel ,,Die Hose". Max Reinhardt nimmt die Komödie im Oktober 1910 zur Uraufführung im

Deutschen Theater an.

Den Inhalt der Komödie und die damit geübte Kritik fasst Mück treffend zusammen: ,,Ein

unbescholtenes Bürgerweib, das die ,Unaussprechlichen′ verliert, wodurch zwei lüsterne

Untermieter magnetisch angelockt werden, um ihr den Hof zu machen, und ihr Ehemann, der

kleine Beamte Theobald Maske, der seine Neigungen unter der Tarnkappe seiner

Unscheinbarkeit zu verbergen gelernt hat, und die Fähigkeit besitzt, aus diesem ,Unglück′

mehrfach Kapital zu schlagen und wie ein ,Riese′ den Sieg über sein Weib davonzutragen,

dieser Stoff war ganz darauf angelegt, die getarnte Wohlanständigkeit und Prüderie der

wilhelminischen Bürger zu schockieren und als Schein zu entlarven."2

Diesem Stück möchte ich mich in meiner Hausarbeit widmen. Ich werde es unter dem

Gesichtspunkt ,,Techniken der Figurencharakterisierung in Sternheims Komödie ,Die Hose′"

betrachten. Jedoch verlangt das Thema eine Eingrenzung. Diese nehme ich vor, indem ich in

meiner Betrachtung lediglich das Ehepaar Maske berücksichtige. Alles andere würde den

Rahmen der Hausarbeit sprengen.

Um dieses Thema zu bewältigen, ist häufiges Zitieren aus dem Werk ,,Die Hose" nötig. Dafür

verwende ich die im Literaturverzeichnis angegebene Ausgabe.3

Ich werde textanalytisch vorgehen. Leider kann ich das Drama nur als geschriebenen Text

interpretieren, da keine Aufführung einsehbar war. Deswegen werde ich jegliche Angaben zur

Aufführung und Rezeptionsgeschichte außen vor lassen.

Bei den betrachteten Techniken der Figurencharakterisierung richte ich mich nach Pfister4.

Nicht alle von ihm aufgestellten Kategorien5 treffen auf das von mir betrachtete Werk zu.

Deswegen habe ich diese außen vor gelassen. Bedingt durch das Schema von Pfister, werden

sich an einigen Stellen Wiederholungen ergeben. Diese lassen sich leider nicht vermeiden.

1 Kemper, Hans-Georg: Gestörtes Vergnügen. Carl Sternheim: Die Hose. In: Vietta, Silvio und Kemper, Hans-

Georg: Expressionismus. München: Wilhelm Fink Verlag 1973. S. 306.

2 Mück, Hans-Dieter: Carl Sternheim: Aus dem bürgerlichen Heldenleben. Marbach am Neckar: Deutsche

Schillergesellschaft 1980. S. 21.

3 Sternheim, Carl: Die Hose. Ein bürgerliches Lustspiel. München: Luchterhand Literaturverlag 2006.

4 Pfister, Manfred: Das Drama. Theorie und Analyse. 11. Auflage. München: Wilhelm Fink Verlag 2001.

5 Vgl. Pfister, Manfred: Das Drama. Theorie und Analyse. 11. Auflage. München: Wilhelm Fink Verlag 2001. S.

252.

2


2. Techniken der Figurencharakterisierung in Sternheims Komödie ,,Die Hose",

dargestellt am Beispiel des Ehepaars Maske

2.1 Figurale Charakterisierung

2.1.1 Explizite figurale Charakterisierung

2.1.1.1 Eigenkommentar im Dialog

2.1.1.1.a Theobald Maske

Theobald Maske trifft im Stück häufig Selbstaussagen. Bei diesen geht es hauptsächlich um

seinen Beruf, um seine Vorliebe für Ordnung, seine Bildung sowie um seine Einstellung zum

Triebhaften.

Theobald bezeichnet sich selbst als kleinen Mann, als ,,einfache[n] Beamte[n]"6. Er

betrachtet diesen Beruf als vom Schicksal gegeben und verdient 700 Taler. Theobald macht

über seinen Beruf eine treffende Selbstdeutung, die er jedoch Mandelstam zuweist:

,,THEOBALD: So sind Sie [Mandelstam] ein Opfer ihres Berufs."7 Dass dies eher auf ihn als

auf den Barbier zutrifft, kann man aus der Reaktion Theobalds auf das Missgeschick seiner

Frau deuten: ,,THEOBALD: Das Herz stand still. Jedem Aufsehen abhold, wie du weißt."8.

Theobald lebt in einer Gesellschaft, in der nur der zählt, der nicht aus der Menge heraussticht,

denn ,,[sobald] die Anonymität verschwindet, verliert der Beamte seine Macht."9.

Maske ist sehr ordnungsliebend, achtet auf Genauigkeit. Auch das schiebt er auf seinen Beruf:

,,THEOBALD: [...] Das Ungenaue ist der Umweg. Von morgens neun bis nachmittags drei

habe ich amtliche Schriften vor mir. Wollte ich da ungenau sein?"10 Maske ist aus

Berufsgründen genau, aber er benutzt selbst den Umweg gerne, zum Beispiel geht er aus dem

Haus, um zu hören, was geschwatzt wird. Am Ende hebt er als einziger die Ordnung auf, in

dem er ein Verhältnis mit Frau Deuter anfängt. Jedoch macht ihn seine Ordnungsliebe nicht

zum individuellen Charakter, er überträgt sie lediglich von seiner beruflichen Rolle in seine

bürgerliche Stube, ,,ein Riese ­ so der ursprüngliche Titel des Stücks ­ im Spießerheim, ein

Zwerg aber wie alle anderen unter der Fuchtel der Obrigkeit."11 Theobald liebt die

Regelmäßigkeit. Er findet Halt in seinem Stübchen und sperrt sich gegen das Veränderliche:

6 Sternheim, Carl: Die Hose. Ein bürgerliches Lustspiel. München: Luchterhand Literaturverlag 2006. S. 10

(I/1).

7 Ebd. S. 47 (II/1).

8 Ebd. S. 12 (I/1).

9 Dudas, Boris: Vom bürgerlichen Lustspiel zur politischen Groteske. Carl Sternheims Komödien ,,Aus dem

bürgerlichen Heldenleben" in ihrer werkgeschichtlichen Entwicklung. Hamburg: Verlag Dr. Kovac 2004 (=

Studien zur Germanistik Band 5). S. 81.

10 Sternheim, Carl: Die Hose. München 2006. S. 47 (II/1).

11 Freund, Winfried: Carl Sternheim: Die Hose. Komödie ohne Happy-End. In: Dramen des 20. Jahrhunderts.

Interpretationen. Band 1. Stuttgart 2006 (RUB 9460). S.117.

3


,,THEOBALD: Hat man sein Stübchen. Da ist einem alles bekannt, nacheinander

hinzugekommen, lieb und wert geworden. Muss man fürchten, unsere Uhr speit Feuer, der

Vogel stürzt sich aus dem Käfig gierig auf den Hund? Nein. Es schlägt sechs, wenn es wie

seit dreitausend Jahren sechs ist. Das nenne ich Ordnung. Das liebt man, ist man selbst."12

Diese Selbstaussagen charakterisieren Maske als ordnungsliebend, bescheiden und mit seiner

Stelle sowie mit seiner kleinen Welt zufrieden.

Deswegen sperrt sich Theobald auch gegen die Wissenschaft. Jegliches Neues bezeichnet er

als widerlich: ,,THEOBALD: Da streiten sich die Gelehrten. Mir ist schon die Nachricht von

solchen Seltsamkeiten widerlich. Geradezu widerlich."13 Wissenschaft und damit auch

,,Seltsamkeiten" haben für ihn keinen Bezug zur Bewältigung seiner existentiellen

Problematik: ,,THEOBALD: [...] Da bin ich lieber in gesicherten Bezirken, in meinem

Städtchen. Man soll sich sehr auf das Seine beschränken, es festhalten und darüber wachen.

Was habe ich mit dieser Schlange gemein? Regt sie nicht höchstens meine Phantasie an?

Wozu das alles?"14 Auch bildet er sich nicht, was er im Gespräch mit Scarron und

Mandelstamm zugibt: ,,SCARRON

zu Theobald

: [...] Lesen Sie so wenig? THEOBALD: Gar

nicht."15 Maske lebt vielmehr nach ,,Schema F"16

Theobald bekennt sich offen zu seiner intellektuellen Beschränktheit: ,,THEOBALD: [...]

Meine Unscheinbarkeit ist die Tarnkappe, unter der ich meinen Neigungen, meiner innersten

Natur frönen darf."17 Er betrachtet also seine innerste Natur als stärksten Trieb. Individuelle

Glückserfüllung erreicht er durch Zufriedenheit mit dem Vorgegebenen. Er macht sich

,,weniger Gedanken als Sie [Scarron und Mandelstam] vermuten."18 Er ,,tut sieben Stunden

[...] Dienst. Danach ist man müde."19Freund deutet diese Stelle treffend: ,,Theobald ist der

simplifizierende Pragmatiker, für den an die Stelle einer humanistischen, geistig bildenden

Lebenshaltung die realistische Praxis des Gelderwerbs getreten ist."20 Auch für Politik hat er

kein Interesse, war lediglich interessiert, ,,was Bismarck tat"21. Dies spiegelt die Ohnmacht

des kleinen Mannes wider. Jedoch ,,stimuliert dieses Bewusstsein aber gleichzeitig die eigene

ökonomische Betriebsamkeit."22

12 Sternheim, Carl: Die Hose. S. 15 (I/1).

13 Ebd. S. 124 (IV/9).

14 Ebd. S. 15 (I/1).

15 Ebd. S. 75 (III/1).

16 Ebd.

17 Ebd. S. 83 (III/1).

18 Sternheim, Carl: Die Hose. S. 75 (III/1).

19 Ebd.

20 Freund, Winfried: Die Bürgerkomödien Carl Sternheims. München: Wilhelm Fink Verlag 1976. S. 31f.

21 Sternheim, Carl: Die Hose. S. 15 (I/1). S. 75 (III/1).

22 Freund, Winfried: Die Bürgerkomödien Carl Sternheims. München: Wilhelm Fink Verlag 1976. S. 32.

4


Theobald glaubt an vorgeburtliche Determinierung: ,,THEOBALD: [...] Mit dem, was mir

Geburt beschieden, bin ich an meinem Platz in günstiger Lage."23

Maske definiert sich selbst vor allem durch seine Vitalität. Er ist sich seiner Gesundheit

bewusst, denn diese ist für ihn die Bedingung für die Bewährung im Lebenskampf. Theobald

stellt sich selbst als brutal kalkulierenden, vitalen Spießer hin: ,,THEOBALD: In der Tat,

Gesundheit, Kraft vor allem. Fassen Sie diesen Schenkel, den Bizeps."24 Der Kraft gehört die

Zukunft, aber sie basiert auch auf Regelmäßigkeit: ,,THEOBALD: Ich kenne mich aus. Man

muss schauen, dass man nicht zu früh kaput [sic!] wird. Eine gewisse Regelmäßigkeit."25

Diese Regelmäßigkeit verbietet eine übermäßige Vergeudung der Kraft.

Maske unterdrückt deshalb jegliche Sexualität. ,,THEOBALD: Ich weiß nicht. Es gibt so

etwas [das Mannhafte, Triebhafte im Mann], das ist richtig, aber eigentlich habe ich mich

immer dagegen gewehrt."26 Doch er vollzieht während des Stücks eine Entwicklung ­ wenn

auch nur eine kleine. Am Ende kann er die Triebe nicht mehr unterdrücken, gibt sogar zu,

dass er sie im Geheimen doch auslebt: ,,THEOBALD: Gutes Mädchen, wissen Sie genau, ob

meine Gedanken nicht schon mit Ihnen beschäftigt waren? Mir ist ganz so. Wie Sie mich jetzt

ins Gespräch über diese delikaten Dingerchen bringen, bin ich Ihren Vorzügen, die Sie bei

Gott deutlich sichtbar haben, nicht so fremd, wie es bis eben scheinen mochte. DEUTER:

Wüsste Ihre Frau darum. THEOBALD: Die weiß nichts. So etwas würde ich ihr nicht

erzählen, weil es ihr Kummer machte. Das treibe ich im Geheimen. Nicht oft, jedoch mit

Vergnügen."27

Die Eigenkommentare verdeutlichen bereits den ambivalenten Charakter Theobalds.

Monologische Eigenkommentare von Theobald existieren nicht.

2.1.1.1. b Luise Maske

Luise äußert weniger Eigenkommentare als ihr Mann. Doch auch aus diesen lässt sich schon

die Tragik dieser Figur erkennen.

Luise leidet unter dem Riesen Theobald: ,,LUISE: [...] Mein Leben läuft in diesen Wänden"28

und ,,Ich bin eine honette Frau."29. Sie fühlt sich gefangen in Maskes kleiner Welt: ,,LUISE:

[...] Ja, ich will aus diesem Dienst, diesen Zügeln und Banden, von diesem aufgehobnen

23 Sternheim, Carl: Die Hose. S. 15 (I/1). S. 83 (III/1).

24 Ebd. S. 35 (I/7).

25 Ebd. S. 119 (IV/8).

26 Ebd. S. 79 (III/1).

27Sternheim, Carl: Die Hose. S. 110 (IV/4).

28 Ebd. S. 22 (I/5).

29 Ebd. S. 26 (I/6).

5


Finger zur Freiheit fort."30 Luise ist ­ typisch für diese Zeit ­ romantisch. Sie wartet auf den

großen Helden. Diesen glaubt sie in Scarron zu sehen, wird aber bitter enttäuscht. Die

Fantasie- und Traumwelt Luises steht im Gegensatz zu Maskes Realitätsbewusstein. Aber er

hat sie damals schon als Träumerin kennen gelernt: ,,LUISE: Du weißt, kanntest mich als

junges Mädchen."31 Romantik wird in der Sekundärliteratur als typisch für diese Zeit

betrachtet.

Durch die Nachbarin Deuter werden Luises Träumerein zu erotischen Fantasien: ,,LUISE: Bin

fest entschlossen. Diese Nacht hat völlig über mich entschieden. Ein süßer Traum schon."32

Luise ist traurig über ihre Situation: ,,LUISE: [...] Ich bin unglücklich"33, ,,Ich habe Angst."34

Frau Maske ist religiös. Sie sucht in der Kirche Halt: ,,LUISE: Lässt du mich heute zur

Kirche? Ich habe Not."35 Sie ist nach der Ablehnung von Scarron orientierungslos,

verzweifelt, vielleicht sogar entsetzt über ihre Fantasien. In dieser Situation benutzt sie die

Kirche als Wegweiser.

Im zweiten Aufzug macht Luise eine Äußerung gegenüber Mandelstam, die nicht recht zu ihr

passen mag: ,,LUISE: Heftige Naturen muss ich verachten. Das Gehorsame, Schweigsame

liebe ich. Die guten Kinder."36 Diese Meinung scheint sie von ihrem Mann übernommen zu

haben. Dies verdeutlicht die Abhängigkeit Luises von Theobald, über die sie sich zwar

beklagt, die sie aber dennoch hinnehmen muss.

2.1.1.2 Eigenkommentar im Monolog Luise Maske

Nur an einer Stelle macht Luise ein Eigenkommentar im Monolog. Das liegt vor allem daran,

dass Sternheim in ,,Der Hose" Monologe nicht oft einsetzt.

Im ersten Aufzug rezitiert Luise das Gedicht ,,Das verlassene Mägdlein" von Eduard Mörike:

,,LUISE

geht zum Fenster und nimmt den Wohnungszettel herein. Dann macht sie Feuer im

Herd, wobei sie summt:

Früh, wenn die Hähne krähn,/ Eh die Sternlein verschwinden,/ Muss

ich am Herde stehn,/ Muss Feuer zünden.

Dann geht sie vor den Spiegel, beschaut sich, tritt

wieder vor den Herd, summt weiter.

"37 Dieses Lied handelt von Luises Tätigkeiten. Im

Prinzip ist sie die Magd ihres Mannes, die Dienstbotin, die sie sich nicht leisten können. Das

Schauen in den Spiegel verstärkt den Übertragungscharakter des Liedes auf Luise.

30 Ebd. S. 29 (I/6).

31 Ebd. S. 11 (I/1).

32 Ebd. S. 57 (II/3).

33 Ebd. S. 62 (II/4).

34 Ebd.

35 Ebd. S. 100 (IV/1).

36 Sternheim, Carl: Die Hose. S. 53 (II/2).

37 Ebd. S. 28 (I/6).

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