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Scholary Paper (Seminar), 2009, 10 Pages
Author: Rebekka Deißer
Subject: Medicine
Details
Year: 2009
Pages: 10
Grade: "-"
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-37290-4
ISBN (Book): 978-3-640-37282-9
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Abstract
Die Grundlage zur Ausarbeitung dieses Beitrages stellt der fiktive Fall von Herrn Bergmann, eines 52-jährigen, etwa 110 kg schweren und 1,66 m großen Mannes, dar. Herr Bergmann stellt sich erstmals in einer neuen Arztpraxis vor, nachdem ihm von einem Apotheker geraten wurde einen Arzt zu konsultieren. Bei einem Gesundheits-Check-Up im Rahmen der Gesundheitswoche einer Apotheke wurde von dem Apotheker bei Herrn Bergmann ein Blutzuckerwert von 12 mmol/l, ein Blutdruck von 150/100 mmHg und ein Cholesterin-Wert von 7 mmol/l ermittelt. Herr Bergmann verstand nicht, warum er deshalb einen Arzt aufsuchen sollte, da er sich subjektiv allgemein wohl fühlt, befolgte jedoch den Rat des Apothekers. Der Arzt stellte daraufhin bei Herrn Bergmann anamnestisch eine Polyurie und Polydipsie fest. Weitere Untersuchungen ergaben einen Bauchumfang von 120 cm und einen Nüchternblutzucker von 7,5 mmol/l. Da die aus der Anamnese und der körperlichen Untersuchung erworbenen Kenntnisse aus Sicht des Arztes eine Behandlungsnotwendigkeit zur Folge haben, bittet er Herrn Bergmann zur Wiedervorstellung in einer Woche, wenn die Laborwerte ausgewertet sind. Des Weiteren sieht der Arzt einen Zusammenhang zwischen den Befunden des Blutzuckers, des Blutdruckes und der Hyperlipoproteinämie. [...]
Excerpt (computer-generated)
Das metabolische Syndrom
Das Metabolische Syndrom
Die Grundlage zur Ausarbeitung dieses Beitrages stellt der fiktive Fall von Herrn Bergmann, eines
52-jährigen, etwa 110 kg schweren und 1,66 m großen Mannes, dar. Herr Bergmann stellt sich
erstmals in einer neuen Arztpraxis vor, nachdem ihm von einem Apotheker geraten wurde einen
Arzt zu konsultieren. Bei einem Gesundheits-Check-Up im Rahmen der Gesundheitswoche einer
Apotheke wurde von dem Apotheker bei Herrn Bergmann ein Blutzuckerwert von 12 mmol/l, ein
Blutdruck von 150/100 mmHg und ein Cholesterin-Wert von 7 mmol/l ermittelt. Herr Bergmann
verstand nicht, warum er deshalb einen Arzt aufsuchen sollte, da er sich subjektiv allgemein wohl
fühlt, befolgte jedoch den Rat des Apothekers.
Der Arzt stellte daraufhin bei Herrn Bergmann anamnestisch eine Polyurie und Polydipsie fest.
Weitere Untersuchungen ergaben einen Bauchumfang von 120 cm und einen Nüchternblutzucker
von 7,5 mmol/l. Da die aus der Anamnese und der körperlichen Untersuchung erworbenen
Kenntnisse aus Sicht des Arztes eine Behandlungsnotwendigkeit zur Folge haben, bittet er Herrn
Bergmann zur Wiedervorstellung in einer Woche, wenn die Laborwerte ausgewertet sind. Des
Weiteren sieht der Arzt einen Zusammenhang zwischen den Befunden des Blutzuckers, des
Blutdruckes und der Hyperlipoproteinämie.
Solche Zusammenhänge zwischen metabolischen und kardiovaskulären Zuständen sind schon seit
Anfang der 20er Jahre bekannt, der Begriff "Metabolisches Syndrom" tauchte jedoch erst in den
80er Jahren auf und ist außerdem als "Syndrom X", "Reaven-Syndrom"i, "Tödliches Quartett",
"Insulinresistenz-Syndrom" oder "Wohlstands-Syndrom" bekannt.ii Erst in den letzten Jahren fand
man heraus, dass dabei Fett eine zentrale Rolle spielt und es wurden mehrere Definitionen
entwickelt, welche weitestgehend übereinstimmen, sich jedoch in Details, z.B. einzelner
Grenzwerte, unterscheiden. Die bekanntesten Definitionen des metabolischen Syndroms sind die
der World Health Organisation (WHO) von 2001 und die des National Cholesterol Education
Programm (NCEP). Aufgrund der Vielzahl an Definitionen hat die International Diabetes
Föderation (IDF) schließlich eine weltweit einheitliche und praxistaugliche Definition entwickelt,
die es ermöglicht Menschen mit einem Metabolischen Syndrom sowohl einfach und schnell zu
identifizieren als auch so früh wie möglich mit einer geeigneten Behandlung zuzuführen.iii
Nach der neuen IDF-Definition (2005) liegt ein Metabolisches Syndrom vor, wenn der
Bauchumfang bei Männern mehr als 94 cm bzw. bei Frauen mehr als 80 cm beträgt und mindestens
zwei weitere der folgenden Störungen bzw. Bedingungen vorliegen:
erhöhte Triglyzeridwerte (mindestens 150 mg/dl bzw. 1,7 mmol/l) bzw. eine bereits eingeleitete
Behandlung zur Absenkung der Triglyzeride.
zu niedriges HDL-Cholesterin (Männer: weniger als 40 mg/dl bzw. 1,03 mmol/l; Frauen:
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Das metabolische Syndrom
weniger als 50 mg/dl bzw. 1,29 mmol/l) bzw. eine bereits eingeleitete Therapie zur Anhebung
des HDL-Cholesterins.
Bluthochdruck (systolisch mehr als 130 mmHg oder diastolisch mehr als 85 mmHg) bzw. eine
bereits behandelte Hypertonie.
erhöhte Nüchtern-Blutglukosespiegel (mehr als 100 mg/dl bzw. 5,6 mmol/l) oder ein bereits
diagnostizierter Typ 2 Diabetes.iv
Diese Aspekte stellen gleichzeitig Risikofaktoren für eine Erhöhung der kardiovaskulären
Mortalität um das 2,6-bis 4,2-fache und der Gesamtmortalität um das 1,9- bis 3,3-fache darv und
entwickeln sich alle aus einer Insulin-Resistenz heraus, welche aufgrund eines dauerhaft erhöhten
Fettangebotes im Blut entsteht.vi Die Zellen, insbesondere die Muskelzellen, ernähren sich dann
hauptsächlich von den freien Fettsäuren und reagieren zunehmend weniger auf Insulin. Das führt
dazu, dass immer mehr Insulin produziert werden muss, um alle Zellen ausreichend zu versorgen
und es entsteht eine chronischen Hyperinsulinämie.vii Da hohe Insulinspiegel den Appetit steigern
und somit wiederum der Adipositas Vorschub leisten, hat hiermit ein Teufelskreis begonnen, ohne
dessen Unterbrechung es zu schwerwiegenden Folgen kommen kann. Letztendlich kommt es bei
Erschöpfung der insulinproduzierenden Zellen zu einem Insulinmangelviii und zur Manifestation
eines Diabetes mellitus Typ II, welcher oftmals auch als klassische Erkrankung des metabolischen
Syndroms bezeichnet wird. Er kann dem Metabolischen Syndrom entweder als Leitkrankheit
vorausgehen oder aber, was häufiger der Fall ist, im Gefolge anderer Erkrankungen des
metabolischen Syndroms auftreten. In über 90% der Fälle bei Typ-II-Diabetes lässt sich mindestens
eine der zum metabolischen Syndrom gehörenden Krankheiten nachweisen.ix Das Metabolische
Syndrom wird daher auch als "prädiabetische Phase" gesehen. Das bedeutet jedoch nicht, dass alle
Menschen, die am Metabolischen Syndrom leiden zwangsläufig auch diabetisch werden müssen,
wenn z.B. ein milderer Verlauf der Krankheit vorliegt oder neuste präventivmedizinischer
Maßnahmen Erfolg aufweisen.x Möglicherweise führen dauerhaft erhöhte Konzentrationen an
freien Fettsäuren außerdem zu einer gesteigerten hepatischen Glukoseproduktion und damit zu einer
beschleunigten Entwicklung der Insulinresistenz. Die Störungen im Sinne des metabolischen
Syndroms schließen sich dann in Form der Dislipoproteinämie, einer Kombination aus erhöhten
Triglyceriden und erniedrigtem HDL-Cholesterin7, der Hyperglykämie, und der Hypertonie an.
Diese ist auf einen pathologischen Einfluss des Insulins auf die Sympathikusaktivität, den
Mineralhaushalt und die glatte Gefäßmuskulatur zurückzuführen.10 xi
Die Zusammenhänge der einzelnen Aspekte des metabolischen Syndroms beschreiben somit ein
sehr komplexes Krankheitsbild (siehe Abb.1xii), welches pathophysiologisch auf die Insulinresistenz
zurückzuführen ist8 und durch eine ebenso komplexe Therapie abgefangen werden muss. Die
Therapie schließt an eine Reihe von diagnostischen Untersuchungen an, welche sich schon zum Teil
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Das metabolische Syndrom
von der o.g. Definition des Metabolischen Syndroms nach der IDF ableiten lassen. Dazu gehören
die Bestimmung des BMI, der Waist-to-hip-ratio, des Blutdrucks, evtl. auch eines 24h
Blutdruckprofils, bei dem die RR-Senkung zwischen 23 Uhr und 5 Uhr nicht mehr als 15% - 20%
betragen sollte. Die Basisuntersuchungen setzten sich des weiteren aus der Bestimmung des
Nüchternblutzuckerwertes (nü>6,7mmol/l), der Harnsäure (>480µmol/l), Fibrinogen (>300mg/dl),
ALAT und Albumin (>20mg/24h im Urin) zusammen. Weitere paraklinische Untersuchungen
beinhalten ein Echokardiogramm (EKG), Duplexsonographie der Karotiden und
Kardiosonographie, Bestimmung des intraabdominellen Fetts im CT, evtl. Messung der
Knochendichte und des Augenfundus. Liegen laut Familienanamnese androide Fettsucht oder
Diabetes vor, so sollte auch ein oraler Glukosetoleranztest (75g Glukose 2hpp>11,1mmol/l) mit
Bestimmung von Proinsulin als wichtiger Prädiktor für das Diabetesrisiko erfolgen. Weitere
mögliche Laborparameter sind: Insulin (>+1s), freies Testosteron (>+1s), Dihydroepiandrosteron-
Sulfat (>+1s), Triglyceride (>2,3mmol/l), Cholesterol (>6,5mmol/l), HDL-Cholesterol
(<0,9mmol/l), Von Willerbrand-Faktor (>+1s), sowie Bestimmung von Faktor VII und
Plasminogenaktivatorinhibitor (PAI).xiii 9
Liegt nach o.g. Diagnostik auch nur der Verdacht auf ein Metabolisches Syndrom vor, genügt dies
aufgrund der Komplexität des metabolischen Syndrom schon als Indikation für therapeutische und
prophylaktische Maßnahmen. Die Therapie des metabolischen Syndroms entspricht weitestgehend
der Basistherapie des Diabetes mellitus Typ II und setzt sich aus Reduktionskost, täglicher
körperlicher Aktivität mit Muskelaufbau und Fettabbau (ca. 30-45min bei mittlerer
Belastungsstufe), Nikotinkarenz, sowie Vermeidung von diabetogenen Pharmaka und
ausschließlicher Verwendung von hochkardioselektiven Beta-Blockern zusammen.xiv Im einzelnen
bedeutet dies, dass die Gewichtsreduktion durch Reduktionsdiat und täglicher körperlicher Aktivität
alle genannten Komorbiditaten und Komplikationen verbessert, jedoch sind nicht alle
Folgeerkrankungen der Adipositas reversibel. Besonders im Hinblick auf kardiovaskuläre Risiken
tritt eine Verbesserung ein, denn schon eine Gewichtsreduktion von 10% führt zu einer Reduktion
des Herzinfarktrisikos um ca. 20%. Des weiteren kann somit die Progression zum manifesten
Diabetes mellitus Typ II um 30-50% reduziert werden. In Extremfällen ist auch ein chirurgisches
Verfahren zur Gewichtsreduktion, z.B. Magen-By-Pass, möglich. Das Nikotin stellt einen hohen
vaskulären Risikofaktor dar und muss deshalb vermieden werden. Beta-Blocker können den
Glukosestoffwechsel verschlechtern. Es sollte daher genau abgesägt werden wie notwendig eine
Beta-Blocker-Therapie im jeweiligen Fall ist.5 In jedem Fall bleibt jedoch körperliche Aktivität und
eine kalorienarme Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Ballaststoffen die vorrangigsten
Maßnahmen zur Bekämpfung des Metabolischen Syndroms.xv
Bei nicht eingeleiteter, verspäteter oder nicht korrekt durchgeführter Therapie kann es aufgrund der
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