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Übergewicht und Bewegungsmangel - Eine empirische Untersuchung zum Thema gesunde Ernährung und körperliche Aktivität

Examination Thesis, 2007, 115 Pages
Author: Anna Maria Abraham
Subject: Biolology - Didactics

Details

Category: Examination Thesis
Year: 2007
Pages: 115
Grade: 2,0
Language: German
Archive No.: V131268
ISBN (E-book): 978-3-640-36635-4
ISBN (Book): 978-3-640-36609-5

Abstract

„Politiker, Mediziner und Lehrer warnen: Deutschlands Nachwuchs wird dicker und träger.“ Diese Zeile aus dem Bericht „Bewegte Kindheit“ erschien im Magazin „Der Spiegel“ im September 2004. Schon seit längerem scheinen die Themen Übergewicht und Bewegungsmangel nicht nur die oben genannten Politiker, Mediziner und Lehrer zu interessieren. Auch die breite Öffentlichkeit entdeckt, welche Folgen diese Entwicklung sowohl für jeden Einzelnen als auch für unsere Gesellschaft an sich haben kann. Umso weniger erscheint es verwunderlich, dass sich groß angelegte Medienkampagnen mit diesen Inhalten beschäftigen. Die erhöhte Sensibilität in der Bevölkerung für diese Problematik und mein persönliches Interesse an humanbiologischen Fragen bewogen mich dazu, die Examensarbeit im Rahmen meines Lehramtstudiums über das Thema „Übergewicht und Bewegungsmangel – Eine empirische Untersuchung zum Thema gesunde Ernährung und körperliche Aktivität“ zu schreiben. Die zentrale Frage dieser Arbeit lautet: Ist es möglich, durch gezielte Weiterbildung eine Verhaltensveränderung bei Schülern mit Übergewicht und/oder Bewegungsmangel zu bewirken? Die gezielte Weiterbildung stützt sich auf die Erkenntnisse der Ernährungsbildung und der Sportdidaktik. Die Besonderheit meiner Arbeit besteht darin, dass ich beide Themenfelder zusammenhängend betrachte. Zur Beantwortung dieser Frage führte ich innerhalb eines Wahlpflichtkurses an der Haupt- und Realschule in Adendorf eine Untersuchung durch, indem ich Schüler diesbezügliche Fragebögen ausfüllen ließ. Es folgte eine Unterrichtseinheit, die der gezielten Weiterbildung diente und die Themen Übergewicht und Bewegungsmangel miteinander verband. Zum Schluss bearbeiteten die Schüler dieselben Fragebögen erneut. Diese Art der Untersuchung lässt Rückschlüsse auf eine eventuelle Veränderung des Schülerverhaltens zu. Die Studie wurde sowohl an über- wie auch an normalgewichtigen Schülern durchgeführt. Der Aspekt Bewegungsmangel traf auch nicht auf alle Jugendlichen gleichermaßen zu. Der Unterricht musste demnach die Heterogenität der Gruppe berücksichtigen.


Excerpt (computer-generated)

Examensarbeit im Rahmen der Ersten Staatsprüfung

für das Lehramt an Grund-, Haupt- und Realschulen

zum Thema

,,Übergewicht und Bewegungsmangel ­ eine

empirische Untersuchung zum Thema

gesunde Ernährung und körperliche

Aktivität"

Angefertigt im Prüfungsfach: Sachunterricht und seine Didaktik

Kandidatin: Anna Maria Abraham

Bearbeitungszeitraum: 15. August 2006 bis 14. Januar 2007


II

Vorwort

Ein großer Dank gilt der Haupt- und Realschule in Adendorf, die mich bei der

Erstellung dieser Arbeit bestmöglich unterstützte.


III

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung 1

2 Basisinformationen 3

2.1

Definition von Übergewicht 3

2.2

Ursachen von Übergewicht 3

2.3

Folgen von Übergewicht 6

2.4

Definition von Bewegungsmangel 7

2.5

Gründe für Bewegungsmangel 8

2.6

Folgen von Bewegungsmangel 8

3 Aktualität der Themenkomplexe Übergewicht und Bewegungsmangel.12

4 Grundlagen der Ernährungs- und Bewegungsvorgänge 13

4.1

Ernährung 13

4.1.1

Verdauung 13

4.1.2

Zellstoffwechsel 14

4.1.3

Nährstoffe und deren Funktionen 16

4.1.4

Gesunde Ernährung 19

4.2

Bewegung 21

4.2.1

Neuro-muskuläre Koordination 22

4.2.2

Bereitstellung und Umwandlung von Energie 23

4.2.3

Gesundes Bewegungsverhalten 25

5 Gesundheitswert von Personen mit Übergewicht und Bewegungsmangel

27

6 Ziele und methodische Überlegungen 29

6.1

Ernährungsbildung 29

6.2

Sportunterricht 31

7 Praktischen Durchführung 35

7.1

Allgemeine Hintergrundinformationen 35

7.2

Zielsetzungen des Unterrichts 36

7.3

Die Lerngruppe 36


IV

7.4

Beschreibung von zwei Unterrichtsstunden 38

7.4.1

Unterrichtsstunde zum Themenfeld Ernährung 38

7.4.2

Unterrichtsstunde zum Themenfeld Bewegung 40

8 Methodik der empirischen Sozialforschung 42

8.1

Die Lehre von der Frage und dem Fragebogen 43

8.1.1

Fragenformulierung 43

8.1.2

Fragebogenkonstruktion 46

8.2

Befragung als Messung 47

8.3

Analyse von Daten 47

8.3.1

Univariante Statistik 49

8.3.2

Bivariante Statistik 51

8.4

Kritik an standardisierten Verfahren 55

9 Auswertung der Fragebögen 58

9.1

Vorgehensweise bei der Erhebung der Daten 58

9.2

Beschreibung der Fragebögen 59

9.3

Analyse der Fragebögen vor der Unterrichtseinheit 61

9.4

Analyse der Fragebögen nach der Unterrichtseinheit 75

9.5

Gesamtergebnis der Untersuchung 86

9.6

Zusammenhänge von Variablen der Untersuchung 87

10

Fazit 90

11

Literaturverzeichnis 92

12

Anhang 95


1

1 Einleitung

,,Politiker, Mediziner und Lehrer warnen: Deutschlands Nachwuchs wird

dicker und träger."1

Diese Zeile aus dem Bericht ,,Bewegte Kindheit" erschien im Magazin ,,Der

Spiegel" im September 2004.

Schon seit längerem scheinen die Themen Übergewicht und

Bewegungsmangel nicht nur die oben genannten Politiker, Mediziner und

Lehrer2 zu interessieren. Auch die breite Öffentlichkeit entdeckt, welche

Folgen diese Entwicklung sowohl für jeden Einzelnen als auch für unsere

Gesellschaft an sich haben kann. Umso weniger erscheint es verwunderlich,

dass sich groß angelegte Medienkampagnen mit diesen Inhalten

beschäftigen.

Die erhöhte Sensibilität in der Bevölkerung für diese Problematik und mein

persönliches Interesse an humanbiologischen Fragen bewogen mich dazu,

die Examensarbeit im Rahmen meines Lehramtstudiums über das Thema

,,Übergewicht und Bewegungsmangel ­ Eine empirische Untersuchung zum

Thema gesunde Ernährung und körperliche Aktivität" zu schreiben.

Die zentrale Frage dieser Arbeit lautet: Ist es möglich, durch gezielte

Weiterbildung eine Verhaltensveränderung bei Schülern mit Übergewicht und

/ oder Bewegungsmangel zu bewirken? Die gezielte Weiterbildung stützt sich

auf die Erkenntnisse der Ernährungsbildung und der Sportdidaktik. Die

Besonderheit meiner Arbeit besteht darin, dass ich beide Themenfelder

zusammenhängend betrachte.

Zur Beantwortung dieser Frage führte ich innerhalb eines Wahlpflichtkurses

an der Haupt- und Realschule in Adendorf eine Untersuchung durch, indem

ich Schüler diesbezügliche Fragebögen ausfüllen ließ. Es folgte eine

Unterrichtseinheit, die der gezielten Weiterbildung diente und die Themen

Übergewicht und Bewegungsmangel miteinander verband. Zum Schluss

1 Vgl. Thimm, Katja: Bewegte Kindheit. In: Der Spiegel; 40; 2004, S. 174

2 Im folgenden werden aus Gründen der Lesbarkeit die Formen ,,Lehrer", ,,Schüler" etc.

verwendet, diese schließen das weibliche Pendant mit ein.


2

bearbeiteten die Schüler dieselben Fragebögen erneut. Diese Art der

Untersuchung lässt Rückschlüsse auf eine eventuelle Veränderung des

Schülerverhaltens zu. Die Studie wurde sowohl an über- wie auch an

normalgewichtigen Schülern durchgeführt. Der Aspekt Bewegungsmangel

traf auch nicht auf alle Jugendlichen gleichermaßen zu. Der Unterricht

musste demnach die Heterogenität der Gruppe berücksichtigen.

Die ersten Kapitel dieser Arbeit beschäftigen sich mit dem Grundlagenwissen

zu den Themenfeldern. Diese doch sehr komplizierten Zusammenhänge

sollen möglichst kompakt, dennoch fachlich korrekt erklärt werden.

Zu Beginn der Arbeit werden die Begriffe Übergewicht und

Bewegungsmangel definiert. Es folgt eine Darstellung der Ursachen und

Folgen. Die gegenwärtige Bedeutung des Themas wird im zweiten Kapitel

deutlich, indem aktuelle Daten aufgelistet werden. Der dritte Abschnitt erklärt

grundsätzliche biologische und chemische Vorgänge und Zusammenhänge

zwischen Ernährung und Bewegung. Am Ende dieses Teils werden Wege zu

gesundem Ernährungs- und Bewegungsverhalten beschrieben. Wie der

Unterricht gestaltet sein muss, damit Schüler diese Verhaltensweisen

annehmen bzw. beibehalten, sofern diese schon vorhanden sind, wird im

nächsten Kapitel aufgezeigt. Darauf folgen Hintergrundinformationen sowie

eine Beschreibung der Bedingungen, unter denen die Untersuchung

durchgeführt wurde. Die Methoden der empirischen Sozialforschung, nach

denen die Studie durchgeführt wurde, werden in einem weiteren Abschnitt

erklärt.

Im nächsten Kapitel werden die Fragebögen nach diesen Methoden

ausgewertet. Am Ende der Arbeit steht die Bewertung der Ergebnisse.


3

2 Basisinformationen

Was ist eigentlich Übergewicht und was wird unter Bewegungsmangel

verstanden? Für das Verständnis dieser Arbeit ist es zwingend notwendig,

dass zentrale Begriffe zu Anfang erklärt werden. Aus diesem Grund werden

im folgenden Kapitel Übergewicht und Bewegungsmangel definiert sowie

deren Entstehung und Folgen erläutert.

2.1 Definition von Übergewicht

Als Maß für die Einschätzung des Körpergewichtes dient der ,,Body Mass

Index" (BMI). Errechnet wird dieser, indem das Körpergewicht (Angabe in kg)

durch das Quadrat der Körpergröße (gemessen in Metern) dividiert wird.

Übergewichtig sind Frauen ab einem BMI von 25. Männer hingegen erst bei

einem Wert von 26. Als fettsüchtig, wissenschaftlich auch ,,adipös", gelten

Menschen, die einen Body Mass Index von 30 oder höher erreicht haben.

Problematisch ist jedoch die Einschätzung der Muskelmasse. Muskulöse

Menschen haben zwar einen hohen BMI, sind aber nicht übergewichtig.3

Der Krankheitswert von Übergewicht (und Adipositas) ist anerkannt.4

2.2 Ursachen von Übergewicht

Grund für die Entstehung von Übergewicht ist in den meisten Fällen eine

positive Energiebilanz, das heißt, die Energiezufuhr übersteigt den

Energiebedarf. Energiezufuhr erfolgt durch Speisen und Getränke. Der

Energiebedarf setzt sich aus dem Grund- und Leistungsumsatz sowie der

Wärmebildung zusammen.5

Die zum Erhalt der Grundfunktionen (Herztätigkeit, Gehirnfunktionen usw.)

benötigte Energie wird als Grundumsatz bezeichnet. Sowohl das Körper-

gewicht, das Alter, aber auch das Geschlecht haben Einfluss auf den

Grundumsatz. So verbrauchen Frauen z.B. weniger Energie zur Aufrecht-

3 Vgl. Schlieper, Cornelia A.: Grundfragen der Ernährung. 16. Auflage. Hamburg: Verlag Dr.

Felix Büchner ­ Verlag Handwerk und Technik G.m.b.H. 2002, S. 17

4 Vgl. Hesse, Volker / Weiten, Jannie: Adipositas bei Kindern. Referenzsysteme und

Normdaten im Vergleich. In: Pädiatrie Hautnah; 4; 2005, S. 200

5 Vgl. Ruppert, Wolfgang: Ernährungsverhalten. In: Unterricht Biologie; 270 / 25; Jahrgang

Dezember 2001, S. 10


4

erhaltung ihrer Lebensfunktionen als Männer. Für jede körperliche Aktivität

und für die geistige Tätigkeit braucht der Körper ebenfalls Energie. Diesen

zusätzlichen Bedarf nennt man Leistungsumsatz.6 Der Energiebedarf

unterliegt einem dritten Einflussfaktor, nämlich der Wärmebildung. Ein Teil

der aufgenommenen Energie wird gleich in Wärme umgewandelt, d.h. die

Nahrungsenergie wird nicht komplett zur Deckung des Grund- und

Leistungsumsatzes verwendet, sondern geht in Form von Wärme ,,verloren".

Wie viel Energie gleich in Wärme umgewandelt wird, ist genetisch bedingt.7

Wie kommt es aber dazu, dass die Energiezufuhr, also die Nahrungs-

aufnahme, den Energiebedarf übersteigt? Die Antworten auf diese Frage

sind sehr vielfältig. Zum einen ist der Energiebedarf aufgrund veränderter

Arbeits- und Lebensbedingungen in unserer Gesellschaft stark gesunken.

Sowohl in der Freizeit als auch im Berufsleben bewegen die Menschen sich

weniger. Des Weiteren können psychische Probleme und äußere

Bedingungen, wie z.B. kulturelle Normen (Dicksein wird als Schönheitsideal

empfunden o.ä.) oder ein dauerhaft zu hoher Konsum von Lebensmitteln als

Kind, zu einer vermehrten Aufnahme von Nahrung führen. Insbesondere die

Überschreitung des Energiebedarfs in der Kindheit hat eine größere Anzahl

an Fettdepots zur Folge, die nur sehr schwer wieder abgebaut werden, aber

immer ,,gefüllt werden wollen". Auch der generell viel zu hohe Fett- und

Zuckerkonsum in unserer Industriegesellschaft ist Mitverursacher von

Übergewicht. 8

,,Schlüsselkinder" müssen sich oft selbst versorgen, obwohl sie dies noch

nicht richtig gelernt haben. Falsche Essgewohnheiten können sich schnell

manifestieren und Übergewicht kann entstehen.9

Neuere Forschungen ergaben, dass es Zusammenhänge zwischen dem

Bildungsstand der Mütter und der Entstehung von Übergewicht bei

6 Vgl. Schlieper, Cornelia A., a.a.O., S. 15-16 und S. 17

7 Vgl. Ruppert, Wolfgang, a.a.O., S. 7

8 Vgl. Schlieper, Cornelia A., a.a.O., S. 3 und S. 394

9 Vgl. Schmidt, Werner: Veränderte Kindheit ­ veränderte Bewegungswelt: Analysen und

Befunde. In Sportwissenschaft; 27; 1997 (2) S. 45 ­ 46


5

Schulanfängern gibt. Demnach ist die Gefahr Übergewicht zu bekommen bei

bildungsfernen Familien größer.10

Plakativ gesprochen könnte man sagen: Die Menschen essen zu viel und

bewegen sich zu wenig.

Eine erhöhte Energiezufuhr kann auch durch ein Problem der Regulation der

Nahrungsaufnahme verursacht werden. Die zuvor genannten Ursachen

bedingen eine Störung dieser Regulation. Normalerweise verläuft die

Steuerung der Nährmittelzufuhr über den Hypothalamus als Kontrollbereich

mit einem Hunger- und einem Sättigungszentrum, aber auch die Hypophyse

als Hormondrüse und Teile des limbischen Systems spielen eine Rolle.

Innere Signale führen dazu, dass entweder das Hungerzentrum angeregt

wird oder dass dem Sättigungszentrum mitgeteilt wird, dass genügend

Nahrung aufgenommen wurde. Es ist nicht möglich, dass beide Zentren

gleichzeitig aktiv sind. Ab einer bestimmten Höhe wirken der Glukosespiegel

oder die Fettspeicher als innere Signale. Sinkt nun beispielshalber der

Blutzuckerspiegel, erfasst der Hypothalamus einen Glucosemangel und es

entsteht ein Hungergefühl. Wird jedoch keine Nahrung zugeführt, werden die

Glykogendepots der Leber angegriffen und das Hungergefühl verschwindet

kurzfristig. Bei einem längeren Glucosemangel kommt es zu ersten

Anzeichen einer unzureichenden Zufuhr, wie z.B. Konzentrations-

schwierigkeiten, Müdigkeit oder Aggressivität (ein niedriger Blutzuckerspiegel

fördert die Ausschüttung des Hormons Adrenalin). Die Wärmebildung wird

ebenfalls gemindert. Sollte es immer noch nicht zu einer Zufuhr von

Nahrungsmitteln kommen, werden Fettsäuren aus den körpereigenen

Reserven ins Blut abgegeben, um den Energiebedarf zu decken. Die erhöhte

Menge an Fettsäuren wird wieder vom Hypothalamus festgestellt und es wird

ein noch weiter verstärktes Hungergefühl ausgelöst. Dieser Abbau an

Fettsäuren hält an, bis es zu einer Nahrungsaufnahme kommt. Geschieht

dies, registriert der Hypothalamus einen gestiegenen Blutzuckerspiegel,

aufgefüllte Fettspeicher und eine erhöhte Wärmebildung, sobald die

Nahrungsbestandteile verdaut wurden, und löst eine sogenannte

10 Vgl. Scharf, K.H.: Übergewicht. Wenn man es hat eine fast endlose Geschichte. In: Praxis

der Naturwissenschaften ­ Biologie in der Schule; 8/54; 2005, S. 2


6

postresorptive Sättigung aus. Da die Verdauung (vergleiche hierzu Punkt

4.1.1) jedoch einige Zeit benötigt, wird durch Kaubewegungen, Riechen und

Schmecken sowie Füllen des Magens eine präresorptive Sättigung

ausgelöst, um eine zu hohe Zufuhr an Lebensmitteln zu verhindern. Es

kommt zu einem allgemeinen Sättigungsgefühl. Bei übergewichtigen

Menschen dauert es länger, bis dieser Sättigungszustand erreicht ist. Sie

besitzen eine größere Anzahl an Fettzellen, die beispielsweise durch die

bereits erwähnte Überfütterung in der Kindheit oder durch genetische

Faktoren entstanden ist. Die Anzahl verringert sich auch durch Diäten nur

schwer. Da das Sättigungsgefühl jedoch nur eintritt, wenn u.a. die Speicher

gefüllt sind, müssen Übergewichtige mehr Nahrung zu sich nehmen, bis sie

satt sind (vergleiche hierzu Abbildung im Anhang S. 95).11

2.3 Folgen von Übergewicht

Gelenk- und Knochenschäden, Veränderung der Wirbelsäule, der Knie und

Füße, häufigere Erkrankung an Arthrose sind nur einige Beispiele der

möglichen Folgen von Übergewicht. Personen mit zu hohem Gewicht

müssen dieses bei jedem Schritt ,,mittragen". Es kommt zu einer

Überbeanspruchung der Knochen, Gelenke und Bandscheiben. Auch das

Herz- und Kreislaufsystem ist überlastet und Herz- und Gefäßerkrankungen

können entstehen. Unfälle auf Grund eingeschränkter Beweglichkeit und

Reaktionsgeschwindigkeit, häufigere Symptome von Bronchitis durch

eingeschränkte Atmung und eine sinkende Lebenserwartung (vergleiche

hierzu Abbildung im Anhang S. 96) sind weitere Folgeerscheinungen, die

sich durch Übergewicht ergeben können. Des Weiteren können hieraus

seelische Störungen wie beispielsweise Komplexe (möglicherweise durch

soziale Ausgrenzungen entstanden) resultieren.12

Diabetes mellitus Typ 2 ist u. a. auf Übergewicht und somit auch auf eine

übermäßige Zufuhr von Nahrungsenergie zurückzuführen. Es liegt ein

erhöhter Blutzuckerspiegel vor, der zu einer vermehrten Insulinausschüttung

führt, da dieses Hormon dafür zuständig ist, Glucose in die Zellen zu

transportieren. Der hohe Insulinspiegel bedingt seinerseits eine Down-

11 Vgl. Ruppert, Wolfgang, a.a.O., S. 5 ­ 6

12 Vgl. Schlieper, Cornelia A., a.a.O., S. 8 und S. 395



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