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Der neue Geist des Kapitalismus

Termpaper, 2006, 23 Pages
Author: Martina Schroeder
Subject: Sociology - Economy and Industry

Details

Event: Oberseminar
Institution/College: University of Hamburg (Institut für Soziologie)
Category: Termpaper
Year: 2006
Pages: 23
Grade: 1
Language: German
Archive No.: V131820
ISBN (E-book): 978-3-640-37607-0
ISBN (Book): 978-3-640-37573-8

Abstract

Der Kapitalismus hat sich seit seiner Entstehung und Benennung Mitte des 19. Jahrhunderts gewandelt, sowohl im Hinblick auf die Produktionsstätten als auch im Hinblick auf die Einheiten der kapitalistischen Prozesse wie die Erwerbspersonen. Dieses hat auch die sozialen Verhältnisse in erheblichem Masse verändert, wie anhand dieser Arbeit dargestellt wird. Die Wandlung des Kapitalismus seit der bürgerlichen Moderne betrifft vor allem die Organisation der Arbeit und die Einstellung der Erwerbspersonen gegenüber ihrer Tätigkeit. Diese Wandlung ist im Verlauf der Moderne besonders deutlich. Inzwischen ist „Der neue Geist des Kapitalismus“ entstanden, den Luc Boltanski und Ève Chiapello anhand ihrer Untersuchung neuer Managementliteratur skizzieren. Dabei strukturieren sie die historische Entwicklung des Kapitalismus von der ersten Phase, dem „Familienkapitalismus“ mit Motivation aus der protestantischen Ethik heraus und der Rationalisierung des Alltagslebens, in der Max Weber den Geist des Kapitalismus ausmachte, über die zweite Phase, dem „Managerkapitalismus“, in der die Arbeitsteilung in Großkorporationen vorherrschte und der Fokus auf die Effizienz gelegt wurde, zum nunmehr „dritten Geist des Kapitalismus“ mit dem Wiederbeleben der Individualität innerhalb des Arbeitsprozesses . Diese historische Entwicklung lässt sich von der posttraditionalistischen Berufsidee über die berufliche Sozialisation in hierarchischen Organisationen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis zu neuen beruflichen Strukturen zum Ende des 20. Jahrhunderts darstellen. Daher wird zunächst der Webersche Begriff des „Geist des Kapitalismus“ beleuchtet.


Excerpt (computer-generated)

2 Universität Hamburg

Institut für Soziologie

Schwerpunkt: Wirtschaft und Betrieb

Die Entwicklung eines neuen Geists des Kapitalismus

Hausarbeit

Martina Schroeder


Gliederung

1. Einleitung 3

2. Der Geist des Kapitalismus in der bürgerlichen Moderne 3

2.1 Strukturelle Veränderungen aufgrund neuer Produktionsmöglichkeiten 3

2.2 Die Arbeit im Kapitalismus 4

2.3 Die Entstehung der Berufsidee 4

3. Die Bestimmung des Arbeiters in der organisierten Moderne 6

3.1 Wirtschaftliche und produktive Situation in der organisierten Moderne 6

3.2 Die Arbeitsteilung in kapitalistischen Organisationen 6

3.3 Der Mensch in Abhängigkeit von arbeitsteilig organisierten Unternehmen 7

3.4 Hierarchische Ordnung in arbeitsteiligen Organisationen 8

3.5 Entstehung der sozialen Ethik 8

3.6 Identitätsprobleme mit rationalen Arbeitsformen 10

4. Die Entwicklung der selbstbestimmten Erwerbstätigkeit in der Postmoderne 11

4.1 Veränderungen der Produktionsprozesse durch technische Innovationen 11

4.2 Der Einfluss der Künstlerkritik auf das Arbeitsleben 11

4.3 Tendenzen zur Flexibilisierung der Arbeit 13

4.4 Abkehr von der hierarchischen hin zu einer vernetzten Struktur 15

4.5 Die Projektarbeit in der Netzstruktur moderner Unternehmen 16

4.6 Probleme der Individuen aufgrund von Netzstrukturen 18

5. Ausblick und Fazit 19

6. Literaturverzeichnis 22

2


1. Einleitung

Der Kapitalismus hat sich seit seiner Entstehung und Benennung Mitte des 19.

Jahrhunderts gewandelt, sowohl im Hinblick auf die Produktionsstätten als auch im

Hinblick auf die Einheiten der kapitalistischen Prozesse wie die Erwerbspersonen.

Dieses hat auch die sozialen Verhältnisse in erheblichem Maße verändert, wie

anhand dieser Arbeit dargestellt wird.

Die Wandlung des Kapitalismus seit der bürgerlichen Moderne betrifft vor allem die

Organisation der Arbeit und die Einstellung der Erwerbspersonen gegenüber ihrer

Tätigkeit. Diese Wandlung ist im Verlauf der Moderne besonders deutlich.

Inzwischen ist ,,Der neue Geist des Kapitalismus" entstanden, den Luc Boltanski und

Ève Chiapello anhand ihrer Untersuchung neuer Managementliteratur skizzieren.

Dabei strukturieren sie die historische Entwicklung des Kapitalismus von der ersten

Phase, dem ,,Familienkapitalismus" mit Motivation aus der protestantischen Ethik

heraus und der Rationalisierung des Alltagslebens, in der Max Weber den Geist des

Kapitalismus ausmachte, über die zweite Phase, dem ,,Managerkapitalismus", in der

die Arbeitsteilung in Großkorporationen vorherrschte und der Fokus auf die Effizienz

gelegt wurde, zum nunmehr ,,dritten Geist des Kapitalismus" mit dem Wiederbeleben

der Individualität innerhalb des Arbeitsprozesses1.

Diese historische Entwicklung lässt sich von der posttraditionalistischen Berufsidee

über die berufliche Sozialisation in hierarchischen Organisationen der ersten Hälfte

des 20. Jahrhunderts bis zu neuen beruflichen Strukturen zum Ende des 20.

Jahrhunderts darstellen. Daher wird zunächst der Webersche Begriff des ,,Geist des

Kapitalismus" beleuchtet.

2. Der Geist des Kapitalismus in der bürgerlichen Moderne

2.1 Strukturelle Veränderungen aufgrund neuer
Produktionsmöglichkeiten

Mit der Industrialisierung begann in der bürgerlichen Moderne die Abhängigkeit der

erwerbstätigen Menschen in Lohnarbeit für die industrielle Produktion.

Zuvor bestimmten in der Mehrzahl Handwerker, Arbeiter in der Landwirtschaft und

selbständige Kaufleute die Erwerbsarbeitsstruktur, nach Entstehung der

kapitalistischen Betriebe fanden vor allem die in der Landwirtschaft durch Einsatz

1 Boltanski, Luc / Chiapello, Ève: Der neue Geist des Kapitalismus. Konstanz 2003, S. 57

3


von Maschinen freigesetzten Arbeitskräfte als Lohnarbeiter ihre Beschäftigung in

großer Zahl in der Industrie. Darüber hinaus mussten viele als Einzelunternehmer

tätige Handwerker ihre Selbständigkeit aufgeben, da ihre Tätigkeit kostengünstiger

durch die industrielle Produktion übernommen wurde. So fanden sehr viele

Menschen aufgrund der veränderten Produktionsverhältnisse Arbeit in industriellen

Unternehmen.

2.2 Die Arbeit im Kapitalismus

Der Begriff des Arbeitens wird immer dann verwendet, wenn sich der Mensch zur

Sicherung seines Lebensunterhalts mit seiner Umgebung auseinandersetzt, dieses

erfolgt arbeitsteilig organisiert in Gesellschaft2. In der arbeitsteiligen

Industriegesellschaft entsteht aufgrund der Spezifizierung der Fähigkeiten des

Einzelnen eine wechselseitige Abhängigkeit der Menschen voneinander, da die

Bedürfnisse jedes Mitglieds der Gemeinschaft befriedigt werden sollen3. Dadurch

treten Menschen durch die Arbeit und die gegenseitige Vermittlung der Produkte in

soziale Beziehungen. Den sozialen Aspekt der Arbeit hat auch Werner Sombart wie

folgt dargestellt: ,,Alle menschliche Arbeit ist gesellschaftliche Arbeit ... in dem Sinne,

dass die Arbeit keines Menschen ohne die Arbeit eines anderen Menschen möglich

ist."4 Damit befriedigt die Arbeit psycho-soziale Bedürfnisse wie Sinn und

Gemeinschaft und ermöglicht dem Individuum die Stärkung der sozialen Identität5.

Die traditionalistische Einstellung zur Arbeit als reinen Erwerbszweck ist damit

zumindest um eine soziale Komponente erweitert. Der Traditionalismus sah in der

Aufgabe der Arbeit lediglich die Fortführung der bestehenden Verhältnisse und somit

lag das Interesse an der Arbeit allein im Handeln und Wirtschaften6.

2.3 Die Entstehung der Berufsidee

Der Beruf ergibt sich aus der Spezialisierung und der Dauer der gesellschaftlichen

Arbeit, die spezialisierten Tätigkeiten werden durch Fähigkeiten und Kompetenz

durch den Einzelnen auf Dauer gestellt. Die Basis für die soziale Identität im

2 Vgl. Daheim, Hansjürgen / Schönbauer, Günther: Soziologie der Arbeitsgesellschaft. Weinheim und München

1993, S.9

3 Vgl. Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Die Rechtsphilosophie von 1820. Stuttgart 1974, S. 645 - 646

4 Sombart, Werner: Der moderne Kapitalismus. Berlin 1969, S. 7

5 Vgl. Daheim, Hansjürgen / Schönbauer, Günther: Soziologie der Arbeitsgesellschaft. Weinheim und München

1993, S.9

6 Vgl. Weber, Max: Die protestantische Ethik I. Gütersloh 1991, S. 360

4


Berufsleben wird während der Ausbildung in der Formung der Arbeitskraft gelegt als

Grundlage für die lebenslange Erwerbstätigkeit.7

Die Organisation dieser Erwerbstätigkeit erfolgt im Kapitalismus an den Chancen des

Gütermarktes orientiert in rational organisierten Betrieben. Die Trennung von

Haushalt und Betrieb ist ein wesentliches Merkmal dieser Organisationen.8 Als

Leitmotiv des Kapitalismus stellt Weber das Erwerben als Zweck des menschlichen

Lebens fest, wobei die Berufspflicht eine neue Dimension darstellt: Die Verpflichtung

des Einzelnen gegenüber seiner Erwerbstätigkeit, gleichwohl ob es sich hierbei um

den Einsatz seiner Arbeitskraft oder eigenen Kapitals handelt9. Der Beruf stellt als

eigene Art der Lebensführung die Aufgabe im Rationalismus dar, die der Mensch

durch Selbstbetätigung als Pflicht anerkennt und erfüllt, damit wird die

protestantische Ethik als Lebenseinstellung akzeptiert. Die jeweilige Lebensstellung

wird zum Beruf10. Laut Weber sah Luther den Beruf als göttliche Fügung und damit

traditionalistisch geprägt11, dadurch erfolgte der Ausdruck von Nächstenliebe zu

Gott12, während der Rationalismus den Beruf nach seiner Erzeugung von Profit für

das Gemeinwohl bewertete und damit utilitaristischen Charakter besaß13.

In der kapitalistischen, also der auf Gewinn und Rentabilität ausgerichteten

Wirtschaftsordnung, die den Lebensstil jedes Einzelnen bestimmt, ist es ein Muss,

Berufsmensch zu sein, wobei die Erfüllung des Menschen durch die Ausübung des

Berufs nicht vorrangig ist, sondern die Anerkennung der Berufspflicht eine höhere

Bedeutung hat14. Dagegen galt in der vorkapitalistischen bürgerlichen Gesellschaft

die Arbeit noch als Ausdruck der Geisteshaltung und Garantie einer gewünschten

Lebensführung, da der Beruf der Veranlagung entsprechend gewählt werden sollte15.

Aber im Sinne einer ökonomischen Lebensführung soll der Beruf rational erfüllt

werden, alles Künstlerische ist abzulehnen16. So ist auch der Lebensinhalt des

,,Berufsmenschen" auf sachliche, rationale Zwecke ausgerichtet, das Individuum tritt

dabei völlig in den Hintergrund17. Vielmehr erfolgt die Etablierung der ökonomischen

7 Vgl. Daheim, Hansjürgen / Schönbauer, Günther: Soziologie der Arbeitsgesellschaft. Weinheim und München

1993, S. 13 - 18

8 Vgl. Weber, Max: Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie. Tübingen 1920, S. 7 - 8

9 Vgl. Weber, Max: Die protestantische Ethik I. Gütersloh 1991, S. 44 - 45

10 Vgl. ebenda, S. 65 - 66

11 Vgl. ebenda, S. 72

12 Vgl. ebenda, S. 126

13 Vgl. ebenda, S. 171 - 172

14 Vgl. ebenda, S. 188

15 Vgl. Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Die Rechtsphilosophie von 1820. Stuttgart 1974, S. 652

16 Vgl. Weber, Max: Die protestantische Ethik I. Gütersloh 1991, S. 324

17 Vgl. ebenda, S. 347

5



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