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Literarisierung der Rhetorik – die Zweite Sophistik

Hausarbeit, 2009, 25 Seiten
Autor: Ibrahim Gönül
Fach: Rhetorik / Phonetik / Sprechwissenschaft

Details

Veranstaltung: Hauptseminar
Institution/Hochschule: Georg-August-Universität Göttingen (Philosophische Fakultät)
Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2009
Seiten: 25
Note: 1,3
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V131909
ISBN (E-Book): 978-3-640-39276-6
ISBN (Buch): 978-3-640-39308-4

Zusammenfassung / Abstract

In der vorliegenden Arbeit sollen zwei thematische Schwerpunkte aufgegriffen und näher beleuchtet werden: Zum einem wird die Verteidigungsrede Apologia unter den Aspekten Inhalt, Komposition, Argumentationsstrategie und Authentizität ansatzweise angerissen, zum anderen liegt der zweite thematische Schwerpunkt auf der Zweiten Sophistik. In dem ersten Schwerpunkt soll der Inhalt, der Aufbau der Rede und mögliche Probleme in zusammenfassender Form dargestellt werden. In dem zweiten Schwerpunkt der vorliegenden Hausarbeit versuche ich den Sophistikbegriff zu definieren, indem ich ihr Entstehen, Wirkung und Grundannahmen als Grundlage für das Folgende ansatzweise anreiße. Anschließend gehe ich zu der Definition und den entscheidenden charakteristischen Merkmalen der Zweiten Sophistik über. Daran anknüpfend soll die Frage aufgegriffen werden, ob man die Verteidigungsschrift Apologia als ein Werk der Zweiten Sophistik deklarieren kann. Nach einer allgemeinen Auflistung von Elementen, die die Rede zu einem Werk der Zweiten Sophistik erklären, soll anhand der Textgrundlage Apul. Apol 4,1 – 7,7 die wichtigsten Elemente im Hinblick auf ihre Funktion innerhalb der Verteidigungsschrift herausgearbeitet und interpretiert werden, die als typisch sophistisch zu betrachten sind und die Verteidigungsschrift Apologie zu einem meisterhaften Werk der Zweiten Sophistik deklarieren. Es geht also darum, auf der ausgewählten Textgrundlage zu zeigen, warum diese Rede als ein Erzeugnis der Zweiten Sophistik zu betrachten ist. Vor diesem Hintergrund soll auch ansatzweise darauf eingegangen werden, inwiefern bei der vorliegenden Verteidigungsrede eine Literarisierung vorliegt. Kann man von einer starken Literarisierung der Apologia reden? Abschließend werden in einer Zusammenfassung noch einmal die zentralen Kernaussagen der vorliegenden Hausarbeit festgehalten. [...]


Textauszug (computergeneriert)

Georg ­ August ­ Universität Göttingen

Georg ­ August ­ Universität Göttingen

Seminar für Klassische Philologie

Wintersemester 2008/2009

Hauptseminar zum Thema: Römische Rhetorik in Theorie und Praxis

Art der Arbeit: Hausarbeit

Abgabedatum: 1. März 2009

vorgelegt von

Ibrahim Gönül

Hausarbeit im Hauptseminar zum Thema:

Literarisierung der Rhetorik ­ die Zweite Sophistik

1


Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis 2

1. Einleitung 3

2. Vita und Werke des Apuleius 4

3. Inhalt und Aufbau der Verteidigungsschrift

Apologia

6

3.1. Einführung 6

3.2. Inhalt 6

3.3. Komposition und Argumentationsstrategie 7

3.4. Authentizität/Echtheitsfrage 11

4. Die Zweite Sophistik 12

4.1. Definition des Sophistikbegriffs 12

4.2. Der Entstehungszusammenhang, Wirkung und Grundzüge der Sophistik

12

4.3. Die Zweite Sophistik 15

4.4. Die Verteidigungsrede Apologia als Werk der Zweiten Sophistik 16

4.4.1 Welche allgemeinen Elemente deklarieren die Verteidigungsschrift

Apologia

zum Werk der Zweiten Sophistik? 16

4.4.2. Analyse und Interpretation: Textgrundlage Apul. Apol. 4,1 ­ 7,7 17

5. Zusammenfassung der Kernaussagen/Schlusswort 23

6. Literaturverzeichnis 24

I. Sekundärliteratur 24

II. Primärliteratur 24

2


1. Einleitung

Eine gute Rede hat

einen guten Anfang
und ein gutes Ende

-

und beide sollten

möglichst dicht

beieinander liegen.

Mark Twain

(1835-1910)


In der vorliegenden Arbeit sollen zwei thematische Schwerpunkte aufgegriffen und

näher beleuchtet werden: Zum einem wird die Verteidigungsrede Apologia unter den

Aspekten Inhalt, Komposition, Argumentationsstrategie und Authentizität ansatzweise

angerissen, zum anderen liegt der zweite thematische Schwerpunkt auf der Zweiten

Sophistik. In dem ersten Schwerpunkt soll der Inhalt, der Aufbau der Rede und

mögliche Probleme in zusammenfassender Form dargestellt werden. In dem zweiten

Schwerpunkt der vorliegenden Hausarbeit versuche ich den Sophistikbegriff zu

definieren, indem ich ihr Entstehen, Wirkung und Grundannahmen als Grundlage für

das Folgende ansatzweise anreiße. Anschließend gehe ich zu der Definition und den

entscheidenden charakteristischen Merkmalen der Zweiten Sophistik über. Daran

anknüpfend soll die Frage aufgegriffen werden, ob man die Verteidigungsschrift

Apologia als ein Werk der Zweiten Sophistik deklarieren kann. Nach einer allgemeinen

Auflistung von Elementen, die die Rede zu einem Werk der Zweiten Sophistik erklären,

soll anhand der Textgrundlage Apul. Apol 4,1 ­ 7,7 die wichtigsten Elemente im

Hinblick auf ihre Funktion innerhalb der Verteidigungsschrift herausgearbeitet und

interpretiert werden, die als typisch sophistisch zu betrachten sind und die

Verteidigungsschrift Apologie zu einem meisterhaften Werk der Zweiten Sophistik

deklarieren. Es geht also darum, auf der ausgewählten Textgrundlage zu zeigen, warum

diese Rede als ein Erzeugnis der Zweiten Sophistik zu betrachten ist. Vor diesem

Hintergrund soll auch ansatzweise darauf eingegangen werden, inwiefern bei der

vorliegenden Verteidigungsrede eine Literarisierung vorliegt. Kann man von einer

starken Literarisierung der Apologia reden? Abschließend werden in einer

Zusammenfassung noch einmal die zentralen Kernaussagen der vorliegenden

Hausarbeit festgehalten.

3


2. Vita und Werke des Apuleius

,,Einsam ragt die Gestalt des Apuleius heraus1", so charakterisiert Fuhrmann Apuleius

in seinem letzten Buch. ,,Sein Goldener Esel" ist der einzige Beitrag, den Rom im 2.

Jahrhundert der Weltliteratur geschenkt hat.

Der vollständige Name des Apuleius ist uns nicht überliefert, so dass wir nicht genau

wissen, wie er mit dem vollständigen Namen hieß. Er wurde um 125 n. Chr. in Madaura

im heutigen Algerien geboren. Er war also Nordafrikaner. Um 170 n. Chr. soll er

vermutlich gestorben sein. Apuleius stammte einer wohlhabenden und angesehenen

Familie, die ihm eine gute Ausbildung ermöglichte.2 In seinem Heimatort, Karthago

und in Athen studierte er die Fächer Grammatik, Rhetorik und Philosophie. Im Laufe

seines Lebens schloss sich Apuleius der platonischen Richtung an ­ er selbst

bezeichnete sich als Platoniker ­ und die dort herrschende mystische Stimmung trieb

ihn dazu, sich in zahlreiche Mysterien aufnehmen zu lassen. Apuleius war sowohl

rhetorisch als auch philosophisch als auch literarisch optimal ausgerüstet, als er seine

schriftstellerische Tätigkeit aufnahm. Popularität gewann er insbesondere durch den

Unterhaltungsroman mit dem Titel ,,Der Goldene Esel", bestehend aus zahlreichen

eingebetteten Erzählungen. Nach längerem Studienaufenthalt kam er wieder nach

Afrika zurück und ehelichte dort seine Gattin namens Pudentilla. Infolge dieser Heirat

wurde er unter der Klage wegen Magiepraxis in einen gefährlichen Prozess involviert,

von dem wir heute noch durch die vollständig erhaltene und sehr umfangreiche

Verteidigungsrede haben. Es wird angenommen, dass er mit sehr großer

Wahrscheinlichkeit freigesprochen wurde. Danach ließ er sich in Karthago nieder und

verlebte dort den Rest seines Lebens. Ein Staatsamt hat er nie bekleidet, war jedoch

Priester im Kaiserkult. Schon zu Lebzeiten wurden ihm zahlreiche Statuen aufgrund

seines rhetorischen Ansehens errichtet. Apuleius schrieb sowohl in lateinischer als auch

in griechischer Sprache, es sind jedoch nur lateinische Werke erhalten. Seit dem 19. Jh.

wurde die Authentizität einiger seiner Werke ständig zur Diskussion gestellt.3

1 M. FUHRMANN, Rom in der Spätantike, München 1994, S. 43

2 R. HELM, Schriften und Quellen der alten Welt, Apuleius ­ Verteidigungsrede, Blütenlese, Band 36,

Berlin 1977, S. 7 ­ 15

3 H. CANCIK und H. SCHEIDER, Der Neue Pauly (DNP), Enzyklopädie der Antike, Band 11, Göttingen

2002, 911 ­ 914

4


Sein Hauptwerk sind die Metamorphosen, auch Asinus Aureus genannt, die vollständig

erhalten sind. Dieser Unterhaltungsroman erzählt in der Ich-Form nach der griechischen

Vorlage von Lukian von Samosata die Abenteuer eines Lucius, der im Hexenland

Thessalien in einen Esel verwandelt wird und manches erleben muss, bevor er wieder

seine Menschengestalt dank einer Gottheit annimmt. In die Haupthandlung sind

zahlreiche Erzählungen eingefügt, die bekannteste unter diesen ist die Novelle von

Amor und Psyche. Die exakte Datierung des Werkes ist unsicher. Ein anderes Werk von

Apuleius ist die Florida, die mit Blütenlese übersetzt werden kann. Des Weiteren gehört

zu seinen schriftlichen Leistungen das Werk ,,De Deo Sokratis" (Über den Gott

Sokrates), das die Existenz und die vermittelnde Funktion der Dämonen thematisiert

und die spezielle Natur des Sokrates bespricht.4

4 SAPERE, H-G. NESSELRATH, Apuleius, De Magia, Band V Göttingen 2002, S. 9 ff.

5


3. Inhalt und Aufbau der Verteidigungsschrift Apologia

3.1. Einführung

Im Laufe seines Lebens wurde Apuleius in eine gefährliche Anklage wegen Magie und

Zauberei verwickelt. Auf einer Reise nach Alexandrina heiratete er die wohlhabende

Witwe Pudentilla, deren Familie eine erhebliche Vermögensminderung befürchtete. Aus

diesem Grund verklagten die Familienangehörigen der Pudentilla Apuleius. Die Klage

lautete auf Verführung der Pudentilla durch den Einsatz der Magie. Im Falle einer

Verurteilung hätte ihm die Todesstrafe gedroht. Der Prozess gegen ihn wurde in der

Stadt Sabratha um 158 n. Chr. ausgetragen. Durch eine Rede, in der er seine

rhetorischen und philosophischen Leistungen unter Beweis stellte, erreichte er mit sehr

großer Wahrscheinlichkeit einen Freispruch. Wir können seine vollständig erhaltene

und umfangreiche Rede als ein einziges Dokument betrachten, weil es sich um die

einzige, auf Latein verfasste Gerichtsrede aus der römischen Kaiserzeit handelt.5

Zudem zeigt sie uns einen ausgezeichneten Vertreter der Zweiten Sophistik. Diese

vollständig erhaltene Verteidigungsrede gewährt uns besondere Einblicke in den

Zustand der rhetorischen Kunst, der lateinischen Sprache und der literarischen Form des

Lateinischen im 2. Jahrhundert n. Chr. Diese Verteidigungsschrift kann auch zugleich

als die reichste Form für gesellschaftliche, soziale und ökonomische Situationen in der

Provinz Afrika, für das Rechtssystem und Rechtspflege, die die Magievorstellungen im

Volk und für ein genaueres Bild des Mittelplatonismus wahrgenommen werden.6

3.2. Inhalt

Apuleius beginnt seine Verteidigungsrede aus seinem Blickwinkel mit der Darstellung

des Sachverhaltes, der Charakterisierung der Ankläger sowie deren Motive und der

Festlegung seiner eigenen Redeabsicht. Als Hauptausgangspunkt der ganzen Affäre

sind haltlose Behauptungen und Verleumdungen zu betrachten, die Sicinius in die Welt

gesetzt hat. Sicinius ist der Bruder von Pudentillas verstorbenem ersten Ehemann.

5 SAPERE, H-G. NESSELRATH, Apuleius, De Magia, Band V Göttingen 2002, S. 23 ­ 24

6 SAPERE, H-G. NESSELRATH, Apuleius, De Magia, Band V Göttingen 2002, S. 24

6



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