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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2008, 29 Pages
Author: Carolin Droick
Subject: Philosophy - Philosophy of the Middle Ages (approx. 500 - 1300)
Details
Institution/College: University of Cologne (Historisches Seminar )
Year: 2008
Pages: 29
Grade: 2,0
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-37813-5
ISBN (Book): 978-3-640-37767-1
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Abstract
„Nur selten mehr macht man sich heutzutage eine Vorstellung von der Heftigkeit jenes literarischen Sturms, jenes Geheuls aus Büchern, Broschüren, Zeitschriften und Zeitungen, das einst in Deutschland dem katastrophalen Unwetter der Säkularisation voran-gegangen ist.“ Dieses Eingangszitat von Bonifaz Wöhrmüllers aus seinem Aufsatz „Literarische Sturmzeichen vor der Säkularisation“ verschafft einen guten Eindruck, wie stark das Thema „antimonastische Kritik und Polemik“ in dem Zeitraum von ca. 1760 bis 1805 an den Grundfesten des Ordenswesens rüttelte und dass die Untersuchung dieses Phä-nomens auch heute nichts an seiner Interessantheit hinsichtlich der schwerwiegenden Bedeutung für die (deutsche) Geschichte, speziell für die Kirchen- bzw. Ordensgeschichte, verloren hat. [...]
Excerpt (computer-generated)
Universität zu Köln
Philosophische Fakultät, Historisches Seminar
Sommersemester 2008
Hauptseminar: Katholische Aufklärung - Josephinismus - Säkularisation
,,Der Topos vom blutsaugenden, faulen und
schmarotzenden Mönch"1
Antimonastische Polemik und Kritik an Mönchtum
und Klosterwesen
Von:
Carolin Droick
1 vgl. Jäger, ,,Mönchskritik", S. 199.
1
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 2
Einleitung 3
1. Deutschland im 18.Jahrhundert 5
1.1 Deutschland im Zeitalter der Aufklärung 5
1.2. Die Katholische Aufklärung - ein Widerspruch? 6
2. Das Wesen und die Erscheinungsformen antimonastischer Kritik 8
2.1. Phasen der ,,literarischen Sturmzeichen" 8
2.2. Anschuldigungen und Forderungen der Literatur 9
2.3. Die Gattungen antimonastischer Literatur 13
2.4. Mönche als Hauptgegner der Aufklärung - welche Orden wurden wie und in welchem
Maße angegriffen? 14
2.5. Autorenkreise antimonastischer Literatur 15
3. Antimonastische Kritik am Beispiel Franz Wilhelm von Spiegels Denkschrift ,,Gedanken
ueber die Aufhebung der Kloester und geistlichen Stifter im Herzogthum Westphalen" 16
3.1. Die Person von Spiegels, der historischer Kontext und die Wirkung der Denkschrift.. 16
3.2. Aufbau der Denkschrift Franz Wilhelm von Spiegels 17
3.3. Der Nützlichkeitsaspekt als einer der Grundpfeiler Katholischer Aufklärung ,,[...]als
wenn Müßiggang eine christliche Tugend waere [...]" 19
3.4. von Spiegels Haltung gegenüber dem Mönchswesen: Bettelorden vs. fundierte Orden20
3.5. Kritik am Schul- und Seelsorgewesen 21
3.6. Von Spiegels Darstellung der Bettelmönche Vom Mönch ,,[...]der im Nichtsthun
seine Heiligkeit und im Schmutz seine Erhabenheit setzt." 22
3.7. ,,Weltfremde Wesen" Die Nonnen 23
3.8. Von Spiegels Säkularisationsplan 25
Ausblick 27
Literaturverzeichnis 28
2
Einleitung
,,Nur selten mehr macht man sich heutzutage eine Vorstellung von der Heftigkeit jenes litera-
rischen Sturms, jenes Geheuls aus Büchern, Broschüren, Zeitschriften und Zeitungen, das
einst in Deutschland dem katastrophalen Unwetter der Säkularisation vorangegangen ist."
2
Dieses Eingangszitat von Bonifaz Wöhrmüllers aus seinem Aufsatz ,,Literarische Sturmzei-
chen vor der Säkularisation" verschafft einen guten Eindruck, wie stark das Thema ,,antimo-
nastische Kritik und Polemik" in dem Zeitraum von ca. 1760 bis 1805 an den Grundfesten des
Ordenswesens rüttelte und dass die Untersuchung dieses Phänomens auch heute nichts an
seiner Interessantheit hinsichtlich der schwerwiegenden Bedeutung für die (deutsche) Ge-
schichte, speziell für die Kirchen- bzw. Ordensgeschichte, verloren hat.
Daher soll die Arbeit der Frage nach gehen, was antiklerikale Kritik im Einzelnen darstellte,
welche Merkmale in welchen literarischen Gattungen vorzufinden waren und gegen welche
Personen oder Gruppen sie sich wandte.
Im Rahmen dieser Arbeit wurden insbesondere drei Aufsätze herangezogen: Hans-Wolf Jäger
,,Mönchskritik und Klostersatire in der deutschen Spätaufklärung"3, Irmingard Böhm ,,Litera-
rische Wegbereiter der Säkularisation"4 und Harm Klueting ,,Franz Wilhelm von Spiegel und
sein Säkularisationsplan für die Klöster des Herzogtums Westfalen"5. Während sich Jäger
und Böhm mit dem allgemeinen Phänomen der antimonastischen Kritik befassen, hat sich
Klueting speziell der Edition der hier analysierten Quelle des Franz Wilhelm von Spiegel ge-
widmet.
Hinsichtlich des Forschungsstandes ergibt sich ein klares Quellenproblem. Viele Schriften
sind verschollen und etliche Verfasser können nachträglich nicht mehr bestimmt und zuge-
ordnet werden6 man bedenke, dass vielfach anonym oder mit Pseudonym geschrieben wur-
de. Auf die unsichere Quellenlage macht auch Böhm aufmerksam, die, wie auch z.T. Jäger,
sämtliche Quellenangaben von Wöhrmüller übernimmt.7
2 Wöhrmüller, ,,Sturmzeichen", S. 12.
3 Hans-Wolf Jäger: ,,Mönchskritik und Klostersatire in der deutschen Spätaufklärung.", in: Katholische
Aufklärung Aufklärung im katholischen Deutschland, in: Klueting, Harm (Hg.), Hamburg 1993, S. 192-207.
4 Irmingard Böhm: ,,Literarische Wegbereiter der Säkularisation", in: Studien und Mitteilungen zur Ge-
schichte des Benediktinerordens und seiner Zweige, 94 (1983), S. 518-537.
5 Harm Klueting: ,,Franz Wilhelm von Spiegel und sein Säkularisationsplan für die Klöster des Herzog-
tums Westfalen", in: Westfälische Zeitschrift, in: Hohmann, Friedrich Gerhard; Iserloh, Erwin, Bd.
131/132, Paderborn 1981/82, S. 47-68.
6 Vgl. Wöhrmüller, ,,Sturmzeichen", S. 29.
7 Vgl. Böhm, ,,Wegbereiter", S. 518.
3
Aufgrund der räumlichen und zeitlichen Begrenzung der Arbeit muss leider auf verschiedene
Themen verzichtet werden. So wird die Frage nach der Berechtigung antimonastischer Kritik
und Polemik lediglich im Ausblick kurz angeschnitten. Ebenso wird die Rolle der Jesuiten als
Opfer der Aufklärung nicht thematisiert.
In einem ersten Kapitel soll ein grober Überblick über die Situation Deutschlands im Zeitalter
der Aufklärung gegeben werden. Weiterhin erfolgt eine Charakterisierung der Katholischen
Aufklärung als Untergruppe der Aufklärung.
Das zweite und dritte Kapitel stellen den Hauptteil der Hausarbeit dar. In Kapitel zwei wird
das Phänomen ,,antimonastische Kritik" explizit beschrieben. Zunächst werden dabei die zeit-
lichen Phasen des Phänomens skizziert, bevor dann eine detaillierte Darstellung erfolgt, um
was es sich bei antimonastischer Kritik handelt, in welchen literarischen Gattungen diese zu
finden ist, gegen wen sich die Polemik richtet und schließlich von wem sie ausgeht.
Im dritten Kapitel wird schließlich ein Fallbeispiel antimonastischer Kritik seitens eines An-
hängers der Katholischen Aufklärung analysiert. Hierbei geht es hauptsächlich darum, die in
Kapitel zwei erläuterten Dinge an einer Quelle zu belegen und gegebenenfalls Unterschiede
aufzuzeigen.
Die Schlussbetrachtung enthält zum einen ein kurzes Fazit, inwiefern derartige Kritik und
Polemik am Ordenswesen berechtigt war, sowie einen Ausblick, welche Aspekte zu diesem
Thema zukünftig noch erarbeitet werden könnten.
4
1. Deutschland im 18.Jahrhundert
1.1 Deutschland im Zeitalter der Aufklärung
,,Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit.
[...] Sapere aude! Habe Muth dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!"
8
Wie bereits in der Einleitung erwähnt ist die Betrachtung des historischen Kontextes, in den
die ,,Epoche" der antimonastischen Kritik eingebettet ist, für das Verständnis des Phänomens
unerlässlich.
Das 18. Jahrhundert war für Deutschland und Europa ein Jahrhundert mit vielen weit reichen-
den und prägenden Ereignissen: Angefangen bei der Aufklärung über die Französische Revo-
lution von 1789 mit ihren auch für Deutschland spürbaren unmittelbaren Nachwehen bis hin
zu Napoleon und der Säkularisation, bzw. bis zum Reichdeputationsbeschluss von 1803. Die-
se vielen Begebenheiten führten zu fundamentalen Wandlungen der politischen, wirtschaftli-
chen und sozialen Verhältnisse. Ebenso rüttelten sie an den Denkweisen der Menschen und
prägten ferner die Kirchengeschichte.9
Mit dem Einsetzen der Aufklärung wurde ein vollkommen neues und mit der v.a. religiösen
Tradition brechendes Menschenbild postuliert, mit dem ein bisher ungekanntes Streben
nach Fortschritt und persönlicher Freiheit einherging. Da der Prozess der Mündigwerdung
allerdings mit dem Loslösen von jeglicher Bevormundung und Autoritäten verknüpft war,
führte dies automatisch zu einer Konfrontation mit der Kirche und ihrer Machtstellung. Denn
auch wenn sich die Aufklärung in vielen Fällen nicht gegen Religiosität und Kirche an sich
richtete, so wandte sie sich zumindest gegen den Absolutheitsanspruch der Kirche als Offen-
barungsreligion. Anstelle dessen stellte die Aufklärung eine vernunftmäßigen natürlichen Re-
ligion: Denn ,,Die katholische Kirche mit ihren verpflichtenden Dogmen, dem autoritativen
Papsttum, dem Mysteriencharakter von Messe und Sakramenten widerspricht wohl am stärks-
ten dem aufklärerischen Religionsbegriff."10 Daher wurde die christliche Religion mit ande-
ren Religionen gleichgestellt. So geriet die Kirche allerdings in eine Rechtfertigungsnot und
das nicht nur auf diesem Gebiet. Während bis dato fast ausschließlich die Kirche auf das geis-
tige, kulturelle und soziale Leben der Gesellschaft einwirkte, gelang es nun der Aufklärung,
die Kirche als oberste Instanz für diese Bereiche auszuhebeln. Schließlich erfasste die Aufklä-
8 Kant, ,,Was ist Aufklärung", S.35.
9 Vgl. Böhm, ,,Wegbereiter", S. 518.
10 Hegel, ,,Katholische Kirche", S. 5.
5
rung mit ihren Postulaten der Rationalität, der Vernunft, der Bedeutung der Philosophie und
einer auf den Menschen zentrierten Denkweise alle Lebens- und Kulturbereiche.
Festzuhalten ist, dass die Aufklärung in Deutschland zunächst im protestantisch konfessiona-
lisierten Norden und Osten zu spüren war und sich erst in der Mitte des 18. Jahrhunderts in
den katholischen Gebieten Deutschlands und Österreich etablierte.11
Tatsächlich gilt, dass die Aufklärung von der Kirche als zentraler Bezugspunkt wegge-
führte, bzw. ihren bis dahin äußerst hohen Stellenwert in der Bevölkerung stark verringerte.
Ein Grund dafür muss sicherlich darin gesehen werden, dass die Kirche mit dieser neuen Situ-
ation überfordert war und starke Probleme hatte, auf das neue, vollkommen gegensätzliche
Denken zu reagieren, bzw. ihres nicht als veraltet dastehen zu lassen.12
Ferner gab es auch innerhalb des Bereichs von Religion und Kirche immer noch geraume
Spannungen. So war die Reformation, die Konfessionsspaltung neutraler formuliert der Pro-
zess der Konfessionalisierung und vor allem der 30 jährige Krieg nicht vergessen. Auch
wenn gerade nach dem Westfälischen Friedens wieder große Hoffnungen auf eine Versöh-
nung der Protestanten und Katholiken anwuchsen, sollte es trotz vieler Versuche nicht zu ei-
ner Wiedervereinigung kommen.13
Für den Bereich der Kirche muss erklärt werden, dass sie in dieser Zeit einen Großteil ihrer
politischen Macht einbüßte und sie ,,[...]verlor [ihre] Führung in der Entfaltung des europäi-
schen Geistes".14
1.2. Die Katholische Aufklärung - ein Widerspruch?
Die Katholische Aufklärung fand in weiten Teilen der Welt statt und war keineswegs auf
Deutschland beschränkt, wenn sie auch hier am spezifischsten war.15
Insgesamt lässt sich die Katholische Aufklärung in Deutschland in drei Phasen unterteilen. So
gelten die 40´er Jahre des 18. Jahrhunderts als Vorbereitungsphase, die durch große inner-
kirchliche Kritik, besonders hinsichtlich der Jesuiten, gekennzeichnet war. Der Zeitpunkt um
die Aufhebung der
Societas Jesu
von 1773 durch Papst Clemens XIV. gilt als zweite und der
Amtsantritt von Kaiser Joseph II. von Österreich-Ungarn als dritte Phase.16
11 Vgl. Böhm, ,,Wegbereiter", S. 519-523; Vgl. Klueting, ,,Aufklärung", S. 4-5.
12 Vgl. Lenzenweger, ,,Geschichte Kirche", S. 536.
13 Vgl. Klueting, ,, Aufklärung", S. 4.
14 Böhm, ,,Wegbereiter", S. 518.
15 Die Katholische Aufklärung fand in europäischen Ländern, wie z.B. Belgien, Frankreich, Polen und
Spanien, aber auch in Mittel- und Südamerika statt.
16 Vgl. Klueting, ,,Aufklärung", S. 13-15.
6
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