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Über die Metaphysik des Raumes in Dieter Läpples gesellschaftlichen Raumkonzeptes

Termpaper, 2008, 28 Pages
Author: Sebastian Langer
Subject: Philosophy - Miscellaneous

Details

Category: Termpaper
Year: 2008
Pages: 28
Grade: 2,0
Language: German
Archive No.: V131972
ISBN (E-book): 978-3-640-37830-2
ISBN (Book): 978-3-640-37872-2

Abstract

Seitdem sich in der Antike Aristoteles und Euklid nahezu zeitgleich angeschickt hatten, sich auf theoretischer Ebene mit der begrifflichen Fassung des „Raumes“ auseinander zusetzten, erfuhr der Begriff „Raum“ im Laufe seiner Rezeptionsgeschichte eine schier unendlich vielschichtige Ausdeutung. Während sich die antiken Autoren zunächst nur auf physikalischer und mathematischer Ebene der begrifflichen Bestimmung des Raumes gewidmet hatten, berührt das Konzept „Raum“ heute nahezu alle Bereiche des menschlichen Daseins. „Räume begegnen uns in vielen Zusammenhängen im Alltag [...]“, so gibt es z.B. den Rechtsraum in der Rechtswissenschaft, den geographischen Raum der Geographie, den Raum in der Architektur sowohl als Teil eines Gebäudes, als auch im Zusammenhang mit Landschafts- und Städteplanung, den Bauchraum in der Medizin, den Strafraum im Sport oder den sozialen Raum als Darstellungsmittel sozialer Strukturen in den Gesellschaftswissenschaften, um nur einige Anwendungsgebiete des Konzeptes „Raum“ zu nennen. Die Soziologin Martina Löw erweitert dieses Spektrum noch einmal und spricht sogar von einer großen wissenschaftlichen Aufmerksamkeit für Raumphänomene, indem sie bemerkt, dass auf „allen skalierbaren Ebenen [...] Raumkonstitutionsprozesse beobachtet [werden]: die Veränderungen territorial gebundener Nationalstaaten, die Verdoppelung der Realitätserfahrung durch elektronische Netze sowie die alltäglichen Platzierungskämpfe im Stadtteil, der Wohnung etc.“ Betrachtet man die vielfältige Ausgestaltung des Raumbegriffes als Resultat einer Entwicklung, die in der Antike ihren Anfang genommen hat und bis heute anhält, dann ließe sich ein Pluralismus des Konzeptes „Raum“ konstatieren. Eine solche Entwicklung, festgehalten in der These, der Begriff vom „Raum“ unterliegt einem kontinuierlichen Wandel, der bis heute anhält und durch Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu historischen Konzeptionen, auf der Ebene seiner Bestimmung, nachweisbar ist, gilt es, in dieser Arbeit nach zu zeichnen. Dazu möchte ich die konstatierte aktuelle Vielgestaltigkeit des Raumkonzeptes tatsächlich als Resultat einer Entwicklung ansehen, die im Denken der antiken Autoren Aristoteles und Euklid ihren Anfang genommen hatte. Ziel der Arbeit soll es sein, herauszufinden, inwieweit sich die Elemente historischer Raumkonzepte in den Konzepten der Gegenwart wieder finden lassen. [...]


Excerpt (computer-generated)

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung 2

2 Metaphysische

Raumkonzepte 4

2.1

René Descartes ­ Raum als Gefäß der Substanz 4

2.2

Gottfried Wilhelm Leibniz ­ Ein relationales Raumkonzept 8

2.3

Immanuel Kant ­ Raum als Bedingung der Möglichkeit sinnlicher Wahrnehmung14

3

Dieter Läpple ­ Für ein gesellschaftliches Raumkonzept 17

4 Schlussteil 23

5 Literatur 26


1 Einleitung

Seitdem sich in der Antike Aristoteles1 und Euklid2 nahezu zeitgleich angeschickt hatten, sich

auf theoretischer Ebene mit der begrifflichen Fassung des ,,Raumes" auseinander zusetzten,

erfuhr der Begriff ,,Raum" im Laufe seiner Rezeptionsgeschichte eine schier unendlich

vielschichtige Ausdeutung. Während sich die antiken Autoren zunächst nur auf physikalischer

und mathematischer Ebene der begrifflichen Bestimmung des Raumes gewidmet hatten,

berührt das Konzept ,,Raum" heute nahezu alle Bereiche des menschlichen Daseins. ,,

Räume

begegnen uns in vielen Zusammenhängen im Alltag [...]

"3, so gibt es z.B. den Rechtsraum in

der Rechtswissenschaft, den geographischen Raum der Geographie, den Raum in der

Architektur sowohl als Teil eines Gebäudes, als auch im Zusammenhang mit Landschafts-

und Städteplanung, den Bauchraum in der Medizin, den Strafraum im Sport oder den sozialen

Raum als Darstellungsmittel sozialer Strukturen in den Gesellschaftswissenschaften, um nur

einige Anwendungsgebiete des Konzeptes ,,Raum" zu nennen. Die Soziologin Martina Löw

erweitert dieses Spektrum noch einmal und spricht sogar von einer großen wissenschaftlichen

Aufmerksamkeit für Raumphänomene, indem sie bemerkt, dass auf ,,

allen skalierbaren

Ebenen [...] Raumkonstitutionsprozesse beobachtet [werden]: die Veränderungen territorial

gebundener Nationalstaaten, die Verdoppelung der Realitätserfahrung durch elektronische

Netze sowie die alltäglichen Platzierungskämpfe im Stadtteil, der Wohnung etc.

"4 Betrachtet

man die vielfältige Ausgestaltung des Raumbegriffes als Resultat einer Entwicklung, die in

der Antike ihren Anfang genommen hat und bis heute anhält, dann ließe sich ein Pluralismus

des Konzeptes ,,Raum" konstatieren. Eine solche Entwicklung, festgehalten in der These, der

Begriff vom ,,Raum" unterliegt einem kontinuierlichen Wandel, der bis heute anhält und

durch Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu historischen Konzeptionen, auf der Ebene

seiner Bestimmung, nachweisbar ist, gilt es, in dieser Arbeit nach zu zeichnen.

Dazu möchte ich die konstatierte aktuelle Vielgestaltigkeit des Raumkonzeptes tatsächlich als

Resultat einer Entwicklung ansehen, die im Denken der antiken Autoren Aristoteles und

1Siehe u.a.: Aristoteles′ Physik. Vorlesung über Natur; übersetzt, mit einer Einleitung und Anmerkungen

herausgegeben von Hans Günter Zehl; Hamburg; Meiner Verlag; 1987

2Siehe u.a.: Max, Simon: Euclid und die sechs Planimetrischen Bücher. Mit Benutzung der Textausgabe von

Heiberg; In: Abhandlungen zur Geschichte der mathematischen Wissenschaften mit Einschluß ihrer

Anwendungen; Band 11; Leipzig; Teubner Verlag; 1901

3Prechtl, Peter/ Burkhard, Fanz-Peter: Metzler-Philosophie-Lexikon. Begriffe und Definitionen; 2. überarbeitete

und aktualisierte Auflage; Stuttgart/ Weimar; Metzeler Verlag; 1999; S. 492

4Löw, Martina/ Steets, Silke/ Stoetzer, Sergej: Einführung in die Stadt- und Raumsoziologie; Opladen,

Farmington Hills; Verlag Barbara Budrich; 2007; S. 51

2


Euklid ihren Anfang genommen hatte. Ziel der Arbeit soll es sein, herauszufinden, inwieweit

sich die Elemente historischer Raumkonzepte in den Konzepten der Gegenwart wieder finden

lassen. Obwohl die Überlegungen der antiken Autoren wegbereitend für alle folgenden

Raumkonstrukte gewesen sind, sollen sie hier nicht als Grundlage eines Vergleiches

fungieren, da ich deren inhärente begriffliche Systematik im Hinblick auf einen Vergleich mit

Raumkonzepten der Gegenwart für ungeeignet halte. Statt dessen sollen die ersten komplexen

metaphysischen Auseinandersetzungen philosophischer Autoren der Neuzeit, wie Descartes,

Leibniz und Kant die Grundlage eines anstehenden Vergleiches bilden. Als Raumkonzept der

Gegenwart soll das Konzept ,,gesellschaftlicher Funktionsräume" von Dieter Läpple

bearbeitet werden. Die Nähe der Sozialwissenschaften, in denen Dieter Läpple

wissenschaftlich agiert, zur Philosophie, scheint mir für eine anstehende Untersuchung seiner

Theorie gesellschaftlicher Funktionsräume besonders geeignet. Es gilt somit heraus zu finden,

inwieweit sich Elemente der metaphysischen Auseinandersetzungen der besagten Autoren mit

dem Begriff ,,Raum", im Konzept von Dieter Läpple wieder finden lassen. Dazu werden

zunächst die metaphysischen Raumkonstrukte der drei neuzeitlichen Philosophen anhand von

ausgewählten Texten in chronologischer Reihenfolge untersucht. Um einer systematischen

Ordnung der Textbearbeitung Willen, werde ich die Autoren in chronologischer Reihenfolge,

beginnend mit René Descartes, behandeln. Bereits bei der Ausarbeitung der Raumkonzepte

dieser drei Philosophen soll auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede unter ihnen aufmerksam

gemacht werden, nicht zuletzt, um die Konzepte voneinander abgrenzen zu können, sondern

auch, um die Ergebnisse für mögliche Rückschlüsse auf eine Kontinuität im

Entwicklungsprozess des Begriffes ,,Raum" nutzen zu können und so die Konzeptionen

untereinander in Verbindung zu setzen.

Das Konstrukt gesellschaftlicher Funktionsräume von Dieter Läpple soll im Anschluss an die

neuzeitlichen Autoren untersucht werden. Aufgabe der Untersuchung soll es dann sein, heraus

zu finden, ob es Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen der Raumauffassung der

Gegenwart und denen der neuzeitlichen Autoren auf metaphysischer Ebene gibt, und worin

diese Unterschiede oder Gemeinsamkeiten bestehen, um so im Schlussteil eine These über die

Kontinuität im Entwicklungsprozess des Begriffes ,,Raum" argumentativ stützen zu können.

3


2 Metaphysische Raumkonzepte

Die Metaphysik als Disziplin der Philosophie befasst sich seit ihren Anfängen bei Aristoteles5

mit der Beschreibung der Fundamente, Ursachen bzw. letzten Gründe der menschlichen

Wirklichkeit. Sie sucht nach dessen allgemeinsten Strukturen und Prinzipien und sie

hinterfragt Grundbegriffe menschlicher Interaktion. In diesem Zusammenhang wird die

Metaphysik für die vorliegende Arbeit nutzbringend. Denn für einen noch anstehenden

Vergleich ist es unabdingbar, sich auf einer begrifflichen Ebene jenseits des aktuellen

Pluralismus um das Raumkonzept zu bewegen, da ein Vergleich so nicht nur einfacher

sondern auch klarer und nachvollziehbarer wird. Mit Hilfe der metaphysischen Konzeptionen

dreier neuzeitlicher Philosophen soll nun die Frage beantwortet werden: Was ist der Raum?

oder: Wie sind die Strukturen des Raumes gestaltet? Ziel dieses Abschnittes ist es, durch die

Bearbeitung dreier populärer metaphysischer Raumkonzepte, einen möglichst umfangreichen

Abriss der Ausgestaltung des Begriffes Raum zu erarbeiten, an dessen Inhalt dann das

,,Konzept gesellschaftlicher Funktionsräume" von Dieter Läpple verglichen werden soll.

2.1 René Descartes ­ Raum als Gefäß der Substanz

Die Betrachtung metaphysischer Raumkonzepte soll mit der Erarbeitung des Raumbegriffes

des französischen Philosophen René Descartes beginnen. Als literarische Grundlage der

Bearbeitung soll der Textauszug der Textzusammenstellung in Dünne/Günzel6 dienen. Auch

bei der Verwendung von Zitaten werde ich mich auf besagte Ausgabe beziehen. Darüber

hinaus kann die Textgrundlage im Gesamtwerk René Descartes′7 eingesehen werden. Ich habe

mich nicht nur des einfacheren Zugangs wegen für Dünne/Günzel entschieden, sondern vor

allem aus Gründen thematischer Geschlossenheit im Hinblick auf das Thema und den Inhalt

der anstehenden Arbeit. Nicht zuletzt sind alle drei neuzeitlichen philosophischen Autoren

mit Grundlagentexten, derer ich mich hier bedienen werde, in diesem Werk vertreten.

In der Schrift ,,

Über die Prinzipien der materiellen Dinge

"8 entfaltet Descartes Schritt für

Schritt seinen Raumbegriff. Zunächst beginnt er die grundlegende Eigenschaft von Körpern

5u.a.: Aristoteles: Metaphysik; Übersetzt und eingeleitet von Thomas Alexander Szlezák (Hrsg.); Berlin;

Akademie Verlag; 2003

6Dünne, Jörg/ Günzel, Stephan (Hrsg.): Raumtheorie. Grundlagentexte aus Philosophie und

Kulturwissenschaften; Frankfurt/ Main; Suhrkamp Verlag; 2006; S. 44-57

7u.a.: Kirchmann, Julius Hermann von (Hrsg.): Philosophische Werke. René Descartes′ philosophische Werke;

Übersetzt, erläutert und mit einer Lebensbeschreibung des Descartes versehen von J. H. v. Kirchmann;

Berlin; Verlag Heimann; 1870

8Descartes, René: Über die Prinzipien der materiellen Dinge; In: Dünne, Jörg/ Günzel, Stephan (Hrsg.):

Raumtheorie. Grundlagentexte aus Philosophie und Kulturwissenschaften; Frankfurt/ Main; Suhrkamp

4


und Materie, welche er gleichsetzt, zu konstatieren. Laut Descartes besteht sie nicht darin,

dass ,,

die Materie ein hartes oder schweres oder farbiges oder auf irgendeine sonstige Weise

unsere Sinne erregendes Ding ist, sondern allein darin, daß sie ein in Länge, Breite und Tiefe

ausgedehntes Ding ist.

"9 Die Natur der Körper besteht demnach allein in der Ausdehnung.

Die Qualitäten, die wir neben der Ausdehnung bei der Beschreibung von Körpern

heranziehen, so z.B. Farbe, Dichte, Gewicht, sind keine festen Größen, keine absoluten

Eigenschaften, und eignen sich deshalb auch nicht für die Beschreibung der Natur der Körper.

Descartes′ Körperbegriff ist weder an einen bestimmten Aggregatzustand, noch an unsere

Wahrnehmung gebunden.

Einen Grund für einen möglichen Zweifel an seiner Auffassung sieht Descartes darin, ,,

daß

dort, wo wir nichts anderes als eine bloße Ausdehnung in Länge, Breite und Tiefe einsehen,

gemeinhin nicht gesagt wird, daß sich dort ein Körper befinde, sondern überhaupt nur ein

Raum, und zwar ein leerer Raum, der wie fast alle überzeugt sind, das pure Nichts ist.

"10

Descartes setzt somit Raum und Körper gleich, denn wie er weiter ausführt, nötigt uns kein

Grund ,,

zu der Annahme, alle Körper, die existieren, müßten unsere Sinne erregen können.

"11

Ein leerer Raum beschreibt demnach nichts anderes als einen Körper, der unsere Sinne nicht

affiziert und deshalb und nur deshalb keine sinnliche Wahrnehmung in uns erzeugt. Da wir

uns bei unseren Urteilen über die Außenwelt auf Sinneseindrücke stützen müssen, gelangen

wir fälschlicher Weise zu der Annahme, ein leerer Raum sei frei von Körpern. An dieser

Stelle wird Descartes′ Substanzdenken deutlich, wonach alles Ausgedehnte gleich Substanz

ist. So ist auch der Raumbegriff nicht vom Substanzbegriff zu trennen. Es ,,

unterscheiden sich

der Raum [...] und die darin enthaltene Substanz nicht am Ding selbst, sondern allenfalls in

der Weise, in der sie von uns gemeinhin aufgefaßt werden. Tatsächlich nämlich ist die

Ausdehnung in Länge, Breite und Tiefe, die den Raum ausmacht, schlicht dasselbe wie jene,

die den Körper ausmacht.

"12 Descartes spricht dem Raum eine ,,

gattungsmäßige Einheit zu,

so daß durch eine Veränderung oder gar einen Wechsel des Körpers, der den Raum

einnimmt, die Ausdehnung des Raumes gleichwohl nicht als verändert gilt, sondern ein und

dieselbe bleibt, solange sie ebendieselbe Größe und Gestalt und dieselbe Lage zwischen

gewissen äußeren Körpern beibehält, durch die wir jenen Raum bestimmen.

"13 Der Raum

Verlag; 2006; S. 44-57

9Dünne/ Günzel; 2006; S. 44

10Ebd. S. 45

11Ebd. S. 46

12Ebd. S. 48

13Ebd.

5


wird somit von Descartes als etwas homogenes, festes und unveränderliches angesehen. Die

Ausdehnung als grundlegende Qualität des Raumes, die sich in Nichts von der Ausdehnung

der Körper unterscheidet, wird von bedingenden Faktoren, wie etwa Dichte, Farbe oder

Gewicht getrennt, da diese keine absoluten Eigenschaften sind. So trennt Descartes bei der

Bestimmung der Natur der Körper, exemplifiziert am Beispiel der Idee eines Steines, alles ab,

,,

von dem wir erkennen, daß es für die Natur dieses Körpers nicht erforderlich ist: und zwar

verwerfen wir zunächst die Härte, weil, wenn der Stein geschmolzen oder in winzige

Staubpartikel zerteilt wird, er die Härte verliert, und deswegen nicht etwa aufhört, ein Körper

zu sein; weiterhin verwerfen wir die Farbe, weil wir häufig Steine gesehen haben, die so

durchsichtig waren, daß an ihnen keinerlei Farbe war; wir verwerfen das Gewicht [...]; und

schließlich verwerfen wir die Kälte und die Wärme und alle anderen Qualitäten, weil sie sich

entweder an dem Stein gar nicht zeigen, oder nicht anzunehmen ist, daß durch ihre

Veränderung der Stein die Natur der Körperlichkeit verlieren würde. Auf diese Weise werden

wir feststellen, daß gar nichts in der Idee des Körpers bestehen bleibt, außer daß er etwas in

Länge, Breite und Tiefe Ausgedehntes ist, und das findet sich ebenso in der Idee nicht nur des

mit Körpern erfüllten, sondern auch desjenigen Raumes, der Vakuum genannt wird.

"14 Das

Vakuum ist demnach für Descartes kein leerer Raum im Sinne eines von Körpern freier

Raum, sondern ein Raum, der allein von Körpern erfüllt ist, deren Qualität lediglich in der

Ausdehnung in Länge, Breite und Tiefe besteht und die aus diesem Grunde unsere Sinne nicht

erregen und in dieser Folge auch keine sinnliche Wahrnehmung erzeugen. ,,

Demgemäß

verwenden wir den Begriff >Raum< ohne Ausnahme immer für eine Ausdehnung in Länge,

Breite und Tiefe.

"15 Indem sich Descartes im Fortgang seiner Schrift ausführlicher gegen die

Existenz eines Vakuums, ,,

d.h. etwas, wo schlichtweg keine Substanz ist [...]

"16, ausspricht,

wird sein Substanzdenken noch einmal ganz deutlich. ,,

Denn daraus, daß ein Körper in

Länge, Breite und Tiefe ausgedehnt ist, folgern wir zu Recht, daß er eine Substanz ist, weil es

sich völlig widerspricht, daß dem Nichts irgendeine Ausdehnung zukommen sollte. Dasselbe

muß auch über den Raum, der als leer unterstellt wird, geschlossen werden, nämlich daß,

weil in ihm Ausdehnung ist, in ihm notwendig auch Substanz ist.

"17 Der Begriff des Raumes

ist folglich untrennbar mit der Qualität Ausdehnung in die drei Dimensionen Länge, Breite

und Tiefe und der Eigenschaft Substanz zu beinhalten verbunden. ,,

Nach Descartes sind

14Dünne/ Günzel; 2006; S. 48f

15Ebd. S. 51

16Ebd. S. 52

17Ebd.

6



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