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Designmuseen und ihre Wirkstoffe

Untertitel: Auf der Suche nach der richtigen Formel

Diplomarbeit, 2006, 204 Seiten
Autor: Janina Kulcsar
Fach: Design (Industrie, Grafik, Mode)

Details

Kategorie: Diplomarbeit
Jahr: 2006
Seiten: 204
Note: 2,0
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V132080
ISBN (E-Book): 978-3-640-42556-3
ISBN (Buch): 978-3-640-42433-7

Zusammenfassung / Abstract

Welche Aspekte müssen bei der Designvermittlung berücksichtigt werden? Der Fokus dieser Arbeit richtet sich auf Design Museen und deckt ein internationales Spektrum ab: das Cooper-Hewitt National Design Museum in New York, das Design museum Gent und das Vitra Design Museum in Weil am Rhein. Vor Ort wurden Fallstudien/Interviews durchgeführt. Der Arbeit liegt eine umfassende Literaturrecherche zum Thema ‚Vermittlungsgegenstand Design’ zugrunde. Darauf stützt sich das selbst entwickelte Begleitkonzept für eine Kulturinstitution, die Design und dessen Kontexte bürgernah vermittelt. Die Arbeit liegt als deutsche und englische Version vor.


Textauszug (computergeneriert)

Design Museen und ihre Wirkstoffe

Auf der Suche nach der richtigen Formel












D I P L O M A R B E I T

im

Fachbereich Produktgestaltung

der Hochschule für Gestaltung Offenbach

vorgelegt von

Janina Kulcsar

(11. Semester)

Bonn



Eingereicht am: 16. Februar 2006



2

V o r w o r t


Die Wahl des Themas kam durch ein Zusammenführen meiner beiden

Studienschwerpunkte ­ Design und Museum Studies ­ zustande.

Ein näheres Betrachten der Entwicklungslinie von Design Museen, begleitet von einem

Blick auf aktuelle Formen der Museumspraxis in drei verschiedenen Fallbeispielen, war

das Resultat meiner Beschäftigung mit diesen beiden Disziplinen.

Mein Fokus richtet sich international aus; die untersuchten Design Museen befinden

sich in den Vereinigten Staaten von Amerika, Belgien und Deutschland. Die drei

Museen habe ich im Laufe des letzten Jahres besucht und dort Interviews durchgeführt.

Das Herausgreifen dieser drei Museen, die in unterschiedliche kulturelle Kontexte

eingebunden sind, geschah nicht willkürlich. Mir erschien die Tatsache sinnstiftend,

sich einem Thema, zu dem es bislang noch kaum Literatur gibt (welche als

Forschungsgegenstand Design Museen behandelt), in der Form anzunähern, die das

Knüpfen eines breiten Bandes um die vielfältigen Erscheinungsformen von Design

Museen ermöglichte. Hätte ich mich nur auf Deutschland beschränkt, wären wichtige

Erkenntnisse verloren gegangen. Einen Schwierigkeitsfaktor stellte die geringe Anzahl

weltweiter Museen, die sich (ausschließlich) dem Design widmen, dar. Aus diesem

Grund habe ich mich der Thematik in einer Weise angenommen, die mir eine große

Menge an auswertbarem Datenmaterial einbrachte.

Meine Absicht ist das Aufzeigen der unterschiedlichen Philosophien, der Themen-

und Wirkungsbereiche, die einerseits eingebettet in die jeweiligen Standorte sind,

andererseits aber auch eine Allgemeingültigkeit besitzen. Diese Allgemeingültigkeit

einzelner Ansichten, Methoden oder Programmkomponenten kann als Grundlage einer

zukünftigen kreativen Auseinandersetzung mit dem Thema Design Vermittlung dienen

und in vielfältige neue Konzepte bzw. Forschungsfelder münden.

Diesen Prozess möchte ich anregen.

Besonderen Dank spreche ich ­ geordnet in der Reihenfolge, wie sie meine Arbeit

begleiteten ­ folgenden Leuten aus: Professor Gaylene Carpenter und Lisa Abia-Smith

von der University of Oregon, die mich in der Konzeptionsphase sehr unterstützt haben.

Professor Bernhard E. Bürdek, der, egal an welchem Ort ich mich befand, mich

jederzeit per E-Mail beraten hat. Helge Aszmoneit vom Rat für Formgebung, die eine

gute Anlaufstelle während der Recherche war. Bruce Lineker, Matilda McQuaid und


3

- III -

insbesondere Jennifer Brundage, vom Cooper-Hewitt National Design Museum New

York, die mich absolut großartig in das ganze Wirkungsgefüge des Cooper-Hewitt

einweihte. Museumsdirektor Lieven Daenens und Bernadette De Loose des Design

museum Gent, die mir anhand von Interviews sowie durch das Bereitstellen vielfältiger

Publikationen eine besondere Hilfe waren. Silvia Gross und Roman Passarge vom Vitra

Design Museum Weil am Rhein, die mich über einen sehr langen Zeitraum hinweg bei

der Entwicklung eines möglichst umfassenden Bildes über die museumseigenen

,Wirkstoffe′ unterstützten. Dem Bonner Kunstverein, in dessen Räumlichkeiten ich ein

,Foto Shooting′ für meinen Produktentwurf durchführen durfte.

Meiner Familie und Freunden, deren Unterstützung unersetzbar war und ist.

Künstlerisch zur Seite standen mir Veerle Hildebrandt (Zeichnung Cover), sprachlich

war Martin Stappen (Übersetzung ins Englische) sehr hilfreich. Die Diplomarbeit liegt

auch als englische Übersetzung vor.

Bonn, 15. Januar 2006 J.K.







4

I n h a l t s v e r z e i c h n i s

Vorwort II

Inhaltsverzeichnis IV

Darstellungsverzeichnis VI

1.0.0 Einleitung 8

1.1.0 Mein Forschungsinteresse 8

1.2.0 Mein Forschungskonzept 9

1.3.0 Methodik 10

1.4.0 Meine Herangehensweise 11

1.4.1 Meine Vorgehensweise bezüglich Interviews und Datenbeschaffung 12

1.5.0 Klärung der Begrifflichkeiten 15

1.5.1 Wirkstoffe 15

1.5.2 Designvermittlung 15

1.5.3 Museum 16

1.5.4 (Industrial) Design 17

2.0.0 Gliederung 18

Erster Teil 19

3.0.0 Geschichtliche Entwicklung und Selbstverständnis des Design Museums 20

3.1.0 Erste öffentliche Museen 20

3.2.0 Museen heute 23

3.3.0 Warum sind Designobjekte ausstellungswürdig? 24

3.4.0 DESIGN Museen 26

3.5.0 Der Versuch einer Definition von Design Museen 28

4.0.0 Musealisierung von Design 28

4.1.0 Ordnungsentwurf 29

4.2.0 Ebenen der Vermittlung ­ Ebenen der Befragung 30

4.3.0 Interpretation ­ Designvermittlung und Rezeption 35

4.4.0 Der Standpunkt des Besuchers bei der Vermittlung 38

Zweiter Teil 40

5.0.0 Schematischer Überblick der drei Design Museen 41

5.0.1 Qualitäten der einzelnen Design Museen in Bezug auf Vermittlung 44

5.1.0 Vermittlung im Sinne des Cooper-Hewitt 44

5.1.1 Die Vermittlungsleistung 46

5.2.0 Vermittlung im Sinne des Design museum Gent 51

5.2.1 Die Vermittlungsleistung 52

5.3.0 Vermittlung im Sinne des Vitra Design Museum 57

5.3.1 Die Vermittlungsleistung 57

5.4.0 Auswertung des quantitativen Datenmaterials 63

5.5.0 Gemeinsamkeit der drei Design Museen 67

Dritter Teil 69

6.0.0 Entwicklung eigener Konzepte und Ansätze für die Designvermittlung 70

6.0.1 Mein Entwurfsansatz 71

6.1.0 Das Design Forum 71

6.1.1 Die Positionierung des Design Forums 73

6.1.2 Vermittlungsangebote des Design Forums 81


5

6.1.3 Synergie-Effekte 81

6.1.4 Mögliche Ausstellungsthemen des Design Forums 82

6.1.5 Programmplanung 85

6.2.0 Regelmäßig stattfindende Programme des Design Forums 85

6.2.1 Schüler und Studenten als Ausstellungsführer 85

6.2.2 Design Gespräche 86

6.3.0 Programm- und Ausstellungsinhalte als Download Material 88

6.4.0 Produktentwurf: Der Umhänger 89

6.5.0 Die Funktion des Design Forums in der Gesellschaft 93

6.6.0 Ausblicke 93

Quellenangaben 95

Bibliografie 98

Abbildungsnachweis 101

Anhang 102

Anhang A: Abbildungen 103

Anhang B: Interviewleitfaden 106

Anhang C: Interviewprotokolle Cooper-Hewitt 109

Anhang D: Interviewprotokoll Design museum Gent 159

Anhang E: Interviewprotokoll Vitra Design Museum Weil am Rhein 180



6

-VI-

D a r s t e l l u n g s v e r z e i c h n i s

Darstellung A: Die drei Forschungs-Stationen im Überblick 14

Darstellung B: Lineare Wirkungskette der Botschaften 37

Darstellung C: Zyklische Wirkungskette der Botschaften 37

Darstellung D: Schematischer Überblick der drei Design Museen 41

Darstellung E: Museumsinterne Einflüsse auf die pädagogische Abteilung 64

Darstellung F: Museumsexterne Einflüsse auf die pädagogische Abteilung 66

Darstellung G: Profile der behandelten Design Museen 74

Darstellung H: Internationale Positionierung der Design Museen 75

Darstellung I: Die Räumlichkeiten des Design Forums 76

Darstellung J: Abbildungen vom Produktentwurf ,Umhänger′ 91


7

,,Eine unüberschaubare Flut von Publikationen (Zeitschriften, Bücher und Kataloge),

Berichte in den Medien, Produktpräsentationen, und Ausstellungen, Messen, Galerien,

ja ganze Museen werden dem Design heute gewidmet."

1

1 Bürdek, 2005, S. 7


8

1.0.0 Einleitung

Design Museen sind aufgrund ihres Sammlungs- und Erkenntnisgegenstandes ­

industriell hergestellter Objekte ­ ein relativ modernes Phänomen. In den 1980/90er

Jahren gesellten sich so genannte ,Design Museen′ zu den Museen, die eine Tradition

im Sammeln und Ausstellen von (kunst-)handwerklichen und industriell hergestellten

Objekten besaßen. Warum wurde Design zu einem interessanten Sammlungs- und

Ausstellungsgegenstand? Konnten Designobjekte mit Kunst konkurrieren, oder stellte

sich diese Frage gar nicht?

Zu diesen inhaltlichen Fragen kommt die Überlegung: hebt man Design auf einen

Sockel, oder wie vermittelt man die Prägnanz und den Kontext der ausgestellten

Objekte? Es ist ebenfalls wichtig, einen Blick auf historisch bedingte, gesellschaftliche

Veränderungen in der Wahrnehmung und Akzeptanz von Museen und Design zu

werfen. Design Museen können nie isoliert betrachtet werden, sondern sind als

Zusammenwirken von Kultur- und Designgeschichte, Ausstellungspraxis,

Museumskunde und -pädagogik eingebettet in gesellschaftliche Kontexte.

Meine theoretische Vordiplomarbeit mit dem Titel ,Aufbewahren′ (2002) verdeutlichte

die Relevanz und die semantischen Qualitäten, die dem aufbewahrten Gegenstand ­

also dem Sammlungsobjekt ­ zugeschrieben werden. Sie befasste sich mit komplexen

Wirkungszusammenhängen, die sich aus der Mensch-Objekt-Beziehung in einer Zeit

entfalten, in der unsere materielle Kultur einen wachsenden Stellenwert einnimmt.

Gedanklich schließt diese Diplomarbeit an diese Arbeit an.

1.1.0 Mein Forschungsinteresse

Mein Forschungsinteresse entwickelte sich während eines einjährigen

Auslandsstudiums in den USA, an der University of Oregon im Fachbereich Arts and

Administration mit Schwerpunkt Museum Studies. Hier ergänzte ich mein Interesse am

Sammlungs- und Ausstellungsgegenstand Design durch ein wichtiges Fundament in den

Bereichen Museology, Program Planning, Museum Education und Museum Design, um

die wichtigsten zu nennen. Bei jedem einzelnen dieser Fächer nimmt der

Museumsbesucher ­ der Konsument in dem Sinne ­ eine zentrale Rolle ein.


9

Diesen Dienstleistungsgedanken, der sich in Deutschland aufgrund unterschiedlicher

kulturpolitischer und gesellschaftlicher Entwicklung zu den USA erst seit kurzem

herausbildet, halte ich für einen nicht zu unterschätzenden, zukunftsweisenden Aspekt.

Dienstleistung umfasst aber nicht nur die Bereitstellung ausreichend vieler Parkplätze,

eine rollstuhlgerechte Rampe und ein buntes Kinderprogramm, sondern durchdringt im

Idealfall alle Bereiche, von Besucherprogrammen über die Vermittlung des

Ausstellungsobjektes (Exponat) bis hin zum Fundraising auf eine Weise, die einen

Mehrwert für den Besucher darstellt.

Ich möchte in meiner Arbeit einen Fokus vor allem auf Letzteres richten und

formuliere deshalb die Frage:

Welche Aspekte müssen bei der Designvermittlung

berücksichtigt werden?

Dabei liegt meine Absicht darin, die Komplexität dieser Frage aufzudecken.

Designvermittlung berührt folgende Themen:

­ die interne Arbeitsweise und Philosophie von Design Museen

­ die Einbindung des Vermittlungsgedankens in Ausstellungs- und

­ Programmplanungsaktivitäten

­ die praktische Umsetzung dieses Gedankens

­ die Reflektion (und/oder Evaluation) dieser Umsetzung im Hinblick auf zukünftige

Programme

1.2.0 Mein Forschungskonzept

Diese angesprochenen Themen lassen sich aufgrund eines Mangels an Literatur über

interne und inhaltliche Aspekte von Design Museen am umfassendsten durch eigene

empirische Forschungstätigkeit untersuchen. Mit dem Ziel, primäres Datenmaterial zu

gewinnen und durch Fallstudien ein besseres Verständnis interner Aspekte erreichen zu

können, wählte ich drei Design Museen aus, um vor Ort Interviews zu führen. Ich

erhoffte mir den Gewinn repräsentativer Erkenntnisse, um das Phänomen Design

Museum besser eingrenzen zu können. Dabei ging es mir weniger um die

Vergleichbarkeit der unterschiedlichen Museen ­ vergleichbare Faktoren wie

Museumsgröße und Budget spielten nur eine untergeordnete Rolle ­ als um die

Darstellung von Einzelfällen.


10

Weiter gefasstes Ziel dieser aufwändigen Datensammlung ist es, existierende Ansätze

der Designvermittlung zu identifizieren und darauf aufbauend neue Ansätze und

experimentelle Denkmodelle zu finden und diese im Zuge dieser Arbeit vorzustellen.

Ein formales Kriterium bei der Auswahl geeigneter Design Museen stellte für mich der

offizielle Museumstitel dar: er sollte vorzugsweise ,Design Museum′ beinhalten.

Diese Einschränkung bewirkte, dass weltweit nur eine geringe Menge an Museen übrig

blieb, die sich als Design Museen identifizierten und zwischen denen ich mich

entscheiden musste.

Meine Wahl fiel auf das Cooper-Hewitt National Design Museum, Smithsonian

Institution (im Folgenden abgekürzt mit Cooper-Hewitt) in New York, welches das

einzige Design Museum in den USA ist, dass sich ausschließlich der Sammlung,

Erforschung und Ausstellung von kunsthandwerklichen- und Designobjekten widmet.

Das zweite ausgewählte Museum ­ und das einzige seiner Art in Belgien ­ ist das

Design museum Gent. Als drittes entschied ich mich für das Vitra Design Museum in

Weil am Rhein. Alle Museen genießen einen hervorragenden internationalen Ruf,

besitzen Design Sammlungen und entwickeln (Wander-)Ausstellungen. Von ihnen

erhoffte ich mir aufschlussreiche Einblicke in die unterschiedlichen Aspekte der

Designvermittlung.

1.3.0 Methodik

Die Methoden der Informationsbeschaffung stellen sich wie folgt dar:

Sekundärforschung

: Umfassende Literaturanalyse publizierter Fachliteratur zu

Themen der Museumspraxis (für Kunst, angewandte Kunst sowie für Design),

Ausstellungsplanung, Besucherkommunikation, Pädagogik, Designgeschichte und ­

theorie. Zeitungs-, Magazinartikel, Berichte, Aufsätze und Interviews wurden

ausgewertet. Museumseigene Veröffentlichungen wie Prospekte etc. wurden auf ihre

Vermittlungsansätze hin analysiert.

Im Laufe der Literaturanalyse steckte ich Hauptbereiche ab, auf die ich während der

Interviews eingehen wollte.



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