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Alltagsgestaltung und Fernsehkonsum

Subtitle: Ein interkultureller Vergleich zwischen Frankreich und Deutschland

Bachelor Thesis, 2008, 35 Pages
Author: Nicola Schwarzmaier
Subject: Communications: Intercultural Communication

Details

Category: Bachelor Thesis
Year: 2008
Pages: 35
Grade: 1,0
Language: German
Archive No.: V132234
ISBN (E-book): 978-3-640-40081-2
ISBN (Book): 978-3-640-40044-7

Abstract

Eine Bachelor-Arbeit mit Medienbezug zu schreiben, war für mich ein wichtiges Anliegen. Ich wollte ein Thema bearbeiten, das mich persönlich interessiert und sich außerdem in meinen bisherigen Werdegang eingliedern lässt. Seit sieben Jahren arbeite ich im Medienbereich und konnte so bisher einen sehr differenzierten Einblick in diese Branche erlangen. Ich finde es faszinierend, wie das Medium Fernsehen unser heutiges Leben beeinflusst, teilweise dominiert und vor allem auch strukturiert. Das Fernsehen ist weltweit das attraktivste und unumstritten meistgenutzte Freizeitmedium (vgl. Neuhauser, 2000:40). Auch wenn Menschen aller Nationen die Fernsehnutzung in ihren Lebensalltag integriert haben, gibt es viele nationale Unterschiede im Medienkonsum. Spätestens seit den 1980er-Jahren ist das Fernsehen in Frankreich wie Deutschland ein wichtiger Bestandteil der Alltagskultur. Es greift immer stärker in die Alltagsgestaltung seiner Zuschauer ein. War das TV-Gerät lange Zeit lediglich „treuer Begleiter“ im Wohnzimmer, so avanciert es aktuell zum „Taktgeber“ des täglichen Lebens. Das Fernsehen bietet mehr denn je Rat, Muße und Alltagsflucht per Fernbedienung (vgl. Médiamétrie-Studie, 2004). Mich interessiert aus psychologischer und soziologischer Sicht, wie Menschen in unterschiedlichen Ländern ihren Alltag gestalten. Da ich sowohl mein Auslandssemester als auch viele weitere Aufenthalte in Frankreich verbracht habe, wollte ich gerne eine vergleichende Arbeit über mein Heimatland und seinen südwestlichen Nachbarn schreiben. In Frankreich wird durchschnittlich 207 Minuten täglich ferngesehen, in Deutschland 208, das entspricht in etwa 3,5 Stunden (vgl. AGF, 2008:57). Diese Zahlen bieten auf den ersten Blick nicht viel Raum für eine vergleichende Untersuchung. Doch gerade weil der Gesamtkonsum nahezu identisch ist, erscheint es mir umso spannender, auf die Verteilung des Konsums im Laufe des Tages und seine Integration in den Tagesablauf zu blicken.


Excerpt (computer-generated)

Alltagsgestaltung und Fernsehkonsum ­

ein interkultureller Vergleich

zwischen Frankreich und Deutschland

Bachelorarbeit

Studiengang: ,,Mehrsprachige Kommunikation"

Institut für Translation und Mehrsprachige Kommunikation

Fachhochschule Köln

vorgelegt von

Nicola Schwarzmaier

Köln, 28. Juni 2008


Inhaltsverzeichnis

1.

Einleitung ______________________________________________________________3

1.1 Persönliche Motivation ___________________________________________ 3

1.2 Nicht berücksichtigte Faktoren _____________________________________ 4

1.3 Methodik _____________________________________________________ 4

2.

Alltagsgestaltung in Frankreich und Deutschland __________________________5

2.1 Die Vermessung der Zeit _________________________________________ 5

2.2 Le Train-Train Quotidien vs. Der tägliche Trott _________________________ 8

2.2.1 Monsieur Toulemonde vs. Otto Normalverbraucher _______________ 8

2.2.2 Au travail! vs. An die Arbeit! _________________________________ 8

2.2.3 Bon Appetit! vs. Mahlzeit! ___________________________________ 9

2.2.4 Au Dodo! vs. Ab in die Heia! ________________________________ 10

3.

Fernsehkonsum in Frankreich und Deutschland _________________________ 10

3.1 Einführung ___________________________________________________ 10

3.2 Quantitative Fernsehzuschauerforschung _____________________________ 12

3.2.1 Definition ______________________________________________ 12

3.2.2 Die Institutionen ­ Médiamétrie und AGF ______________________ 13

3.2.3 Vom Individuum zur Quote ­ Das Panel________________________ 13

3.2.4 Konsequenzen für Mediaplaner ______________________________ 14

3.3 Fernsehverhalten im Alltag _______________________________________ 15

3.3.1 Quantität ______________________________________________ 15

3.3.2 Publikum ______________________________________________ 15

3.3.3 Tageszeit ______________________________________________ 17

3.3.4 Integration in den Tagesablauf _______________________________ 18

3.3.5 Prime Time ____________________________________________ 19

3.3.6 Motivation _____________________________________________ 19

4.

ARTE ­ ein interkulturelles Projekt_____________________________________ 21

4.1 Vorstellung des Senders _________________________________________ 21

4.2 Probleme und Lösungsansätze der Programmplanung ____________________ 22

4.2.1 Der Umschaltzeitpunkt ____________________________________ 22

4.2.2 Nationale Nutzungsgewohnheiten ____________________________ 22

4.2.3 Das Programmschema_____________________________________ 23

4.3 Unterschiedliche Akzeptanz in Frankreich und Deutschland _______________ 24

5.

Zusammenfassung ____________________________________________________ 25

6.

Quellen ______________________________________________________________ 27

6.1 Bibliographie__________________________________________________ 27

6.2 Sonstige Quellen_______________________________________________ 29

6.2.1 Personen ______________________________________________ 29

6.2.2 Studien________________________________________________ 30

6.2.3 Abbildungen ____________________________________________ 30

6.2.4 Internetquellen __________________________________________ 31

7.

Anhang ______________________________________________________________ 32

2


1. Einleitung

1.1 Persönliche Motivation

Eine Bachelor-Arbeit mit Medienbezug zu schreiben, war für mich ein wichtiges Anliegen. Ich

wollte ein Thema bearbeiten, das mich persönlich interessiert und sich außerdem in meinen

bisherigen Werdegang eingliedern lässt. Seit sieben Jahren arbeite ich im Medienbereich und

konnte so bisher einen sehr differenzierten Einblick in diese Branche erlangen.

Ich finde es faszinierend, wie das Medium Fernsehen unser heutiges Leben beeinflusst, teilweise

dominiert und vor allem auch strukturiert. Das Fernsehen ist weltweit das attraktivste und un-

umstritten meistgenutzte Freizeitmedium (vgl. Neuhauser, 2000:40). Auch wenn Menschen aller

Nationen die Fernsehnutzung in ihren Lebensalltag integriert haben, gibt es viele nationale

Unterschiede im Medienkonsum.

Spätestens seit den 1980er-Jahren ist das Fernsehen in Frankreich wie Deutschland ein wichti-

ger Bestandteil der Alltagskultur. Es greift immer stärker in die Alltagsgestaltung seiner Zu-

schauer ein. War das TV-Gerät lange Zeit lediglich ,,treuer Begleiter" im Wohnzimmer, so

avanciert es aktuell zum ,,Taktgeber" des täglichen Lebens. Das Fernsehen bietet mehr denn je

Rat, Muße und Alltagsflucht per Fernbedienung (vgl. Médiamétrie-Studie, 2004).

Mich interessiert aus psychologischer und soziologischer Sicht, wie Menschen in unterschiedli-

chen Ländern ihren Alltag gestalten. Da ich sowohl mein Auslandssemester als auch viele

weitere Aufenthalte in Frankreich verbracht habe, wollte ich gerne eine vergleichende Arbeit

über mein Heimatland und seinen südwestlichen Nachbarn schreiben.

In Frankreich wird durchschnittlich 207 Minuten täglich ferngesehen, in Deutschland 208, das

entspricht in etwa 3,5 Stunden (vgl. AGF, 2008:57). Diese Zahlen bieten auf den ersten Blick

nicht viel Raum für eine vergleichende Untersuchung. Doch gerade weil der Gesamtkonsum

nahezu identisch ist, erscheint es mir umso spannender, auf die Verteilung des Konsums im

Laufe des Tages und seine Integration in den Tagesablauf zu blicken.

Im Zuge der Recherche stieß ich auf folgende Aussage:

,,Die Kommunikationswissenschaft hat sich bisher ebenso wie die Marktforschung in den

meisten europäischen Ländern vorwiegend mit Themen und Untersuchungen nationaler

Reichweite beschäftigt. Es gibt nur wenige länderübergreifende Studien über Kommuni-

katoren und Medienangebote, und ebenso nur wenige zur Mediennutzung und

-rezeption. Es existieren auch kaum interkulturelle und komparative Untersuchungen

über die Medienumgebungen von Erwachsenen oder Kindern und über ihren alltäglichen

Umgang damit."

(Krotz, 2003: 381)

3


Somit wurde meine Annahme unterstützt, dass der Vergleich zweier Nationen in Hinblick auf

ihren quantitativen Fernsehkonsum in der wissenschaftlichen Forschung bisher kaum stattgefun-

den hat.

Es stellt sich nun die Frage: Wann und wie viel schauen Franzosen und Deutsche fern, und

lassen sich Unterschiede anhand ihrer kulturellen Identität erklären?

1.2 Nicht berücksichtigte Faktoren

Um die vorliegende Arbeit in angemessenem Rahmen zu gestalten, werden viele Gesichts-

punkte bewusst außer Acht gelassen. Das Thema ließe sich in viele spannende Richtungen

weiterverfolgen.

Das größte nicht betrachtete Gebiet ist die

qualitative

Fernsehzuschauerforschung. In dieser

Arbeit wird nicht untersucht, welche Sendungen gesehen werden, welche Sender bevorzugt

werden, welche Sendungen am erfolgreichsten sind und wie das französische und deutsche Pro-

gramm inhaltlich gestaltet wird. Außerdem wird die Fernsehlandschaft (Anzahl und Art der

Fernsehsender) nicht vorgestellt und technische Aspekte (Empfangsmöglichkeiten über Satellit,

Kabel oder terrestrisch) werden außer Acht gelassen. Die Geschichte des Fernsehens und seine

Entwicklung seit der Einführung bis heute werden nicht betrachtet. Ebenfalls außen vor bleibt

die Wirkung des Fernsehens auf den Rezipienten, und soziologische Aspekte werden nur ober-

flächlich betrachtet. Des Weiteren wird dem historischen Hintergrund der Alltagsgestaltung

wenig Beachtung geschenkt.

1.3 Methodik

Die untersuchten Statistiken stammen teilweise aus unterschiedlichen Zeiträumen. Es soll nicht

der Eindruck entstehen, dass dies unbedacht geschehen ist. In jedem Forschungsgebiet wurden

die letzten veröffentlichten Zahlen herangezogen. Trotzdem kann nicht gewährleistet werden,

dass diese immer aus den letzten Monaten oder dem letzten Jahr stammen. Viele Untersuchun-

gen haben sich über Jahre erstreckt und von der Auswertung bis zur Veröffentlichung ist

weitere Zeit vergangen. So werden gegebenenfalls Zahlen unterschiedlicher Jahre miteinander

verglichen. Da sich jedoch in den letzten Jahren die erkennbaren Trends auf dem Gebiet der

quantitativen Fernsehzuschauerforschung nur wenig verändert haben, ist ein solches Vorgehen

unproblematisch. Die groben Tendenzen gehen seit Jahren in die gleiche Richtung, und selbst

erfahrene Fernsehforscher greifen auf Zahlen aus unterschiedlichen Jahren zurück (vgl. Simon,

2008).

4


Auch kommen immer wieder verschiedene Marktforschungsinstitute zu unterschiedlichen

Ergebnissen. In dieser Arbeit werden Daten von offiziellen Institutionen der einzelnen Länder

verwendet. Standen diese nicht zur Verfügung, wurde versucht, Studien mit möglichst differen-

zierter Betrachtungsweise zu wählen.

2. Alltagsgestaltung in Frankreich und Deutschland

2.1 Die Vermessung der Zeit

Um Fragen wie:

Was ist Al tag? Was Freizeit? Wie wird Lebenszeit gestaltet?

ganz allgemein beant-

worten zu können, gibt es Zeitbudgetstudien. Durch diese empirischen Untersuchungen wird

festgestellt, was bestimmte Menschen während eines festgelegten Zeitraums machen. Ziel ist es,

herauszufinden, wie viel Zeit sie typischerweise für bestimmte Tätigkeiten aufwenden (vgl.

Koschnick, 2002:12). Betrachtet man generalisierende Studien, scheinen einige Ergebnisse irri-

tierend, da die gesamte Bevölkerung untersucht wird. Die Statistiken schildern den Alltag eines

Durchschnittsmenschen, der alle Gesellschaftsschichten, Geschlechter, Altersklassen usw. re-

präsentiert.

Die Frage der Mediennutzung ist eingebettet in die allgemeine Frage nach der Verwendung

menschlicher Zeit. Die Nutzung von Medien bindet Zeit, die nicht für andere Aktivitäten zur

Verfügung steht, bzw. schränkt zumindest das Spektrum gleichzeitiger anderer Tätigkeiten ein.

Zeit ist ein generelles und zugleich knappes Gut in der menschlichen Existenz (vgl. Tietze,

1991:5).

Ferngesehen wird normalerweise in der Freizeit. Definiert wird diese Zeit als Lebenszeit minus

Arbeitszeit. Diese hat sich aufgrund der Verkürzung der Tages-, Wochen-, Jahres- und Lebens-

arbeitszeit relativ vergrößert (vgl. Tiemann, 1990:12). Der

Feierabend

ist der Zeitraum, welcher

nach Abzug der Arbeitszeit, den damit verbundenen Wegzeiten und der Schlafenszeit von

einem Werktag übrig bleibt. Dieser kurze Zeitblock wird von der Berufsarbeit stark beeinflusst,

denn er dient vorwiegend zur Erholung von einem Arbeitstag. Die Leistungsbereitschaft ist in

der Regel in den Abendstunden bereits deutlich verringert, und es bleibt wenig Energie für eine

kreative Freizeitgestaltung (vgl. Consbruch, 1995:12-13). Das Fernsehen ist somit oft die einzige

Form der Freizeitbeschäftigung, für die die Kraft noch ausreicht.

5


Die Ergebnisse von Zeitbudgetstudien basieren auf unterschiedlichen Erfassungsmethoden:

Face-to-Face-Interviews, Tagebuch-Methode und Telecontrol, auf die hier nicht näher eingegan-

gen werden soll. Auch wenn unterschiedliche Studien zu verschiedenen Ergebnissen kommen,

bleiben generelle Tendenzen erkennbar. Wissenschaftler, die sich mit Zeitbudget-Erhebungen

befassen, müssen immer mit vagen Ergebnissen arbeiten, da man sich auf den Probanden und

sein subjektives Zeitempfinden verlassen muss.

Eurostat, das Amt für Statistik der Europäischen Union, veröffentlichte im vergangenen Jahr

eine ausführliche Studie zum kulturellen Verhalten der Europäer. Doch selbst dort heißt es in

der Einleitung: ,,This publication does not claim to be exhaustive" (Cultural Statistics, 2007:5).

Trotzdem bieten die Ergebnisse einen interessanten Überblick über die Tagesablaufgestaltung

der Franzosen und Deutschen.

In den beiden folgenden Abbildungen erhalten die sieben Haupttätigkeiten im Alltag jeweils eine

bestimmte Farbe, und ihre Verteilung in den Grafiken zeigt an, zu welchem Zeitpunkt wie viele

Menschen dieser Tätigkeit nachgehen (siehe nächste Seite).

6


Abbildung 1 (Cultural statistics, 2007:150):

Abbildung 2 (Cultural statistics, 2007:151):

7



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