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Macht-Verhältnisse in Knut Hamsuns "Pan"

Untertitel: Eine allgemeine formale und themenzentrierte inhaltliche Analyse des Romans

Hausarbeit, 2005, 28 Seiten
Autor: E. Schröder
Fach: Skandinavistik

Details

Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2005
Seiten: 28
Note: 1,6
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V132309
ISBN (E-Book): 978-3-640-41051-4
ISBN (Buch): 978-3-640-41062-0

Zusammenfassung / Abstract

Bei der Lektüre von Knut Hamsuns Roman Pan aus dem Jahre 1894 erscheint neben zahlreichen anderen sowohl formalen als auch inhaltlichen Besonderheiten die Beziehungsvielfalt innerhalb der Erzählung augenfällig: So werden im Rahmen einer eingeschränkten Räumlichkeit (ein kleine Handelsstätte im norwegischen Nordland) und eines ebenfalls begrenzten Figurenkollektivs (in Glahns Bericht rund acht handelnde Charaktere, vergl. Punkt II. 1.2.a)) verschiedene Personenkonstellationen erprobt, von denen sich jedoch letztlich keine als dauerhaft „fruchtbar“ erweist und über das Ende des Romans hinausgerettet werden kann. Ausgehend von dieser Erkenntnis stellte sich mir notwendig die Frage, warum die zwischenmenschlichen Verbindungen hier so ausnahmslos scheitern und ob möglicherweise eine allen gemeinsame zentrale Problematik für ihr Nicht-Funktionieren verantwortlich ist. Zu diesem Zwecke mussten die verschiedenen Beziehungen zunächst einer näheren Betrachtung unterzogen und auf ein Element hin untersucht werden, das möglicherweise in ihnen allen enthalten ist. Als ein solches erschien mir schließlich der Aspekt persönlicher Macht: Das Streben nach Macht, ihre Ausübung und der Kampf um sie erweisen sich als nicht unwesentliche Bestandteile der (nicht nur erotischen) Beziehungen im Roman- und damit einhergehend ebenfalls die Opposition von Stärke und Schwäche und letztlich das Verhältnis von Herrschaft und Unterordnung. Die verschiedenen Manifestationen von Macht lassen sich beispielhaft und in unterschiedlicher Intensität anhand der folgenden vier Figurenkonstellationen im Roman zeigen: Beginnend mit der zweifellos im Mittelpunkt der Erzählung stehenden und vermutlich schillerndsten Verbindung, nämlich der Glahns und Edvardas, deren Macht-Verhältnis als das wohl am wenigsten eindeutige erkannt werden muss, sollen weiterhin die Beziehung Glahns und Evas, Evas und Macks und –als einziges nicht erotisches– das Verhältnis Glahns und Macks betrachtet werden. Dies soll im Rahmen einer weiterführenden inhaltlichen Analyse erfolgen, welche mir jedoch nur auf der Grundlage einer vorhergehenden allgemein-formalen Untersuchung des Romantextes sinnvoll erscheint. Letztere soll daher –in Anbetracht des gegebenen begrenzten Raumes jedoch ohne Anspruch auf absolute Vollständigkeit- zunächst vorangestellt werden, um anhand äußerer Beobachtungen und Erkenntnisse möglicherweise bereits auf einzelne Aspekte der folgenden inhaltlichen Analyse vorauszuweisen.


Textauszug (computergeneriert)

Macht ­ Verhältnisse in Knut Hamsuns Pan

Eine allgemeine formale und themenzentrierte inhaltliche Analyse des Romans

E. Schröder

Nordische Philologie

Wintersemester 2004/05


INHALT


I. Einleitung 3

II. Hauptteil 4

II. 1. Allgemeine formale Analyse: Knut Hamsuns

Pan

4

II. 1.1. Inhalt und Aufbau 4

II. 1.1 a) Zusammenfassung des Inhalts 4

II. 1.1.b) Aufbau des Romans 5

II. 1.2. Figuren und Erzähler 5

II. 1.2.a) Figuren und Figurenkonstellation 5

II. 1.2.b) Erzähler und Erzählperspektive 7

II. 1.3. Zeit und Raum 8

II. 1.3.a) Gebrauch der Tempora 8

II. 1.3.b) Erzählte Zeit 9

II. 1.3.c) Zeitstruktur / zeitliche ,,Bauform" 9

II. 1.3.d) Raumverhältnisse 10

II. 1.4. Sprachlich- stilistische und formale Auffälligkeiten 11

II. 1.4.a) Sprache 11

II. 1.4.b) Stil 12

II. 1.4.c) Form 14

II. 2. Weiterführende inhaltliche Analyse: Macht-Verhältnisse in Knut Hamsuns

Pan

15

II. 2.1. Glahn und Edvarda 15

II. 2.2. Glahn und Eva 18

II. 2.3. Eva und Mack 20

II. 2.4. Glahn und Mack 22

III. Schluss 25

IV. Literaturverzeichnis 27

2


I. EINLEITUNG

Bei der Lektüre von Knut Hamsuns Roman

Pan

aus dem Jahre 1894 erscheint neben zahlreichen

anderen sowohl formalen als auch inhaltlichen Besonderheiten die Beziehungsvielfalt innerhalb der

Erzählung1 augenfällig: So werden im Rahmen einer eingeschränkten Räumlichkeit (ein kleine

Handelsstätte im norwegischen Nordland) und eines ebenfalls begrenzten Figurenkollektivs (in Glahns

Bericht rund acht handelnde Charaktere, vergl. Punkt II. 1.2.a)) verschiedene Personenkonstellationen

erprobt, von denen sich jedoch letztlich keine als dauerhaft ,,fruchtbar" erweist und über das Ende des

Romans hinausgerettet werden kann.2

Ausgehend von dieser Erkenntnis stellte sich mir notwendig die Frage, warum die

zwischenmenschlichen Verbindungen hier so ausnahmslos scheitern und ob möglicherweise eine allen

gemeinsame zentrale Problematik für ihr Nicht-Funktionieren verantwortlich ist. Zu diesem Zwecke

mussten die verschiedenen Beziehungen zunächst einer näheren Betrachtung unterzogen und auf ein

Element hin untersucht werden, das möglicherweise in ihnen allen enthalten ist. Als ein solches

erschien mir schließlich der Aspekt persönlicher Macht: Das Streben nach Macht, ihre Ausübung und

der Kampf um sie erweisen sich als nicht unwesentliche Bestandteile der (nicht nur erotischen)

Beziehungen im Roman- und damit einhergehend ebenfalls die Opposition von Stärke und Schwäche

und letztlich das Verhältnis von Herrschaft und Unterordnung.

Die verschiedenen Manifestationen von Macht lassen sich beispielhaft und in unterschiedlicher

Intensität anhand der folgenden vier Figurenkonstellationen im Roman zeigen: Beginnend mit der

zweifellos im Mittelpunkt der Erzählung stehenden und vermutlich schillerndsten Verbindung,

nämlich der Glahns und Edvardas, deren Macht-Verhältnis als das wohl am wenigsten eindeutige

erkannt werden muss, sollen weiterhin die Beziehung Glahns und Evas, Evas und Macks und ­als

einziges nicht erotisches­ das Verhältnis Glahns und Macks betrachtet werden. Dies soll im Rahmen

einer weiterführenden inhaltlichen Analyse erfolgen, welche mir jedoch nur auf der Grundlage einer

vorhergehenden allgemein-formalen Untersuchung des Romantextes sinnvoll erscheint. Letztere soll

daher ­in Anbetracht des gegebenen begrenzten Raumes jedoch ohne Anspruch auf absolute

Vollständigkeit- zunächst vorangestellt werden, um anhand äußerer Beobachtungen und Erkenntnisse

möglicherweise bereits auf einzelne Aspekte der folgenden inhaltlichen Analyse vorauszuweisen.

1Ist hier lediglich von ,der Erzählung′ die Rede, so sind damit zunächst die Aufzeichnungen des Leutnant Glahn

gemeint, die den größten und für den Gesamteindruck wohl entscheidenden Teil des Romans ausmachen. Dem

angefügten Epilog als zweitem Teil kommt hingegen eine Sonderstellung zu, welche ihn ­obwohl er zweifellos

ergänzende Funktion hat- scharf von dem vorhergegangenen Erinnerungsbericht abhebt (vergl. hierzu Punkt II.

1.1.b), II. 1.2.b) und II. 1.4.a) und b)).

2 So kommt es zwischen Glahn und Edvarda nach langem ,,Stellungskrieg" zum endgültigen Bruch, die

Beziehung Glahns und Evas scheint ebenfalls kaum Zukunft zu haben und findet durch Evas grausamen Tod ein

jähes Ende- wie auch das von Anfang an fragwürdig erscheinende Verhältnis Evas und Macks. Auch Edvardas

spätere Verbindung mit dem Baron erscheint kaum vielversprechend, beruht sie doch letztlich auf einer reinen

Trotz- bzw. Resignationshandlung ihrerseits und nicht auf Liebe.

3


II. HAUPTTEIL

II. 1. Allgemeine formale Analyse: Knut Hamsuns Pan

Im Folgenden soll eine (angesichts des begrenzten Umfangs der vorliegenden Arbeit lediglich

überblickartig-verkürzte) allgemeine ,,äußere" Analyse des Romans vorgenommen werden. Hierbei

wird zunächst der Inhalt der Erzählung kurz zusammengefasst und ihr Aufbau untersucht werden

(Punkt II. 1.1.), um daraufhin die innertextlichen zentralen Bezugsgrößen

Figuren ­ Erzähler

(Punkt

II. 1.2.) und

Zeit ­ Raum

(Punkt II. 1.3.) einer näheren Betrachtung zu unterziehen und schließlich die

Besonderheiten im Sprachgebrauch, die stilistischen und die formalen Auffälligkeiten innerhalb des

Romans zu kennzeichnen (Punkt II. 1.4.).

Naturgemäß werden mit dieser formalen Untersuchung auch erste inhaltliche Rückschlüsse und

Erkenntnisse verbunden sein, welche jedoch ­wenn relevant- erst im darauffolgenden zweiten Teil

dieser Arbeit weiter ausgeführt werden sollen: Dort soll dann die ,,innere", inhaltliche Analyse unter

dem gesetzten thematischen Schwerpunkt (

Macht-Verhältnisse in Knut Hamsuns

Pan

) erfolgen.

II. 1.1. Inhalt und Aufbau

II. 1.1.a) Zusammenfassung des Inhalts

Der dreißigjährige Leutnant Thomas Glahn erinnert sich an den zwei Jahre zurückliegenden Sommer

1855, den er ­ein naturverbundenes, selbstversorgendes Jägerdasein führend- in einer Waldhütte nahe

dem nordnorwegischen Handelsflecken Sirilund verbracht hat.

Dort verliebt er sich in Edvarda, die reizvolle, launenhafte Tochter des Kaufmannes Mack, die ihn

zunächst leidenschaftlich umwirbt, ihn jedoch, als er ihrem Werben nachgibt, aus scheinbar

unerfindlichen Gründen zunehmend abweisend behandelt. Während die Beziehung zu Edvarda so

immer problematischer wird, beginnt Glahn ein Verhältnis mit der verheirateten Eva, die bereits zuvor

häufig seine Nähe gesucht hat. Als Edvarda hiervon erfährt, kommt es zum endgültigen Bruch

zwischen ihr und Glahn. Gleichzeitig zieht Glahn den eifersüchtigen Zorn Macks auf sich, der

ebenfalls ein Verhältnis mit Eva gehabt hat: Mack zündet Glahns Hütte an und inszeniert einen

,,Unfall", bei dem Eva durch Glahns Verschulden ums Leben kommt. Nach diesen dramatischen

Ereignissen verlässt Glahn das Nordland. Zwei Jahre später beginnt er, die Geschehnisse jenes

Sommers niederzuschreiben und erwähnt am Ende dieser Aufzeichnungen den Plan, nach Afrika oder

Indien zu reisen.

Über dieses Unterfangen geben die dem Roman angefügten Notizen eines nicht namentlich erwähnten

Reisegefährten Glahns Auskunft. Dieser berichtet insbesondere von den Umständen, unter denen

Glahn schließlich in Indien zu Tode kam: Durch eine bewusste Provokation hatte dieser den Gefährten

4


dazu veranlasst, ihn auf der Jagd zu erschießen und ihn so letztlich zum ,,Beihelfer zum Selbstmord"

gemacht.

II. 1.1.b) Aufbau des Romans

Der Roman gliedert sich in zwei Teile. Den ersten und umfangreicheren Teil bilden die

Aufzeichnungen Glahns: Er umfasst 38 meist kürzere Kapitel, in deren erstem und letztem die

Rahmenhandlung der Erzählung, d.h. ihr zeitlicher Ausgangspunkt präsentiert wird.

Der zweite, ungleich kürzere Teil trägt den Titel

Glahns Tod. Ein Papier aus dem Jahre 1861

; es

handelt sich hierbei um die Aufzeichnungen eines Reisegefährten Glahns, die 5 Kapitel umfassen.

Die Tatsache, dass mit diesen beiden Teilen zwei vorgeblich ,,echte" Erzählerberichte neben- bzw.

gegeneinandergestellt werden, weist zum einen auf eine erzählerische Präsentationsform hin, die die

Authentizität ihres Gegenstandes suggeriert und zum anderen auf die konsequenterweise aus dieser

Annahme resultierende Vorstellung eines ordnenden Eingriffs in das vorliegende Material (das sind

løitnant Glahns papirer

und

et papir fra 1861

) von Seiten einer Herausgeberinstanz. Letztere tritt

innerhalb der Erzählung jedoch nicht- wie in anderen Romanen, die mit der Illusion authentischen

Erzählens spielen, so z.B. Goethes

Werther

- als reale Person in Form einer direkten Rede oder einer

einführenden/abschließenden Leseransprache in Erscheinung- sie ist hier vielmehr nur indirekt präsent

und verweist so letztlich vor allem auf die der Erzählung übergeordnete Größe des Autors als Schöpfer

von Fiktion.

II. 1.2. Figuren und Erzähler

II. 1 2.a) Figuren und Figurenkonstellation

Innerhalb des Romans erscheinen die folgenden Figuren in wechselseitigen Anziehungs- und

Spannungsverhältnissen und sich verändernden Konstellationen: Da ist zunächst der Ich- Erzähler des

ersten Romanteils, Leutnant

Glahn

, der in den Wäldern Nordnorwegens die Einsamkeit sucht. Seine

Vergangenheit bleibt im Dunkeln, umso intensiver erlebt er jedoch die Gegenwart,

Nordlandssommerens evige dag

(S.5)3: So gibt er sich, als in einer der ersten hellen

Frühsommernächte das Hütermädchen

Henriette

zu ihm kommt, mit ihr ganz dem erotischen Reiz des

Augenblicks hin.

Trotz seiner Entscheidung für ein naturverbundenes, abgeschiedenes Leben in einer Hütte am

Waldrand zieht es Glahn immer wieder zum nahegelegenen Handelsplatz, in die Nähe der Menschen.

Dort begegnet er

Edvarda

Mack, der Tochter des örtlichen Kaufmannes, die ihn in ihrer kindlichen

3 Der Analyse zugrunde liegt folgende Textausgabe:

HAMSUN, Knut:

Pan. Av løitnant Glahns papirer

(1894).

Neuausgabe 1998, 3. Auflage. Oslo: Gyldendal 2002

Direkte Zitate daraus werden durch die Verwendung von Kursivschrift und die nachgestellte Seitenzahl

gekennzeichnet. Zitate, die mehr als drei Zeilen umfassen, werden abgesetzt und in kleinerer Schrifttype

aufgeführt.

5


(er hält sie für fünfzehn- oder sechzehnjährig4), vernachlässigt wirkenden Erscheinung rührt und

bezaubert. Auch Edvarda ist von Glahns ,,wildem" und freiem Jägerleben, seiner Hütte, seinem

abenteuerlichen Aussehen, seinem

dyreblik

(S.32) fasziniert: Sie verliebt sich Hals über Kopf in ihn

und ihre Liebe wird erwidert. Das Glück der beiden bleibt jedoch nur kurze Zeit ungetrübt: Bald schon

weicht die Anziehung zwischen den beiden immer größer und unüberwindlicher werdenden

Spannungen, Edvardas Verhalten ihm gegenüber erscheint Glahn zunehmend widersprüchlich und

unberechenbar. Innerhalb dieser scheinbar ausweglosen emotionalen Verstrickung flüchtet sich Glahn

in eine weitere und zunächst einfacher erscheinende Beziehung zu der jungen

Eva

, die in ihrer Liebe

zu ihm unbeirrbar treu, beständig und duldsam ist. Hierbei scheint er nicht zu sehen (oder nicht sehen

zu wollen), dass diese nicht die Tochter, sondern die Ehefrau des

Schmieds

ist- dieser

grobschlächtige, stille Mann ist für Glahn jedoch kaum ein ernstzunehmender Rivale, dessen Rache er

zu fürchten hätte. In dieser Hinsicht verhält es sich anders mit Edvardas Vater, Herrn

Mack

, der zuvor

Evas Liebhaber gewesen ist und die beiden nun mit seiner Eifersucht und seinem spitzfindigen Hass

verfolgt.

Edvarda wiederum wendet sich, als sie von Glahns Verhältnis mit Eva erfährt tief verletzt von ihm ab

und ­eher aus Trotz denn aus wirklichem Interesse- dem

finnischen Baron

zu, den ihr Vater

vermutlich als potentiellen Ehekandidaten nach Sirilund eingeladen hat. Dieser äußerlich reizlose,

rational-trockene Mann scheint jedoch kaum der Richtige für die leidenschaftliche Edvarda zu sein,

ebenso wenig wie der hinkende

Doktor

, ein Hausfreund des Macks, der in seinem Werben um

Edvarda bereits früher enttäuscht worden ist.

Der

Ich-Erzähler des Epilogs

, Glahns namenloser Reisegefährte, steht außerhalb des

Beziehungsgeflechts in Sirilund- zwar hat er Verschiedenes über Glahns

forbindelse med en ung

nordlænderinde

fra et stort hus

(S.99) reden hören, kann über dessen Wahrheitsgehalt jedoch nur

spekulieren, da Glahn ihm gegenüber nicht darüber spricht.

Die Beschreibung jenes gleichaltrigen Jägers, der weit weg vom Nordland und zu einem späteren

Zeitpunkt auf Glahn trifft, lässt den Leutnant einerseits ­schon allein aufgrund der Tatsache, dass dem

Leser durch sie erstmals die Außensicht auf Glahn gewährt wird- in einem neuen, andererseits jedoch

wiederum in einem vertrauten Licht erscheinen. Bezeichnenderweise ist der Blickwinkel des

Gefährten der eines Mannes, der im Leutnant einen Nebenbuhler sieht- und dennoch schwingt in

seinem Bericht neben beteuertem Hass und erbitterter Feindseligkeit auch eine widerstrebende

Anerkennung für dessen

forførerisk væsen (

S.98) mit, welches die Frauen scheinbar unwillkürlich

seine Nähe suchen lässt: So war es bei Henriette, Edvarda, Eva und so ist es auch bei

Maggie

, der

jungen

halv-tamulerinde

(S.101), mit der Glahns Reisegefährte während ihres gemeinsamen

4 An späterer Stelle (S.50) erwähnt der Doktor im Gespräch mit Glahn, Edvarda sei bereits zwanzig Jahre alt, er

habe es nachgerechnet. Wenn auch vermutet werden kann, dass Glahn sich mit seiner Alterseinschätzung

tatsächlich geirrt hat, könnte jedoch ebenfalls gefragt werden, inwieweit die Behauptung des Doktors der

Wahrheit entspricht. Wenn die Altersfrage also letztlich auch im weiteren Verlauf des Romans ungeklärt bleiben

muss, ist doch für die Anziehung, die Edvarda auf Glahn ausübt ihre Kindlichkeit ausschlaggebend: Er verliebt

sich in

et barn, et skolepike

(S.8), und dies ist bezeichnend (vergleiche Punkt II. 2.1., besonders Fußnote 17).

6



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