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Drubbel- und Eschsiedlung im Münsterland

Untertitel: Ihre Beiträge zur Altersdatierung der historischen Kulturlandschaft

Hausarbeit, 2007, 24 Seiten
Autor: Ingo Andreä
Fach: Geowiss. / Geographie - Regionalgeographie

Details

Veranstaltung: Oberseminar: Norddeutschland – Kulturlandschaft, Siedlung und Wirtschaft
Institution/Hochschule: Universität Hamburg (Fachbereich Geographie)
Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2007
Seiten: 24
Note: 2
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V132310
ISBN (E-Book): 978-3-640-41052-1
ISBN (Buch): 978-3-640-41064-4

Zusammenfassung / Abstract

Der Mensch verwandelt seit über 60 000 Jahren die vorhandene Naturlandschaft durch Viehhaltung und Anbau von Pflanzen in eine Kulturlandschaft. Die ersten Artefakte von Werkzeugen stammen aus dem frühen Eiszeitalter (Villafranchium). Bis zum Mittelneolithikum ( ca. 5. und erste Hälfte des 4. Jahrtausends v. Chr.) gab es nur die Völker der Jäger- und Sammler, die mit geschliffenen Steingeräten jagten und Keramiken herstellten und benutzten. Die ersten bekannten Zeugnisse von Seßhaftigkeit durch eine ackerbautreibende Bevölkerung stammen wahrscheinlich aus Mesopotamien. Ob dies aber die ersten anthropogen verursachten Veränderungen im naturlandschaftlichen Charakter sind, läßt sich nicht exakt klären. Es sei dahingestellt, ob diese Annahme richtig ist, oder ob das Fehlen von älteren Belegen nur eine Forschungslücke ist. Das Hauptaugenmerk dieser Arbeit liegt auf den verschiedenen Flur- und Siedlungsformen. Den Schwerpunkt bildet die Form der Drubbel- und Eschsiedlung rund um die heutige Stadt Münster. Was macht die besondere Fokussierung auf das Münsterland aus? Oder besser gefragt, warum ist das nordwestdeutsche und Teile des niederländischen Tieflandes so besonders in der Flurgestaltung? Die Gewannenflur, eine Flurform, die in Folge der zellengebundenen Dreiffelderwirtschaft und des Erbrechtes entstanden ist, ist nur von untergeordneter Bedeutung. Wieso sind die frühzeitlichen Siedlungsverhältnise Westfalens so bedeutsam für die Altersdatierung in der historischen Kulturlandschaft und welche Bedeutung kommt dabei neben den archäologischen Funden der Palynologie (Pollenanalyse) zu? Im nordwestlichen Münsterland wurde mit Hilfe der Pollenanalyse die Datierung von Drubbel- und Eschsiedlungen näher bestimmt. Die Palynologie unterstützt die Auswertung der archäologischen Fundstätten und führt zu einer historischen Vegetationskatierung. Die Intensität der Siedlungstätigkeit kann durch eine Pollenanalyse nachgewiesen werden und gibt einen tieferen Einblick in die Siedlungstätigkeit und damit gleichzeitig in die Anbautätigkeit der frühmittelalterlichen Kulturen. Neben diesem kurzen Einblick wird im Folgendem eine tiefer gehendere Auseinandersetzung mit der Besiedelung und dem dazugehörigen landwirtschaftlichen Anbau im Münsterland beschrieben. Die Drubbel´s (Drubbelsiedlungen) werden seit Anfang des letzten Jahrhunderts in den Vordergrund der Forschung gesetzt. ....


Textauszug (computergeneriert)

Ingo Andreä

Drubbel- und Eschsiedlung im Münsterland -

ihre Beiträge zur Altersdatierung

der historischen Kulturlandschaft

1


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 3

2 .Der Beginn der Seßhaftigkeit als Beginn für die Siedlungsgeschichte 4

2.1 Die Entwicklung der Naturlandschaft und Kulturlandschaft Nordwestdeutschlands ...6

2.2 Exkurs Definition Dorf 8

2.3 Siedlungsperiode der jüngeren Eisenzeit 10

3. Ursprung und Entwicklung der Flurformen in der Debatte 12

3.1 Untersuchungsmethoden zur näheren Bestimmung der Altersdatierung 14

3.2 Der Drubbel ­ Form und Aufbau im Kontext zur Langstreifenflur 17

3.3 Von der Urformen bis zur Gegenwart ­ Genese einer Siedlung 19

4. Schlussbetrachtung/Resümee 21

5. Quellen und Literaturverzeichnis: 22

2


1. Einleitung

Der Mensch verwandelt seit über 60 000 Jahren die vorhandene Naturlandschaft

durch Viehhaltung und Anbau von Pflanzen in eine Kulturlandschaft. Die ersten

Artefakte von Werkzeugen stammen aus dem frühen Eiszeitalter (Villafranchium). Bis

zum Mittelneolithikum ( ca. 5. und erste Hälfte des 4. Jahrtausends v. Chr.) gab es

nur die Völker der Jäger- und Sammler, die mit geschliffenen Steingeräten jagten

und Keramiken herstellten und benutzten. Die ersten bekannten Zeugnisse von

Seßhaftigkeit durch eine ackerbautreibende Bevölkerung stammen wahrscheinlich

aus Mesopotamien. Ob dies aber die ersten anthropogen verursachten

Veränderungen im naturlandschaftlichen Charakter sind, läßt sich nicht exakt klären.

Es sei dahingestellt, ob diese Annahme richtig ist, oder ob das Fehlen von älteren

Belegen nur eine Forschungslücke ist.

Das Hauptaugenmerk dieser Arbeit liegt auf den verschiedenen Flur- und

Siedlungsformen. Den Schwerpunkt bildet die Form der Drubbel- und Eschsiedlung

rund um die heutige Stadt Münster. Was macht die besondere Fokussierung auf das

Münsterland aus? Oder besser gefragt, warum ist das nordwestdeutsche und Teile

des niederländischen Tieflandes so besonders in der Flurgestaltung? Die

Gewannenflur, eine Flurform, die in Folge der zellengebundenen Dreiffelderwirtschaft

und des Erbrechtes entstanden ist, ist nur von untergeordneter Bedeutung. Wieso

sind die frühzeitlichen Siedlungsverhältnise Westfalens so bedeutsam für die

Altersdatierung in der historischen Kulturlandschaft und welche Bedeutung kommt

dabei neben den archäologischen Funden der Palynologie (Pollenanalyse) zu?

Im nordwestlichen Münsterland wurde mit Hilfe der Pollenanalyse die Datierung von

Drubbel- und Eschsiedlungen näher bestimmt. Die Palynologie unterstützt die

Auswertung der archäologischen Fundstätten und führt zu einer historischen

Vegetationskatierung. Die Intensität der Siedlungstätigkeit kann durch eine

Pollenanalyse nachgewiesen werden und gibt einen tieferen Einblick in die

Siedlungstätigkeit und damit gleichzeitig in die Anbautätigkeit der frühmittelalterlichen

Kulturen.

Neben diesem kurzen Einblick wird im Folgendem eine tiefer gehendere

Auseinandersetzung mit der Besiedelung und dem dazugehörigen

landwirtschaftlichen Anbau im Münsterland beschrieben.

Die Drubbel´s (Drubbelsiedlungen) werden seit Anfang des letzten Jahrhunderts in

den Vordergrund der Forschung gesetzt. Besonders MEITZEN, MÜLLER-WILLE und

3


NIEMEIER machten sich in der Erforschung Westfalens verdient. Sie beschäftigten

sich ihr gesamtes Leben mit der Erforschung der Siedlungstätigkeiten im

Münsterland.

Seit dem Anfang der 80er Jahre ist in diesem Forschungsfeld nur geringfügig neues

hinzugekommen.1 Eine Dissertation, mit dem Titel: ,,

Trophie Entwicklung eines

nordwestdeutschen Stillgewässers unter dem Einfluss von Landschafts- und

Siedlungsgeschichte"

aus dem Jahr 2001 von Dr. Elke Barth, makiert wohl einer der

letzten tiefergehenden Auseinandersetzungen mit dem Thema Flur- und

Siedlungsformen im Bereich Westfalen`s in der Gegenwart.

In dieser Arbeit wird der Versuch unternommen, einen Überblick über die Struktur

der Flur und Besiedlung im Norden von Westfalens Tiefland zu geben. Zunächst wird

die historische Entwicklung der Landnahme gegeben. Danach wird ein Einblick in die

besondere Siedlungsform der Drubbel und Esch näher beschrieben. Die damit

verbunden Formen des Langstreifens und der Eschbewirtschaftung werden

gleichermaßen betrachtet. Am Schluss der Arbeit steht ein Beitrag zur

Altersdatierung mit Hilfe der Pollenanalyse und die Verbindung mit Fundstücken der

Archäologie. Die Altersdatierung spielt für die Vegetationskatierungen eine

entscheidene Rolle insbesondere für die interdiziplinär arbeitende

Wissenschaftsforschung.

Zunächst wird die Besiedlung in einem kurzen Abschnitt näher erläutert. Die Arbeit

beginnt mit der Urbarmachung der Geestlandschaft.

2 .Der Beginn der Seßhaftigkeit als Beginn für die Siedlungsgeschichte

Um die genetische Siedlungsgeographie auf gesicherte Tatbestände zu stellen,

muss man die Siedlungsanfänge der Menschen kennen. Nur unter diesen

Vorrausetzungen kann man die Bedeutung von Naturräumen und deren

Bedingungen für die sich stets entwickelnde Siedlungstätigkeit verstehen. Die

Ausweitung und der Beginn der Besiedlung, ausgehend von dem Nomadentum, war

immer an die vorhandenen Bodenverhältnissen und Naturbedingungen als Rahmen

gebunden.

1 Geographische Rundschau Geographie der ländlichen Siedlung ­ Stand und Ansätze der Erforschung. Heft 41,

März. Braunschweig 1989. S. 137 -140.

4


Mit der Besiedelung begann der Mensch seine Umwelt zu seinem Zwecke zu nutzen

und sie nach seinem Willen umzugestalten. Diese Erkenntnisse der Mühen der

Besiedlung werden aufgrund von Getreidepollen, die Prähistoriker untersucht haben,

bestätigt. Diese Untersuchungsmethode wird im späteren Verlauf dieser Arbeit noch

näher erläutert. Zunächst soll die Siedlungsentwicklung weiter beschrieben werden.

Der prähistorische Mensch hatte bereits Waffen und Tongefässe zur

Nahrungsaufbewahrung2. Die Getreideanteile in der Nahrung nahmen stetig zu, so

dass sich die Essgewohnheiten immer weiter veränderten und sich die Völker

langsam zu einer reinen Ackerbaugesellschaft weiterentwickelten. Es wird

angenommen, dass diese Entwicklung nicht aus freien Stücken geschah, sondern

durch Not, z.B. ständig neue Jagdgründe zu suchen oder den gegebenen

Umweltbedingungen, erzwungen wurde. Das Jagdgebiet konnte nicht unendlich

ausgedehnt werden und auch das Sammeln von Hülsenfrüchten, Getreidesamen

und Beeren etc. war nur begrenzt von einem festen Wohnort möglich. Der

Frühmensch ließ sich in Höhlen, Hütten, Zelten, Wohngruben oder anderen

hausähnlichen Bauten nieder. Er suchte Schutz gegen die winterliche Kälte,

sommerliche Hitze, Stürme, Niederschläge und sonstigen ungünstigen

Wetterverhältnissen. Der Mensch wurde mit der Zeit langsam seßhaft. Die Frage

nach dem Siedlungsstandort lässt sich eigentlich ganz einfach beantworten. Der

Mensch ließ sich dort nieder, wo die Naturbedingungen optimal erschienen, d.h. an

Orten wo genügend Holz, Wasser, Nahrung usw. vorhanden war. Darüber hinaus

führt jede Untersuchung über die kausalen Zusammenhänge der Siedlung

zwangsläufig zur Landschaft, zur Lage, Wasser, Gebirge, Klima, Baumaterialien,

fruchtbaren, unfruchtbaren und tragfähigen Böden, zu Vegetationsformen, Handel

mit benachbarten Stämmen/ Völkern usw. es handelt sich also um eine natur- und

kulturgeographische Verflechtung.3

Menschliche Wohnstätten und Ansiedlungen sollten in ihrer Gesamtheit erfasst und

dann aus dem Gesamtzusammenhang der Landschaft verstanden und interpretiert

werden.

Durch die postglazialen Trockenzeiten (ca. 2000 bis 800 v.Chr.; [Neolithikum

Bronzezeit]) waren die klimatischen Bedingungen besonders geeignet für eine

Weidewirtschaft. Die Steppen und die Gras-Wald-Landschaften mit ihren

2 Brunger, Wilhelm: Einführung in die Siedlungsgeographie. Heidelberg 1961, S. 15f.

3 Brunger, Wilhelm: Einführung in die Siedlungsgeographie. Heidelberg 1961, S. 16.

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