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Antisemitische Tendenzen in 'Die Poggenpuhls' von Theodor Fontane

Termpaper, 2006, 16 Pages
Author: Gerhard Geissbühler
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Category: Termpaper
Year: 2006
Pages: 16
Grade: 5
Language: German
Archive No.: V132493
ISBN (E-book): 978-3-640-41861-9
ISBN (Book): 978-3-640-41887-9

Abstract

Der 1896 erstmals in Berlin erschienene Roman "Die Poggenpuhls" gehört zu den weniger bekannten und erforschten Werken von Theodor Fontane. Eine Besonderheit an diesem Roman ist die Tatsache, dass darin Juden zwar eine zentrale Rolle spielen, jedoch nicht selbst auftreten. Nur anhand von Aussagen der Familie Poggenpuhl kann der Leser etwas über die jüdischen Figuren in Erfahrung bringen. Der Erzähler seinerseits verhält sich im Allgemeinen sehr distanziert und meldet sich allgemein selten zu Wort. Anhand von ihm können also keine Rückschlüsse auf den Autor oder Judenfeindlichkeit im Text gezogen werden. Aus diesem Grund kann es nicht Aufgabe dieser Arbeit sein, zu erörtern, ob es sich bei "Die Poggenpuhls" um einen antisemitischen Text handelt oder nicht, wohl aber, ob darin antisemitische Tendenzen vorzufinden sind oder nicht. Zunächst sollen in dieser Arbeit auf den Zeitraum des Werks und die Familie Poggenpuhl näher eingegangen werden. Des Weiteren wird die 'Edamerszene' am Ende des fünften Kapitels näher unter die Lupe genommen, da sie eine erhebliche Aussagekraft in Bezug auf die Poggenpuhls und die Juden besitzt. Anschliessend werden die wichtigsten Aussagen von Mitgliedern der Familie Poggenpuhl über die Juden näher unter die Lupe genommen. Das Augenmerk ist dabei auf die beiden mehrmals erwähnten Jüdinnen Flora Bartenstein und Esther Blumenthal gerichtet. Am Ende des Hauptteils soll schliesslich noch kurz auf das Finale des Romans und dessen Konsequenzen eingegangen werden. Zum Thema Fontane und das Dreikaiserjahr erwies sich der Aufsatz 'Fontane im Dreikaiserjahr' von Hubertus Fischer aus dem Jahre 2002 als äusserst hilfreich. In Bezug auf die 'Edamerszene' leistete das Handbuch „Emblemata“, herausgegeben von Arthur Henkel und Albrecht Schöne gute Dienste. Als sehr nützlich in Bezug auf die jüdischen Figuren erwiesen sich insbesondere der Artikel 'Die Poggenpuhls. Roman' im Fontane Handbuch wie auch das Buch 'Die schöne Jüdin' von Florian Krobb.


Excerpt (computer-generated)

Antisemitische Tendenzen in ,,Die Poggenpuhls"

von Theodor Fontane

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung 2

2 Zeitraum des Werks 3

3 Die Familie Poggenpuhl 3

4 Das Bild des Edamers 4

5 Die Poggenpuhls über die Juden 5

5.1 Die Bartensteins 5

5.2 Die beiden Jüdinnen 9

5.2.1 Flora Bartenstein 9

5.2.2 Esther Blumenthal 10

5.2.3 Die beiden Jüdinnen im Vergleich 11

6 Ende gut, alles gut? 12

7 Fazit 13

8 Literaturverzeichnis 14


1 Einleitung

Der 1896 erstmals in Berlin erschienene Roman

Die Poggenpuhls

gehört zu den weniger

bekannten und erforschten Werken von Theodor Fontane. Eine Besonderheit an diesem

Roman ist die Tatsache, dass darin Juden zwar eine zentrale Rolle spielen, jedoch nicht selbst

auftreten. Nur anhand von Aussagen der Familie Poggenpuhl kann der Leser etwas über die

jüdischen Figuren in Erfahrung bringen. Der Erzähler seinerseits verhält sich im Allgemeinen

sehr distanziert und meldet sich allgemein selten zu Wort. Anhand von ihm können also keine

Rückschlüsse auf den Autor oder Judenfeindlichkeit im Text gezogen werden.

Aus diesem Grund kann es nicht Aufgabe dieser Arbeit sein, zu erörtern, ob es sich bei

Die

Poggenpuhls

um einen antisemitischen Text handelt oder nicht, wohl aber, ob darin

antisemitische Tendenzen vorzufinden sind oder nicht.

Zunächst sollen in dieser Arbeit auf den Zeitraum des Werks und die Familie Poggenpuhl

näher eingegangen werden. Des weiteren wird die ′Edamerszene′ am Ende des fünften

Kapitels näher unter die Lupe genommen, da sie eine erhebliche Aussagekraft in Bezug auf

die Poggenpuhls und die Juden besitzt. Anschliessend werden die wichtigsten Aussagen von

Mitgliedern der Familie Poggenpuhl über die Juden näher unter die Lupe genommen. Das

Augenmerk ist dabei auf die beiden mehrmals erwähnten Jüdinnen Flora Bartenstein und

Esther Blumenthal gerichtet. Am Ende des Hauptteils soll schliesslich noch kurz auf das

Finale des Romans und dessen Konsequenzen eingegangen werden.

Zum Thema Fontane und das Dreikaiserjahr erwies sich der Aufsatz ′Fontane im

Dreikaiserjahr′ von Hubertus Fischer aus dem Jahre 2002 als äusserst hilfreich. In Bezug auf

die ′Edamerszene′ leistete das Handbuch ,,Emblemata", herausgegeben von Arthur Henkel

und Albrecht Schöne gute Dienste. Als sehr nützlich in Bezug auf die jüdischen Figuren

erwiesen sich insbesondere der Artikel ′Die Poggenpuhls. Roman′ im Fontane Handbuch wie

auch das Buch ′Die schöne Jüdin′ von Florian Krobb.

2


2 Zeitraum des Werks

Der Roman spielt im Jahre 1888, also dem Dreikaiserjahr. Die ersten elf Kapitel des Werks

spielen im Januar. Das Ende des 12. Kapitels spielt bereits im September desselben Jahres. In

diesem Monat endet das Werk auch. Das Dreikaiserjahr oder dessen Auswirkungen werden

jedoch nirgends im Text erwähnt.

Diese Tatsache erstaunt, denn die politischen Ereignisse im Dreikaiserjahr haben Theodor

Fontane sehr beschäftigt. So schrieb er am 10. März 1888 einen Brief an seine Tochter

Martha, worin mehr als die Hälfte des Inhalts um den vom Tod Wilhelm I. kreist.1 Noch am

selben Tag, an dem Friedrich III. stirbt, schreibt er wiederum einen Brief an seine Tochter, in

welchem ein Grossteil des Geschriebenen vom Wegscheiden des zweiten Kaisers im Jahr

1888 handelt.2 Diesen Todesfall quittert er in seinen Tagebüchern mit der Aussage ,,Nach 99

Tagen starb Friedrich III., und alles atmete auf, als das Kranken- und Weiberregiment ein

Ende nahm und der jugendliche Kaiser Wilhelm II. die Zügel in die Hand nahm. Es war hohe

Zeit."3

Weshalb jedoch lässt Theodor Fontane seinen handlungsarmen Roman

Die Poggenpuhls

ausgerechnet im Dreikaiserjahr spielen, wenn die historischen Ereignisse darin gar keine

Rolle spielen? Eventuell wollte Fontane damit ausdrücken, dass das Jahr 1888 im Nachhinein

kein Epochen- oder Schwellenjahr der deutschen Geschichte war, denn eine

Richtungsänderung der Politik unterblieb. Erst die Entlassung Bismarcks 1890 wurde als

tiefer Einschnitt empfunden und auch im Jahr 1896, dem Erscheinungsjahr von

Die

Poggenpuhls,

ist die ′Krise′ noch nicht beendet. Wie die neun Monate Erzählzeit im Werk

trotz des angeblichen ′Happy-Ends′ nichts Neues bringen, hat auch das Dreikaiserjahr

politisch gesehen kaum etwas verändert.4

3 Die Familie Poggenpuhl

Die Poggenpuhls sind Adlige, doch ihnen ist, wie vielen anderen ihres Standes zu dieser Zeit,

das Geld knapp geworden. Sie stecken in einer sehr beklemmenden finanziellen Lage und

abgesehen von ihrem guten Namen ist ihnen nicht mehr viel geblieben. So leben sie in ganz

kleinen Verhältnissen und versuchen nach aussen hin, den Schein so gut als möglich zu

wahren.

1 Fontane, Theodor: Briefe. Dritter Band 1879-1889. Hg. von Otto Drude u.a. München 1980 (= Theodor Fontane / Werke,

Schriften und Briefe. Dritter Band), S. 588f.

2 Ebd. S. 611f.

3 Fontane, Theodor: Reiseberichte und Tagebücher. Hg. von Helmuth Nürnberger u.a. München, Wien (= Theodor Fontane

/ Werke, Schriften und Briefe; Erinnerungen, ausgewählte Schriften und Kritiken. Band 3/2), S. 1195.

4 Fischer, Hubertus: Unser Fritz. Fontane im Dreikaiserjahr. In: Fontane-Blätter 74 (2002): 78-98, S. 93.

3


Die Mutter, Majorin Pogge von Poggenpuhl, ist seit Jahren verwitwet. Sie lebt mit ihren drei

Töchtern Therese, Sophie und Manon sowie dem treuen alten Dienstmädchen Friederike seit

Langem in der Grossgörschenstrasse in Berlin. Die beiden Söhne Wendelin und Leo stehen

als Premier- beziehungsweise Secondeleutnant bei ihrem Regiment in Thorn.

Die älteste Tochter Therese ist das unsympathischte Familienmitglied der Poggenpuhls. Sie

kann eigentlich nicht viel mehr als sich gefällig in einem Schaukelstuhle wiegen5 und auch in

der Sekundärliteratur kommt sie nicht sonderlich gut weg. So wird sie beispielsweise in der

Abhandlung über

Die Poggenpuhls

im Fontane-Handbuch als ,,gehässig" beschrieben.6 Die

beiden anderen Töchter kommen um einiges besser weg. So wird die zweitälteste Tochter im

Roman als ,,Hauptstütze der Familie" bezeichnet, da sie als einzige Poggenpuhl Talente

besitzt7 und in den Augen des Rezensenten Fritz Mauthner ,,jeden kleinsten Vortheil für die

Familie wahrnimmt".8 Manon, das Nesthäkchen der Poggenpuhls, weiss sich seinerseits

überall beliebt zu machen9, ist fröhlich10 ,,sehr liebenswert"11 und vor allen Dingen die

eigentliche Virtuosin der Familie im Erlangen von Geld und Geschenken.12

Zu Beginn des Romans scheint die einzige Möglichkeit der Poggenpuhls, aus der finanziellen

Misere herauszukommen, eine Heirat von einem der Kinder mit einem vermögenden Juden

oder einer vermögenden Jüdin zu sein.

4 Das Bild des Edamers

Auf der letzten Seite des fünften Kapitels kreiert Fontane ein sehr schönes Bild mit einem

Edamer, den Friederike Leo vorsetzt und eigentlich beinahe nur noch eine rote Schale ist:

Aber das tat nichts. Leo hatte schon sein kleines Taschenmesser [...] herausgenommen und

schabte damit die guten Stellen mit vieler Geschicklichkeit heraus, immer versichernd, dass,

wenn man noch was fände, wo eigentlich nichts mehr zu finden sei, das sei jedesmal das

Beste, und darin läge auch was Sinniges. ,,Ja, Friederike, so muss man leben, immer so die

kleinen Freuden aufpicken, bis das grosse Glück kommt..."

,,Ja, wenn es bloss kommt..."

5 Fontane, Theodor: Sämtliche Romane, Erzählungen, Gedichte, Nachgelassenes. Hg. von Walter Keitel und Helmuth

Nürnberger. München2 1974 (= Theodor Fontane: Werke, Schriften und Briefe, Band 4), 479-576. Im Folgenden: Die

Poggenpuhls.

6 Sagarra, Eda: Die Poggenpuhls. Roman. In: Fontane-Handbuch. Hg. von Christian Grave und Helmuth Nürnberger.

Tübingen 2000: 651-661, S. 659.

7 Die Poggenpuhls, S. 483.

8 Mauthner, Fritz: Rezension zu ,,Die Poggenpuhls" von Theodor Fontane. In: Berliner Tageblatt und Handelszeitung

(1897), 1.

9 Die Poggenpuhls, S. 484.

10 Ebd, S. 659.

11 Ebd, S. 658.

12 Mommsen, Katharina: Hofmannsthal und Fontane. Bern 1978, S. 102.

4



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