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Scholary Paper (Seminar), 2009, 24 Pages
Author: Mileva Andrijasevic
Subject: Russian / Slavic Languages
Details
Year: 2009
Pages: 24
Grade: 1
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-39467-8
ISBN (Book): 978-3-640-39432-6
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Abstract
Thema dieser Arbeit ist die Etablierung der Rechtsstaatlichkeit in der Ukraine. Um die Transformation zu einem Rechtsstaat nach "westlichen" Modell zu schildern sowie den Fortschritt und Probleme der Transformation ebenfalls zu behandeln, wurde zunächst die Vorgeschichte des Landes sowie auf die Entstehungsgeschichte der Verfassung eingegangen um einen Rahmen für die Arbeit zu definieren. Um den eben erwähnten Transformationsprozess - der sich deutlich von den Prozessen in anderen europäischen Ländern unterschied bzw. noch unterscheidet - zu thematisieren wurden relevante Themen wie etwa "Die Rolle der Zivilgesellschaft im Transformationsprozess" miteingebunden. Schlußendlich findet sich auch eine kurze Analyse des "Rechtsstaates" anhand von politischen Länderratings.
Excerpt (computer-generated)
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Vorgeschichte,
Entstehung der Verfassung, Wende 1989/90, ,,orange" Revolution 5
2.1
Geschichte des Landes, historische Gründe der Demokratiedefizite 5
2.1.1
Geographische Lage und Zuordnung 5
2.1.2
Staatsgeschichte und heutige Folgen 5
2.2 Transformationsprozess/Wende
1989-91 7
2.2.1
Die neue Verfassung 1991 7
2.3
Kucmas Amtszeit 1994-2005, autoritäre Herrschaftszeit 7
2.4
Die ,,orange" Revolution 8
2.4.1 Chronologie
der
Ereignisse 9
2.4.2
Die Rolle der Zivilgesellschaft 10
3. Rechtsstaatlichkeit in der Ukraine heute 11
3.1
Prinzip der Rechtsstaatlichkeit und die Anwendung im Kommunismus 11
3.1.1 Anwendung
im
Kommunismus 12
3.2
Der Rechtsstaat in der Ukraine, eine Kurzanalyse 12
3.3
Probleme und Konflikte bei der Etablierung der Rechtsstaatlichkeit 14
3.3.1
Konflikt um die Verfassung 14
3.3.2
Konflikt um das Kabinettsgesetz 14
3.3.3
Die Rolle des Verfassungsgerichtshofes 15
3.3.4 Resümee 15
4. ,,Bestandsaufnahme" des Rechtsstaates anhand von politischen Länderratings 16
4.1
Bertelsmann Transformations Index (BTI) 17
4.2 Freedom
House 18
4.2.1 Political
Rights 18
4.2.2. Nationales Regierungssystem 18
5. Conclusio 20
6. Bibliographie 22
1. Einleitung
Nach dem Zerfall der kommunistischen Systeme 1989/90 und dem Zusammenbruch der
Sowjetunion proklamierten sich mehrere Staaten für unabhängig, mit ihnen auch die Ukraine.
Fast gleichzeitig mit der Unabhängigkeitserklärung folgte aber auch das ,,Bekennen" zum
westlichen Wirtschafts- und Staatsmodell. Zwar trat in den meisten post-kommunistischen
Staaten die neue Verfassung schnell in Kraft, der so genannte Transformationsprozess dauerte
jedoch wesentlich länger bzw. ist noch nicht vollendet.
In den ehemaligen Satellitenstaaten der UdSSR wie z. B. der Tschechoslowakei (heutige
Tschechische Republik und Slowakei) kann der Transformationsprozess zur Demokratie und
freien Marktwirtschaft spätestens mit dem Beitritt zur Europäischen Union 2004 bzw. 2007
als beendet gesehen werden. Für die Ukraine trifft dies nur teilweise zu. Gemessen an
wirtschaftlichen Größen wie dem BIP/Kopf oder dem Durchschnittseinkommen und an
,,politischen" Indikatoren wie etwa dem BTI1, sind drastische Unterschiede im Vergleich zu
anderen europäischen Transformationsstaaten festzustellen. Für das Jahr 2008 weist die
Ukraine beim
Status Index
des BTI nur 6.932 (von max. 10) Indexpunkten auf (BTI 2008a),
während hingegen Tschechien 9.56 Punkte aufweist (BTI 2008b). Russland weist einen
Status
Index
von nur 5.94 (BTI 2008c) auf. Dies zeigt sehr deutlich, dass die Ukraine als
,,Mittelding", gemessen an politischen und wirtschaftlichen Indikatoren, zwischen den ehem.
Satellitenstaaten, die heute wirtschaftlich prosperieren, und Russland gesehen werden kann.
Es gibt viele Erklärungsmöglichkeiten, warum die Ukraine in vielerlei Hinsicht, verglichen an
den Erfolgen der anderen europäischen (ehem.) Transformationsländer, sich nur geringfügig
verbessert hat bzw. in vielen Fragen stagnierte. Ein Grund ist sicherlich der immer noch
präsente Ost/West-Konflikt, der das Land in zwei Teile spaltet und nur schwer ermöglicht,
dass die Ukraine einen einheitlichen Kurs zu Gunsten aller Bürger einschlägt. Dieser
Ost/West-Konflikt kommt in vielen Themen des öffentlichen Lebens wie z.B. der immer noch
präsenten Nationalitäten-Frage vor. So könnte man das Land grob in den ,,
traditionell
antisowjetischen, katholischen Westen (Galizien, Bukowina) mit seiner ukrainischen
Majorität und Agrarwirtschaft
[...] [und den]
stark sowjetisierte
[n]
, russisch-orthodoxe
[n]
Osten mit seiner russischen Majorität sowie Metall- und Kohleindustrie
[...]" (Freundel 2007)
1 Bertelsmann Transformation Index; Ranking von 119 Staaten, das den Erfolg der Transformation zur
Demokratie und Marktwirtschaft misst.
2 Der Statusindex ist ein Mittelwert, der Messungen zur ,,politischen Transformation" und der ,,Transformation
zur Marktwirtschaft", die wiederum den Mittelwert aus mehreren Indikatoren bilden. Bei der Messung konnten
max. 10 Punkte erreicht werden.
2
aufteilen. Dass das Land derart gespalten ist, liegt unter anderem daran, dass die Ukraine in
ihren heutigen Grenzen eigentlich so nie existiert hat und fast ununterbrochen zwischen
russischer und polnischer Einflusssphäre aufgeteilt war. Der Westen sowie die Zentralukraine
gehörten z. B. zu Zeiten der polnisch-litauischen Personalunion3 zu Polen-Litauen. Zu Zeiten
der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn gehörten Teile der Westukraine (z. B. die
Bukowina) zu der ungarischen Reichshälfte. Der Osten war wiederum sehr lange vom
russischen Reich dominiert, was dort auch heute noch sehr augenfällig ist, da diese Zeit ihre
Spuren hinterlassen hat. Diese Aufteilung des Landes in verschiedene Einflusssphären hat die
Gesellschaft der Ukraine sehr stark aufgespalten, was sich auch in den Wahlergebnissen nach
Regionen niederschlägt. Ebenso interessant ist hier auch die Nationalitäten- und damit
verbundene Sprachen-Frage. Auch hier zeigt sich sehr deutlich, dass in den Regionen, wo die
Bevölkerung stark von einer ethnisch-ukrainischen Auffassung ausgeht4, eine starke
Befürwortung der freien Marktwirtschaft und der demokratischen Systeme, während hingegen
in den östlichen Regionen, die von der ostslawischen Auffassung5 dominiert sind, eine
stärkere Tendenz hin zu Planwirtschaft und autokratisch organisierten Führungssystemen
(vgl. Shulman 2005) erkennbar ist. So versuchte der besonders von östlichen Wählern
unterstützte Janukovic bei den Präsidentschaftswahlen 2004 mit Wahlverfälschungen diese
gegen seinen Rivalen Viktor Juscenko zu gewinnen, um die Nachfolge des autokratisch
regierenden Leonid Kucma zu sichern. Dieser Skandal ebnete schlussendlich den Weg für die
,,orange Revolution". Juscenko gelang es in den Nachwahlen zu gewinnen. Diese ,,zweite"
Wende der Ukraine bedeutete einerseits den Bruch mit der autokratischen Vergangenheit und
andererseits den Weg zu einer viel versprochenen, modernen und (in die EU) integrierten
Ukraine. Zwar konnten die ,,orangen" Kräfte die Macht für sich sichern, in der Lage wirklich
spürbare Ergebnisse zu liefern, waren sie jedoch nicht. Dies liegt sicherlich daran, dass ein
gewisser Bruch zwischen den ehemaligen orangen Kräften erfolgte und diese (nämlich
Juscenko und Tymosenko), statt für die Sicherung der Wirtschaft und politischen Stabilität,
nur noch für die eigenen Interessen und Machtsicherungen kämpften. Dies zeigte sich sehr
deutlich in den Konflikten um die Verfassung und das Kabinettsgesetz, bei denen es
Tymosenko und Juscenko eigentlich nur um die persönliche Machtabsicherung ging. Es
scheint so, als ob in der Ukraine nicht im Einklang der Regeln, sondern mit diesen gespielt
wird (vgl. Whitmore 2007). Sowohl bei der Beobachtung der Konflikte um die Verfassung
sowie um das Kabinettsgesetz, welches nur mühevoll und ohne Zustimmung des Präsidenten
3 Gemeint ist die polnisch-litauische Adelsrepublik 15691795.
4 Die ethnisch-ukrainische Auffassung ist besonders stark im Westen des Landes vertreten.
5 Die ostslawische Auffassung ist besonders in dem ehemals stark russisch dominierten Osten vertreten.
3
in Kraft trat, als auch bei der Rolle des Verfassungsgerichtshofes, welcher gleichsam
paralysiert wurde, ist eindeutig zu sehen, dass gewisse politische ,,Spielregeln" verletzt
wurden und dass der Rechtsnihilismus unter allen Parteien (seien sie pro-westlich oder pro-
russisch orientiert) weit verbreitet ist (vgl. Segert 2007).
Wie hat sich jedoch die Rechtsstaatlichkeit in der Ukraine etabliert, und welche Rolle spielte
dabei der Transformationsprozess und die damit verbundenen Verfassungsänderungen sowie
die Umstellung auf eine Marktwirtschaft. Weiters will noch geklärt werden, wie die Lage
heute eingeschätzt werden kann und was für die Zukunft vorhergesagt wird bzw.
prognostiziert werden kann.
Um dem Leser einen Einblick in die Thematik ermöglichen zu können und um die Frage der
,,Rechtsstaatlichkeit" zu klären, wurden in dieser Arbeit zunächst die Geschichte der Ukraine
sowie die zur Wende 1989/90 und die zum Transformationsprozess relevanten Fakten
behandelt. Besonders wichtig sind hierbei die Implementierungen der neuen ,,westlichen"
Normen (neue Verfassung, Marktwirtschaft etc.) sowie der soziale Wandel, der sich, wie es
aussieht, stark zeitverschoben zu der Implementierung der neuen Werte zu entwickeln scheint.
Überleitend von diesem, wird danach dem heutigen ukrainischen Rechtsstaat ein besonderes
Augenmerk geschenkt, indem dieser genauer analysiert wird. Schlussendlich wird eine
,,Bestandsaufnahme" des heutigen Rechtsstaates
Ukraine
mit Hilfe von politikbezogenen
Länderratings wie dem BTI gemacht, um einerseits einen Einblick in den ,,Stand des
Fortschrittes" zu bekommen und andererseits einen Vergleich zu anderen Transitionsländer
herzustellen.
4
2. Vorgeschichte, Entstehung der Verfassung, Wende 1989/90, ,,orange"
Revolution
2.1 Geschichte des Landes, historische Gründe der Demokratiedefizite
2.1.1 Geographische Lage und Zuordnung
Die Ukraine ist ein osteuropäischer Staat, der im Norden an Weißrussland, im Nordosten an
Russland, im Süden an Moldawien und Rumänien und im Westen an Slowakei, Polen und
Ungarn grenzt. Die Hauptstadt des Landes ist mit knapp 2,7 Millionen Einwohnern Kiew.
Wörtlich übersetzt bedeutet das Wort
ukrajina
,,Grenzland", was ,geschichtlich gesehen,
einerseits auf die geographische Lage des Landes zwischen der damaligen europäischen
Supermacht Polen und dem gigantischen Russischen Reich und andererseits auf die
geopolitische Situation vor allem im 20 Jh. als ein geteiltes Land zwischen dem Russischen
Reich und Österreich-Ungarn zurückzuführen ist.
2.1.2 Staatsgeschichte und heutige Folgen
Die Aufteilung des Landes, wie schon kurz in der Einleitung angesprochen, hat bis heute
seine Spuren in der Gesellschaft wie z.B. bei der Frage des Staats- und
Nationsbildungsprozesses und der damit verbundenen Nationalitäten-Frage hinterlassen. Als
sehr schwierig hat sich eben dieser Prozess seit der Unabhängigkeitserklärung 1991 erwiesen,
da das Land bzw. Teile der heutigen Ukraine die ja eigentlich in ihren heutigen Grenzen so
nie existierte abwechselnd vom Mongolischen Reich, der polnisch-litauischen
Adelsrepublik, der Monarchie Österreich-Ungarn, dem Osmanischen Reich sowie Russland
und der Sowjetunion regiert worden ist. All diese Perioden fremder Herrschermächte haben in
vielen Bereichen wie etwa in der Sprachenfrage, Minderheitenfrage besonders die
Krimtartaren auf der Halbinsel Krim etc. merkliche Spuren hinterlassen. Die Ukraine hat in
ihren heutigen Grenzen, wie schon vorhin erwähnt, nie unter einer Herrschaft existiert. Zwar
versuchten die Bolsheviken von 1917-1921 ein unabhängiges, souveränes Land zu gründen,
nach dem Föderalprinzip des Austro-Marxismus6 mit der Gründug einer Allianz und später
einer ,,Union der Staaten", was jedoch scheiterte. 1919 wurde von der sowjet-ukrainischen
6 Von Otto Bauer geprägte Schule des österr. Marxismus.
5
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