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"Gastarbeiter" in BRD und DDR

Subtitle: Wohn- und Arbeitsbedingungen im Vergleich

Termpaper, 2005, 17 Pages
Author: Sebastian Heinrich
Subject: Sociology - Habitation, Urban Sociology

Details

Institution/College: Free University of Berlin
Category: Termpaper
Year: 2005
Pages: 17
Grade: 2,0
Language: German
Archive No.: V133022
ISBN (E-book): 978-3-640-39353-4
ISBN (Book): 978-3-640-39372-5

Abstract

Die Umstände, unter denen Arbeitsmigranten in der Deutschen Demokratischen Republik und in der Bundesrepublik Deutschland lebten und arbeiteten, werden von der Öffentlichkeit oft als sehr verschieden wahrgenommen. Auf der einen Seite steht ein totalitäres System, dass den Migranten nur einen kurzen aber arbeitsintensiven Aufenthalt unter dem ideologischen Deckmantel des „sozialistischen Aufbaus“ gewährte und sie nach getaner Arbeit bedingungslos in ihre Heimat zurückschickte. Auf der anderen Seite die freie BRD, Traumland für viele Arbeitsmigranten. Hier wurden Arbeitskräfte gebraucht, es wurde „ordentlich“ bezahlt, es existierten schon Netzwerke von ausländischen Arbeitern und von der Anreise über den Wohnheimplatz bis zur eigentlichen Arbeitsstelle war alles geregelt. Wer dann ersteinmal den Fuß in der Tür hatte, konnte sich vom Ersparten eine eigene Existenz aufbauen und die Familie nachholen. Wie ich in der vorliegenden Arbeit zeigen möchte, waren aber trotz der eminenten Systemdifferenzen zwischen DDR und BRD weder die Gründe für die Anwerbung von Arbeitsmigranten, noch die Bedingungen unter denen sie im „Gastland“ lebten völlig unterschiedlich. Genauer eingehen möchte ich dabei – nach einem historischen Abriss der Migrationsgeschichte in den beiden Staaten – auf Arbeitsbedingungen und Wohnsituation der Migranten. Es soll vergleichend dargestellt werden, wie sich die Lebens- und Arbeitsumstände gestalteten und welche Rolle das jeweilige politische und wirtschaftliche System dabei spielte. Ich beziehe mich bei der Gegenüberstellung vornehmlich auf den Zeitraum der aktiven Anwerbung von Arbeitsmigranten, der in der BRD von 1955 bis 1973 und in der DDR von 1957 bis 1989 anzusetzen ist.


Excerpt (computer-generated)

Freie Universität Berlin

Spezielle Soziologie

Prüfungsleistung zum

Vordiplom Soziologie

Sommersemester 2005

Hausarbeit:

,,Gastarbeiter" in BRD und DDR ­

Wohn- und Arbeitsbedingungen im Vergleich

Heinrich, Sebastian

Diplomstudiengang

Soziologie

Beifächer:

Politik-

und

Kommunikationswissenschaften

6. Semester

Abgabe:

18.08.2005


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 3

2. Ursachen und Ziele der Arbeitskräftewanderung 3

2.1. Deckung von Spitzenbedarf ­ ,,Gastarbeiter" in der BRD 4

2.2. Hilfe beim Aufbau des Sozialismus ­ Arbeitsmigranten in der DDR 5

2.3. Fazit 6

3. Arbeitsbedingungen 7

3.1. Hohes Risiko und wenig Chancen ­ Migranten in Westdeutschland 7

3.2. Schichtarbeit als Freundschaftsdienst für die DDR 8

3.3. Fazit 10

4. Unterbringung 10

4.1. BRD ­ Kasernierung und Profit 11

4.2. DDR ­ Segregation in Werkswohnungen 12

4.3. Fazit 13

5. Resümee 13

6. Literaturverzeichnis 16

2


1. Einleitung

Die Umstände, unter denen Arbeitsmigranten in der Deutschen Demokratischen Republik und in

der Bundesrepublik Deutschland lebten und arbeiteten, werden von der Öffentlichkeit oft als sehr

verschieden wahrgenommen. Auf der einen Seite steht ein totalitäres System, dass den

Migranten nur einen kurzen aber arbeitsintensiven Aufenthalt unter dem ideologischen

Deckmantel des ,,sozialistischen Aufbaus" gewährte und sie nach getaner Arbeit bedingungslos

in ihre Heimat zurückschickte. Auf der anderen Seite die freie BRD, Traumland für viele

Arbeitsmigranten. Hier wurden Arbeitskräfte gebraucht, es wurde ,,ordentlich" bezahlt, es

existierten schon Netzwerke von ausländischen Arbeitern und von der Anreise über den

Wohnheimplatz bis zur eigentlichen Arbeitsstelle war alles geregelt. Wer dann ersteinmal den

Fuß in der Tür hatte, konnte sich vom Ersparten eine eigene Existenz aufbauen und die Familie

nachholen.

Wie ich in der vorliegenden Arbeit zeigen möchte, waren aber trotz der eminenten

Systemdifferenzen zwischen DDR und BRD weder die Gründe für die Anwerbung von

Arbeitsmigranten, noch die Bedingungen unter denen sie im ,,Gastland" lebten völlig

unterschiedlich. Genauer eingehen möchte ich dabei ­ nach einem historischen Abriss der

Migrationsgeschichte in den beiden Staaten ­ auf Arbeitsbedingungen und Wohnsituation der

Migranten. Es soll vergleichend dargestellt werden, wie sich die Lebens- und Arbeitsumstände

gestalteten und welche Rolle das jeweilige politische und wirtschaftliche System dabei spielte.

Ich beziehe mich bei der Gegenüberstellung vornehmlich auf den Zeitraum der aktiven

Anwerbung von Arbeitsmigranten, der in der BRD von 1955 bis 1973 und in der DDR von 1957

bis 1989 anzusetzen ist.

2. Ursachen und Ziele der Arbeitskräftewanderung

Um die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Migranten sowohl in der BRD als auch in der

DDR untersuchen zu können, ist es notwendig, sich den Gründen der Arbeitskräftewanderung

und den Zielen, die Regierungen, Wirtschaft und die Migranten selbst mit den Wanderungen

verbanden, zuzuwenden.

3


2.1. Deckung von Spitzenbedarf ­ ,,Gastarbeiter" in der BRD

Mit dem wachsenden Wohlstand der bundesrepublikanischen Nachkriegsgesellschaft stieg auch

ihr Arbeitskräftebedarf, das ,,Wirtschaftswunder" brauchte Arbeiter, die aufgrund des

strukturellen und regionalen Arbeitskräftemangels in der BRD jedoch kaum noch zu finden

waren. Dieses Problem wurde verschärft durch die Wiedereinführung der Wehrpflicht 1957

sowie die wieder anlaufende Rüstungsproduktion; der Zustrom von Vertriebenen und DDR-

Bürgern konnte den Mangel nicht ausgleichen. Zwar konnte von Vollbeschäftigung keine Rede

sein, aber inländische Erwerbssuchende konnten es sich nun leisten, harte körperliche und gering

bezahlte Tätigkeiten abzulehnen, darüber hinaus befürchtete das Wirtschaftsministerium unter

dem späteren Bundeskanzler Ludwig Erhard, dass Betriebe untereinander in Konkurrenz treten

und verstärkt Lohnzugeständnisse an die verbliebenen potentiellen Arbeitskräfte machen

müssten.

Deshalb begann die Bundesrepublik in den 1950er-Jahren, mit dem Argument, der Bedarf an

Arbeitskräften wäre mit anderen Mitteln nicht mehr zu decken, so genannte ,,Gastarbeiter" aus

südosteuropäischen Ländern anzuwerben. Gedacht war diese Maßnahme zur kurzfristigen

Überbrückung der Knappheit an Arbeitern, ein entsprechendes Anwerbeabkommen wurde 1955

mit Italien, später u.a. mit Spanien und Griechenland (1960), der Türkei (1961), Portugal (1964)

und Jugoslawien (1968) geschlossen. 1950 lebten 72 000 ausländische Arbeitskräfte in

Westdeutschland, 1959 waren es bereits 166 000 und 1966 1,3 Mio.1 Ein wichtiger Grund für die

aktivere Anwerbung zu Beginn der 1960er-Jahre war der Mauerbau 1961, der den Zuzug

ostdeutscher Arbeiter unterband. Daneben machten sich demographische Entwicklungen in der

deutschen Bevölkerung bemerkbar, die zum starken Rückgang der Erwerbstätigenzahlen führten.

Gründe hierfür waren die geburtsschwachen Kriegsjahrgänge, die Senkung der

Wochenarbeitszeit und des Rentenalters sowie eine längere Ausbildungszeit. 1973 lebten 4 Mio.

ausländische Bürger in der BRD, davon waren 2,6 Mio. beschäftigt. Gegen Ende der 1960er-

Jahre verlor das Rotationsprinzip, das die Rückkehr der Gastarbeiter in ihre Herkunftsländer

beinhaltete, an Akzeptanz und wurde seltener durchgesetzt. Aufenthaltsgenehmigungen konnten

nun leichter erreicht werden und es kam häufiger zum Familiennachzug.

1 Münz, Rainer; Seifert, Wolfgang; Ulrich, Ralf: Zuwanderung nach Deutschland, S.43

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