Register or log in at GRIN

Your e-mail-address or password is wrong
Register now
For new authors: free, easy and fast
This will be used as your user name, please specify a valid e-mail address

Lost password

Your e-mail-address or password is wrong

Request a new password
Abraham in der Kunst close

Please wait

Please install the Adobe Flash Player if no e-book is displayed.

Abraham in der Kunst

Subtitle: Jüdische und frühchristliche Kunst

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2008, 101 Pages
Author: Claudia Curcuruto
Subject: Theology - Historic Theology, Ecclesiastical History

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2008
Pages: 101
Grade: 1,0
Language: German
Archive No.: V133100
ISBN (E-book): 978-3-640-39891-1

Notes :
Quellen der Abbildungen finden sich im Abbildungsverzeichnis am Ende der Arbeit.



Excerpt (computer-generated)

Johannes Gutenberg ­ Universität Mainz

Fachbereich 01: Katholisch ­ Theologische Fakultät

Abraham in der Kunst I:

Die Jüdische und Frühchristliche Kunst

Seminararbeit im Rahmen des Seminars ,,Abraham" im

Wintersemester 2007/2008

Eingereicht bei:

Lehrstuhl für Biblische Wissenschaften,

Abteilung Altes Testament

am:

31. März 2008

von:

Curcuruto, Claudia Nina


II

,QKDOWVYHU]HLFKQLV

Seite

Deckblatt I

Inhaltsverzeichnis II

1 EINLEITUNG: Ziel und Aufbau der Arbeit 1

2 METHODISCHE GRUNDLAGEN: Was ist Kunst? 2

2.1 Einleitung: Kunst als bildende Kunst - ihre Klassifikation und

Wesensbestimmungen 2

2.2 Das Kunstwerk: Das Problem des Inhalts, der Komposition und des Stils 3

2.3 Grundlagen der Bildanalyse: das klassische Modell nach Erwin Panofsky 6

3 DIE JÜDISCHE UND FRÜHCHRISTLICHE KUNST

(3. ­ 8. JAHRHUNDERT) ..8

3.1 DIE JÜDISCHE KUNST 8

3.1.1

Jüdische Kunst? - der Versuch einer Definition 8

3.1.2

Die Kunst der antiken Synagogen 11

3.2 FRÜHCHRISTLICHE KUNST 14

3.2.1

Der Versuch einer Definition 14

3.2.2

Gattungen, Stil und christliche Ikonographie 16

3.3 ABRAHAM IN DER JÜDISCHEN UND FRÜHCHRISTLICHEN KUNST 22

3.3.1

Zur Ikonographie Abrahams 22

3.3.2

Hauptszenen in der Darstellung Abrahams und seine Bedeutung

in der jüdischen und frühchristlichen Kunst 24


III

4 WERKANALYSE: Die ,Opferung Isaaks′ (Gen 22, 1 ­ 19) 27

4.1 Einleitung 27

4.2 Der Text Gen 22, 1 ­ 19 28

4.2.1

Bestimmung der Texteinheit 28

4.2.2

Aufbau der Perikope 30

4.2.3

Betrachtung der Handlungseinheiten nach ikonologischen

Gesichtspunkten 32

4.2.4

Zusammenfassung 40

4.3 Die Darstellung der ,Opferung Isaaks′ in der jüdischen und frühchristlichen

Kunst 40

4.4 Die Kunstwerke 50

4.4.1

Opferung Isaaks in der Katakombe der Via Latina in Rom

(1. Hälfte des 4. Jahrhunderts)

51

4.4.1.1 Einleitung 52

4.4.1.2 Bildbetrachtung: Die Opferung Isaaks in Kammer C 53

4.4.1.3 Der Bezug zum biblischen Text und die Theologie des Bildes...57

4.4.2

Das Bodenmosaik der Synagoge von Beth Alpha (6. Jahrhundert)

60

4.4.2.1 Einleitung 61

4.4.2.2 Bildbetrachtung 63

4.4.2.3 Der Bezug zum biblischen Text und die Theologie der Bilder...65

4.4.3

Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Darstellungen 67

5 SCHLUSSWORT 69

Anhang (Karten, Zeittafeln, Abbildungen) IV

Perikope: Genesis 22, 1- 19 XXI

Glossar XXIII

Verzeichnis der Abbildungen XVI

Quellen- und Literaturverzeichnis XVII.


1

1 EINLEITUNG: Ziel und Aufbau der Arbeit

,,Abraham in der jüdischen und frühchristliche Kunst"

verbindet die Bibel mit der

Disziplin der bildenden Kunst. Wir finden zu den Abrahams-Erzählungen viele

unterschiedliche künstlerische Darstellungen auf Wandmalereien, Mosaiken, christlichen

Sarkophagreliefs u.a., die sich an viele Stationen seines Lebens anlehnen. Die visuellen

Darstellungen vermitteln einen Einblick in die künstlerische Rezeption in der jüdischen

und frühchristlichen Kunst und spiegeln ebenso unterschiedliche theologische Akzente, die

der Abrahams-Geschichte einen unterschiedlichen Charakter verleihen.

Ein oft wiederkehrendes Motiv in den künstlerischen Darstellungen ist die Erzählung

von der Glaubensprobe Abrahams (Gen 22, 1- 19), einer der bekanntesten und

sensibelsten, aber auch einer der schwierigsten Texte der Bibel überhaupt. Die Opferung

Isaaks wird sowohl in der jüdischen als auch in der frühchristlichen Kunst als Darstellung

abgebildet, ist aber eigentlich zu allen Zeiten ein beliebtes Motiv.

Gegenstand und Ziel des vorliegenden Beitrags ist, dem Thema eine angemessene

Darstellung aus unterschiedlichen Forschungsgebieten mit ihren spezifischen Perspektiven

zu geben. Die vorliegende Untersuchung ist gegliedert in die oben skizzierten

drei

Hauptkapitel:

(1) Die methodische Reflexion über das Thema ,Was ist Kunst′, das die Grundlagen

des Themengebietes entfaltet: Wie bestimmen wir ,Kunst′, was sind ihre Problemfelder?

Dabei kommt der Methode der Bildanalyse nach Erwin Panofsky eine besondere

Bedeutung zu, da dieses Modell die Grundlage der Werkanalyse (Teil 3) sein wird.

(2) Das Kapitel über die jüdische und frühchristliche Kunst bietet v.a. einen allgemein

kunsthistorischen Überblick, bei dem dann anschließend im dritten Unterkapitel ,Abraham

in der jüdischen und frühchristlichen Kunst′ eine besondere Beachtung zukommt.

(3) Für eine Werkanalyse wurde exemplarisch die ,Opferung Isaaks′ als Thema

herausgenommen. Dabei sei es angebracht, zunächst einmal den Text Gen 22, 1- 19

exegetisch darzulegen, um damit das Verständnis der Kunstwerke stärker zur Geltung zu

bringen. Es gilt auch die Frage zu berücksichtigen, wie die Darstellung der Opferung

Isaaks in der Kunst mit den Vorgaben aus dem biblischen Text dargeboten wird. Bei der

Werkanalyse konzentriere ich mich auf zwei ausgewählte Kunstwerke, das erste ist aus der

Katakombe der Via Latina in Rom aus der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts, und das

zweite ist ein Fußbodenmosaik der Synagoge von Bet Alpha aus dem frühen 6.


2

Jahrhundert. An diesen Kunstwerken soll aufgezeigt werden, ob und wie diese

Gemeinsamkeit mit dem biblischen Text, aber auch miteinander aufweisen bzw. es sollen

auch die Unterschiede dazu dargestellt werden.

Dem folgend wird ein ausführlicher

Anhang

der Arbeit beigegeben. Vor allem ist hier

wichtig, dass die Leserinnen und Leser sich in die geschilderten Entwicklungen und

Darstellungen zurechtfinden. Deshalb finden sich in

Anhang I-XVI

eine Anzahl von

Karten, Zeittafeln und Abbildungen. Anschließend werden in einem Glossar in einer

kurzen Erklärung Fachwörter erläutert. Schließlich werden die im Text zitierten Quellen

und Literatur und die der Arbeit verwendeten Abbildungen in einem Verzeichnis

aufgeführt.

2 METHODISCHE GRUNDLAGEN: WAS IST KUNST?

2.1

Einleitung: Kunst als bildende Kunst: ihre Klassifikation und

Wesensbestimmungen

Bevor wir uns den Gegenstandsbereichen der jüdischen und frühchristlichen

Kunstgeschichte1 im Einzelnen nähern, dürfte es angebracht sein, uns einige generelle

Gedanken über den Gegenstand ,Kunst′ zu machen, der keineswegs offenkundig ist, wie es

zunächst scheinen mag. Die folgende Definition des Begriffes der ,Kunst′ schlägt Jutta

Held und Norbert Schneider in ihrer Veröffentlichung ,,Grundzüge der Kunstwissenschaft"

vor, die diesen wie folgt bestimmen:

,,Linguistisch betrachtet, handelt es sich bei diesem Begriff um einen Kollektivsingular,

ähnlich wie bei dem Wort ,,Geschichte". Als solcher umfasst ,,Kunst" verschiedene

Einzelkünste wie Malerei, Bildhauerei, Graphik usw. Der genauern Charakterisierung

halber hat man diese Art von Kunst als ,,bildende Kunst" bezeichnet und sie damit von

anderen Formen ästhetischer Praxis wie Musik, Literatur, Theater, Tanz, Pantomimik usw.

abzugrenzen versucht, die man mitunter ebenfalls als Künste definiert. Im alltäglichen und

akademischen Wortgebrauch stellt sich bei dem Begriff ,,Kunst" jedoch auch ohne

charakterisierendes Beiwort in der Regel die Assoziation ,,bildende Kunst" ein, so wie ja

1 Die Kunstgeschichte, allgemein die Entwicklungsgeschichte der Kunst von ihren Anfängen, ist im

Besonderen eine sich seit Ende des 18. Jahrhunderts ausdifferenzierende wissenschaftliche Teildisziplin der

Kunstwissenschaft, die sich mit der Erforschung der bildenden Kunst seit der Antike befasst.


3

auch die Bezeichnung der wissenschaftlichen Disziplin ,,Kunstgeschichte" ohne dieses

eingrenzende Epitheton auskommt und immer nur die Geschichte der bildenden Kunst

meint, indessen nie die der anderen ,,Künste"

2

.

In der Antike und im Mittelalter bezeichnete ,,Kunst" Aktivitäten, die wir zum einen

als Wissenschaften zum anderen als Handwerke definieren würden. Der griechische

Terminus für ,,Kunst" war

techne

, das lateinische, noch bis in die Frühe Neuzeit analog

dazu verwandte,

ars

, der zugleich auch ,,Wissenschaft" bedeutete. Damit war vor allem

eine Fertigkeit, ein aus Erfahrung und Übung erwachsenes Können, eine Geschicklichkeit

gemeint, zu der die Kenntnis von Regeln gehörte.3

Die bildenden Künstler hielten im Großen und Ganzen selbst am Kriterium der

Technik fest, die nach wie vor die Kenntnis der Produktionsregeln und ihre geschickte

Anwendung zum Gegenstand hatte. Erst seit dem angehenden 14. Jahrhundert lassen sich

die neuen Entwicklungen erkennen, die im Wesentlichen mit zwei Faktoren

zusammenhingen: zum einen mit der Bildungsbewegung des Humanismus, zum anderen

mit der Transformation der ökonomischen Verhältnisse insbesondere der beginnenden

Kapitalisierung von Gebrauchsgütern, die auch die Sphäre der Kunst erfasste.4

2.2

Das Kunstwerk: Das Problem des Inhalts, der Komposition und des

Stils

Nachdem wir im vorangegangenen Kapitel die Definition des Kunstbegriffs erörtert

haben, werden wir nun auf einige Aspekte eines Kunstwerkes zu sprechen kommen, bei

dem traditionell in diesem systematischen Rahmen die Begriffe Inhalt, Komposition und

Stil eine zentrale Stellung einnehmen.

2 HELD/SCHNEIDER, Kunstwissenschaft, S. 21f. Eine geschichtshistorische Betrachtung und die

verschiedenen Kunstauffassungen zum Kunstbegriff können hier nicht behandelt werden, vgl. dazu

HELD/SCHNEIDER, Kunstwissenschaft, S. 23 ­ 61.

3 ,,Kunst" wurde lange Zeit für ganz andere Disziplinen und Tätigkeiten reserviert. Für das, was Künstler

herstellten, gab es spezielle Bezeichnungen, die sich für diverse Verrichtungen ablesen lässt: diejenigen, die

mit Stein arbeiteten wurden

statuarii

genannt, die mit Metall

caelatores

, die mit Holz

sculptores,

die mit Ton

fictores

und die mit Wachs

encausti.

Es fällt auf, dass Kunst hier noch nicht als ein einheitliches System

begriffen wird, vielmehr werden alle Tätigkeiten, die man ihr später zuordnet, noch ganz in ihrer

Vereinzelung wahrgenommen, entsprechend ihrer spezifischen Technik, dem verwendeten Material oder dem

jeweiligen Zweck, dem sie dienen sollten. Vgl. HELD/SCHNEIDER, Kunstwissenschaft, S. 23.

4 Vgl. HELD/SCHNEIDER, Kunstwissenschaft, S. 27.


4

Wir werden uns zunächst mit dem

Problem des Inhalts

5 befassen und beginnen mit

dem Versuch einer definitorischen Annäherung. Mit dem Begriff des ,Inhalts′ soll ,,die

fiktionale visuelle Präsenz von Gegenständlichem gemeint sein, die denotativ (und

konnotativ) auf Außerästhetisches verweist oder im Schaffensprozess von ihm angeregt ist,

mindestens aber die ästhetische Wahrnehmung assoziativ auf dieses Außerästhetische

lenkt"6.

Die kunstwissenschaftliche Spezialdisziplin, die sich mit den ,,Inhalten" der

Kunstwerke befasst, also mit den Themen, Stoffen, Motiven und Darstellungstypen, ist die

Ikonographie

7

.

Wörtlich wäre dieser Begriff mit ,,Bildbeschreibung" zu übersetzen, aber

im präzisen Sinne ist nicht die Beschreibung einzelner Bilder gemeint, sondern eben die

der Bildgegenstände. Seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts, nennt man Ikonographie die

Gesamtheit unseres Wissens von den Bildgegenständen und ihre weitere Erforschung

durch das Vorhandensein bestimmter, stets gleich oder ähnlich wiederkehrender

Bildformeln. Die Frage, was dargestellt ist und wie es dargeboten wird (Anzahl,

Gestaltung und Tätigkeit der Person im Bild, Beschaffenheit der Örtlichkeit, Requisiten)

sind dabei die hauptsächlichen Kriterien. Besonderes Gewicht liegt auf der Erkennung und

Differenzieren von Traditionen.8 Die ikonographische Beschreibung beschränkt sich nicht

nur auf den visuellen Befund, sondern setzt diesen fast immer in Beziehung zu

literarischen Quellen (z.B. der Bibel, Ovids Metamorphosen, usw.) und ihrer jeweiligen

Deutungsgeschichte (z.B. der Bibelexegese durch die Kirchenväter und nachfolgende

Theologen). Die Ikonographie stellt also das Material für eine umfassendere

kunsthistorische Interpretation bereit, die schwerpunktmäßig solche Bildthemen

untersucht, die an textliche Überlieferungen gebunden sind und die bereits zu Beginn des

17. Jahrhundert mit dem gebräuchlichen Begriff ,Ikonologie′9 bezeichnet wird.

5 Zum Problem des Inhalts vgl. HELD/SCHNEIDER, Kunstwissenschaft, S. 288 ­ 309.

6 HELD/SCHNEIDER, Kunstwissenschaft, S. 288.

7 Der Begriff Ikonographie setzt sich aus zwei dem Griechischen entstammenden Wörtern zusammen, die in

der deutschen Umschrift ,,eikon" (=Bild) und ,,graphein" (=schreiben) lauten. Ursprünglich bezog sich

Ikongraphie auf die Beschreibung griechischer und römischer Bildnisse, heute ist der Gegenstandbereich der

Ikonographie denkbar weit gefasst. Die Ikonographie fragt: Was ist auf dem Bild dargestellt? Was teilt dieses

Bild mit? Sie beachtet sehr genau Bilddetails und fragt nach deren Bedeutung. Vgl. HELD/SCHNEIDER,

Kunstwissenschaft, S. 289f.

8 Vgl. ERFFA, Ikonologie der Genesis I, S. 12.

9

Ikonologie

geht einen oder mehrere Schritte weiter als die Ikonographie, ohne die sie aber nicht denkbar ist.

Sie fragt nach dem Warum einer Darstellung, und: warum gerade hier in diesem Zusammenhang? Sie fragt


5

Beschränkte sie sich zunächst im Wesentlichen auf die Erforschung der christlichen und

antiken Bildthemen, so ist sie im 20. Jahrhundert ständig ausgeweitet worden.10

Der Begriff der

,,Komposition"

11 (von lat.

compositio:

Zusammenstellung) entstammt

der antiken Rhetorik, wo er unter die Lehre von der Ausarbeitung

(tractatio)

des Stoffes

für eine Rede fällt. Auf die Komposition übertragen, ist der Stoff in den beabsichtigten

Wirkungen entsprechend aufzuarbeiten, d.h. es geht um Phasen der Ausarbeitung eines

Bildes, den Rhythmus, die Auseinanderfolge der Elemente, d.h. insgesamt bezeichnet sie

den formalen Aufbau des Kunstwerkes.12

Der

Stil

13 (zu lateinisch

stilus:

Griffel, Schreibart) ist ein mannigfaltiger Begriff, meint

jedoch die Summe unverwechselbarer Merkmale von Werken der bildenden Kunst, bei

dem sowohl das subjektive Vermögen eines Künstlers als Stil bezeichnet wird, als auch die

Qualitäten eines Kunstwerks, dessen Stil einer bestimmten Zeit / einem Ort zuzuordnen

wäre. Wir unterscheiden also von dem Individualstil eines Künstlers oder Kollektivs (etwa

einer Schule), von einem Epochen- und einem Regionalstil. Stil beleuchtet zwar die

spezifische Formgebung eines Kunstwerks, bezeichnet aber vielmehr die charakteristische

Formgebung, die sich an mehreren künstlerischen Erzeugnissen nachweisen lässt; er

klassifiziert Kunstwerke nach ihren gleichförmigen, wiederholbaren Zügen und

vernachlässigt ihre Einmaligkeit. Stil ist also ein summativer Begriff, der sich nur aufgrund

einer Reihen ­ Untersuchung bestimmen lässt.14

also nach dem Umfeld, aus dem das Kunstwerk erwachsen ist. Dabei werden typologische, symbolkundliche,

allegorisch Beziehungen ermittelt, also wird das Kunstwerk so aus isolierter Betrachtung befreit und in einem

größeren Zusammenhang gesehen.

Vgl. ERFFA, Ikonologie der Genesis I, S. 13.

10 Vgl. HELD/SCHNEIDER, Kunstwissenschaft, S. 290f.

11 Zum Problem der Komposition, vgl. HELD/SCHNEIDER, Kunstwissenschaft, S. 328 ­ 335.

12 In der bildenden Kunst sind Proportion, Perspektive, Licht- und Farbgebung, Raumteilung etc. Elemente

der Komposition. Vgl. HELD/SCHNEIDER, Kunstwissenschaft, S. 328.

13 Zum Problem des Stils, vgl. HELD/SCHNEIDER, Kunstwissenschaft, S 337 ­ 354.

14 Vgl. HELD/SCHNEIDER, Kunstwissenschaft, S. 337.


6

2.3

Grundlagen der Bildanalyse: das klassische Modell nach Erwin

Panofsky

Die Interpretation eines einzelnen Kunstwerkes wird heute gemeinhin als der Kern und

das eigentliche Ziel der kunstgeschichtlichen Forschungen verstanden, bei der das

akkumulierte Wissen zum Einsatz kommt und sich bewähren muss. Aufgrund unserer

späteren Werkanalyse zu ,Abraham in der Kunst ­ Opferung Isaaks′ (Kap. 4), sei es hier

angebracht, die Schritte zu behandelt, die unserer Bildanalyse folgt. Dazu sei das

klassische Modell der Analyse nach Erwin Panofsky15 herangezogen, dass starke

Verbreitung gefunden hat.

In den 1920er Jahren veröffentlichte Panofsky mehrere Aufsätze zur

kunstwissenschaftlichen Methodik.16 Diese Bildkunde basiert partiell auf der historischen

Ikonographie,

die von Panofsky als Methode der Bildinterpretation entwickelt wurde. Er

entwickelte ein

dreistufiges Interpretationsmodell

zum Kunstwerk, in dem er nach dem

Gegenstand der Interpretation drei unterschiedliche Bedeutungssphären aufzeigte, die aber

in der Arbeit an einem Kunstwerk

,,miteinander zu einem einzigen organischen und

unteilbaren Prozess verschmelzen"

17.

Die primäre Ebene des Interpretationsansatzes (die sog.

vor ­ ikonographische

Beschreibung

) bildet der Phänomensinn, auf der die Elemente einer (Bild-) Komposition

identifiziert werden.18 In diesem Teil der Interpretation wird die reine Form identifiziert.

15 Erwin Panofsky (1892-1968) war einer der bedeutendsten amerikanischer Kunsthistoriker deutscher

Herkunft des 20. Jahrhunderts. Panofsky entwickelte die Ikonologie weiter, eine kunsthistorische Methode,

die versucht, das einzelne Kunstwerk im Gesamtkontext zu betrachten. Darüber hinaus schrieb Panofsky

wichtige Studien zur Formengeschichte, zur Kunsttheorie und zur Ikonographie.

16 PANOFSKY, Erwin, ,Zum Problem der Beschreibung und Inhaltsdeutung von Werken der bildenden Kunst′

(S. 187 ­ 206)

und

,Ikonographie und Ikonologie′ (S. 207 ­ 225). Beide Aufsätze sind in KAEMMERLING,

Ekkehard (Hrsg.), Bildende Kunst als Zeichensystem. Bd. 1: Ikonographie und Ikonologie. Theorien ­

Entwicklung ­ Probleme (1979) erschienen.

17 PANOFSKY, Ikonographie, S. 222

18 Da für Panowsky künstlerische Formen nur als symbolische Formen denkbar sind, geht es auf dieser Ebene

nicht um Linien und Farben, sondern um Phänomene, die wir auf ihren Sachsinn und ihren Ausdruckssinn

hin untersuchen können. Panowsky kalkuliert durchaus kulturelle Wahrnehmungsdifferenzen mit ein, so dass

schon auf dieser Ebene kulturelle Kompetenzen vorausgesetzt werden, um ein Bild zweifelsfrei entschlüsseln

zu können. Vgl. HELD/SCHNEIDER, Kunstwissenschaft, S. 361f.


7

Auch hier handelt es sich schon um eine Interpretation auf der Grundlage von den

,,Praktischen Erfahrungen" und der ,,Vertrautheit mit Gegenständen und Ereignissen",19

denn man benennt die wahrgenommenen Formen schon anhand seines Alltagswissens.

Die zweite Ebene (die sog.

ikonographische Analyse

) eines Werks der darstellenden

Künste stellt der Bedeutungssinn dar, für dessen Identifizierung bereits literarische Quellen

erforderlich sind. Die Identifizierung künstlerischer Motive und deren Verknüpfungen

(Kompositionen) durch die Beachtung des Blickwinkels des Künstlers führt zum Erkennen

spezifischerer Themen oder Konzepte, wie Handlungen oder Gesten, die der Künstler

bewusst impliziert hat. Dieses Erkennen ,,setzt eine Vertrautheit mit bestimmten Themen

oder Vorstellungen voraus, wie sie durch literarische Quellen vermittelt wird"20. Genau

hier kann eine Interpretation ansetzen, die das Bild innerhalb historischer Zusammenhänge

und Aussagen daraus verorten will.

Geht es auf dieser Ebene ebenfalls noch um eine identifizierbare Klärung der einzelnen

ikonographischen Motive, so wird auf der dritten und höchsten Interpretationsstufe (die

sog.

ikonologische Interpretation

) nach dem Sinn und Zusammenhang der verschiedenen

ikonographischen und formalen Elemente gefragt,21 der in der Regel durch ikonologische,

den Zusammenhang der einzelnen Motive klärende Untersuchungen erschlossen wird.

Durch das stufenweise erweiterte Wissen wird man immer tiefer in das Verständnis

eines Werkes hingeführt. Die historischen Fakten, die symbolischen Formen und

ikonographischen Motive bilden in ihrer Konstellation selbst den ästhetischen Sinn eines

Werkes.22

19 PANOFSKY, Ikonographie, S.222.

20 Ebd., S. 217.

21 Diese Bedeutung wird erfasst, ,,indem man jene zugrundeliegenden Prinzipien ermittelt, die die

Grundeinstellung einer Nation, einer Epoche, einer Klasse, einer religiösen oder philosophischen

Überzeugung enthüllen, modifiziert durch eine Persönlichkeit und verdichtet in einem einzigen Werk" (Ebd.,

S. 211).

22 Vgl. HELD/SCHNEIDER, Kunstwissenschaft, S. 361ff.



Comments

No comments yet

Add Comment
Your comment is reviewed before being published

Other users also were interested in the following titles:

Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit

Author: Claudia Nickel
Presentations, Models, Tutorials, Instructions, 2006 Download as PDF-file for 4,99 EUR

Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens

Author: Maik Philipp
Presentations, Models, Tutorials, Instructions, 2004 Download as PDF-file for 5,99 EUR

This text can be quoted and accessed from this url:

http://www.grin.com/e-book/133100/abraham-in-der-kunst
please wait Please wait