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Termpaper, 2008, 21 Pages
Author: Fabian Wahler
Subject: Economics / Business: Didactics, Economic Pedagogy
Details
Institution/College: University of Bamberg (Lehrstuhl für Wirtschaftspädagogik)
Year: 2008
Pages: 21
Grade: 2,0
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-39923-9
ISBN (Book): 978-3-640-39872-0
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Abstract
Unsere Gesellschaft sieht sich einem nicht zu übersehenden Wandel in wirtschaftlichen, sozialen und geographischen Bereichen ausgesetzt. Knappheit der Ressourcen, Unsicherheit an den internationalen Finanzmärkten und das Aufstreben der fernöstlichen Wirtschaftsnationen sind nur einige, in der aktuellen Tagespresse nahezu täglich auftauchende, Schlagworte, die uns darauf aufmerksam machen, dass ein auf den Binnenmarkt beschränkter wirtschaftlicher Blick globalen Herausforderungen gewichen ist. Durch diesen Strukturwandel, in den hier nur schlagwortartig angedeuteten wirtschaftlichen Bereichen, sehen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer im kaufmännischen Bereich in den kommenden Jahren neuen Technologien und Herausforderungen ausgesetzt, welche WEBER bereits 1994 mit einem Rückgang des „Tayloristischen Prinzip[s] der Arbeitsorganisation […] zu Gunsten neuer komplexer Formen der Aufgabenstrukturierung“ (WEBER 1994, 1) beschreib. Es stellt sich folglich die Frage, wie insbesondere Arbeitnehmer für dieses neue Anforderungsprofil ausgebildet werden und inwieweit kaufmännischer Unterricht die Schüler auf den Berufsalltag vorbereitet. Hierbei ist interessant, mit welchem Vorwissen Schüler in den Unterricht kommen und inwiefern dieses Wissen konform mit dem ist, was sie lernen sollen. Im Hinblick auf die Fähigkeiten und Erfahrungen treffen Lehrer stets auf Schüler mit individuellen Lernbiographien. Jeder Mensch macht im Laufe seines Lebens Alltagserfahrungen und verfügt hierdurch über psychologisches, technisches oder auch physikalisches Alltagswissen, welches er sich in unterschiedlichen Lebensbereichen angeeignet hat. (Vgl. JUNG 1981, WAHL 1981). Zieht man verschiedene theoretische Ansätze zur Unterrichtsdidaktik heran, so zeigt sich, dass dem Vorwissen der Lernenden immer wieder eine nicht unerhebliche Bedeutung für die Gestaltung von Lehr-Lern-Arrangements beigemessen wird (Vgl. HEIMANN, OTTO & SCHULZ 1972, KLAFKI 1981, DUBS 1987, MEYER 1991, PÄTZOLD 1993). [...]
Excerpt (computer-generated)
OTTO-FRIEDRICH-UNIVERSITÄT BAMBERG
LEHRSTUHL FÜR WIRTSCHAFTSPÄDAGOGIK
Forschungsfragen der Wirtschaftspädagogik
WS 2007/2008
Ökonomisches Alltagswissen und schulisches
Vorwissen und deren Berücksichtigung im
Rechnungswesenunterricht
Fabian Wahler
Dipl. Wirtschaftspädagogik, Studienrichtung II, 7. Fachsemester
Inhaltsverzeichnis
1 Problemstellung 2
2 Wissen und Vorwissen im Unterricht 4
2.1
Conceptual change
Der Umgang mit Alltagsvorstellungen im Unterricht4
2.2 Aktivierung von Wissen im Lernprozess 5
2.3 Ökonomisches Alltagswissen und schulisches Vorwissen 8
3 Konzeption der Studie 9
3.1 Erstellung der Sachstrukturdiagramme 10
3.2 Kodierung der Merkmale ökonomisches Alltagswissen und schulisches
Vorwissen 11
4 Empirische Befunde 12
4.1 Häufigkeit der Bezugnahme auf Vorwissen aus Alltag und Schule 12
4.2 Zeitpunkt und Unterrichtsphase der Bezugnahme auf Vorwissen aus
Alltag und Schule 13
4.3 Unterschiede der Bezugnahme hinsichtlich verschiedener Lehrkräfte und
der Unterrichtsmethode 14
5 Ausblick 16
1 Problemstellung
Unsere Gesellschaft sieht sich einem nicht zu übersehenden Wandel in
wirtschaftlichen, sozialen und geographischen Bereichen ausgesetzt.
Knappheit der Ressourcen, Unsicherheit an den internationalen Finanzmärkten
und das Aufstreben der fernöstlichen Wirtschaftsnationen sind nur einige, in der
aktuellen Tagespresse nahezu täglich auftauchende, Schlagworte, die uns
darauf aufmerksam machen, dass ein auf den Binnenmarkt beschränkter
wirtschaftlicher Blick globalen Herausforderungen gewichen ist.
Durch diesen Strukturwandel, in den hier nur schlagwortartig angedeuteten
wirtschaftlichen Bereichen, sehen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer im kauf-
männischen Bereich in den kommenden Jahren neuen Technologien und
Herausforderungen ausgesetzt, welche WEBER bereits 1994 mit einem Rück-
gang des ,,Tayloristischen Prinzip[s] der Arbeitsorganisation [...] zu Gunsten
neuer komplexer Formen der Aufgabenstrukturierung" (WEBER 1994, 1) be-
schreib.
Es stellt sich folglich die Frage, wie insbesondere Arbeitnehmer für dieses neue
Anforderungsprofil ausgebildet werden und inwieweit kaufmännischer Unterricht
die Schüler auf den Berufsalltag vorbereitet. Hierbei ist interessant, mit
welchem Vorwissen Schüler in den Unterricht kommen und inwiefern dieses
Wissen konform mit dem ist, was sie lernen sollen.
Im Hinblick auf die Fähigkeiten und Erfahrungen treffen Lehrer stets auf Schüler
mit individuellen Lernbiographien. Jeder Mensch macht im Laufe seines Lebens
Alltagserfahrungen und verfügt hierdurch über psychologisches, technisches
oder auch physikalisches Alltagswissen, welches er sich in unterschiedlichen
Lebensbereichen angeeignet hat. (Vgl. JUNG 1981, WAHL 1981).
Zieht man verschiedene theoretische Ansätze zur Unterrichtsdidaktik heran, so
zeigt sich, dass dem Vorwissen der Lernenden immer wieder eine nicht un-
erhebliche Bedeutung für die Gestaltung von Lehr-Lern-Arrangements bei-
gemessen wird (Vgl. HEIMANN, OTTO & SCHULZ 1972, KLAFKI 1981, DUBS 1987,
MEYER 1991, PÄTZOLD 1993).
2
Didaktisch guter und erfolgreicher Unterricht sollte demzufolge auf die Fähig-
keiten und Erfahrungen der Schüler eingehen sowie auf das Vorwissen aus All-
tag und Schule Bezug nehmen. Die Frage, wie dies im modernen Rechnungs-
wesenunterricht geschieht, ist Ausgangspunkt dieser Arbeit.
Vorliegende Thematik wurde in den letzten Jahrzehnten verstärkt im Bereich
des naturwissenschaftlichen Unterrichts erforscht und diskutiert (vgl. JUNG
1981, JUNG 1986, DUIT 1986, RHÖNECK 1986, MÜLLER 2004). Sie ist jedoch
auch im Bereich des ökonomischen Unterrichts von hoher Relevanz. Denn
auch hier kommt der Schüler mit einem Inventar an Vorstellungen, Denkweisen
und Erwartungen in den Unterricht, die erstens nicht immer damit überein-
stimmen, was er lernen soll und mit denen er zweitens einen Schatz an mög-
lichen Anknüpfungspunkten für den didaktischen Unterrichtsaufbau mitbringt.
Ebenso wichtig erscheint es auf bereits erworbenes Wissen aus dem voraus-
gegangenen Unterricht Bezug zu nehmen, um gelerntes Wissen zu aktivieren,
träges Wissen zu vermeiden und Anknüpfungspunkte für die Schüler zu
schaffen (RENKL 2006, 778).
Mit diesem Spannungsfeld beschäftigt sich die vorliegende Arbeit. Dabei wird
drei Fragestellungen nachgegangen, die im Gliederungspunkt
empirische Be-
funde
wieder aufgegriffen werden:
1. Spielen Alltagsvorstellungen und schulisches Vorwissen eine Rolle in der
didaktischen Gestaltung von Rechnungswesenunterricht?
2. Wann und zu welcher Unterrichtsphase wird auf das Vorwissen aus All-
tag und Schule Bezug genommen?
3. Gibt es hinsichtlich der Bezugnahme auf Vorwissen Unterschiede im
Vergleich verschiedener Lehrkräfte und Unterrichtsmethoden?
Zunächst soll der theoretische Hintergrund dieses Themas erfasst werden,
wobei speziell auf den Ansatz des
Conceptual Change
und die Aktivierung von
Wissen im Lernprozess eingegangen wird.
Im Anschluss wird, nach der Unterscheidung zwischen ökonomischem Alltags-
wissen und unterrichtlichem Vorwissen, die Konzeption der Studie vorgestellt.
3
Zuletzt wird nach Darlegung der empirischen Befunde mit einem Ausblick auf
mögliche, weiterführende Forschungsfragen in diese Richtung die Arbeit ab-
geschlossen.
2 Wissen und Vorwissen im Unterricht
Wissen und Vorwissen sind Determinanten, die, wie erwähnt, in verschiedenen
Didaktikmodellen genannt werden und die jeder Lehrer bei der Unterrichts-
planung berücksichtigen sollte. Nachfolgend wird die, für diese Arbeit relevante,
theoretische Basis im Bezug auf den Umgang mit Alltagsvorstellungen und die
Aktivierung von Wissen im Lernprozess gelegt.
2.1 Conceptual change Der Umgang mit Alltagsvorstellungen
im Unterricht1
Individuen haben sich oftmals Wissen über einen Sachverhalt angeeignet, das
sich später als nicht mehr adäquat erweist und ein Umdenken erforderlich
macht. Dieses Umdenken zielt darauf ab, bereits vorhandenes Wissen zu ver-
ändern. Diese Thematik wird im anglo amerikanischen Sprachraum unter der
Bezeichnung
Conceptual Change
diskutiert (SCHNOTZ 2006, 77).
Entwicklungspsychologische Ansätze gehen hierbei von einem naturgegebenen
Neugierverhalten der Individuen aus, welche sich ihr eigenes Wissen
konstruieren und sich beim Schuleintritt bereits einen umfangreichen Wissens-
katalog angeeignet haben.
WYGOTSKI (1964) sieht das Problem der Umwandlung von Alltagswissen in
wissenschaftliches Wissen darin, dass das naive und das wissenschaftliche
Konzept zwei qualitativ unterschiedliche Begriffssysteme darstellen, die nicht
miteinander in Verbindung zu bringen sind.
Schule hat demnach die Aufgabe die unterschiedlichen Begriffssysteme zu-
sammenwachsen zu lassen, indem der Schüler seine Alltagskonzepte in ein
1 Die hier getroffenen Ausführungen stellen lediglich einen, für die vorliegende Arbeit
relevanten, Ausschnitt der Theorie des
Conceptual Change
dar und erheben keinen Anspruch
auf Vollständigkeit. Eine Einführung zur Theorie des
Conceptual Change
und weiterführende
Angaben finden sich bei SCHNOTZ (2006).
4
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