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Benedikt von Nursia – Nachfolger von Simeon Stylites?

Untertitel: Ein Vergleich

Hausarbeit, 2008, 23 Seiten
Autor: Matthias Deters
Fach: Latein

Details

Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2008
Seiten: 23
Note: 2.3
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V133325
ISBN (E-Book): 978-3-640-40149-9
ISBN (Buch): 978-3-640-40122-2

Zusammenfassung / Abstract

Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Turmvision des Heiligen Benedikts (Greg. Dial. 2, 35). Gregor der Große verfasst mit seinen Historia Religiosa eine Sammlung von Heiligenlegenden (Hagiographien) aus dem italienischen Raum. Dabei lassen sich, wie zu zeigen sein wird, verschiedene Parallelen zu einem der bekanntesten Vertreter der oströmischen Asketenbewegung finden: Simeon, dem Säulenheiligen. In dieser Arbeit möchte ich diese Parallelen unter der Fragestellung herausarbeiten, inwieweit Simeon das literarische Vorbild von Benedikt von Nursia gewesen sein kann. Dabei möchte ich zunächst einen Überblick über die Gattungsgeschichte der Hagiographie und das Leben Simeons geben. Den Schwerpunkt dieser Arbeit bildet dann die Analyse der Turmvision, die insbesondere in Hinblick auf die verwendete Symbolik und deren literarische Tradition untersucht werden soll. Anschließend soll ein Vergleich der Ergebnisse der Textinterpretation mit dem Leben Simeons (nach Theodoret von Cyrus) signifikante Parallelen aufzeigen und schließlich die Frage klären, inwieweit Simeon als literarisches Vorbild für Benedikt gedient haben könnte.


Textauszug (computergeneriert)

Universität Göttingen

Hauptseminarsarbeit im Fach Klassische Philologie

Benedikt von Nursia ­

Nachfolger von Simeon Stylites?

Ein Vergleich

Vorgelegt von:

Matthias Deters

am: 20.03.2008

Seminar:

Bischöfe, Mönche und Asketen, WS 2007/08


Inhaltsverzeichnis

1. Inhaltsverzeichnis 2

2. Einleitung 3

3. Gattungsgeschichte 3

4. Beispiel

oström.

Hagiographie: Simeon Stylites 5

5. Textauszug und Übersetzung 7

5.1 Textauszug 8

5.2 Übersetzung 8

6. Interpretation der Szene 9

7. Vergleich mit der Simeonsvita 16

8. Zusammenfassung 20

9. Literaturverzeichnis 21

2


1. Einleitung

Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Turmvision des Heiligen Benedikts (Greg. Dial. 2, 35).

Gregor der Große verfasst mit seinen

Historia Religiosa

eine Sammlung von

Heiligenlegenden (Hagiographien) aus dem italienischen Raum. Dabei lassen sich, wie zu

zeigen sein wird, verschiedene Parallelen zu einem der bekanntesten Vertreter der

oströmischen Asketenbewegung finden: Simeon, dem Säulenheiligen.

In dieser Arbeit möchte ich diese Parallelen unter der Fragestellung herausarbeiten, inwieweit

Simeon das literarische Vorbild von Benedikt gewesen sein kann. Dabei möchte ich zunächst

einen Überblick über die Gattungsgeschichte der Hagiographie und das Leben Simeons

geben. Den Schwerpunkt dieser Arbeit bildet dann die Analyse der Turmvision, die

insbesondere in Hinblick auf die verwendete Symbolik und deren literarische Tradition

untersucht werden soll. Anschließend soll ein Vergleich der Ergebnisse der Textinterpretation

mit dem Leben Simeons (nach Theodoret von Cyrus) signifikante Parallelen aufzeigen und

schließlich die Frage klären, inwieweit Simeon als literarisches Vorbild für Benedikt gedient

haben könnte.

2. Gattungsgeschichte

In diesem Abschnitt möchte ich die Entwicklung der Hagiographie als literarische Gattung,

sowie ihren Weg nach Rom beschreiben und dann die zentralen Topoi aufzeigen, unter denen

sich diese Gattung fassen lässt.

Die christliche Tradition kennt zwei Heiligentypen: Die Märtyrer und die Asketen1.

Menschen, die, ganz wie viele Apostel, für ihren Glauben großes Leid auf sich nahmen und

besonders während der Christenverfolgung einen harten Tod aufrecht ertrugen, konnten sich

den Weg ins Paradies sichern und posthume Berühmtheit erlangen. Viele wurden später heilig

gesprochen. Ihre Geschichten wurden z.B. in den sog. Märtyrerakten (

acta martyrum2

)

gesammelt. Nach dem Toleranzedikt (313 n.Chr.) fiel aber jede Möglichkeit weg, auf diesem

Weg heilig zu werden. Die Aufmerksamkeit richtete sich daher nach Osten, auf die

Asketenbewegung in Ägypten oder Syrien, die durch besonders harte Glaubenspraxis dort

bereits über eine enorme Popularität verfügten. Dabei ist die Askese (

askesis

) als ,,religiöses

Training" zu übersetzen, beschriebt aber zumeist besonders enthaltsame Lebensweise. Als

1 Fuhrmann 1994, S. 222.

2 Fuhrmann 1994, S. 223.

3


solche war sie dem spätantiken Publikum durch die Moralphilosophie z.B. der Stoa geläufig.

Gefördert durch die Apokalyptik des Spätjudentums3 gewann die Askese als religiöse Praxis

im römischen Osten große Beliebtheit. Es entstand eine asketisch-monastische Kultur, durch

die sich das Mönchtum als Lebensform von Ägypten über Palästina im sämtlichen römischen

Osten ausbreitete und mit den jeweiligen regionalen Formen verschmolz4. Das hier näher

betrachtete syrische Mönchtum entstand aus der vormonastischen Askese unabhängig von der

ägyptischen Entwicklung5. Die Geschichten herausragender Asketen wurden aufgezeichnet

und schnell entwickelte sich die Hagiographie als Kunstform und literarische Gattung. Der

Erfolg vieler Heiligenlegenden im ganzen römischen Reich veranlasste eine ganze Reihe von

Schriftstellern, hagiographische Schriften zu verfassen. So verfasste der Syrer Theodoret in

seinen

Historia Religiosa

unter anderem auch eine Vita des Simeon, auf die sich diese Arbeit

hauptsächlich stützen wird. Wie alle Schriften, die das frühe Christentum hervorbrachte,

entwickelte sich diese Gattung zunächst auch in griechischer Sprache - im römischen Osten

geläufiger als Latein. Abermals ­ wie auch bei der Entwicklung paganer Literatur - war der

römische Westen gezwungen, griechische Formen zu übernehmen. Bischof Athanasios aus

Alexandria war der erste, der eine Heiligenlegende in lateinischer Sprache verfasste6. Auch

Gregor der Große verfasst in seinen 4 Büchern

Dialogi

eine Sammlung italienischer

Wundersagen und Heiligenlegenden, wobei sich das zweite Buch ausschließlich dem Leben

des Heiligen Benedikts widmet (

Vita Benedicti

). Nur wenige hatten sich vorher in Italien an

diese Gattung gewagt. Gregor möchte beweisen, dass ,,auch ,sein Italien` Gottesmänner und

Wundertäter besitzt"7.

Die Heiligenlegenden erfüllten zwei Funktionen:

8

imitatio

und

admiratio

. Sie sollen zur

Nachahmung einladen und/oder einen ins Staunen versetzen. Gregor trennt zwischen diesen

beiden Funktionen. Die Schwachen sollen sich laut Gregor von Nachahmung fernhalten

(,,

infirmis veneranda, non imitanda

", Dial.IV, Kap. 1). Während sich die Märtyrergeschichten

meist auf das Lebensende konzentrierten, rückte bei den Hagiographen das Lebensganze in

den Mittelpunkt. Insofern sind hagiograpische immer biographische Schriften. Sie sind

zumeist den in der Bibel beschriebenen Viten der Engel oder Apostel nachempfunden (

vita

apostolica, vita evangelica

). Sie beginnen mit Kindheit und Jugend, die aber nur kurz

beschrieben werden. Der eigentliche Weg des Heiligen beginnt mit der

conversio

, der

3 Frank 1993, S. 2.

4 Frank 1993, S. 28.

5 Ebd.

6 Fuhrmann 1994, S. 224.

7 Steidle 1971, S. 187.

8 Fuhrmann 1994, S. 224.

4


Bekehrung9. Dies ist das Schlüsselmoment, das einen Menschen dazu bewegt, sein bisheriges

Leben, das auch durch Sünden geprägt sein kann, aufzugeben und sich fortan mit ganzer Kraft

Gott zu widmen. Hierzu bedarf es meist eines Bruches mit Heimat und Familie, der als

anachorese

bezeichnet wird. Es folgt die ausführliche Beschreibung eines mehrstufigen

Glaubensweges, der meist als Aufstieg beschrieben wird. Hier wird der patristische Begriff10

der

anagogé

als innerer und ­ topographisch nachgezeichnet ­ äußerer Aufstieg dargestellt.

Als Glaubensweg bezeichne ich hier den Weg, den der Gläubige auf seiner Suche nach Gott

zurücklegt. Dies bezeichnet die gesamte Biographie seit der

conversio

des Gläubigen. Dabei

kann die Art und Weise, auf die ein Heiliger zu Gott gelangen will, durchaus unterschiedlich

sein. Die oströmischen Heiligen führte dieser Weg dabei aber meistens in die Einsamkeit der

Wüste (Eremitage). Auf diesem Glaubensweg warten Versuchungen, die ihn von diesem Weg

abbringen wollen ­ wie Frauenerscheinungen -, und Prüfungen, die ihn, d.h. seinen Glauben

herausfordern, wie Krankheiten oder Hunger. Heiligenlegenden und Wundergeschichten sind

überdies eng miteinander verknüpft, denn der Heilige verfügt immer auch über Wunderkraft.

Sein Vermögen Wunderheilungen oder Naturwunder zu bewirken, wie z.B. Unfruchtbaren

zur Schwangerschaft zu verhelfen, beschert dem Heiligen oftmals einen regelrechten Ansturm

von Hilfesuchenden. Auch hellseherische Fähigkeiten und Visionen begegnen dem Heiligen

in der hagiographischen Literatur fast immer. Ein charakteristisches Motiv ist auch die

Wunderwirkung nach dem Tode, die meist von Reliquien oder den durch den Heiligen

besuchten Orten ausgeht

In diesem Kapitel habe ich dargelegt, dass die Heiligenlegende als literarische Gattung

aus dem römischen Osten stammt und sich in griechischer Sprache entwickelte. Die

vorliegende

Vita Benedicti

ist also Teil eines Rezeptionsprozesses, bei dem auch die gängigen

hagiographischen Topoi, wie die

anagogé, anachorese, conversio

oder

askesis

Eingang in die

lateinische Heiligenerzählung fanden.

3. Beispiel oström. Hagiographie: Simeon Stylites

In diesem Abschnitt nun möchte ich mit dem Säulenheiligen Simeon d.Ä. ein Musterbeispiel

eines oströmischen Heiligen vorstellen. Es wird zu prüfen sein, inwieweit gerade dieser

Heilige Vorbild für die

Vita Benedicti

gewesen sein konnte.

9 Gregor d.G. 1995, S. 46.

10 ebd.

5



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