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Subtitle: Der Mensch seine Natur und Kultur
Scholary Paper (Seminar), 2008, 19 Pages
Author: Michael Kowalczyk
Subject: Philosophy - Practical (Ethics, Aesthetics, Culture, Nature, Right, ...)
Details
Institution/College: RWTH Aachen University (FB7 - Philosophie)
Tags: Ernst Cassierer, Kultur, Philosophie, Seminararbeit, Natur, Kulturphilosophie, symbolischen Formen, Wesen des Menschen, Visco, Uexküll, Aachen, Hellen Keller, Anthropologie, Animal Symbolicum, Problem der Objektivität, Mythos, Religion, Sprache, Entstehung der exakten Wissenschaft, RWTH
Year: 2008
Pages: 19
Grade: 1,7
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-40289-2
ISBN (Book): 978-3-640-40336-3
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Abstract
Cassirer veröffentlicht 1942 sein Werk Zur Logik der Kulturwissenschaften, Fünf Studien. In der ersten Studie, mit dem Titel Der Gegenstand der Kulturwissenschaft erarbeitet Cassirer seinen Kulturbegriff, indem er ihn gegen die Natur und die naturwissenschaftlichen Methoden stellt und zur neuen Aufgabe der Philosophie erklärt. Zwei Jahre später erscheint ein weiteres Werk Über den Menschen , mit dem Untertitel Einführung in eine Philosophie der Kultur. Es beinhaltet ein populär-wissenschaftliche Darstellung und Erläuterung seiner Anschauungen, die Cassirer vormals in der Philosophie der symbolischen Formen entwickelt hat. Anhand der folgenden Zusammenfassung beider Werke wird aufgezeigt auf welche Weise Cassirer zum Kulturbegriff gelangt. Ausgehend von einer historischen Betrachtung zur Entwicklung des Erkenntnisbegriffes über das Problem der Objektivität zwischen der Philosophie und den Naturwissenschaften, bis hin zur Bestimmung des Wesen des Menschen als animal symbolicum und der Entwicklung menschlicher Kultur aus den symbolischen Formen.
Excerpt (computer-generated)
RWTH Aachen, Philosophisches Institut
Seminar: Der Begriff der Kultur
WS 2008/2009
Thema der Seminararbeit:
Ernst Cassirers Philosophie der Kultur
Vorgelegt von:
Michael Kowalczyk
Aachen, den 10.04.09
Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
Ernst Cassirer Erkenntnistheoretiker, Kulturphilosoph, Kulturanthropologe 4
Die Antike und die Entstehung der exakten Wissenschaft 6
Sprache und Symbol als neue Erkenntnisform 8
Das Problem der Objektivität und die neue Aufgabe der Philosophie 10
Das Wesen des Menschen 11
Symbolische Formen 15
Literaturverzeichnis 18
2
Einleitung
Ausgehend von der umgangssprachlichen Praxis bei der Verwendung von
Kultur
als Begriff
erkennt man, dass es sich um einen vagen, vielseitig einsetzbaren und ambigen Begriff
handelt dessen Denotationsmenge möglicherweise alles dem kreativen menschlichen Geist
vorstellbare einschließt.
Kultur im grammatischen Singular kann beispielsweise als die grundlegende kollektive
Funktion menschlicher Lebensgestaltung verstanden werden, aber auch als der Prozess und
Resultat einer spezifischen Formtätigkeit, wie dem Verfassen einer Seminararbeit über
Kultur. Historisch gesehen spricht man auch vom Plural der Kulturen, wie etwas die des
Orients und des Abendlandes. Auch wenn es scheint als hätten wir es mit unterschiedlichen
Kulturbegriffen zu tun haben, lässt sich der Kulturbegriff hier zurückführen auf das Tun und
Wirken der Menschen. Kultur ist der
,,Inbegriff der von Menschen produzierten und
reproduzierten menschlichen Lebenswelt."
1 Diese Lebensumwelt ist in ihrer ursprünglichen
Form immer die
Natur
und somit verhält sich ein Naturbegriff gleichsam als Kontrast und
Bedingung zum Kulturbegriff. Land muss da sein um es als Acker zu kultivieren.
,,Alles ist Natur alles ist Kultur. Alles ist Natur, weil auch das, was Kultur genannt wird,
aus der Natur erwächst und zum Inbegriff tatsächlichen Geschehens wird. Alles ist Kultur,
weil auch das, was Natur genannt wird, gerade darin, dass es genannt wird, auf die Leistung
des Menschen verweist, der die so genannte Natur als solche auf einen Begriff bringt, zum
Kulturgegenstand mach, gerade weil etwas zum Gegenstand machen eine Form von
Kulturleistung ist."
2
Die Frage ob doch alles Natur sei, weil doch alle Kultur aus ihr entspringt, oder doch alles
Kultur ist, da der erwachsene Mensch nicht anders kann, als mit jeder Wahrnehmung alles in
ein bereits Symbol geprägtes Sinnkontinuum zu überführen, lässt sich nicht ohne eine
grundlegende Ausarbeitung menschlicher Wesencharakteristik und seiner
Wirklichkeitsauffassung klären. Gerade wenn die Natur als ein vom Menschen verarbeitbarer
Stoff angesehen wird,
,,zeigt sich im Begriff der Kultur ein anthropologisches Motiv."
3
Die Kultur ist die Welt des Menschen, die Natur als solche ist nicht fassbar, da jede Erfassung
bereits Kultivierung ist. Das Verhältnis des Menschen zur Natur kann in diesem Sinne nur
vermittelt der Reflexionsfähigkeit des Menschen erarbeitet werden.
1 Herbert Schnädelbach, ,,Kultur", in: Ekkhard Martens / Herbert Schnädelbach (Hg.), Philosophie. Ein
Grundkurs, Bd.2, Reinbeck 1991, S.517.
2 Ernst Wolfgang Orth, Von der Erkenntnistheorie zur Kulturphilosophie, Studien zur Ernst Cassirers
Philosophie der symbolischen Formen, Könighausen & Neumann, 1996, S. 194-195 Im folgenden Orth, 1996
3 Ebd. S.195
3
Ernst Cassirer Erkenntnistheoretiker, Kulturphilosoph,
Kulturanthropologe
Der 1874 im polnischen Breslau geborene Sohn des jüdischen Kaufmanns Eduard Cassirer
und seiner Frau Eugenie Cassirer studierte zunächst unter anderem Philosophie and der
Universität Berlin, bevor er sich 1896 der Marburger Schule des Neukantianismus anschloss.
Er promovierte bei Paul Natrop über Descartes′ Kritik der mathematischen und
naturwissenschaftlichen Erkenntnis.
Berühmt wurde er vor allem über sein dreibändiges Werk
Philosophie der symbolischen
Formen
(I - Die Sprache 1923; II- Das mythische Denken 1925; III- Phänomenologie der
Erkenntnis 1929)
mit welchen er maßgeblich an der Formung eines neuen ,,Genres" der
Philosophie mitwirkte, der Kulturphilosophie. Wo sich bis dahin die Aufmerksamkeit der
Philosophie auf die wissenschaftliche Erkenntnis richtete, kamen mit Cassirers Philosophie
der
symbolischen Formen
unter anderem, den Mythos, die Sprache und die Wissenschaft in
den Vordergrund. In ihnen sah Cassirer die kulturelle
,,Aktivität des menschlichen Geistes
bekundet."
4
Er
entfaltet seine Philosophie in einer Grenzbeziehung zu den Geistes-
Wissenschaften, wie der Linguistik, Psychologie, sowie den klassischen Naturwissenschaften,
der Physik und Mathematik.
,,An die Stelle der früheren Erkenntnistheorie tritt eine
symbolische Bedeutungstheorie kultureller Objektivationen."
5
In seinem 1939 erschienenen Aufsatz
,,Naturalistische und humanistische Begründung der
Kulturphilosophie"
schreibt Cassirer:
"Von all den einzelnen Gebieten, die wir innerhalb des systematischen Ganzen der
Philosophie zu unterscheiden pflegen, bildet die Kulturphilosophie vielleicht das
fragwürdigste und das am meisten umstrittene Gebiet. Selbst ihr Begriff ist nicht scharf
umgrenzt und eindeutig festgelegt. Hier fehlt es nicht nur an festen und anerkannten
Lösungen der Grundprobleme, es fehlt vielmehr an der Verständigung darüber, was sich
innerhalb dieses Kreises mit Sinn und mit Recht fragen lässt. Diese Unsicherheit hängt damit
zusammen, dass die Kulturphilosophie die jüngste und den philosophischen Disziplinen ist
und dass sie nicht gleich ihnen auf eine gesicherte Tradition, auf eine jahrhunderte lange
Entwicklung zurückblicken kann." 6
Das Problem der Kulturphilosophie liegt in ihrer Vieldeutigkeit. In Hinblick auf die Anti-
Metaphysische Epoche der Philosophie, wird das traditionell metaphysische Problem der
4 Heinz Paetzold, Ernst Cassirer zur Einführung, Junius Verlag, 2000, S.8 Im folgenden Paetzold, 2000
5 Ebd. S.19
6 Zitat von Ernst Cassirer in : Orth, 1996, S 192
4
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