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Untertitel: Das Kriterium der Sachdienlichkeit und seine fehlende Konkretisierung
Hausarbeit, 2009, 16 Seiten
Autor: LL.B. Anja Balitzki
Fach: Jura - Zivilrecht - Handels- u. GesellschaftsR, KartellR, WirtschaftsR
Details
Jahr: 2009
Seiten: 16
Note: 1,3
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-640-42981-3
ISBN (Buch): 978-3-640-43013-0
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Zusammenfassung / Abstract
Am 9. Februar dieses Jahres hat der Appellate Body der WTO seinen Jahresbericht 2008 veröffentlicht. Zum Inhalt des Berichts gehört unter anderem der Fall China – Auto Parts, in welchem dem Appellate Body ein amicus curiae brief unaufgefordert zugesandt wurde. Diesen stufte der Appellate Body allerdings als „nicht erforderlich“ für seine Entscheidungsfindung ein. Solch eine Formulierung kann mittlerweile in Bezug auf amicus curiae briefs als typisch bezeichnet werden. Eine genaue Begründung der Ablehnung solcher briefs durch den Appellate Body oder die Panels erfolgte bisher nur bedingt, was zu Rechtsunsicherheit geführt hat. Diese Arbeit beschäftigt sich daher mit dem Kriterium der Sachdienlichkeit, welches der Appellate Body zwar innerhalb der Streitbeilegung entwickelt, aber nur in begrenztem Maße näher konkretisiert und ausgelegt hat. Im ersten Teil (2.) wird auf die Herkunft und Bedeutung von amicus curiae briefs eingegangen. Dadurch soll dem Leser deutlich gemacht werden, warum dieses Thema im Rahmen der WTO kontrovers diskutiert wird. Daraufhin (3.) erfolgt eine genauere Beschreibung der Zulassung und Handhabung von amicus curiae briefs anhand von Streitbeilegungsverfahren der WTO. Im folgenden Teil (4.) wird erläutert, warum es einer näheren Konkretisierung des Kriteriums für amicus curiae briefs bedarf. Außerdem wird herausgestellt, woran es an der jetzigen Rechtslage mangelt und inwiefern dies gelöst werden könnte. Aufgrund der vorgegebenen Länge der Arbeit ist es nicht möglich einen allgemeinen Überblick über die Problematik der amicus curiae briefs zu geben. Auch beschränkt sich daher die Beschreibung der Streitbeilegungsverfahren auf das Wesentliche im Hinblick auf die Sachdienlichkeit. Das Ziel dieser Arbeit ist es, zum einen das Kriterium der Sachdienlichkeit darzustellen und zum anderen, darauf aufbauend, einen Vorschlag zur Konkretisierung dieses Kriteriums zu machen. Sie dient zugleich als potentieller Aufruf an die Mitglieder der WTO sich der Dringlichkeit dieser Aufgabe bewusst zu werden.
Textauszug (computergeneriert)
Oldenburg den 20.06.09
Anja Balitzki
Master Comparative and European Law
Fachsemester: 2
Amicus curiae briefs und die WTO
Das Kriterium der Sachdienlichkeit und seine fehlende
Konkretisierung
Welthandelsrecht
Universität Bremen
SoSe `09
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Amicus curiae briefs und die WTO 4
3. Das Kriterium der Sachdienlichkeit 5
3.1. US Shrimp 5
3.2. US Lead and Bismuth 5
3.3. EC - Asbestos 6
3.4. EC Sardines 7
3.5. Thailand Anti-dumping duties 8
3.6. Weitere Fälle 8
4. Die nähere Konkretisierung der Sachdienlichkeit 9
4.1. Notwendigkeit einer näheren Konkretisierung 9
4.2. Der Vorschlag der EG 11
4.3. Eigener Vorschlag 11
5. Fazit 13
6. Literaturverzeichnis 14
2
1. Einleitung
,,Ich würde 1000 Originalitäten des Ausdrucks hergeben für eine Klarheit."
Manès Sperber (1905 1984), dt.-frz. Schriftsteller.1
Am 9. Februar dieses Jahres hat der Appellate Body der WTO seinen Jahresbericht 2008
veröffentlicht.2 Zum Inhalt des Berichts gehört unter anderem der Fall China Auto Parts, in
welchem dem Appellate Body ein amicus curiae brief unaufgefordert zugesandt wurde.
Diesen stufte der Appellate Body allerdings als ,,nicht erforderlich" für seine
Entscheidungsfindung ein.3 Solch eine Formulierung kann mittlerweile in Bezug auf amicus
curiae briefs als typisch bezeichnet werden. Eine genaue Begründung der Ablehnung solcher
briefs durch den Appellate Body oder die Panels erfolgte bisher nur bedingt, was zu
Rechtsunsicherheit geführt hat.
Diese Arbeit beschäftigt sich daher mit dem Kriterium der Sachdienlichkeit, welches der
Appellate Body zwar innerhalb der Streitbeilegung entwickelt, aber nur in begrenztem Maße
näher konkretisiert und ausgelegt hat.
Im ersten Teil (2.) wird auf die Herkunft und Bedeutung von amicus curiae briefs
eingegangen. Dadurch soll dem Leser deutlich gemacht werden, warum dieses Thema im
Rahmen der WTO kontrovers diskutiert wird. Daraufhin (3.) erfolgt eine genauere
Beschreibung der Zulassung und Handhabung von amicus curiae briefs anhand von
Streitbeilegungsverfahren der WTO. Im folgenden Teil (4.) wird erläutert, warum es einer
näheren Konkretisierung des Kriteriums für amicus curiae briefs bedarf. Außerdem wird
herausgestellt, woran es an der jetzigen Rechtslage mangelt und inwiefern dies gelöst werden
könnte. Aufgrund der vorgegebenen Länge der Arbeit ist es nicht möglich einen allgemeinen
Überblick über die Problematik der amicus curiae briefs zu geben. Auch beschränkt sich
daher die Beschreibung der Streitbeilegungsverfahren auf das Wesentliche im Hinblick auf
die Sachdienlichkeit.
Das Ziel dieser Arbeit ist es, zum einen das Kriterium der Sachdienlichkeit darzustellen und
zum anderen, darauf aufbauend, einen Vorschlag zur Konkretisierung dieses Kriteriums zu
1 Zu finden unter http://www.zitate.de/ergebnisse.php?kategorie=Klarheit&stichwort=&autor=&x=13&y=7
(abrufbar am 20.06.09).
2 Appellate Body Annual Report for 2008 vom 09.02.09, WT/AB/11.
3 In der englischen Version beschrieben als ,,the Division hearing the appeal did not find it necessary to rely on
this amicus curiae
brief in rendering its decision", WT/AB/11, S. 44.
3
machen. Sie dient zugleich als potentieller Aufruf an die Mitglieder der WTO sich der
Dringlichkeit dieser Aufgabe bewusst zu werden.
2. Amicus curiae briefs und die WTO
Der Begriff amicus curiae ist lateinischen Ursprungs und heißt übersetzt ,,Freund des
Gerichts". Im römischen Recht galten die amici als unparteiische Berater, die eine
wesentliche Rolle bei der Urteilsfindung gespielt haben.4 In der heutigen Zeit versuchen sie
mit ihren dem Gericht unaufgefordert zugesandten Schriftsätzen öffentliche aber auch private
Interessen, die mit dem Rechtsstreit verbunden sind, durchzusetzen.5 Ihre Rolle ist somit mit
dem ursprünglichen Begriff nicht vergleichbar. Trotzdem werden diese Schriftsätze vor allem
im amerikanischen Rechtssystem berücksichtigt. Der Grund dafür ist, dass sie oft Themen
behandeln, die von den Parteien nicht geäußert wurden, aber für den Fall von Bedeutung sein
können.6 Amicus curiae briefs können drei Funktionen erfüllen, nämlich eine
Tatsachenanalyse oder Beweise anführen, eine Rechtsauslegung beinhalten oder den Fall in
einen größeren politischen oder sozialen Kontext stellen.7 Die eingesandten amicus curiae
briefs stammen überwiegend von NGO′s und Universitätsprofessoren.
Im Rahmen der WTO werden amicus curiae briefs unterschiedlich von den Mitgliedern
beurteilt. Dies hat neben den jeweiligen Rechtstraditionen vor allem den Grund, dass im DSU
und im Arbeitsverfahren des Appellate Body keine explizite Regelung zu den briefs enthalten
ist. Allerdings hat sich durch die Streitbeilegungspraxis eine regelmäßige Berücksichtigung
entwickelt.8 Daher soll es nicht Ziel dieser Arbeit sein, Vor- und Nachteile der Zulassung von
amicus curiae briefs herauszustellen. Aufgrund der heutigen Situation im
Streitbeilegungsverfahren wird, zukunftsorientiert gedacht, eine konkrete Regelung solcher
briefs erarbeitet. Da sich seit neuestem eine Entwicklung der WTO zu mehr Transparenz
gegenüber der Öffentlichkeit zeigt,9 scheint dieser Ansatz auch in Bezug auf amicus curiae
briefs angebracht zu sein. Dies wird auch in der Literatur von verschiedenen Seiten
gefordert.10 Im nächsten Teil erfolgt eine genaue Analyse der Streitbeilegungsverfahren, in
4 Zimmermann, S. 172.
5 Schwartmann, S. 428.
6 Weber, S. 47.
7 Van den Bossche, S. 739.
8 Vgl. auch Steger, S.709; Communication from the European Communities vom 30.05.02, TN/DS/W/7, S. 6.
9 So fand 2008 die erste öffentliche Verhandlung vor dem Appellate Body statt; siehe Ehring, S. 1021.
10 Durling/Hardin, S. 221; Ehring, S. 1033; Warwick Report, S. 3.
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