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"Entstehung und Entwicklung der Krimireihe Tatort unter besonderer Berücksichtigung des Tatorts Münster."

Termpaper, 2008, 27 Pages
Author: Diplom-Sozialwirt Sebastian Krell
Subject: Communications: Mass Media

Details

Event: "Fortsetzung folgt" - Serienanalyse
Institution/College: University of Göttingen
Tags: Tatort, die Serie, Serientypen, Geschichte des seriellen Erzählens, Fernsehkrimi, Tatort Münster, Krimi
Category: Termpaper
Year: 2008
Pages: 27
Grade: 2,3
Language: German
Archive No.: V133734
ISBN (E-book): 978-3-640-40319-6


Abstract

Vor fast 40 Jahren beginnt die Erfolgsgeschichte der Fernseh-Krimireihe Tatort. Der Tatort bringt der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt ARD bis heute beständige Spitzenquoten ein. Die Idee und die Umsetzung entsprangen zunächst aus einer Notlösung heraus. Die ARD wollte dem bislang konkurrenzlosen Der Kommissar des ZDF mit einem neuen und innovativen Konzept entgegentreten. Die föderale Struktur der ARD erweist sich zuletzt als Schlüssel zum Erfolg. Durch die Beteiligung aller regionalen Landesrundfunkanstalten konnten die gewaltigen Produktions- und Redaktionskosten auf die einzelnen Sendeanstalten verteilt werden. Unter dem Titel Tatort entsteht so Anfang der 1970er Jahre eine vielseitige Krimireihe, in die die jeweiligen Sendeanstalten ihre regionalen Eigenheiten einbringen sollen. Der Tatort sollte eine primär „deutsche“ Serie sein und sich nicht an den amerikanischen Fernsehkrimis orientieren. Der Tatort ist mittlerweile für viele Zuschauer, auch Generationen übergreifend, zu einem allwöchentlichen Ritual geworden. Dabei gilt schon lange: „Wer im Fernsehen etwas über den Zustand unseres Landes erzählen will, dreht einen Tatort.“ Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Entstehung und Entwicklung der Krimireihe Tatort unter besonderer Berücksichtigung des Tatorts Münster.


Excerpt (computer-generated)

Inhaltsverzeichnis

1

Einleitung ____________________________________________________________ 2

2

Die Serie _____________________________________________________________ 3

2.1

Definitionen der fiktiven Serie____________________________________________ 3

2.2

Formale Eigenschaften einer Serie _______________________________________ 3

2.3

Serientypen ____________________________________________________________ 4

2.3.1

Episodenserie (series)

_______________________________________________________ 4

2.3.2

Fortsetzungsserie (serials)

___________________________________________________ 4

2.3.3

Reihe

_____________________________________________________________________ 5

2.4

Geschichte des seriellen Erzählens ______________________________________ 5

2.5

Was macht die Faszination Serie aus?____________________________________ 6

3

Der Fernsehkrimi______________________________________________________ 7

3.1

Die Entwicklung der deutschen Fernsehkrimiserie ________________________ 8

4

Tatort _______________________________________________________________ 12

4.1

Kriterien des Genres ,,Tatort" ___________________________________________ 14

4.2

Entwicklungen des Tatorts _____________________________________________ 15

4.3

Charaktere der Tatort-Folgen ___________________________________________ 17

5

Tatort Münster _______________________________________________________ 18

5.1

Charaktere Tatort Münster ______________________________________________ 19

5.1.1

Hauptkommissar Frank Thiel

________________________________________________ 19

5.1.2

Rechtsmediziner Professor Karl-Friedrich Boerne

______________________________ 19

5.1.3

weitere Charaktere

_________________________________________________________ 20

5.2

Gemeinsamkeiten und Unterschiede ____________________________________ 20

5.2.1

Münster vs. Hannover

______________________________________________________ 21

5.2.2

Münster vs. Frankfurt

_______________________________________________________ 21

6

Warum ist der Tatort so erfolgreich? __________________________________ 22

7

Resümee ____________________________________________________________ 22

8

Literaturverzeichnis __________________________________________________ 25

9

Internetquellen_______________________________________________________ 26

1


1 Einleitung

Vor fast 40 Jahren beginnt die Erfolgsgeschichte der Fernseh-Krimireihe

Tatort

. Der

Tatort

bringt der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt ARD bis heute beständige

Spitzenquoten ein. Die Idee und die Umsetzung entsprangen zunächst aus einer

Notlösung heraus. Die ARD wollte dem bislang konkurrenzlosen

Der Kommissar

des

ZDF mit einem neuen und innovativen Konzept entgegentreten.1 Die föderale

Struktur der ARD erweist sich zuletzt als Schlüssel zum Erfolg. Durch die Beteiligung

aller regionalen Landesrundfunkanstalten konnten die gewaltigen Produktions- und

Redaktionskosten auf die einzelnen Sendeanstalten verteilt werden. Unter dem Titel

Tatort

entsteht so Anfang der 1970er Jahre eine vielseitige Krimireihe, in die die

jeweiligen Sendeanstalten ihre regionalen Eigenheiten einbringen sollen.2 Der

Tatort

sollte eine primär ,,deutsche" Serie sein und sich nicht an den amerikanischen

Fernsehkrimis orientieren. Der

Tatort

ist mittlerweile für viele Zuschauer, auch

Generationen übergreifend, zu einem allwöchentlichen Ritual geworden. Dabei gilt

schon lange: ,,Wer im Fernsehen etwas über den Zustand unseres Landes erzählen

will, dreht einen

Tatort

."3

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Entstehung und Entwicklung der

Krimireihe

Tatort

unter besonderer Berücksichtigung des

Tatort

s Münster. Ganz

allgemein werde ich zuerst den Serienbegriff definieren, auf formale Eigenschaften

eingehen, die verschiedenen Serientypen darlegen, die Geschichte des seriellen

Erzählen vorstellen und auf die Faszination der Serie eingehen. Im dritten Kapitel

wird der Fernsehkrimi erörtert und die Entwicklung des deutschen Fernsehkrimis

aufgezeigt. Ich konzentriere mich nur auf den deutschen Fernsehkrimi und lass den

amerikanischen Fernsehkrimi außen vor. Im darauf folgenden Kapitel beschäftige ich

mich dann mit der Krimireihe

Tatort

. Ich skizziere die Entstehung, das Konzept und

die Besonderheiten. Daraufhin stelle ich die Kriterien des Genres ,,

Tatort

" nach

Gunther Witte vor um dann die Entwicklung des

Tatort

s von seinen Anfängen 1970

bis heute aufzuzeigen. Zum Schluss dieses Kapitels gehe ich noch auf die

allgemeinen Charaktereigenschaften der

Tatort

-Figuren ein. Im fünften Kapitel widme

ich mich speziell dem

Tatort

Münster und seinen Eigenschaften und Besonderheiten.

1 Brück 2003, S. 160

2 Wiebel, S. 249

3 http://www.taz.de/index.php?id=archivseite&dig=2005/06/02/a0196 (Zugriff am 14.08.2008)

2


Die Charaktere des

Tatort

s Münster werden kurz umrissen um dann abschließend

Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen dem

Tatort

Münster und anderen

Tatort

en darzulegen. Im sechsten Kapitel gehe ich auf die Essentials der

Erfolgsgeschichte

Tatort

ein. Abschließend ziehe ich ein Resümee.

2 Die

Serie

2.1 Definitionen der fiktiven Serie

Der Begriff ,,Serie" kommt aus dem lateinischen (

serere

) und bedeutet

reihen, fügen

.

Eine Fernsehserie ist eine Folge von inhaltlich zusammengehörigen fiktionalen

Fernsehsendungen4, die in regelmäßigen Abständen ausgestrahlt werden.5 Sie

weisen eine fortgesetzte Handlung auf, mit gleichbleibendem Stammpersonal und

einheitlichem Handlungsort. Als Fernsehserie in weiterem Sinne kann bereits eine

Aufteilung eines erzählerischen Stoffes in zwei oder drei nacheinander gesendeten

Teilen verstanden werden (im amerikanischen:

,,miniseries"

).

2.2 Formale Eigenschaften einer Serie

Die formalen Eigenschaften einer Serie sind in den zeitbasierten Medien6 in der

Regel die ,,Einhaltung eines genau fixierten zeitlichen Umfangs (25- bzw. 30 Minuten-

Dauer, 45- bzw. 60 Minuten-Dauer, usf.), einen auf Wiedererkennbarkeit angelegten

immer gleichen Vor- und Abspann sowie weitere medial gleichbleibende

Formeigenschaften."7 Charakteristisch für die meisten Serien ist eine

doppelte

Formstruktur

, nämlich einerseits eine ,,zeitlich und inhaltlich begrenzte Einheit zu

bieten", und ,,andererseits sich auf einen größeren, häufig auch vom Zuschauer

gekannten Gesamtzusammenhang zu beziehen."8 Somit wird das Kontinuum einer

Serie durch eine periodische Abfolge hergestellt, d.h. die einzelnen Folgen ,,stellen

von ihrer Dramaturgie und Produktionsstruktur her erkennbare, abgegrenzte

Einheiten dar, die in unterschiedlicher Weise Anknüpfungen an vorangegangene

Folgen herstellen und Anknüpfungspunkte für die nachfolgenden bieten".9 Demnach

bilden Serien eine Kette von Einzelfolgen, wobei die einzelne Folge aber im

4 Abzugrenzen sind die nichtfiktionalen Sendungen (Nachrichtensendungen, Magazinsendungen, etc.)

5 http://lexikon.meyers.de/meyers/Fernsehserie (Zugriff am 11.08.2008)

6 Kino, Radio, Fernsehen, etc.

7 Hickethier 2003 S. 398

8 Hickethier 1991, S. 10

9 Ebd. S. 9

3


Vordergrund steht. Der zeitlich fixierte Umfang einer Serienfolge macht die Folge

leichter konsumierbar. Hierdurch wird die Integrationsfähigkeit in den

Zuschaueralltag gesteigert. Die Serienfolgen werden in einen

Programmzusammenhang eingebunden, somit wird das Kontinuum der Serie

verstärkt. Sie wird als Teil des Programms gesehen. Sie stellt sich den Rezipienten

,,als ein in sich abgeschlossener Kosmos innerhalb des Fernsehprogramms dar, in

den die Zuschauer auf einfache Weise, nämlich durch regelmäßiges Zuschauen, sich

einfinden können und der erst durch das Zuschauen entsteht."10 Folglich bildet das

Seriengeschehen innerhalb des Programmkontinuums eine Welt für sich.

2.3 Serientypen

In der Fernsehgeschichte kristallisierten sich verschiedene Serientypen heraus, die

im Weiteren nun kurz vorgestellt werden.

2.3.1 Episodenserie (series)

Dieser Serientyp hat eine abgeschlossene Folgehandlung und ein gleich bleibendes

Personeninventar. Es kommen nur einzelne Personen jeweils für die einzelne Folge

hinzu. Charakteristisch für diese Serienform ist, dass zu Beginn in der Regel ein

harmonischer Zustand herrscht, der durch ein Ereignis gestört wird. Das

Stammpersonal beseitigt daraufhin diese Störung und am Ende ist der

Ausgangszustand wieder hergestellt. Die ,,Figuren bleiben stereotyp dieselben"11,

d.h. die Figuren verändern sich von Folge zu Folge nicht und somit sind die

einzelnen Folgen untereinander austauschbar (z.B.

Bonanza

). Die Reihenfolge kann

folglich beliebig festgelegt werden. Diese Form der Serie kommt meist in

Fernsehkrimis vor.

2.3.2 Fortsetzungsserie (serials)

Bei diesem Serientyp bauen die einzelnen Folgen auf die vorangegangene Folgen

auf. Die Handlung wird von Folge zu Folge weiter erzählt. Einzelne Figuren machen

in dieser Serienform mehr oder minder individuelle Lernprozesse durch.12 Der

Zuschauer bekommt hier das Gefühl, keine einzige Folge verpassen zu dürfen, um

10 Hickethier 1991, S. 10

11 Ebd. S. 400

12 Ebd. S. 401

4


nicht den Erzählfaden zu verlieren. Es gibt verschiedene Varianten der

Fortsetzungsgeschichten. Da gibt es zum einem den Mehrteiler. Dieser steht im

Übergang vom Einzelfilm zur Serie und hat mindestens zwei Folgen. Der Mehrteiler

hat einen übergreifenden epischen Handlungsbogen an mehreren nah aufeinander

folgenden Tagen (z.B.

Das Boot

). Ein Mehrteiler ist sozusagen ein Einzelfilm, der

aber so lang ist, dass er deshalb auf mehrere Teile aufgeteilt wird. Eine weitere

Variante ist die Endlosserie, die für Fortsetzungen unbegrenzt offen ist. Die

Produktion läuft in Staffeln (z.B.

Dallas

). Ein Spezialfall einer Endlosserie ist die

Soap. Hier gibt es dialogbetonte Alltagshandlungen unter meist jungen Menschen

(z.B.

GZSZ)

. Eine weitere Variante ist die Telenovela. Dies ist eine langlaufende

Fortsetzungsserie, deren Ende irgendwann in der Zukunft geplant ist (z.B.

Verliebt in

Berlin

).

2.3.3 Reihe

Eine Reihe ist ein loser Zusammenschluss von einzelnen Filmen (auch Serien) in

Spielfilmlänge. Sie werden durch ein gemeinsames Thema und/oder Konzept

zusammengehalten. Charakteristisch ist ein regelmäßiger Senderhythmus. Im

Gegensatz zur Serie gibt es wechselnde Figuren und Handlungsorte. Fiktionalität ist

hier kein Kriterium zur Beschreibung oder Eingrenzung der Reihe.13 Es gibt fiktionale

Reihen (z.B.

Tatort

) und nicht-fiktionale (z.B. Nachrichtensendungen,

Dokumentationsreihen, etc.). Die einzelnen Sendungen/Produktionen treten meist

thematisch und Strukturell als `lose Kopplung` mit ihrem je eigenen Titel in den

Vordergrund. Verdeutlicht wird die Zugehörigkeit zur Reihe per Ansage oder durch

einen visuellen Hinweis (z.B. Reihen-Logo oder gleicher Vor- und Abspann beim

Tatort

). Möglich sind auch Mischformen zur Serie. Zum Beispiel die reihenhafte

Verschränkung von Episodenserien, die in der

Tatort-Reihe

zusammengefasst

werden.

2.4 Geschichte des seriellen Erzählens

Serielle Erzählungen gibt es nicht erst seitdem es Fernsehen gibt. Bereits in den

antiken Erzählungen (Epen) des

Ilias

und die

Odyssee Homers

sind Vorläufer der

massenmedialen Serie14. Diese Erzählungen entstammten der mündlichen

13 Rademacher S. 375

14 Hickethier 2003 S. 397

5


Überlieferung und wurden rhapsodisch, d.h. bruchstückhaft, vorgetragen. Die

Märchensammlung

1001 Nacht

ist auch als Serie zu verstehen, denn sie ,,bildet

einen Zusammenhang, in dem die Fiktion einer Fortsetzungsgeschichte als Rahmen

aufgebaut wird"15. Scheherazade muss dem Kalifen jede Nacht eine Geschichte

erzählen. Sie baut

cliffhanger

ein und hört immer im spannendsten Moment auf zu

erzählen, mit dem Hinweis, dass das Beste der Geschichte erst noch kommt. Somit

rettet sie jede Nacht ihr Leben, da der Kalif sie jedesmal bittet, die Geschichte weiter

zu erzählen.

Im 19. Jahrhundert entstand die Form des Zeitungsromans. Zum einem sind es

bereits fertig geschriebene Romane, die für die Zeitung in einzelne Folgen portioniert

werden, und zum anderen unfertige Romane, die für die Zeitung geschrieben und

abgedruckt wurden noch bevor das Werk fertig war.16

Die Geheimnisse von Paris,

von Eugene Sue, sind für unfertige Romane in der damaligen Zeit am bekanntesten.

Dieser Roman erschien von 1942-43 im Pariser

Journal des Debats

und verhalf dem

Blatt zu einer enormen Auflagensteigerung. In Deutschland etablierte sich dieses

Phänomen des Zeitungsromans erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Später, in den 1950er Jahren, etablierte sich in Deutschland der Illustriertenroman

(Hör Zu).

2.5 Was macht die Faszination Serie aus?

Charakteristisch für die Fernsehserie ist der große Realitätseindruck. Die filmischen

Erzählungen vermitteln dem Rezipienten häufig den Eindruck, ,,er habe es hier nicht

mit dem Werk eines Autors, sondern mit dem Leben selbst zu tun, und dies in

zugespitzter, geballter Form".17 Der Bildschirm der Serien erscheint als ,,ein

durchsichtiges Fenster für die in der Handlung stattfindenden Ereignisse"18 Es

entsteht ein Gefühl der Einbeziehung beim Rezipienten. Dieses Gefühl wird verstärkt

durch die in starkem Maße emotionalisierte Darstellung, die sich zu einer Kette von

Emotionshöhepunkten verdichtet. Die

cliffhanger

19 am Ende jeder Folge tragen zur

15 Hickethier 2003 S. 397

16 Hickethier 2003 S. 398

17 Hickethier 2003 S. 402

18 Ien Ang 1985, S. 50 in Hickethier 1991, S. 31

19 (englisch): ein effektvoller, voller Spannung hervorrufender Schluss einer Folge einer Hörfunk, Film oder

Fernsehserie, die Neugier auf die Fortsetzung wecken soll (Meyers Lexikon)

6



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