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Die Charakterdarstellung des Haussklaven im klassischen Athen anhand Aristoteles "Politik" und Euripides Dramen

Scholary Paper (Seminar), 2009, 20 Pages
Author: Ismail Durgut
Subject: History - Early and Ancient History

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2009
Pages: 20
Grade: 1.7
Language: German
Archive No.: V133794
ISBN (E-book): 978-3-640-40322-6
ISBN (Book): 978-3-640-40274-8

Abstract

Die Sklaverei ist das älteste Ausbeutungs- und Unterdrückungsverhältnis, das in der Zersetzung der Urgesellschaft bereits vor der Herausbildung der altorientalischen Klassengesellschaft entstand. In der antiken Mittelmeerwelt entwickelte sich die Sklaverei zur herrschenden Produktionsweise und bestimmte damit einige Jahrhunderte die gesellschaftlichen Beziehungen. Sklaven waren Menschen, die nicht über sich selbst verfügen konnten und einem anderen gehörten. Der Herr der Sklaven, der Sklavenhalter, besaß nicht nur ihre Arbeitskraft, sondern den ganzen Menschen. Der Mensch wurde Ware. Die folgende Arbeit befasst sich mit dem Haussklaven im klassischen Griechenland, der sich durch eine besondere Herr-Sklave-Beziehung von den anderen abhebt. Um diese Beziehung besser zu verstehen, soll versucht werden, ein Charakterbild für den idealen Haussklaven zu erstellen. Zu diesem Zweck wird der Sklave allgemein in die damalige athenische Gesellschaft eingeordnet. Daraufhin wird seine Darstellung in der Philosophie anhand Aristoteles Politik analysiert, weil dieses Werk die bislang vielleicht ausführlichste Quelle zu diesem Thema darstellt. Dem folgt die Darstellung des Dienersklaven in der Literatur anhand Euripides Tragödien. Eine Analyse findet am Beispiel der Medea statt. Während Aristoteles als ein klarer Befürworter der Sklaverei verstanden wird, behauptet man von Euripides, er sei gegen dieses System gewesen. Es soll ein Versuch stattfinden auf die Frage eine Antwort zu finden, ob sich diese Einstellung in seinen Werken widerspiegelt.


Excerpt (computer-generated)

Universität Duisburg-Essen

Campus Essen

Wintersemester 2008/2009

Hauptseminar: Charakterbilder und

Sozialgeschichte im klassischen Griechenland

Die Charakterdarstellung des Haussklaven

im klassischen Athen anhand Aristoteles

Politik

und Euripides Dramen











Ismail Durgut


Inhaltsverzeichnis:

1. EINLEITUNG 3

2. DIE ATHENISCHE GESELLSCHAFT IM KLASSISCHEN GRIECHENLAND 4

2.1 BÜRGER 5

2.2 FREIE NICHTBÜRGER 6

2.3 SKLAVEN 6

3. DARSTELLUNG DES HAUSSKLAVEN IN DER PHILOSOPHIE ANHAND ARISTOTELES

POLITIK

7

3.1 POLITIK 7

3.2 DER ,,SKLAVE VON NATUR" 9

4. DARSTELLUNG DES DIENERSKLAVEN IN DER LITERATUR ANHAND EURIPIDES DRAMEN

11

4.1 DIE EURIPIDEISCHE KONZEPTION DES EINFACHEN SKLAVEN 12

4.2 DIE AMME IN EURIPIDES MEDEA 14

5. SCHLUSS 15

6. LITERATURVERZEICHNIS 18


1. Einleitung

Die Sklaverei ist das älteste Ausbeutungs- und Unterdrückungsverhältnis, das in der

Zersetzung der Urgesellschaft bereits vor der Herausbildung der altorientalischen

Klassengesellschaft entstand. In der antiken Mittelmeerwelt entwickelte sich die

Sklaverei zur herrschenden Produktionsweise und bestimmte damit einige

Jahrhunderte die gesellschaftlichen Beziehungen.1

Sklaven waren Menschen, die nicht über sich selbst verfügen konnten und

einem anderen gehörten. Der Herr der Sklaven, der Sklavenhalter, besaß

nicht nur ihre Arbeitskraft, sondern den ganzen Menschen. Der Mensch wurde

Ware.2

Die folgende Arbeit befasst sich mit dem Haussklaven im klassischen Griechenland,

der sich durch eine besondere Herr-Sklave-Beziehung von den anderen abhebt. Um

diese Beziehung besser zu verstehen, soll versucht werden, ein Charakterbild für

den idealen Haussklaven zu erstellen.

Zu diesem Zweck wird der Sklave allgemein in die damalige athenische Gesellschaft

eingeordnet. Daraufhin wird seine Darstellung in der Philosophie anhand Aristoteles

Politik

analysiert, weil dieses Werk die bislang vielleicht ausführlichste Quelle zu

diesem Thema darstellt. Dem folgt die Darstellung des Dienersklaven in der Literatur

anhand Euripides Tragödien. Eine Analyse findet am Beispiel der

Medea

statt.

Während Aristoteles als ein klarer Befürworter der Sklaverei verstanden wird,

behauptet man von Euripides, er sei gegen dieses System gewesen.3 Es soll ein

Versuch stattfinden auf die Frage eine Antwort zu finden, ob sich diese Einstellung in

seinen Werken widerspiegelt.

Wenn im Folgenden von Sklaven und Herren gesprochen wird, so ist von Frauen

gleichermaßen die Rede wie von Männern. Dies gilt jedoch nicht für die Begriffe

Bürger und Nichtbürger, weil sich diese auf das öffentliche Leben beziehen und

1 Vgl. Irmscher, S. 525.

2 Irmscher, S. 525.

3 Vgl. ebd., S. 524.


Frauen nicht gleichermaßen wie Männer daran teilhaben durften, wogegen die Herr-

Sklave-Beziehung sich hauptsächlich auf das Private begrenzte, wo kaum zwischen

den Geschlechtern diskriminiert wurde.

2. Die athenische Gesellschaft im klassischen
Griechenland

Die Gesellschaft im klassischen Athen gliederte sich in Bürger bzw. Vollbürger4, freie

Nichtbürger und Unfreie bzw. Sklaven, wobei der Bürger wegen seiner politischen

Beteiligung am Staat das höchste Ansehen genoss und der Sklave juristisch nur

einen Gegenstand darstellte. Die Bürger waren wiederum in vier Zensusklassen

unterteilt, d. h. Besitz und Einkommen entschieden darüber, zu welcher Klasse man

gehörte.5 Wenn man also eine grobe Einteilung vollziehen wollte, würde man von

einer für Athen eigentümlichen Mehrklassengesellschaft sprechen.

Eigentümlich zum einen deswegen, weil, obwohl sich die Bürger innerhalb ihrer

Klasse durch die Höhe ihres Einkommens unterschieden, der Besitz für die soziale

Hierarchie innerhalb der Demokratie zweitrangig war. Was für die Athener wichtiger

als ihre persönliche Bereicherung war, zumindest ihrem Wertesystem zufolge, war

das Wohl der

polis6

. Für den Einzelnen hieß das, dass man sich an der Politik

beteiligen konnte bzw. sollte, mit anderen Worten, ein aktives Stimmrecht besaß.

Nichtbürgern wurde dieses nicht nur verwehrt, sie hatten auch weniger rechtliche

Ansprüche als Vollbürger. Unter anderem durften sie keinen Grundbesitz innerhalb

der Grenzen Attikas erwerben.

Ein weiteres Charakteristikum der athenischen Klassengesellschaft war, dass sie,

verglichen mit dem zeitgleich in Sparta vorliegenden System und der

Dreiständegesellschaft im zentralen Europa des Mittelalters, nicht statisch war. Sie

ermöglichte eine relativ hohe soziale Mobilität, d. h. einem Bürger konnte das

Bürgerrecht entzogen werden und ein Sklave konnte sich freikaufen, ja sich sogar

4 Vollbürger war nach dem Bürgerrechtsgesetz des Perikles aus dem Jahre 451 v. u. Z. derjenige,

dessen beide Eltern athenischer Herkunft waren. Zuvor galt derjenige als Vollbürger, der ein Elternteil

mit athenischer Herkunft nachweisen konnte. Vgl. Welwei, S. 232.

5 Vgl. Welwei, S. 232 f.

6

Polis

[griech.]. Als Staat des antiken Griechenlands ist die

polis

ein Zusammenschluss privater

Grundeigentümer, Gewerbe- und Handeltreibender, deren Eigentum die Mitgliedschaft in der

polis

genauso voraussetzt, wie die Mitgliedschaft in der

polis

Voraussetzung für das Eigentum der

polis

-

Bürger ist. Vgl. Irmscher, S. 441.


ein Vermögen erarbeiten.7 Manchmal wurde Nichtbürgern auch das Bürgerrecht

gewehrt, weil sie der

polis

einen besonderen Dienst erwiesen hatten. Dies konnte

eine großzügige Spende gewesen sein, denn es gab sehr wohlhabende

metoikoi

8 in

Athen.

2.1 Bürger

Die Einteilung der Bürger aus der Archaik nach Besitz und Einkommen wurde im

klassischen Athen beibehalten. Demnach bildeten die beiden ersten Zensusklassen

nach wie vor die Oberschicht.

Hierzu zählten einerseits Grundbesitzer, die als Eigentümer altererbter Güter

traditionell als Pentakosiomedimnoi9 oder Hippeis10 eingestuft waren. Indem

sie sich nach überkommenen Wertvorstel ungen als Kaloikagathoi (,,Edle")

verstanden, grenzten sie sich durch eine gleichsam inoffizielle soziale

Trennungslinie von der übrigen Bürgerschaft ab.11

Jedoch ermöglichte sozialer Aufstieg den beiden unteren Zensusklassen die

Einweisung in eine höhere Zensusklasse, weshalb der Adelsbegriff nicht synonym für

die Begriffe

pentakosiomedimnoi

und

hippeis

verwendet werden kann.

Die dritte und vierte Zensusklasse bildeten die Zeugiten und die Theten. Zeugiten

waren Bauern mit nur einem Gespann und 200 Scheffeln Mindestertrag. Sie durften

seit 458 v. u. Z. niedrige Ämter des Archontats übernehmen und dienten bereits

zuvor im Krieg als Hopliten.12 Bei den Theten handelte es sich um die

7 Vgl. Frost, S. 86.

8

Metoikos

war die Bezeichnung für einen Bewohner Athens mit festem Wohnsitz, dessen beide

Elternteile keine athenische Bürger waren.

9

Pentakosiomedimnoi

[griech. »Fünfhundertscheffler«]: seit 594 v. u. Z. Athener, die jährlich 500

Scheffel Getreide, Wein oder Öl ernteten; später wurden Geldeinnahmen von 500 Drachmen

gleichgesetzt. Sie bildeten die 1. Zensusgruppe der Verfassung Solons. Nur ihnen war anfangs das

Amt der Archonten zugänglich. Sie leisteten Militärdienst zu Pferde und waren zu Liturgien

verpflichtet. Vgl. Irmscher, S. 416.

10

Hippeis

(griechisch: ß0L" (Plural) für "Reiter") war die Bezeichnung für die zweithöchste der vier

Bevölkerungsschichten (Zensusklassen) in der Phase der attischen Demokratie der antiken Athener

polis

. Als Angehöriger dieser Schicht war der Bürger zum Wehrdienst als Reiter verpflichtet und hatte

die Zugangsmöglichkeit zu höheren Ämtern.

Vgl. Wikipedia, Seite ,,Hippeis". In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie.

http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Hippeis&oldid=51970052.

Letzter Abruf: 18. 02. 2009, 16:12.

11 Welwei, S. 233.

12 Vgl. Irmscher, S. 620.



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