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Beschreibung und Stärken-Schwächen-Analyse des Projektes »Nachhaltigkeitszertifi... close

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Beschreibung und Stärken-Schwächen-Analyse des Projektes »Nachhaltigkeitszertifizierung für landwirtschaftliche Betriebe von der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG e.V.)«

Subtitle: als Beispiel der Operationalisierung des Leitbildes für Nachhaltige Entwicklung

Intermediate Examination Paper, 2009, 16 Pages
Author: Gundula Klämt
Subject: Environmental Sciences

Details

Event: "Leitbild für Nachhaltigkeit" zum Modul "Mensch und Umwelt"
Institution/College: University of Rostock
Category: Intermediate Examination Paper
Year: 2009
Pages: 16
Grade: 100 von 100 Punkten (1,0)
Language: German
Archive No.: V133821
ISBN (E-book): 978-3-640-41574-8
ISBN (Book): 978-3-640-41108-5
Notes :
Die Erfolgseinschätzung unter Punkt 4 birgt überlegenswerte Vorschläge und Denkansätze für die Forschungseinrichtungen und Universitäten, die den DLG-Nachhaltigkeitsstandard für Landwirtschaftsbetriebe weiterentwickeln, verbreiten und dem neusten Wissensstand anpassen wollen.


Abstract

Die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG e.V.) zertifiziert seit dem Jahr 2008 landwirtschaftliche Betriebe, die mittels der computergestützten Programmentwicklung REPRO nachweislich nachhaltig wirtschaften. In dieser Studienarbeit (Vorprüfungsleistung im Studiengang "Umweltschutz" an der UNI Rostock) wird anhand der DLG-Nachhaltigkeitszertifizierung der Landwirtschaft die Operationalisierung des Leitbildes Nachhaltiger Entwicklung mit Wurzeln im Brundtland-Bericht "Our Common Future" von 1987 bis zum aktuellen Fortschrittsbericht zur nationalen Nachhaltigkeitsstrategie Deutschlands aus dem Jahr 2008 beschrieben. Die Erfolgseinschätzung unter Punkt 4 birgt überlegenswerte Vorschläge und Denkansätze für die Forschungseinrichtungen und Universitäten, die den DLG-Nachhaltigkeitsstandard für Landwirtschaftsbetriebe weiterentwickeln, verbreiten und dem neusten Wissensstand anpassen wollen sowie für Landwirte und alle Interessierten.


Fulltext (computer-generated)

Universität Rostock

Studiengang ,,Umweltschutz"

Modul ,,Mensch und Umwelt" / Teilgebiet ,,Leitbild für Nachhaltigkeit"

Beschreibung und Stärken-Schwächen-Analyse des Projektes

»Nachhaltigkeitszertifizierung für landwirtschaftliche Betriebe von

der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG e.V.)« als

Beispiel der Operationalisierung des Leitbildes für

Nachhaltige Entwicklung

Vorgelegt von: Gundula Klämt

Abgabetermin: 29.05.2009, SS 2009


Gliederung

1. Beschreibung des ausgewählten Projektes »DLG-Nachhaltigkeitszertifizierung« für

landwirtschaftliche Betriebe 3

2. Das Leitbild Nachhaltiger Entwicklung anhand des Projektbeispiels 5

3. Operationalisierungsmöglichkeiten und Anwendung im Projektbeispiel 8

zu 3. a) Leitbild und Leitlinien des Projektes DLG-Nachhaltigkeitszertifikat 9

zu 3. b) projektbezogene Bestandsanalyse 9

zu 3. c) Indikatorenauswahl für die landwirtschaftliche Nachhaltigkeit 10

zu 3 d) Zielsetzung der nachhaltigen Entwicklung in Agrarunternehmen 11

4. Erfolgseinschätzung und Stärken-Schwächen-Analyse für das Projektbeispiel

»Nachhaltigkeitsstandard der DLG« 12

LITERATUR 15

2


1. Beschreibung des ausgewählten Projektes »DLG-

Nachhaltigkeitszertifizierung« für landwirtschaftliche Betriebe

Im Zeitraum der Systementwicklung von Juni 2005 bis Januar 2009 (vgl. TUM unter

http://www.wzw.tum.de/oekolandbau...) bzw. von September 2005 bis August 2007

(vgl. MLU unter http://www.forschung-sachsen-anhalt.de...) wirkten an dem Projekt

»Nachhaltige landwirtschaftliche Produktion in der Wertschöpfungskette Lebensmit-

tel« die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft (DLG) in Frankfurt/Main, der Lehrstuhl

für allgemeinen Pflanzenbau Prof. Dr. Olaf Christen vom Institut für Acker- und Pflan-

zenbau der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU), das Institut für Nach-

haltige Landwirtschaft in Halle/Saale (INL) und der Lehrstuhl für Ökologischen Land-

bau des Wissenschaftszentrums Weihenstephan für Ernährung, Landnutzung und

Umwelt der Technischen Universität München-Weihenstephan (TUM) mit. (vgl.

http://www.wzw.- tum.de/oekolandbau..., http://www.forschung-sachsen-anhalt.de...)

Auf Basis des Bilanzierungsmodells REPRO wurde eine Zertifizierung für nachhaltig

wirtschaftende landwirtschaftliche Betriebe entwickelt. REPRO ist ein PC-Programm

für Betriebsbilanzen zur Bewertung der Stoff- und Energieflüsse mittels ökologischer

und ökonomischer Schwachstellenanalysen bei ständiger Dokumentation bzw. Auf-

zeichnung in den Betriebszweigmodulen. Im Vorfeld der praktischen Umsetzung

können mit Hilfe der REPRO-Anwendung ökologische und ökonomische Wirkungs-

szenarien als Entscheidungshilfe abgebildet werden. Mit REPRO sind Betriebsver-

gleiche mit anderen Betriebsvarianten oder Zielwerten realisierbar. Das rechnerge-

stützte Umwelt- und Qualitätsmanagementmodellsystem REPRO wurde vom agrar-

wissenschaftlichen Institut der MLU Halle-Wittenberg von 1998 bis 2000 mit Unter-

stützung seitens Landesfördermitteln Sachsen-Anhalts entwickelt. (vgl. KLÄMT, G.;

2007, unveröffentlicht)

Für die Entwicklung des DLG-Nachhaltigkeitsstandards gewährten die private Stif-

tung bürgerlichen Rechts Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) in Osnabrück und

das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in Berlin finanzielle Un-

terstützung bzw. Drittmittel. (vgl. http://www.wzw.tum.de/oekolandbau...,

http://www.forschung-sachsen-anhalt.de..., Informationsbroschüre zum download

unter http://www.nachhaltige-landwirtschaft.info/)

3


Im Sommer 2008 wurden die ersten Zertifikate ,,Nachhaltige Landwirtschaft - zu-

kunftsfähig" (vgl. Abb. 1) durch den Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG)

e.V. vergeben. In Zukunft können alle Landwirtschaftsbetriebe, die freiwillig und kon-

tinuierlich an diesem Nachhaltigkeitssystem teilnehmen und ihre Wirtschaftsweise

nachhaltig ausrichten, dies mit Hilfe eines Zertifikates zum Nachweis der bestande-

nen Nachhaltigkeitsbetriebsprüfung kommunizieren.

Abb.1:

Zertifikat ,,Nachhaltige Landwirtschaft - zukunftsfähig" und Urkunde

Quelle: www.nachhaltige-landwirtschaft.info

Die Zertifizierung ,,Nachhaltige Landwirtschaft - zukunftsfähig" erfolgt mittels einer

Nachhaltigkeitstestung jedes einzelnen teilnehmenden Betriebes im Turnus von drei

Jahren durch einen unabhängigen Betriebsauditor. Dabei wird geprüft, ob die vorab

fixierten Zielwerte eingehalten werden. Gleichzeitig werden gesetzliche Dokumenta-

tionspflichten, z. Bsp. über den Dünge- und Pflanzenschutzmitteleinsatz erfüllt. Sol-

che Dokumentationen sind zudem Nachweise für durchgeführte Umwelt- und Quali-

tätssicherungsmaßnahmen. Bei Bestehen, können die Betriebe mit dem Logo der

nachhaltigen Landwirtschaft werben und somit ihr Engagement in Sachen Umwelt,

Soziales und Wirtschaftlichkeit kommunikativ verbreiten. Der Nutzen entsteht direkt

oder indirekt für die Umwelt, Gesellschaft und die Betriebsexistenz. Das landwirt-

schaftliche Nachhaltigkeitszertifikat kann als Kommunikationswerkzeug im Gespräch

mit Abnehmern, Verpächtern, Banken, Versicherungen, Behörden oder der allgemei-

nen kritischen Öffentlichkeit förderwürdige Aspekte begünstigen. Bei Zuwendungen

des Landes, Bundes oder der EU sinkt beispielsweise das Risiko von unbeabsichtig-

4


ten Verstößen und Sanktionen durch entsprechende Eigenkontrolle. (vgl.

http://www.wzw. tum.de/oekolandbau..., www. nachhaltige-landwirtschaft.info)

2. Das Leitbild Nachhaltiger Entwicklung anhand des Projektbeispiels

Das allgemeingültige Verständnis über den Ausdruck ,,Leitbild nachhaltiger Entwick-

lung" prägt der Brundtland-Bericht ,,Our Common Future" aus dem Jahre 1987. Damit

wurde ein Begriff, dessen Ursprung in der Forstwirtschaft liegt, aufgegriffen: In seiner

Publikation »Sylvicultura Oeconomica« von 1713 erläutert VON CARLOWITZ, H. C.

das erste Mal eine nachhaltende Waldnutzung (vgl. LANGNER, S.; 2006, S.14). Die

nachhaltende Waldnutzung beinhaltet in einem bestimmten Zeithorizont und (ange-

pflanzten) Waldgebiet nicht mehr Holz zu schlagen als dort in dieser Zeit auch wieder

nachzuwachsen vermag. Nachhaltend wurde im Sinne einer gegenwärtigen Nutzung

von Holz unter Vorbehalt der Waldressourcennutzung durch alle zukünftigen Genera-

tionen verstanden.

Brundtland ist der Nachname der damaligen norwegischen Premier- und Umweltmi-

nisterin, die die UN- bzw. später Welt-Kommission für Umwelt und Entwicklung - in

der 18 Staaten vertreten waren - leitete. Schon in dem Bericht ,,Our Common Future"

wurden global bedrohliche Problemfelder und Missstände thematisiert, die der Keim

von Armut in vielen Ländern, insbesondere der Dritten Welt sind: Bevölkerungszu-

wachs, steigender Nahrungsmittelbedarf, steigende Nahrungsmittelproduktion, Aus-

beutung und Zerstörung von (Regen-) Wäldern und Landflächen, Überfischung,

Emissionen und anthropogen beschleunigter und intensivierter Klimawandel mit der

Folge veränderter Klimazonen-Verläufe und z. T. Extrembedingungen (z. Bsp. Dür-

ren) für den Pflanzen- und Ackerbau, sowie die Tierhaltung, insbesondere in den

Klima- und Vegetationszonen von Entwicklungsländern (vgl. VEREINTE NATIONEN,

1990 In: LANGNER, S.; 2006).

Die Landwirtschaft nimmt demzufolge einen ganz wesentlichen Stellenwert bei der

nachhaltigen Entwicklung weltweit ein. Unzureichende Nahrungsmittelmengen und -

qualitäten gefährden das Leben der Menschen direkt; die Ausbeutung der Natur für

die Nahrungsmittelbereitstellung indirekt.

Die Brundtland-Kommission vertrat dennoch die Überzeugung, eine für alle Men-

schen glücklichere, gerechtere und sicherere Zukunft sei möglich. Dazu entwarf sie

das Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung ­ eine Entwicklung, in der die Be-

5


dürfnisse der Gegenwart befriedigt werden, ohne dabei künftigen Generationen

die Möglichkeit zur Befriedigung ihrer eigenen Bedürfnisse zu nehmen

(VEREINTE NATIONEN, 1990).

Das bereits v. g. Prinzip der nachhaltenden Wald-

nutzung von VON CARLOWITZ (1713) wurde hier genutzt, um zur generationen-

übergreifenden Orientierung zukunftsverträgliche Grundrichtungen für menschliches

Handeln zur Bedürfnisbefriedigung abzuleiten. Im englischen Original heißt es: ,,Sus-

tainable development is development that meets the needs of the present without

compromising the ability of future generations to meet their own needs."

(BRUNDTLAND, In: LANGNER, S.; 2006).

Erkenntnisse über die Grenzen des Wachstums und die Grundbedürfnisse des Le-

bens eines jeden Menschen sind bei der Umsetzung und richtigen Interpretation der

Nachhaltigkeit und der Nachhaltigen Entwicklung heranzuziehen. Im englischen

Original: ,,It contains within it two key concepts: 1. The concept of "needs", in particu-

lar the essential needs of the world`s poor, to which overriding priority should be

given; and 2. The idea of limitations imposed by the state of technology and social

organization on the environment ability to meet present and future needs"

(BRUNDTLAND, In: LANGNER, S.; 2006).

Die Ökosystemaren Grenzen der Erde müssen im Sinne nachhaltiger Entwicklung

demzufolge mit den Sozialen und Ökonomischen Bedürfnissen aller Menschen mit

Hilfe des umwelttechnischen und umweltwissenschaftlichen Fortschritts und mit Hilfe

umweltgerechter bzw. -schonender Sozial- und Wirtschaftssysteme in Einklang ge-

bracht werden. Nachhaltige Landwirtschaft ist nur die umwelterhalten-

de/umweltverträgliche/umweltschonende/umweltgerechte Landbewirtschaftung, wel-

che genügend Nahrungsmittel und Energie in Mindestqualitäten erzeugt, zu denen

alle Menschen der heutigen wie kommenden Generationen ausreichenden Zugang

haben (,,Überfluss ist genauso wenig nachhaltig wie Armut").

In Rio de Janeiro, an der südatlantischen Ozeanküste Brasiliens unterzeichneten

rund 180 Staaten der Erde das Aktionsprogramm für das 21. Jahrhundert. Eines der

fünf auf dieser Konferenz hervorgegangen Dokumente, ist die Agenda 21. Insgesamt

wurden Dokumente mit Grundsätzen bzgl. ökologischer und ökonomischer Rechte

(sog. Deklaration von Rio), mit Maßnahmen, Lösungen und globalen Partnerschaften

unter dem Leitbild nachhaltiger Entwicklung (sog. Agenda 21), mit Grundsätzen für

eine globale ökologische Waldwirtschaft und zum Waldschutz (sog. Waldkonvention),

6


mit Verpflichtungen zur Senkung von THG-Emissionen auf den weltweiten Stand von

1990 (sog. Klimaschutzkonvention) und mit Regelungen zum Schutz bedrohter Arten

und der Biodiversität sowie zur umweltverträglichen Landnutzung außerhalb von

Schutzgebietszonen (sog. Artenschutzkonvention) verabschiedet (vgl. LANGNER,

S.; 2006). Alle diese Konventionen, Deklarationen und Programme haben Einfluss

auf die nachhaltige Gestaltung der Landwirtschaft, aber die Förderung einer nachhal-

tigen Landwirtschaft und der ländlichen Entwicklung greift explizit die Agenda 21 auf

und ist darum das wichtigste Dokument der Konferenz von Rio auch für den DLG-

Nachhaltigkeitsstandard. Die Agenda 21 ist Aufgabe der Regierungen auf nationaler

Ebene, der internationalen Zusammenarbeit - insbesondere der Vereinten Nationen

(UN) - , der Öffentlichkeitsbeteiligung sowie der Mithilfe nichtstaatlicher Organisatio-

nen (NRO) und anderer Gruppen (vgl. AGENDA 21, Präampel unter

http://www.agrar.de/agenda/agd- 21k00.htm).

Die Agenda 21 umfasst im Hinblick auf die Förderung einer nachhaltigen Landwirt-

schaft und der ländlichen Entwicklung beispielsweise die Überprüfung der Agrarpoli-

tik, die Planung und Entwicklung integrierter Programme für nachhaltige Entwicklung,

einen integrierten Pflanzenschutz, integrierte Pflanzenernährungskonzepte in allen

Ländern ohne Schädigung der Umwelt und Bodenfrucht-barkeit, Wasser für eine

nachhaltige Nahrungsmittelproduktion, die Bodenerhaltung, die Steigerung der Ag-

rarproduktion in Entwicklungsländern mit Bevölkerungswachstum um mindestens 4

Prozent ohne Zerstörung der Bodenfruchtbarkeit, die Abschätzung der Auswirkungen

der UV-B-Strahlung infolge des Abbaus der stratosphärischen Ozonschicht auf

Pflanzen und Tiere und die Erhaltung der nachhaltigen Nutzung pflanzengenetischer

Ressourcen. (vgl. AGENDA 21, Kapitel 14 unter

http://www.agrar.de/agenda/agd21k00.htm)

Im Zuge der globalen Umsetzung der nachhaltigen Entwicklung der Landwirtschaft

im Sinne der Agenda 21 wurden im Arbeitsprogramm der UN-Kommis-sion für nach-

haltige Entwicklung in den Jahre 2008/09 die Schwerpunktthemen Landwirtschaft,

Ländliche Entwicklung, Boden- und Flächennutzung, Dürre, Wüstenbildung und Afri-

ka festgelegt (vgl. LANGNER, S; 2006, S.52). An der nationalen Umsetzung der

Agenda 21 in Deutschland, auf der das Nachhaltigkeitszertifizerungssystem für

landwirtschaftliche Betriebe durch die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft (DLG)

beruht, arbeiten verschiedene durch die Bundesregierung eingerichtete Gremien mit.

Im Jahr 2002 wurde die nationale Nachhaltigkeitsstrategie von der (damals rot-

7


grünen) Bundesregierung verabschiedet (vgl. LANGNER, S.; 2006, S. 71). Die nach-

haltige Landwirtschaft, welche natur- und umweltverträglich ist und den vorsorgen-

den, insbes. gesundheitlichen Verbraucherschutz beachtet, wurde zu den Hand-

lungsbereichen aufgenommen. Themenfeld der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie

ist die Ernährung mit den Schlüsselindikatoren Anteil der Fläche des ökologischen

Landbaus und Stickstoffüberschuss (vgl. nationale Nachhaltigkeitsstrategie der Bun-

desregierung Deutschlands In: LANGNER, S.; 2006, S. 73, 75). Der Fortschrittsbe-

richt 2008 zur nationalen Nachhaltigkeitsstrategie konkretisiert die Ziele der Indikato-

ren von 2002: Hinsichtlich des Stickstoffüberschusses wird eine Verringerung bis auf

80 kg/ha landwirtschaftlich genutzter Fläche (LF) bis 2010 und eine weitere Absen-

kung bis 2020 verbindlich gemacht. Der Ökologische Landbau soll in den nächsten

Jahren auf einen Anteil von 20 Prozent der LF erhöht werden. Des Weiteren be-

schäftigt sich der Fortschrittsbericht 2008 zur nationalen Nachhaltigkeitsstrategie in

Bezug auf die Landwirtschaft in Deutschland unter anderem mit der Agrobiodiversität

und mit Anpassungsstrategien der Landwirtschaft an den Klimawandel (vgl.

PRESSE- UND INFORMATIONSAMT DER BUNDESREGIERUNG, 2008, S. 209,

154,102).

3. Operationalisierungsmöglichkeiten und Anwendung im Projektbeispiel

Zur Operationalisierung von Nachhaltigkeitskonzepten auf nationaler, regionaler und

lokaler Ebene können als Subgliederung

a) die Erarbeitung von Leitbildern (Nachhaltigkeitsentwicklungen einschl. Präven-

tion) und Leitlinien (strategische Handlungsprinzipien, Managementregeln),

b) die Bestandsanalysen (Ist-Zustand),

c) die Auswahl geeigneter Indikatoren (naturwissenschaftliche Ökosystem-

Größen zur Messung der Ist-Umweltsituation und des Soll-Umweltqual-

itätssstandards hinsichtlich der Nachhaltigkeitstrendentwicklung zur Zielerrei-

chung)

und

d) die Zielsetzung der nachhaltigen Entwicklung

8


grundlegend erfolgen (vgl. LANGNER, S.; 2006). Nach dieser Untergliederung wird

nachstehend die Anwendung beim Kooperationsprojekt der Nachhaltigkeitssystem-

einführung in der Landwirtschaft dargelegt.

zu 3. a) Leitbild und Leitlinien des Projektes DLG-Nachhaltigkeitszertifikat

Bezüglich des Leitbildes und seiner Leitlinien wurde im Projekt ,,Nachhaltige Land-

wirtschaft - zukunftsfähig" auf einen Mix aus Vorsorge-, Integrations- und Kooperati-

onsprinzipien gesetzt. So werden anhand des landwirtschaftlichen Nachhaltigkeits-

zertifizierungssystems Risiken für Mensch und Umwelt, wie z.B. Emissionen unter

Nutzung des wissenschaftlich-technischen Fortschritts der Gegenwart (z.B. precision

farming) vorgebeugt, Umweltaspekte werden in die Ausgestaltung der Landwirtschaft

und des ländlichen Raumes stark einbezogen und somit wirken Akteure aus Umwelt-

, Agrarwirtschafts-, Wissenschafts- und öffentlichen Verwaltungsbereichen wie auch

Privatpersonen zusammen.

Mit Blick auf die angewandten Managementregeln werden Umweltverträglichkeit,

Wirtschaftlichkeit und Soziale Dimensionen landwirtschaftlicher Unternehmen im

Dreiklang gefördert; Ökologie, Ökonomie und Soziales werden dabei gleich stark

bewertet (vgl. www.nachhaltige-landwirtschaft.info).

zu 3. b) projektbezogene Bestandsanalyse

Bei der Bestandsanalyse zu Entwicklungsbeginn des Zertifizierungssystems »Nach-

haltige Landwirtschaft - zukunftsfähig« waren verschiedene Ansätze der Dimensio-

nen möglich: Zum Einen musste das Innovationspotential des Projektes abgesteckt

werden:

- Wie verbreitet ist die nachhaltige Entwicklung in landwirtschaftlichen Einzelun-

ternehmen?

- Werden bereits Konzepte im Sinne des Leitbildes für Nachhaltige Entwicklung

in der Agrarurproduktion realisiert? Falls ja, im Bundesgebiet Deutschlands, in

Österreich, in der Schweiz oder in anderen Mitgliedstaaten?

usw.

Zum Anderen musste die Aussgangssituation der praktizierten Landwirtschaft erfasst

werden:

9


- Wie ist die Flächenbewirtschaftung ohne Nachhaltigkeitsstandard zu bewer-

ten? Wie hoch sind die Anteile der konventionellen Landwirtschaft, des Integ-

rierten Pflanzenbaus und des Ökologischen Landbaus?

- Welche Entwicklungen sind mit der Einführung eines Zertifizierungssystems

unter dem Leitbild der nachhaltigen Entwicklung zu erwarten?

usw.

zu 3. c) Indikatorenauswahl für die landwirtschaftliche Nachhaltigkeit

Für die Nachhaltigkeitsentwicklung in landwirtschaftlichen Produktionsbetrieben wur-

den Indikatoren nach den Kategorien Umwelt, Wirtschaft, Soziales strukturiert aus-

gewählt (vgl. Tab. 1). Die Dimension der Institution ist durch die Anwendung in ver-

schiedenen Agrarproduktionsunternehmen variabel. Die Messungen der einzelnen

Indikatoren bilden zusammengenommen das Nachhaltigkeitsprofil eines Landwirt-

schaftsbetriebes ab.

Tab.1:

Die 22 Indikatoren der DLG-Nachhaltigkeitszertifizierung

Ökologische

Ökonomische

Soziale

Indikatoren

Indikatoren

Indikatoren

Stickstoff-Saldo Betriebseinkommen,

Wert- Entlohnung der Arbeitskraft

schöpfung

Phosphor-Saldo Relative

Faktorentlohnung

Arbeitsbelastung

Humus-Saldo

Ausschöpfung der mittelfristi- Aus- und Fortbildung

gen Kapitaldienstgrenze

Energieintensität Eigenkapitalveränderung

im

Urlaubstage

Unternehmen

Bodenschadverdichtung Nettoinvestition

Mitbestimmung

Bodenerosion Gewinnrate

Gesellschaftliche

Leistung

Agrobiodiversität

Pflanzenschutzintensität

Treibhausgase

Landschaftspflege

Quelle: www.nachhaltige-landwirtschaft.info

10


Nachhaltige Einzelindikator-Messergebnisse werden für Verbesserungssprozesse

herangezogen. Nahm zum Beispiel in den letzten acht Jahren kein Beschäftigter

(m/w) oder der Betriebsleiter (m/w) selbst an einer Fortbildungsveranstaltung teil,

kann der Besuch eines Pflanzenschutz-Anwenderseminars fortan neben diesem so-

zialen Indikator gleichzeitig den Pflanzenschutzmitteleinsatz optimieren, was sich

wiederum langfristig ökonomisch in Form der besseren relativen Faktorentlohnung

auszahlen kann. Aufgrund dieses wechselseitigen Einflusses werden die Soll-Ist-

Vergleiche als Netzdiagramme dargestellt, um das Netzwerk der Schwächen und

Stärken eines Betriebes herauszufiltern. Die Betriebsleistung wird im Wertbereich

zwischen 0 und 1 abgebildet, wobei 1 die höchste Nachhaltigkeitsstufe ist (vgl.

SCHAFFNER, A.; PACKEISER, M; 2007). Ein kontinuierlich aufrechterhaltenes Sys-

tem in dem sich wandelnden Umfeld erfordert die stetige Optimierung.

Abb.2:

Beispiel eines Netzdiagramms zur landwirtschaftlichen Nachhaltig-

keitsbestimmung

Quelle: http://www.nachhaltige-landwirtschaft.info/pruefung.html

zu 3 d) Zielsetzung der nachhaltigen Entwicklung in Agrarunternehmen

Ziel sind nachhaltig wirtschaftende landwirtschaftliche Marktfruchtbetriebe im Gebiet

der Bundesrepublik Deutschland und im deutschsprachigen Raum bzw. im Wir-

kungskreis des DLG e.V., deren Existenzen und Existenzgrundlagen (Boden, Klima,

11


Wasser, Arbeitskräfte, Technik, Finanzmittel) in Gegenwart und Zukunft gesichert

sind. Nachhaltige Landwirtschaft verfolgt ökologische, ökonomische und soziale Ziel-

stellungen wie die Vermeidung oder Reduzierung schädlicher Umwelteinwirkungen,

Ressourceneffizienz beim Betriebsmitteleinsatz und Verantwortungsbewusstsein.

(vgl. SCHAFFNER, A.; PACKEISER, M.; 2007) Die konkreten Ziele der Etablierung

des Nachhaltigkeitsprinzips in der Landwirtschaft und damit in der Nahrungs- bzw.

Energiekette durch die Zertifizierung der DLG sind:

- der Schutz und Schonung der Umweltmedien, Ressourcen, Roh-

stoffe und der Diversität

- Verbesserung von Klimawirkungen und Energieeffizienz

- optimale Düngung und Pflanzenschutzmaßnahmen

- Stärkung von Akzeptanz (Transparenz, Kommunikationsgrundla-

ge), Wettbewerbsfähigkeit u. Wirtschaftlichkeit und Innovation

- (Fort-)Bildung von Betriebsleitern und Beschäftigten und

- Lebensmittelsicherheit und Hygiene

(vgl. www. nachhaltige-landwirtschaft.info).

4. Erfolgseinschätzung und Stärken-Schwächen-Analyse für das Projektbei-

spiel »Nachhaltigkeitsstandard der DLG«

Die DLG hat sieben Landwirtschaftsbetriebe mit ihrem Zertifikat ,,Nachhaltige Land-

wirtschaft - zukunftsfähig" ausgezeichnet. DLG-Präsident Carl-Albrecht BARTMER

überreichte die Urkunden am 24. Juni 2008 im Rahmen der DLG-Feldtage in Buttel-

stedt bei Weimar. Die Betriebe wurden nach dem DLG-Nach-haltigkeitsstandard zer-

tifiziert, der ökologische, soziale und ökonomische Nachhaltigkeitsindikatoren mit den

entsprechenden Zielwertbereichen umfasst. Dabei unterzogen die Betriebe sich einer

umfassenden Nachhaltigkeitsanalyse und haben die DLG-Prüfkriterien für Nachhalti-

ge Landwirtschaft erfüllt. Das Zertifikat ,,Nachhaltige Landwirtschaft - zukunftsfähig"

haben folgende Betriebe erhalten:

·

Agrargenossenschaft ,,Schwarzbuntzucht" Fischbeck e.G., Kabelitz, Sachsen-

Anhalt

·

Gut Piesdorf GbR, Gut Welfesholz GbR, Piesdorf, Sachsen-Anhalt

12


·

Lorenz Lex, Bockhorn, Bayern

·

Schlossgut Hohenkammer, Hohenkammer, Bayern

·

Bernd Schwartkop, Krempdorf, Schleswig-Holstein

·

Ludwig Spanner, Essenbach, Bayern

·

Stiftung Fürst Liechtenstein, Wilfersdorf, Österreich

(vgl. www.nachhaltige-landwirtschaft.info).

In der Entwicklungsendphase der Zertifizierung wurden im Jahr 2007 Testläufe des

Nachhaltigkeitsstandardsystems auf ca. fünfzig Betrieben in Bayern, Sachsen-

Anhalt, Niedersachsen und Schleswig-Holstein durchgeführt. Die Anzahl der ersten

Zertifizierungen beträgt nur 14 Prozent der Prätestbetriebe. Der Umsetzungserfolg

fiel demnach anfänglich verhalten aus. Auf Fragen zur Entwicklung der Zahl zertifi-

zierter Betriebe usw. per E-mail hat die Autorin bis zur Abgabefrist dieser Studienar-

beit keine aktuellen Angaben erhalten. Da es sich um eine junge Nachhaltigkeitszer-

tifizierung handelt, kann noch keine reale Erfolgseinschätzung abgegeben werden.

Im Folgenden werden darum Bedenken, Anmerkungen und Vorschläge zur Weiter-

entwicklung geäußert.

Ziel und Zweck der landwirtschaftlichen Erzeugung ist einerseits die Produktion aus-

reichender Mengen an Nahrungsmitteln und Rohstoffen; andererseits vor allem die

Einhaltung gesetzlicher Mindestqualitäten bzw. oftmals sogar darüber hinaus vorab

mit Abnehmern (z. Bsp. Weiterverarbeiter wie Mühlen und Backwarenindustrie) ver-

einbarter Produkt- bzw. Rohstoffqualitäten (z. Bsp. Protein- oder Zuckergehalt). Bes-

sere Qualitäten erzielen am Markt i. d. R. einen höheren Preis. Produkt- und Pro-

zessqualitätsindikatoren werden bei der DLG-Nachhaltigkeitszertifizierung über die

Steuerung vor allem der Ökologischen Indikatoren berücksichtigt (z. Bsp. steuert die

Nährstoffversorgung durch Düngung die Energie-, Protein-, Zucker- und Stärkegehal-

te der pflanzlichen Erzeugnisse). Die Prozessindikatoren (z. Bsp. Energieintensität,

N- und P-Salden, Pflanzenschutzintensität) beziehen sich gleichzeitig auf die Um-

weltqualitätssicherung und auf die Qualitätssicherung der Erzeugnisse, die in der

Wertschöpfungskette Lebensmittel zirkulieren; wobei es sich jedoch nicht explizit um

ein Managementsystem zur Qualitätssicherung der erzeugten Lebensmittel handelt.

Die Qualität der Erzeugnisse wird im Nachhaltigkeitskonzept nur indirekt über die

Indikatoren der drei Säulen Ökologie, Ökonomie und Soziales gemanagt, was nicht

13


immer von Vorteil sein dürfte. Eine Säule oder wenigstens einen Indikator Produkt-

qualität (beispielsweise unter den Ökonomieindikatoren) existiert nicht. Vorgeschla-

gen wird, über die Aufnahme eines Indikators Produktqualität nachzudenken. Das

Zertifizierungsystem ist trotzdem schon jetzt ein nachhaltiges Umwelt- und Quali-

tätsmanagement unter effizientem Einsatz der Ressourcen und fortlaufender Doku-

mentation. Die Handhabung ist durch Verknüpfungen mit vorhandenen Aufzeichnun-

gen, z. Bsp. mit der betrieblichen Ackerschlagkartei zeitsparend und unkompliziert

realisierbar.

Der Grundgedanke, dass heute nicht zum Leid der Nachwelt gelebt werden darf, ist

eine ganz wichtige Lebensansicht, Einsicht und Erkenntnis, welche auf Verantwor-

tungsbewusstsein und Generationengerechtigkeit beruht. Aufgekommen ist dieses

Bewusstsein vielleicht wegen der zunehmenden Konfrontation mit umweltschädigen-

den Hinterlassenschaften (z. Bsp. DDT in der Umwelt) von Vorfahren im Zuge der

Industrialisierung bzw. Intensivlandwirtschaft. Das DLG-Nachhaltigkeitsprojekt setzt

diese Merkmale des Leitbildes für nachhaltige Entwicklung auf dem neuesten Stand

von Wissenschaft und Technik um. Das bewirkt die fortbestehende Kooperation mit

entsprechenden Forschungsbereichen der MLU Halle-Wittenberg, der TU München

und dem INL.

Der Begriff nachhaltig drückt die Art und Weise des erforderlichen Wirtschaftens bzw.

Handelns am besten aus. Das Wort Nachhaltig wurde als Landwirtschaftsrichtung -

ähnlich wie Ökologische Landwirtschaft - ins Zertifikatzeichen aufgenommen und mit

dem Zusatz ,,zukunftsfähig" kurz und prägnant näher fokussiert. Die DLG, eine gro-

ße, bekannte, landwirtschaftliche Nichtregierungsorganisation hat langfristig das Po-

tenzial, die Zertifizierung unter ihren Mitgliedern zu etablieren.

14


LITERATUR

KLÄMT, G.; 2007: Zusammenstellung und Vorstellung von ausgewählten Beispielen geförderter land-

wirtschaftlicher Demonstrationsvorhaben im Rahmen der Ausbildung im gehobenen landwirtschaftlich-

technischen Dienst des Landes Sachsen-Anhalt. Unveröffentlichtes Manuskript.

LANGNER, S.; 2006: Reader Leitbild für Nachhaltigkeit. Lehrbrief. Zentrum für Qualitätssicherung in

Studium und Weiterbildung der Universität Rostock.

PRESSE- UND INFORMATIONSAMT DER BUNDESREGIERUNG, 2008: Fortschrittsbericht 2008 zur

nationalen Nachhaltigkeitsstrategie. Berlin. S. 209, 154,102

SCHAFFNER, A.; PACKEISER, M.; 2007: Unternehmerischer Erfolgsfaktor Nachhaltigkeit. Auszug

aus dem DLG-Jahresbericht 2007. Frankfurt.

INTERNETQUELLEN

· http://www.agrar.de/agenda/agd-

21k00.htm

· MARTIN-LUTHER-UNIVERSITÄT HALLE-WITTENBERG unter http://www.forschung-

sachsen-anhalt.de...

· http://www.nachhaltige-landwirtschaft.info/

·

TECHNISCHE UNIVERSITÄT MÜNCHEN unter http://www.wzw.tum.de/ oekolandbau

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