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Das Epigramm als literarische Gattung am Beispiel des antiken Autors Martial

Facharbeit (Schule), 2004, 28 Seiten
Autor: Christoph Schiller
Fach: Latein

Details

Institut: Bischöfliches Gymnasium Josephinum
Tags: Martial, Epigramm
Kategorie: Facharbeit (Schule)
Jahr: 2004
Seiten: 28
Note: 12 Punkte
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V133874
ISBN (E-Book): 978-3-640-45618-5


Zusammenfassung / Abstract

Ich habe mich mit dem Thema „Das Epigramm als literarische Gattung am Beispiel des antiken Autors Martial“ beschäftigt, um Ihnen, lieber Leser, sowohl das Epigramm als auch den antiken Autor Martial näherzubringen. Ich habe meine Arbeit so aufgebaut, dass Sie sich zuerst einen Überblick über das antike Epigramm, dessen Entwicklung und verschiedene Erscheinungsformen machen können. Dann gehe ich auf Martials Sichtweise über das Epigramm ein. Schließlich vollendete der Schriftsteller das Spottepigramm und gilt als dessen Perfektionist. Sie sollen einen Eindruck von seiner Schreibweise, seinen Kritikern und Adressaten gewinnen. In dem dritten Teil versuche ich Ihnen Martial und seine Lebensweise anhand seiner Biographie näherzubringen. Sie sollen sich seiner nicht aussichtsreichen Herkunft, seinem außergewöhnlichem Ruhm und ungeheurem Einfluss bewusst werden. Auch seine Werke werden aufgezählt. Ich gehe auch auf die Metrik von Martials Epigrammen ein. Schließlich ist diese eine wichtiger Punkt, da sie zum mündlichen Vortrag notwendig ist. Sie erfahren auch etwas über Martials Reaktion auf neidische Anfeindungen. Interessant ist auch Martials Intention seiner Gedichte. Sie werden überrascht sein, lieber Leser, welche Absicht der Dichter verfolgte und wie neuartig der Inhalt seiner Werke zur Zeit des ersten Jahrhunderts nach Christus in der römischen Gesellschaft war. Zum Schluss gehe ich noch auf den Alltag eines römischen Schriftstellers in der frühen Kaiserzeit ein. Anhand von vier Epigrammen des Martial bekommen Sie einen Eindruck, mit welchen Problemen ein antiker Schriftsteller zu kämpfen hatte.


Volltext (computergeneriert)

EINLEITUNG 3

1.) Entstehung und Entwicklung des antiken Epigramms 4

2.) Das Epigramm aus der Sicht Martials am Beispiel der ,,praefatio" 5

2.1.) Übersetzung 5

2.2.) Merkmale von Epigrammen anhand des Briefes 6

2.3.) Martials Kritiker und seine Rechtfertigung 8

2.4.) Adressatenkreis 9

3. Das Leben des Marcus Valerius Martialis am Beispiel von Epigramm 1, 1, seine
Bedeutung für das Epigramm und seine Werke 9

3.1.) Übersetzung und Analyse 9

3.2.) Interpretation und Martials Lebenslauf 10

3.3.) Martials Bedeutung für das Epigramm 11

3.4.) Martials Werke 11

4.) Martials Ruhm und Umgang mit Neidern (Epigramm 9, 20 ) 12

4.1. )Übersetzung 12

4.2.) Metrik 12

4.3.) Inhalt seiner Werke (sehr kurz!): 14

4.4.) Umgang mit Ruhm und Neid 14

5.) Martials Leserschaft und seine Intention am Beispiel von Epigramm 1, 118 15

5.1.) Übersetzung, Analyse und Interpretation 15

6.) Probleme antiker Schriftsteller am Beispiel der Epigramme 1, 16 + 2, 20 + 1, 52 +
4, 41 16

6.1.) Undankbare Leser ? 16

Übersetzung, Analyse und Interpretation von Epigramm 1, 16 16

6.2.) Plagiatoren 17

6.2.1.) Übersetzung und Analyse von Epigramm 2, 20 17

6.2.2.) Übersetzung und Analyse von Epigramm 1, 52 17

6.2.3.) Interpretation von Epigramm 1, 52 und 2, 20 18

6.3.) ,,Möchtegernpoeten" 19

6.3.1.) Übersetzung, Analyse und Interpretation von Epigramm 4, 41 19

FAZIT 20

BIBLIOGRAFIE 22

Primärliteratur: 22

Sekundärliteratur: 22

ANHANG 23

Text 1: Epigrammaton liber I ,,praefatio" 23

1


Text 2: Epigramm 1, 1 23

Text 3: Epigramm 1, 16 24

Text 4: Epigramm 2, 20 24

Text 5: Epigramm 4, 41 24

Text 6: Epigramm 10, 9 24

Text 7: Epigramm 1, 118 24

Text 8: Epigramm 1, 52 24

Text 9: Epigramm 6, 60 25

Text 10: Epigramm 12, 20 25

Epigrammata 26

Sprache und Stil 26

2


EINLEITUNG

Ich habe mich mit dem Thema ,,Das Epigramm als literarische Gattung am Beispiel des

antiken Autors Martial" beschäftigt, um Ihnen, lieber Leser, sowohl das Epigramm als

auch den antiken Autor Martial näherzubringen.

Ich muss zugeben, dass ich ein wenig beunruhigt war, sollte ich mich doch sechs

Wochen lang mit einer mir fast unbekannten und eher ,,trockenen" Thematik

beschäftigen. Doch je mehr Informationen ich sammelte und je mehr ich mich an die

bissige Schreibweise Martials gewöhnte, desto leichter fiel mir die Beschäftigung. Es

entstand eine Hassliebe. Die zum Teil kniffligen Übersetzungen und anspruchsvollen,

zweideutigen Pointen brachten mich fast zur Verzweiflung. Jedoch bewunderte ich den

treffenden, ,,bösen" Humor und die kunstvolle Häufung von Stilmitteln oder auch

Schlichtheit seiner Gedichte.

Ich habe meine Arbeit so aufgebaut, dass Sie sich zuerst einen Überblick über das

antike Epigramm, dessen Entwicklung und verschiedene Erscheinungsformen machen

können.

Dann gehe ich auf Martials Sichtweise über das Epigramm ein. Schließlich vollendete

der Schriftsteller das Spottepigramm und gilt als dessen Perfektionist. Sie sollen einen

Eindruck von seiner Schreibweise, seinen Kritikern und Adressaten gewinnen.

In dem dritten Teil versuche ich Ihnen Martial und seine Lebensweise anhand seiner

Biographie näherzubringen. Sie sollen sich seiner nicht aussichtsreichen Herkunft,

seinem außergewöhnlichem Ruhm und ungeheurem Einfluss bewusst werden. Auch

seine Werke werden aufgezählt.

Ich gehe auch auf die Metrik von Martials Epigrammen ein. Schließlich ist diese eine

wichtiger Punkt, da sie zum mündlichen Vortrag notwendig ist. Sie erfahren auch etwas

über Martials Reaktion auf neidische Anfeindungen.

Interessant ist auch Martials Intention seiner Gedichte. Sie werden überrascht sein,

lieber Leser, welche Absicht der Dichter verfolgte und wie neuartig der Inhalt seiner

Werke zur Zeit des ersten Jahrhunderts nach Christus in der römischen Gesellschaft

war.

Zum Schluss gehe ich noch auf den Alltag eines römischen Schriftstellers in der frühen

Kaiserzeit ein. Anhand von vier Epigrammen des Martial bekommen Sie einen

Eindruck, mit welchen Problemen ein antiker Schriftsteller zu kämpfen hatte.

3


Insgesamt werden auch Sie feststellen, dass das Thema ,,Das Epigramm als literarische

Gattung am Beispiel des antiken Autors Martial" in keiner Weise ,,trocken" ist.

1.) Entstehung und Entwicklung des antiken Epigramms

1

Das Epigramm kommt von dem griechischen Wort ,,epigramma" und bedeutet

,,Aufschrift". Die ersten Epigramme stammen aus dem antiken Griechenland (um das 7.

Jahrhundert vor Christus) und waren ursprünglich Aufschriften auf Weihgeschenken,

mit denen der Spender die Aufmerksamkeit eines Betrachters erregen wollte. Diese

kurzen, aber informativen Texte werden als

Weihepigramme

bezeichnet. Die Spender verfassten die Epigramme allerdings nicht selbst, sondern

gaben diese in Auftrag, so daß eine Berufsgruppe von Schreibern entstand.

Eine weitere, frühe Form des Epigrammes war das

Grabepigramm

. Mit diesem wollte

der Verfasser eine verstorbene Person charakterisieren und seine Leistungen rühmen.

Bald entstand eine ,,Wettkampfkultur" um das gelungenste Epigramm und über

Jahrhunderte hinweg entwickelte sich eine neue Kunstgattung hinaus. Aus Aufschriften

wurden Sinnsprüche in Versform, die auf Festen spontan vorgetragen wurden. Fiel

einem Gast kein Vers ein, so zitierte er einen bekannten Dichter. Denn alle

dichterischen Größen verfassten auch Epigramme.

Als bedeutendste Epigrammatiker der griechischen Kultur müssen Simonides von Keos

(5. Jahrhundert vor Christus), dessen Verse über die gefallenen Spartaner durch

Schillers Übersetzung berühmt wurden, und Kallimachos (3. Jahrhundert vor Christus)

genannt werden.

Mit dem Verfassen der ,,Scipionen ­ Elogien" entstanden bei den Römern erstmals

Versinschriften in lateinischer Sprache. Um das 2. Jahrhundert vor Christus war es

Brauch in der römischen Oberschicht, besondere Anlässe mit Epigrammen zu

verewigen. Sogar Politiker verfassten neben ihrer politischen Arbeit diese kleinen

Gedichte.

Marcus Terentius Varro erstellte im Jahr 39 vor Christus das erste

Buchepigramm

: In

den ,,imagines" stellt er die Leistungen von 700 Persönlichkeiten in Versform dar.

Die Blütezeit des Epigrammes war die Kaiserzeit: Lukillios schuf das

satirische

Epigramm

, Martial verfasste nach seinen Vorbildern Kallimachos und Catull seine

bekannten

Spottgedichte

und weitere griechische Dichter entwickelten in Rom das

Zeitgedicht.

Das

satirische Epigramm

ist als Zeitkritik anzusehen, in dem Zeit und

4


Gesellschaft wegen ihres Lebensstils angeprangert wurden. Gerade Martial vermochte

es mit seinen literarischen Fähigkeiten meisterlich, bestimmte Menschentypen mit ihren

Fehlern zu verspotten, wobei er auch trefflich den römischen Alltag vor Augen führte.

In

Zeitgedichten

wurden wichtige, zeitliche Ereignisse wie militärische Erfolge und

gesellschaftliche Ereignisse erfasst.

2.) Das Epigramm aus der Sicht Martials am Beispiel der ,,praefatio"

Dieser Brief bildet ein Vorwort zu Martials erstem Buch. Während die meisten

Einleitungen (,,praefationes"/ ,,prooemia") von Dichtungstexten in Versform

geschrieben worden sind, wählt Martial einen Prosatext als Einleitung.

Das Vorwort ist an keine bestimmte Person gerichtet, sondern allgemein an den Leser.

Nach der Übersetzung lässt sich der Brief in weitere drei Punkte gliedern.

2.1.) Übersetzung

,,Ich hoffe, dass ich in meinen ,,Bändchen" einem solchem Mittelweg gefolgt bin, dass

man sich nicht über jene beschweren kann, wer auch immer von ihnen sich recht

betroffen fühlt, wenn sie auch mit Respekt vor kranken Menschen necken; dieser fehlte

bei den alten Schriftstellern so sehr, dass sie nicht nur die wahren Namen benutzten,

sondern auch die bedeutenden Namen (= die Namen von bedeutenden Menschen). Es

kostet meinen Ruf, und die letzte Begabung wird mir vorgeworfen. Einem bösartigem

Übersetzer mangelt es an der Einfachheit unserer Späße und er schreibt meine

Epigramme nicht um: er, der in einem fremden Buch geistreich ist, tut unrecht. Ich

würde die frivole Wahrheit der Worte entschuldigen, dies ist die Sprache von

Epigrammen, wenn es mein Beispiel wäre (= meine Erfindung wäre) : so schrieb Catull,

so Marsus, so Pedo, so Gaetulicus, so wird jeder genau durchgelesen. Wenn dennoch

irgendjemand derart fanatisch prüde ist, dass es bei jenem Sitte ist, dass auf keinem

Blatt offen geredet wird, kann er sich mit einem Brief oder eher einer Überschrift

begnügen. Epigramme werden für jene geschrieben, die es gewohnt sind, die

Nackttänzerinnen der Flora anzuschauen. Cato soll nicht mein Theater betreten, oder

aber, wenn er es betreten haben sollte, er soll zusehen (= bleiben). Mir scheint, es wird

mein Recht sein, wenn ich den Brief mit Versen beende:

1 Aus: Herausgeber: Friedrich, Wolf-Hartmut / Killy, Walther: ,,Das Fischer Lexikon: Erster Teil"

5


Du kanntest den reizenden Tempel der neckischen Flora

und die feierlichen Feste und die Freizügigkeit der Masse,

warum bist du dann, ernster Cato, ins Theater gekommen?

Warst du etwa nur gekommen, um wieder zu gehen?"

2.2.) Merkmale von Epigrammen anhand des Briefes

Nach Martials Auffassung sucht der ,,ideale" Epigrammatiker einen Mittelweg

(,,

temperamentum

"), auf dem er eine Person verspotten kann und ihm dennoch seine

Würde lässt, so dass dieser sich nicht beschweren kann. Jede Person kann Ziel seines

Spottes werden, jedoch ist es ein Tabu, den Namen des Verspotteten zu nennen

(Anonymität), kranke Menschen respektlos zu behandeln und wichtige, bedeutende

Persönlichkeiten bloßzustellen. Um das Kriterium der Anonymität einzuhalten, benutzt

Martial ,,

sprechende

Namen

". Er schreibt einer Person somit eine Eigenschaft zu und

nennt sie nicht beim Namen. Martial greift nie reale, sondern nur fiktive Personen an.

Die Sprache des Epigrammes ist schonungslos offen (,,

Latine

loqui

") und spricht ohne

Umschweife die Wahrheit direkt aus ( siehe Seite 14 Epigramm 4, 41 ). Sie kann auch

in einem gewöhnungsbedürftigen derben und zügellosen Ton verfasst sein.

Ein weiteres Merkmal ist die Einfachheit (,,

simplicitas

") von Martials Epigrammen. Sie

sind zumeist in zwei Teile gegliedert: Der eine enthält Fakten, der andere eine

geistreiche Anspielung. Diese Einfachheit spiegelt sich auch in der Satzstruktur und der

Wortwahl wider. Martial vermeidet Pathos und ,,Schwulst". Er benutzt auch keine

mystischen Vergleiche, sondern bleibt bei der Realität. Allerdings enthält die

Bezeichnung ,,simplicitas" noch eine zweite Bedeutung. Es kann nicht nur

,,Einfachheit", sondern auch ,,Offenheit" heißen. Ein Epigramm verstellt sich nicht, es

sagt offen die Wahrheit (s. ,,

Latine

loqui

").

Epigramme versuchen auf kürzeste Art möglichst viele Informationen zu liefern. Sie

sind also zumeist kurz gehalten und erfüllen das Kriterium der ,,

brevitas

". Martial hält

jedoch nicht konsequent dieses Merkmal ein.2

Dafür laufen alle seine Epigramme auf eine Pointe aus (,,

argutia

"). Dies wird auch als

,,intellektueller Humor" bezeichnet.3

Fischer Taschenbuch Verlag Frankfurt am Main 1965

2Universität Regensburg: ,,M. Valerius Martialis" [http://www.uni-

regensburg.de/Fakultaeten/phil_Fak_IV/Klass_Phil/Martialallgemeines.htm] ( Stand: 1.3.2003 )

Ausdruck ist dem Anhang beigefügt

3 Universität Regensburg: ,,M. Valerius Martialis" [http://www.uni-

regensburg.de/Fakultaeten/phil_Fak_IV/Klass_Phil/Martialallgemeines.htm] ( Stand: 1.3.2003 )

6


Als äußerliches Merkmal ist noch die Versart zu nennen. Martial verwendete bevorzugt

das ,,

Distichon

" für die kurzen Epigramme und den ,,

Hendekasyllabus

" für längere.

Fast alle Merkmale von Epigrammen sind im Epigramm des Briefes vorhanden:

Der typische Aufbau von Martials Epigrammen lässt sich äußerlich und innerlich

wiederfinden: Als Versart hat der Dichter das Distichon benutzt. Die Fragen bestehen

nicht aus schwierigen Konstruktionen, sondern nur aus dem Notwendigstem (

,,

brevitas

" ) : Subjekt, Prädikat, Objekt. Die Objekte in der ersten Frage sind entweder

als Polysyndeton - Wiederholung von ,,que" - oder als Polyptoton - Veränderung von

,,que" zu ,,et" - aneinandergereiht. Antithetisch ist ,,das Verhalten der Masse" (

,,licentiam" ) und der Charakter Catos ( ,,severe" ) aufgebaut . Eine weitere Antithese

liegt in der Wahl der Prädikate in den Fragesätzen vor ( ,,venisti" und ,,exires"), sie sind

sogar parallel am Satzende plaziert. Bei ,,Florae festosque" und ,,lusus et licentiam"

liegt eine Alliteration vor.

Dies beweist, dass Martials Epigramme auf den ersten Blick zwar einfach aufgebaut

sind ( ,,

simplicitas

" ), deren Komplexität aber erst beim Erfassen der Stilmittel oder in

der Deutung erschlossen wird.

Vom Inhalt her ist das Epigramm in zwei Teilen aufgebaut: Es liefert Fakten über die

Stimmung im Tempel der Flora während einer Feier zu Ehren der Göttin. Sowohl die

Erscheinung des Tempels ( ,,dulce sacrum" ) als auch das Aussehen der Tänzerinnen (

,,iocosae Florae" ) bewirken ein derartiges Spektakel, dass sich die Besucher von der

Umgebung beeinflussen lassen und ebenfalls offener werden ( ,,licentiam volgi" ).

Mit den Fragen wird eine Anspielung, wenn nicht sogar eine Provokation Catos

herbeigeführt. Welchen Sinn ergibt dessen Erscheinen, wenn er Feste dieser Art

ablehnt und sofort wieder verschwindet?

Dieses Epigramm spielt auf ein Ereignis an, das sich im Zusammenhang mit Cato

Uticensis und den Floraspielen im Jahre 55 vor Christus ereignete. Im dritten

Jahrhundert vor Christus wurde ihr zu Ehren ein Tempel errichtet. Seitdem wurde

jährlich ein ausgelassenes Volksfest veranstaltet, bei dem verkleidete Schauspieler

auftraten und Tänzerinnen sich nackt auszogen. In Gegenwart des konservativen

Politikers und strengen Moralisten Cato Uticensis ( 95 ­ 46 v. Chr. ) traute sich das

Volk jedoch nicht, die Entkleidung der Tänzerinnen zu fordern. Daraufhin verließ Cato

unter Applaus der Menge das Theater, um nicht das Vergnügen der Masse zu

7


behindern. Damalige Zeitgenossen empfanden diese Begebenheit als Beweis für eine

gute Beziehung zwischen Adel und Bürgern.4

Martial jedoch empfindet ,,Mitleid" mit solchen Menschen, die an ihre eigenen

Wertevorstellungen gebunden sind und sich nicht an den einfachen Dingen des Lebens

erfreuen können. Cato stellt nach Martials Auffassung den Urtypen des traurigen

Menschen (,,homo tristis") dar.5

2.3.) Martials Kritiker und seine Rechtfertigung

Martial geht auch auf seine Kritiker ein und ,,lässt kein gutes Haar an ihnen". Er

versteht zwar, dass das Epigramm in der Vergangenheit für negatives Aufsehen gesorgt

hat und deshalb kritisch betrachtet wird. Aber er kann nicht die Vorwürfe gegen sich

nachvollziehen, die ihm seinen Ruf kosten (,,Mihi fama vilius constet"). Im Gegensatz

zu seinen Vorgängern hält er seine Opfer geheim. Martials Schreibweise basiert auf

Tradition. Er übernimmt die eigenwillige Sprache der Epigramme nur, da sie nicht

seine Erfindung ist, sondern die seiner bekannten Vorgänger Catull, Marsus, Pedo und

Gaetulicus (alle Personen sind bekannte Verfasser von Epigrammen zur Kaiserzeit).

Martial verlangt von seinen Kritikern, die einfache Schreibweise seiner Epigramme

anzuerkennen und keine bösartigen Umdeutungen an ihnen vorzunehmen.

Viele konservativ geprägte Politiker und Größen seiner Zeit konnten sich mit seinem

offenen Stil gerade in Sachen Sexualität nicht abfinden und prangerten seine Obszönität

an6 ( siehe Epigramm 12, 20 auf Seite 18 ).

Dadurch dass er in seinen Epigrammen andere Leute verspottete und dabei eine offene

Schreibweise pflegte, schaffte sich Martial natürlich viele Feinde. Andere Dichter sollen

sogar nach seinem Vorbild eigene Epigramme gegen ihn geschrieben haben.7

In heutiger Zeit wird Martial vorgeworfen, er halte sich zu sehr an seine Auflage, keine

bekannten Persönlichkeiten zu kritisieren. So schrieb er den Kaisern Titus und Domitian

Gedichte, mit denen er sich mit ihnen gut stellte und sich bei ihnen einschmeichelte.

Vor allem seine gute Beziehung zu Domitian, dem selbstherrlichen, durch brutale

Bestrafungsaktionen bekannten und Juden feindliche Kaiser, wird negativ gesehen.

Allerdings muss man Martial zu gute halten, dass Titus und Domitian seine wichtigsten

4 Walters, Uwe: ,,M. Valerius Martialis ­ Epigramme"; UTB 1954

5 Walters, Uwe: ,,M. Valerius Martialis ­ Epigramme"; UTB 1954

6 Universität Regensburg: ,,M. Valerius Martialis" [http://www.uni-

regensburg.de/Fakultaeten/phil_Fak_IV/Klass_Phil/Martialallgemeines.htm] ( Stand: 1.3.2003 )

Ausdruck ist dem Anhang beigefügt

7Dr. Stephan-Kühn, Freya: ,,Martial- Epigramme"; Ferdinand Schöningh, Paderborn 1976; Seite 26

8


Förderer waren, die ihn vor allem finanziell unterstützten.8 Martial fristete sein Dasein

als Bettelpoet, der auf finanzielle Unterstützung von Patronen angewiesen war. Häufig

wurden seine Bitten auch einfach abgewiesen.

2.4.) Adressatenkreis

Martial berichtet auch über die Leidtragenden seiner Spottlust und seinen

Adressatenkreis. Der Verspotte muss kritikfähig sein und über sich lachen können. Der

Inhalt seiner Epigramme ist schonungslos hart für den Betreffenden und empfindliche

Leser. Wenn sie ihn nicht ertragen, sollen sie keine Schriftstücke Martials lesen (

,,potest epistola vel potius titulo contentus esse" ). Seine Werke sind für lebensfrohe

Menschen bestimmt, die ,,keine Kinder von Traurigkeit sind" und sich zum Beispiel die

Nackttänzerinnen der Flora ansehen. Deshalb werden sich ernste Menschen wie Cato

wohl nie für Martial begeistern können.

3. Das Leben des Marcus Valerius Martialis am Beispiel von Epigramm 1, 1, seine

Bedeutung für das Epigramm und seine Werke

3.1.) Übersetzung und Analyse

,,Hier ist er, den du liest,

jener, nach dem du verlangst,

der Martial, der auf der ganzen Welt bekannt ist

mit witzigen Bändchen von Epigrammen :

diesem hast du, eifriger Leser, als Lebendem und somit Fühlendem Ruhm gegeben,

den Dichter selten nach dem Tode ernten."

Dieses Epigramm bildet den Auftakt einer zwölf - bändigen Buchreihe mit dem Namen

,,Epigrammaton Liber", die Martial seit dem Jahr 85 nach Christus herausgab. Es hat

sechs Zeilen und als Versart den Hendekasyllabus. Die Verse lassen sich nach den

ersten drei Zeilen in zwei Teile spalten, dies ist am Doppelpunkt erkennbar.

Im ersten Teil stellt sich Martial seinem Leser vor. Er erzählt von seinem Wirken auf

die Leserschaft, die seine Werke mit Verlangen liest ( ,,Hic est, quem legis, ille, quem

requiris," ), und von seinem enormen Bekanntheitsgrad, der sich über Rom hinaus

8 Dr. Stephan-Kühn, Freya: ,,Martial- Epigramme"; Ferdinand Schöningh, Paderborn 1976

9


erstreckt ( ,,toto notus in orbe" ). Auch erwähnt er, womit er so bekannt geworden ist,

nämlich durch das Verfassen von ,,geistreichen Epigrammen".

Im zweiten Teil spricht Martial den Leser direkt an und bedankt sich bei ihm für die

Achtung und den Ruhm, den ihm der Leser schon zu Lebzeiten entgegenbringt

(,,lector studiose, quod dedisti viventi decus atque sentienti"). Dies ist in der Tat

aussergewöhnlich, da Dichter erst nach ihrem Tod zu solchem Ruhm kommen, wie der

Dichter stolz erwähnt.

3.2.) Interpretation und Martials Lebenslauf

Der erste Eindruck, dass Martial mit seinem Ruhm prahlt, passt nicht in den

Zusammenhang mit seiner Biographie. Er hat nur ein gesundes Maß an Selbstvertrauen.

Denn bevor der Dichter sein Werk ,,Epigrammaton Liber" veröffentlicht hat, ist er

bereits durch das ,,Liber Spectaculorum" im Jahr 80 und durch die ,,Xenien" und

,,Apophoreta" zwischen den Jahren 83 - 85 aufgefallen und bekannt geworden. Einen

weiteren Hinweis auf die Achtung, die Martial entgegengebracht wird, ist das ,,ius trium

liberorum". Die Kaiser Titus und Domitian bedankten sich auf diese Weise für dessen

Gedichte und erhoben ihn somit in den Ritterstand.

Der Stolz auf seinen Ruhm ist insofern berechtigt, da Martial aus der Provinz, nämlich

aus Spanien kam. Ungefähr im Jahr 40 erblickte er in Bilbilis das Licht der Welt und

entstammte einer bürgerlichen und wohlhabenden Familie. Bevor er im Jahr 64 nach

Rom kam, wo schon die ebenfalls aus Spanien stammenden Lucan, Seneca und

Quintillian zu Ruhm kamen, war Martial noch ein unbeschriebenes Blatt. Er musste sich

seinen Erfolg hart erarbeiten. Martial war abhängig von vermögenden Gönnern

(Patronen), die ihn unterstützten und seine Werke verkauften. Martial gelangte nie zu

Reichtum, aber erreichte Ruhm und schloss Freundschaften mit Juvenal9, Quintillian10

und Plinius dem Jüngerem.11 Im Jahr 98 kehrte Martial mit dessen finanzieller Hilfe

nach Spanien zurück und verbrachte dort die letzten Jahre seines Lebens. Er starb um

das Jahr 104 im Alter von 64 Jahren.12

Plinius der Jüngere schrieb folgendes über seinen verstorbenen Freund:

,,Wie ich höre ist Valerius Martialis gestorben, und es tut mir sehr leid um ihn. Er war

ein talentierter, geistreicher, temperamentvoller Mann, und seine Gedichte zeigen viel

9 Decimus Junius Juvenalis, (um 65 bis ca. 128), römischer Satiriker

10 Marcus Fabius Quintilianus, (um 35 bis ca. 96 n. Chr.), römische Rhetoriker, aus Spanien stammend

11 Gaius Plinius Caecilius Secundus, (62-113), römischer Politiker und Schriftsteller,

12Biographische Fakten aus: Dr. Stephan-Kühn, Freya: ,,Martial- Epigramme"; Paderborn 1976

10


Witz, viel Galle und nicht weniger Lauterkeit." ( Zitat aus : Hofmann, Walter: ,,Martial-

Epigramme"; Insel Verlag Frankfurt am Main und Leipzig 1997

Seite 748 ).

3.3.) Martials Bedeutung für das Epigramm

Seine Bedeutung für die römische Welt und für unsere wird im folgendem Zitat

deutlich: ,,Martial gehört zu den wenigen römischen Dichtern, denen es gelungen ist,

sich weitgehend von ihrer griechischen Vorlage zu lösen. Er galt schon zu Lebzeiten

und gilt auch heute noch als der Verfasser von Epigrammen schlechthin." (Dr. Freya

Stephan Kühn, ,,Martial, Epigramme"; Ferdinand Schöningh, Paderborn, 1976; Seite 4).

Von der Antike übers Mittelalter bis ins 17. und 18. Jahrhundert hinein wurden seine

lebendigen, aus dem Leben gegriffenen Werke bewundert. Martial führte das Wirken

eines Catulls fort und inspirierte fähige Geister seiner Zeit wie Juvenal. Der britische

Epigrammatiker John Owen (circa 1564 ­ 1627) nahm sich Martial zum Vorbild und ist

wohl der einzige Dichter, der Martial an Schärfe und Bedeutung gleichkommt. Martial

wurde sowohl von den schriftstellerischen Größen des Barock (Andreas Gryphius) als

auch des 17. und 18. Jahrhunderts (Lessing, Goethe und Schiller) hochgeschätzt. Auch

diese begannen ihrerseits mit dem Schreiben von Epigrammen.13 Am bekanntesten ist

wohl Schillers Erzählung über die in den Thermopylen gegen die Perser gefallenen

Spartaner:

,,Wanderer, kommst du nach Sparta, verkünde dorten, du habest uns hier liegen sehen,

wie das Gesetz es befahl."

Heute geben uns seine Gedichte und Epigramme einen Einblick in den für uns

unbekannten römischen Alltag.

3.4.) Martials Werke

14

Von Martial sind uns noch viele Werke erhalten: im Jahre 80 schrieb er zu den

Eröffnungsspielen des Kolosseums das kleine Buch der Schauspiele (,,Liber

Spectaculorum). Zwischen 83 und 85 entstanden die ,,Xenia" und ,,Apophoreta". Sie

beinhalten eine Sammlung von Aufschriften, die als Gastgeschenke oder als Geschenke

zu den Saturnalien15 dienten. Ab dem Jahr 86 gab Martial seine 12-bändigen

Sammelwerke heraus. Während die ersten elf Bücher in Rom von 86 bis 98 nach

13 ,,Microsoft Encarta 1998"; © Firma Microsoft

14 Hofmann, Walter: ,,Martial- Epigramme"; Frankfurt am Main und Leipzig 1997

11


Christus erschienen, gab Martial das zwölfte Buch in seiner Heimat Spanien im Jahre

101 heraus.

4.) Martials Ruhm und Umgang mit Neidern

(Epigramm 9, 20 )

4.1. )Übersetzung

,,Sowohl durch je elf Versfüße als auch durch je elf Silben

und durch viel Witz, aber dennoch nicht durch unverschämtem

ist jener Martial bekannt bei den Leuten in Rom

und bekannt in den Provinzen ­ was beneidet ihr ? ­

Ich bin nicht bekannter als der Gaul Andraemon."

Dieses Epigramm von Martial enthält viele Informationen über seine Gedichte und über

sich als berühmte Persönlichkeit. Es lässt sich in drei Teile gliedern.

4.2.) Metrik

16

In die ersten Zeilen schildert Martial die Metrik in seinen Gedichten und Epigrammen.

Er benutzt hauptsächlich das ,,Distichon" und den ,,Hendekasyllabus" (,,undenis

pedibusque syllabisque").

Das ,,Distichon" (,,Zweizeiler") verwendete der Dichter für seine kurzen Epigramme,

den ,,Hendekasyllabus" für längere Gedichte.

Am Beispiel von Epigramm 1,16 lässt sich der Aufbau des ,,Distichons" gut

nachvollziehen:

,,Carmina Paulus emit, recitat sua carmina Paulus:

Nam quod emas, possis iure vovare tuum."

In der ersten Zeile liegt ein Hexameter vor. Ein Hexameter besteht aus sechs Metren.

Ein Metrum wird aus mehreren Versfüßen gebildet. So ergeben ein Daktylus ( Versfuß

bestehend aus 1 langen ,,_" und 2 kurzen Silben ,," ), oder ein Spondeus (_ _), oder

15 Saturnalien: Feste zu Ehren Saturns, an dem Freunde und Bekannte beschenkt wurden

16 Tipp, Ulrich: ,,Satire und Lyrik"; Bamberg 1986

12


ein Choriambus (_ _ ) ein Metrum. Auch 2 Jamben (Jambus = ,,_" ) oder 2

Trochäen (Trochäus = ,,_" ) ergeben ein Metrum.

Der Hexameter besteht in der Regel aus fünf aufeinanderfolgenden Daktylen und am

Ende aus einem Spondeus oder einem Trochäus. Der Trochäus wird als ,,katalektisch"

bezeichnet, da er als letztes Metrum unvollständig ist. Man spricht von einem

,,katalektischem Vers", wenn das letzte Metrum unvollständig ist.

In Ausnahmefällen kann ein Daktylus durch einen Spondeus ersetzt werden. Wird der

fünfte Daktylus durch einen Spondeus ersetzt ­ was allerdings selten vorkommt- so

spricht man von einem ,,versus spondiacus".

In der zweiten Zeile ist ein Pentameter vorhanden. Der Pentameter wird durch eine

Sprechpause ( ,,Zäsur" ) in zwei Teile getrennt. Diese Teile bestehen aus jeweils

zweieinhalb Metren: Zwei Daktylen und einem halben Spondeus. Nur die ersten beiden

Daktylen können durch einen Spondeus ersetzt werden. Der Pentameter wird immer an

einen Hexameter gehängt, er kann nie alleine stehen.

Diese Kombination eines Hexameters mit einem Pentameter wird als Distichon

bezeichnet.

Auch Schiller versuchte das Wesen dieser Versart im folgendem Distichon zu erfassen:

,,Im Hexameter steigt des Springquells flüssige Säule, | Im Pentameter drauf fällt sie

melodisch herab." ( Zitat aus: www.uni-essen.de/ literaturwissenschaft-

aktiv/Vorlesungen/lyrik/distichon.htm ) [ Stand 20.3.2003 ]

Am Beispiel des Anfanges von Epigramm 9, 10 erkläre ich den Aufbau des

Hendekasyllabus:

,,Undenis pedibusque syllabisque

et multo sale, nec tamen protervo"

Der Hendekasyllabus besteht immer aus elf Silben und hat einen komplizierten Aufbau.

Den ,,Auftakt" bildet ein Spondeus ( ,,_ _" ), ihm folgen ein Choriambus ( ,, __" ),

ein Jambus ( ,,_" ) und ein katalektisches, jambisches Metrum ( ,,_" ). Es ist

deshalb ,,katalektisch", weil bei den Jamben am Ende eine Silbe fehlt. Im Gegensatz

zum Hexameter bleibt die Versbetonung immer gleich. Vor allem durch Catull gewann

diese Versart an Bedeutung.

13


4.3.) Inhalt seiner Werke (sehr kurz!):

Wie schon im Brief des Proömiums erklärt Martial hier kurz und knapp den Inhalt

seiner Werke in Zeile zwei. Seine Epigramme und Gedichte sind von ,,viel Witz"

geprägt, jedoch wird der Verfasser nicht allzu frech (,,nec tamen protervo"). Martial

schildert noch einmal die oberste Maxime eines Satirikers: Er muss den Mittelweg

(,,temperamentum") zwischen Spott und Achtung des Verspotteten finden und

konsequent einhalten.

4.4.) Umgang mit Ruhm und Neid

Wie in Epigramm 1, 1 verdeutlicht Martial von Zeile drei bis Mitte Zeile vier seinen

Bekanntheitsgrad. Er ist sowohl in Rom als auch in den Provinzen bekannt. Dieser

Erfolg bringt Neider mit sich, den der Dichter nicht versteht (,,- quid invidetis ? -"). Mit

seiner Antwort, er sei nicht bekannter als ein Rennpferd, beweist er Schlagfertigkeit.

Martial stellt seine Popularität auf die Stufe eines Pferdes. Durch die Erniedrigung des

Pferdes Andraemon zu einem gewöhnlichen Gaul, stuft auch Martial sich selbst zu

einem normalen Menschen ab. Auf humorvolle Art und Weise kommt der Dichter

seinen Neidern zuvor und beweist, dass er sich selbst nicht wichtig nimmt.

Der Vergleich mit dem Rennpferd birgt aber noch eine zweite Funktion in sich. Die

Popularität des Pferdes steht stellvertretend für die Begeisterung der Römer für Rennen

im Amphitheater. Diese standen im Mittelpunkt des Interesses der römischen

Bevölkerung und brachten den gewohnten Alltag zum Erliegen: Anstatt über Politik zu

diskutieren oder auf sie zu schimpfen wurden die Siegeschancen der vier Rennställe

erörtert und Wetten auf sie abgeschlossen. Der Kauf neuer Pferde oder der Austausch

der Wagenlenker dominierte Gespräche zu Hause und in den Tavernen. Die Verehrung

der Rennställe ging sogar so weit, dass jeder Römer lebenslang Anhänger des

Rennstalles war, dem auch sein Vater angehörte. Diese Begeisterung zog sich durch alle

Schichten: Vom Proletarier über dem Kaufmann bis zum Senator und Kaiser. Alle

sehnten sich das Spektakel herbei: Der Kaiser konnte Volksnähe zeigen und mit

Geschenken ( ,,Brot und Spiele" ) die Bevölkerung auf seine Seite bringen., der Händler

konnte dem tristen Alltag entfliehen und beim Wetten Geld gewinnen oder aber auch

verlieren, und der Proletarier konnte sich auf die Gaben des Kaisers freuen.

Diese Begeisterung, die für Martial fanatische Züge annimmt, kritisiert der Dichter.

Hart arbeitende Menschen wie er wurden um ihren Ruhm gebracht, wenn sie sahen,

dass ein Pferd denselben Status wie sie einnahm. Die Erniedrigung des Andraemon zum

14


Gaul zeigt Martials Verbitterung über das Verhalten der Spaßgesellschaft. Aus seiner

Sicht nahm die Bedeutung der geistigen Wissenschaften zu Gunsten inszenierter

Spektakel ab. Eine Kritik, die auch auf unsere Zeit zutreffen könnte!

5.) Martials Leserschaft und seine Intention am Beispiel von Epigramm 1, 118

5.1.) Übersetzung, Analyse und Interpretation17

,,Wer nicht genug hat, hundert Epigramme gelesen zu haben,

jener hat, Caedicianus, nicht genug an Schlechtem."

Dieses Epigramm stellt das letze Gedicht des ersten Buches dar und wurde in der

Versart des Distichons verfasst. Durch die Doppeldeutigkeit des Wortes ,,mali" besitzt

dieses Epigramm zwei verschiedene Interpretationsmöglichkeiten: Einmal kann ,,mali"

,,Schlechtes" bedeuten. Somit wird dem Leser unterstellt, er sei ein Masochist, weil es

ihm gefalle, schlechte Gedichte zu lesen. Zugleich ist ein solcher Leser kein Freund von

Martials Schreibweise und liest diese Epigramme nur, weil sie gerade derart schlecht

sind. Allerdings kann ,,mali" auch im Sinne von ,,bösartig" übersetzt werden. So wird

der Eindruck erweckt, der Leser sei ein Sadist, der sich am bösartigen Humor Martials

erfreue. Dieser Leser teilt Martials Humor und ist von seinen Gedichten positiv

begeistert.

Hiermit spielt Martial auf seine Leserschaft an. Wie wir in Epigramm 6, 6018 erfahren,

werden seine Gedichte entweder geliebt ( ,,laudat, amat, cantat" ) oder gehasst (,,odit" ).

Doch niemand lassen seine Werke kalt. Martial polarisiert die römische Gesellschaft mit

seiner provokanten Schreibweise und spricht die Gefühle (,,emotio") der Leser an. Seine

Gedichte stellen Gesprächsstoff in der römischen Gesellschaft dar. Seine Werke

befinden sich im Besitz von jedem Bürger (,,meque sinus omnis, me manus ominis

habet" ) ­ egal ob sie gehasst oder geliebt werden.

Martials Gedichte sollen nicht geliebt oder gehasst werden, sondern sie sollen

beeindrucken und zum Nachdenken anregen. Mit seiner Intention, Aufmerksamkeit zu

erlangen und zu provozieren, scheint Martial Erfolg gehabt zu haben. Aus beiden

Gedichten geht hervor, dass sowohl Kritiker als auch Liebhaber sich seiner Gedichte

17vgl. : Dr. Stephan-Kühn, Freya: ,,Martial- Epigramme"; Paderborn 1976

18 Text dem Anhang beigefügt. Aus: Dr. Stephan-Kühn, Freya: ,,Martial- Epigramme"; Paderborn 1976

15


annehmen. Und genau dies befriedigt den Dichter, denn er hat sein Ziel erreicht ( ,,nunc

nobis carmina nostra placent." ).

6. ) Probleme antiker Schriftsteller am Beispiel der Epigramme 1, 16 + 2, 20 + 1, 52

+ 4, 41

6.1.) Undankbare Leser ?

Übersetzung, Analyse und Interpretation von Epigramm 1, 16

19

,,Es gibt gute Epigramme, einige mäßige und es gibt zahlreiche schlechte,

die du hier liest: anders schreibt man kein Buch, Avitus."

Dieses Epigramm hat Martial in der Versart des Distichons verfasst. Das Gedicht wird

durch einen Doppelpunkt in zwei Teile getrennt.

Im ersten Teil geht Martial auf vermeintlich ihm unterschiedlich gut gelungene

Epigramme ein: Es gebe gute Arbeiten (,,sunt bona"), mehr mittelmäßige (,,quaedam

mediocria") und viele schlechte (,,sunt mala plura").

Im zweiten Abschnitt spricht Martial den Adressaten Avitus an und möchte offenbar

mit der These ,,anders schreibt man kein Buch" eine Entschuldigung für seine

vermeintlich ihm nicht gut gelungenen Epigramme herbeiführen.

Martial gibt sich in dem Epigramm im Bezug auf seine Gedichte offen und

selbstkritisch. Allerdings ist seine Aussage über seine vermeintlich ihm misslungenen

Gedichte übertrieben. Die Aussage ist aber wohl auch nicht ernst gemeint. Vielmehr

spricht der Poet ein grundsätzliches Problem von Sammelbänden an. Nicht jedes

Epigramm trifft den Geschmack der Leser und erlangt die ihm zustehende Bedeutung.

Ein Werk, wie Martial es mit seinem etwa hundert Gedichte umfassenden Gedichtband

geschaffen hat, kann auch nicht wie ein ,,normales" Buch gelesen werden. Der Leser

soll vielmehr die Möglichkeit nutzen, in dem Werk zu blättern und sich ein Gedicht

heraussuchen. Martials Offenheit am Ende des Epigrammes soll das Wohlwollen des

Lesers erlangen (,,captatio benevolentiae").

19 Walters, Uwe: ,,M. Valerius Martialis ­ Epigramme"; UTB 1954

16


6.2.) Plagiatoren

6.2.1.) Übersetzung und Analyse von Epigramm 2, 20

,,Paulus kauft Gedichte, und Paulus trägt die Gedichte als seine vor:

denn, was du kaufst, kannst du mit Recht dein Eigen nennen."

Dieses Epigramm stellt einen klassischen ,,Zweizeiler" dar. Der Doppelpunkt trennt das

Gedicht in zwei Sinnabschnitte.

Im ersten Teil erfährt der Leser nüchterne Fakten über einen gewissen Paulus. Dieser

erwirbt Gedichte und gibt sie als seine aus. Der Satzbau ist auffällig einfach gefasst und

enthält nur das Notwendigste, nämlich Subjekt, Prädikat und Objekt. Ein Komma trennt

die beiden Hauptsätze, die auch hätten allein stehen können. Dadurch wird betont, dass

dieser Ablauf schon eine gewisse Gewohnheit für Paulus darstellt. Dieser begnügt sich

nicht damit, Gedichte zu kaufen, sondern muss sie auch noch als seine ausgeben.

Im zweiten Abschnitt gibt Martial dem Paulus insofern Recht, als er aussagt, dass dieser

das, was er erworben habe, auch als seinen Besitz ausgeben dürfe. Dieses Recht (,,iure")

wird jedoch durch den Konjunktiv Potentialis (,,possum" ) und bekommt somit einen

ironischen Unterton. Denn bestimmt ist mit dem Erwerb eines Buches nicht gleich die

Urheberschaft gesichert. Das ,,tuum" besitzt eine Doppeldeutigkeit: Es kann als Besitz

oder als Ursprung aufgefasst werden. Paulus begeht eindeutig Diebstahl, wird zum Dieb

geistigem Eigentums (= Plagiator ), und übertritt moralische Grenzen. In der letzten

Bemerkung steckt ein Vorwurf, der Paulus zum Nachdenken anregen soll.

6.2.2.) Übersetzung und Analyse von Epigramm 1, 52

20

,,Ich vertraue dir, Quintian, meine Gedichte an ­

wenn ich die Gedichte noch als meine bezeichnen

kann, die dein Dichter vorträgt - :

wenn sie ( = die Verse ) sich über den harten Sklavendienst beklagen,

sollst du als Befreier kommen und ihnen ausreichend beistehen,

und du sollst sagen, sie seien meine und aus meiner Hand gesandt wurden ( = frei ),

wenn jener sich Schöpfer nennen wird.

Schreist du dies drei- viermal,

20 Hofmann, Walter: ,,Martial- Epigramme"; Frankfurt am Main und Leipzig 1997

17


wirst du den Dieb mit Scham belegen (= beschämen )."

Dieses Epigramm richtet Martial an seinen Freund und Gönner Quintian. Martial

übergibt Quintian einige seiner Gedichte, die er in seinem Freundeskreis vortragen darf.

Es war durchaus üblich, dass Dichter ihre neuen Werke vor ihrer Veröffentlichung

Freunden oder Bekannten vortrugen. Dies hatte sowohl einen Vorteil als auch ein

Risiko. Auf der einen Seite konnte der Poet seine neuen Gedichte vor ihrer schriftlichen

Veröffentlichung vor Publikum auf ihre Wirkung hin erproben. Auf der anderen Seite

war dies gefährlich, da dreiste Dichter sich den Inhalt der Gedichte merken und dann als

eigene Kreation ausgeben konnten.

Deshalb war es Martial auch äußerst wichtig, seine Gedichte einem Vertrauten zu

übergeben, der darauf achten konnte, dass sich niemand Martials Werke aneignete. Die

zweite und dritte Zeile können eine Anspielung sein, dass Martial schon einmal

schlechte Erfahrungen mit Plagiatoren gemacht hat. Er weiß nun, wie er mit solchen

Leuten umzugehen hat: Quintian soll für Martials Urheberschaft eintreten und

eventuelle Plagiatoren zur Rede stellen.

Um seine Empörung zu steigern, ,,erweckt" Martial seine Verse zum Leben und lässt sie

über ihre Gefühle reden. Sie empfinden den Diebstahl ebenso wie der Dichter als

Ungeheuerlichkeit, jedoch leiden sie unter solchen Diebstählen noch mehr als er. Sie

fühlen sich als Sklaven jener, die sie nach Gutdünken ausnutzen und für ihre eigene

Zwecke missbrauchen. Im Gegensatz dazu schreibt Martial seine Gedichte für die

Allgemeinheit und lässt ihnen ihre Würde. Das Verhalten des Plagiators und Martials ist

antithetisch aufgebaut. Jener erniedrigt sie zu Sklaven, dieser sieht sie als frei an.

Sein Freund Quintian erfüllt eine Doppelfunktion: Zum einen soll er die Verse

beschützen, zum anderen soll er Martials Urheberschaft garantieren. Indem er den

dreisten Dieb auf sein Verbrechen an Mensch und Gedicht aufmerksam macht, ihn

sensibilisiert, kann Quintian den Diebstahl verhindern.

6.2.3.) Interpretation von Epigramm 1, 52 und 2, 20

In beiden Epigrammen behandelt Martial ein Problem, mit dem er und viele seiner

,,Dichterkollegen" zu kämpfen hatten. In der Antike gab es im Gegensatz zu heute noch

kein ,,Copyright", das die Urheberschaft an literarischen Werken zusicherte. Dies

bedeutete, dass theoretisch jeder Römer fremde Werke als seine ausgeben konnte.

Solche Menschen, die Diebstahl an geistigem Eigentum begehen, werden auch als

18


Plagiatoren bezeichnet. Am Beispiel des Paulus und eines unbekannten Dichters zeigt

Martial, dass moralische Grenzen überschritten wurden sind, um Ruhm zu ernten.

Während Martial in Epigramm 2, 20 auf Menschen eingeht, die sich fremde Werke

durch Kauf aneigneten und dann als selbst verfasste ausgaben, stellt er in Epigramm 1,

52 den Dieb dar, der sich auf Vorträgen fremde Gedichte anhörte und merkte und sie

später, im Original oder in abgewandelter Form, als seine eigenen öffentlich machte.

Vor allem letzterer Mensch erregte Martials Zorn. Seine eigenen Gedichte waren beliebt

bei Dieben von geistigem Eigentum, weil jeder sich den Inhalt seiner Werke auf Grund

der ,,

simplicitas

" leicht einprägen und gut wiedergeben konnte.

6.3.) ,,Möchtegernpoeten"

6.3.1.) Übersetzung, Analyse und Interpretation von Epigramm 4, 41

,,Was umgibst du den Hals mit Schals, wenn du vorträgst ?

Eher passen diese zu meinen Ohren."

Dieses Epigramm hat Martial in der Versform des Distichons geschrieben.

Mit seiner Frage wirft Martial einem unbekannten Redner vor, dieser spreche

undeutlich, da er Schals trage.

In seiner Aussage verlangt Martial, dass die Schals an ihn verteilt werden müssten.

Im ersten Abschnitt scheint Martial dem Vortragendem helfen zu wollen, indem er ihm

den Hinweis gibt, er solle die Halsbedeckungen abnehmen. Zudem erweckt er den

Eindruck, er wolle ihm besser zuhören.

Im zweiten Teil aber gibt Martial ihm indirekt zu verstehen, dass der Vortrag grausig

schlecht sei und er als Zuhörer die Halstücher eher gebrauchen könne, damit er seinem

Vortrag nicht mehr hören müsse.

In diesem Epigramm liegt ein Widerspruch ( Paradoxon ) vor: Wieso soll der Redner

den Schal abnehmen, um besser verstanden zu werden, wenn Martial eben diesen dazu

gebrauchen will, um den Vortragenden nicht mehr zuhören zu müssen? Der Redner

könnte aufhören vorzutragen oder Martial könnte weggehen.

Mit Hilfe des Paradoxons hebt Martial hervor, dass der Redner nur Halsbedeckungen

trägt, damit er eine Entschuldigung für seine schlechte Stimme hat. Dieser täuscht seine

Halsschmerzen nur vor, Martial jedoch entlarvt ihn. Aus seiner Sicht sollten solche

19


,,Möchtegernpoeten" nicht mehr vortragen dürfen, da sie ihr Publikum unnötig quälen.

Hinzu kommt, dass solche Menschen den Ruf guter Dichter und Rhetorikern schädigen.

Dieses Epigramm stellt ein für Martials typisches Spottepigramm dar. Martial bediente

sich dieses satirischen Epigrammes, um Motive des römischen Alltags abzuhandeln und

eine satirische Zeitkritik zu verfassen. Er wollte keine bestimmten Personen angreifen,

sondern einen bestimmten Menschentyp mitsamt seiner Fehlern. Da seine Offenheit

durchaus Gefahren mit sich bringt, verwendete Martial entweder Pseudonyme für seine

Opfer, sprechende Namen oder er lässt den Namen des Opfers gar ganz weg. Wie in

diesem Fall kann sich der Leser denken, welcher Redner kritisiert wird. Dieser kann

aber nicht gegen ihn vorgehen und ihn rechtlich belangen. Mit Hilfe der sprechenden

Namen oder einer Beschreibung der typischen Eigenschaften der Zielperson kann

Martial eine ungenannte Person verspotten, ohne sich in Gefahr zu begeben.

FAZIT

Abschließend lässt sich sagen, dass das Epigramm wegen seiner Aussagekraft sowie

wegen seiner Tradition und seiner Entwicklung einen besonderen Stellenwert besitzt. Es

wurde in allen großen Epochen geschrieben ( zum Beispiel im antiken Griechenland, im

antiken Rom, in der Zeit der Aufklärung ) und wurde in anderen Zeitaltern zwar seltener

verfasst, dafür aber sorgfältig studiert, zum Beispiel im Mittelalter und in der Neuzeit.

Das Epigramm ist bei weitem keine Mode- oder Einzelerscheinung!

Seine Tradition über Jahrhunderte hinweg hat dem Epigramm mehr genützt als

geschadet. Es bekam neue Funktionen und einen höheren Stellenwert: Von

Weihinschriften über Gedichten in Versform bis hin zu satirischen Epigrammen. Es

war nie vollendet und veränderte sich hin zum Nutzbaren. Durch die Versform bekam

es mehr Ansehen in der Gesellschaft, das Epigramm konnte künstlerisch vollendeter

vorgetragen werden. Mit dem Spottepigramm war es möglich eine weitere Funktion zu

erfüllen: die satirische Zeitkritik.

Am Beispiel von Martial zeigt sich, dass das Schreiben von Epigrammen einem Autor

nicht immer zu Wohlstand verhalf: Martial war ein ,,poeta pauper". Seine Epigramme

brachten ihm jedoch enormen Ruhm ein, der seit fast 2000 Jahren ungebrochen ist.

Jedes seiner Gedichte enthält eine anspruchsvolle Pointe, ist aufwändig - kunstvoll in

Versform verfasst und behandelt zumeist ein Thema: menschliche Schwächen.

Noch Jahrhunderte nach Martials Tod besitzen seine Werke Aktualität: Auch in unserer

heutigen Zeit begegnen wir Menschen, die ebenso wie in Martials Gedichten von ihren

20


Schwächen geleitet werden. Der Plagiator aus Epigramm 1, 52 könnte eine

Facharbeit stehlen. Der Redner mit seinem Schal aus Epigramm 4, 41 könnte ein

Schüler sein, der mit einem Verband Schmerzen vortäuscht, um nicht am

Sportunterricht teilzunehmen.

Martials Epigramme liefern nebenbei Informationen über die politische Erscheinung des

antiken Rom, seine Gesellschaft und den Alltag der Römer. Sie sind bevorzugte und

beliebte Zeitdokumente, um den Komplex ,,Rom" leichter zu erfassen und zu verstehen.

Sie geben einen Einblick in den für uns fast unbekannten Alttag eines römischen

Bürgers der Kaiserzeit.

Ich hoffe, dass Sie zu vielen Erkenntnissen über das Epigramm und über Martial, den

wohl bedeutsamsten Verfasser von Epigrammen, gelangt sind. Nach der Lektüre sollten

Sie einen Überblick über das komplexe Thema haben, und vielleicht konnte ich Ihnen

einige Impulse geben, sich mit der Thematik weiter zu beschäftigen.

21


BIBLIOGRAFIE

Primärliteratur:

· Text 1 ­ 5: Jößwein, U. : ,,Martial Epigramme"; Bamberg 1999

· Text 8 : Lindsay, W.M. : ,,M. Val. Martialis Epigrammata"; Oxford 1988

· Text 9 : Dr. Stephan-Kühn, Freya: ,,Martial Epigramme"; Paderborn 1976

· Text 6+7: bearbeitet von Tipp, Ulrich: ,,Satire und Lyrik"; Bamberg 1999

· Text 10: www.gmu.edu/departments/fld/CLASSICS/mart.12.html

Auszug im Anhang vorhanden ( siehe Seite 18 )

Sekundärliteratur:

· Friedrich, Wolf-Hartmut / Killy, Walther: ,,Das Fischer Lexikon: Erster Teil";

Frankfurt am Main 1965

· Hofmann, Walter: ,,Martial ­ Epigramme"; Frankfurt am Main und Leipzig 1997

· Microsoft Nachschlagwerke: ,,Encarta Enzyklopädie 1998" © Microsoft

· Dr. Stephan-Kühn, Freya: ,,Martial ­ Epigramme"; Paderborn 1976

· Stowasser, J.M.: ,,Stowasser"; Oldenburg Schulbuchverlag GmbH Auflage 1998

· Tipp, Ulrich: ,,Satire und Lyrik"; Bamberg 1986

· Universität Essen: ,,www.uni-essen.de/ literaturwissenschaft-

aktiv/Vorlesungen/lyrik/distichon.htm" ) [ Stand 20.3.2003 ]

· Universität Regensburg: ,,M. Valerius Martialis" [http://www.uni-

regensburg.de/Fakultaeten/phil_Fak_IV/Klass_Phil/Martialallgemeines.htm] (

Stand: 1.3.2003 )

· Walters, Uwe: ,,M. Valerius Martialis ­ Epigramme"; UTB 1954

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ANHANG

Text 1: Epigrammaton liber I ,,praefatio"

VALERIUS MARTIALIS LECTORI SUO SALUTEM

,,Spero me secutum in libellis meis tale temperamentum, ut de illis queri non possit,

quisquis de se bene senserit, cum salva infimarum quoque personarum reverantia

ludant; quae adeo antiquis auctoribus defuit, ut nominibus non tantum veris abusi sint,

sed et magnis. Mihi fama vilius constet, et probetur in me novissimum ingenium. Absit

a iocorum nostrorum simplicitate malignus interpres nec epigrammata mea scribat:

improbe facit, qui in alieno libro ingeniosus est. Lascivam verborum veritatem, id est

epigrammaton linguam, excusarem, si meum esset exemplum: sic scribit Catullus, sic

Marsus, sic Pedo, sic Gaetulicus, sic scribit perlegitur. Si quis tamen tam ambitiose

tristis est, ut apud illum in nulla pagina Latine loqui fas sit, potest epistola vel potius

titulo contentus esse. Epigrammata illis scribuntur, qui solent spectare Florales. Non

intret Cato theatrum meum, aut, si intraverit, spectet. Videor mihi meo iure facturus, si

epistolam versibus clusero:

Nosses iocosae dulce cum sacrum Florae

festosque lusus et licentiam volgi,

cur in theatrum, Cato severe, venisti ?

An ideo tantum veneras, ut exires ?"

Text 2: Epigramm 1, 1

,,Hic est, quem legis, ille, quem requiris,

toto notus in orbe Martialis

argutis epigrammaton libellis:

cui, lector studiose, quod dedisti

viventi decus atque sentienti,

rari post cineres habent poetae."

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Text 3: Epigramm 1, 16

,,Sunt bona, sunt quaedam mediocria, sunt mala plura,

quae legis hic: aliter non fit, Avite, liber."

Text 4: Epigramm 2, 20

,,Carmina Paulus emit, recitat sua carmina Paulus:

Nam quod emas, possis iure vocare tuum."

Text 5: Epigramm 4, 41

,,Quid recitaturus circumdas vellera collo ?

Conveniunt nostris auribus ista magis."

Text 6: Epigramm 10, 9

,,Undenis pedibusque syllabisque

et multo sale, nec tamen protervo

notus gentibus ille Martialis

et notus populis ­ quid invidetis ? ­

non sum Andraemone notior caballo."

Text 7: Epigramm 1, 118

,,Cui legisse satis non est epigrammata centum,

nil illi satis est, Caediciane, mali."

Text 8: Epigramm 1, 52

,,Commendo tibi, Quitiane, nostros-

nostros dicere si tamen libellos

possum, quos recitat tuus poeta- :

si de servitio gravi queruntur,

adsertor venias satisque praestes,

et, cum se dominum vocabit ille,

dicas esse meos manuque missos.

hoc si terque quaterque clamitaris,

inpones plagiario pudorem."

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Text 9: Epigramm 6, 60

,,Laudat, amat, cantat nosros mea Roma libellos,

meque sinus omnis, me manus omnis habet.

Ecce rubet quidam, pallet, stupet, oscitat, odit.

Hoc volo: nunc nobis carmina nostra placent."

Übersetzung von Epigramm 6, 60:

,,Mein Rom lobt, liebt und preist meine Büchlein,

und jedes Herz und jede Hand besitzt mich.

Sieh, einer errötet, wird blass, stutzt, gähnt und hasst.

Dies will ich: nun gefallen mir meine Gedichte."

Text 10: Epigramm 12, 20

,,Quare non habeat, Fabulle, quaeris

Uxorem Themison? habet sororem."

Übersetzung von Epigramm 12, 20:

,,Du, Fabullus, fragst, wieso Themison keine

Ehefrau hat ? Er hat eine Schwester."

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Epigrammata

· ursprünglicher Zweck des Epigramms: kurze Aufschrift auf einem Grabmal oder einer

Weihegabe an eine Gottheit bzw. einem Geschenk an irgendeine Person

· Die Gattung des Epigramms entwickelt sich von dem reinen Gebrauchstext zu einer literarischen

Ausdrucksform.

· in Kaiserzeit: Hochblüte des Epigramms (Epigramm als relativ ungefährliches Medium für

zeitkritische Äußerungen)

· bei Martial: Zuspitzung auf eine Pointe, satirisches Epigramm

· Inhalte der Epigramme: Polemisches, Widmungen, Herrscherlob, Gedichte über Charakter und

Form der Epigramme oder Bücher, Motive aus dem römischen Alltag, Typenspott: durchweg

neue Inhalte; Martial steht in griechischer Formtradition, behandelt aber römische Stoffe.

· Martial erwähnt in seinen Epigrammata Kallimachos als griechischen Vorläufer für seine

Spottgedichte, verschweigt den wirklichen Vorgänger im satirischen Epigramm, Lukillios.

· großes römisches Vorbild Martials: Catull; es besteht aber ein grundsätzlicher Unterschied:

Martial greift keine bestimmten Personen an, sondern nur bestimmte Menschentypen mit ihren

vitia.

· Epigramme wirken plastisch, Martial zeigt die Welt im Zerrspiegel, satirische Zeitkritik

· Die Bücher 1, 2, 8, 9 und 12 besitzen eine eigene einleitende Prosaepistel.

· Anfang und Ende der 12 Bücher sind oft aufeinander abgestimmt, grundsätzlich ist aber jedes

Gedicht selbstständig; Epigrammzyklen z. B. Domitian (Buch 8 und 9).

· Das Epigramm gliedert sich oft in 2 Teile: 1. in einen objektiv gehaltenen Teil, in dem Spannung

aufgebaut wird, und 2. in einen subjektiv gehaltenen Teil, der eine persönliche Stellungsnahme

beinhaltet und einen pointierten Abschluss bietet.

· verwendete Metren: elegische Distichen, Hinkjamben, Hendekasyllaben

· Wesen des Epigramms: Gegenständlichkeit, einheitliche Thematik, geschlossene Form, Kürze :

Prinzip der

brevitas

bei Martial nicht streng eingehalten

· "intellektueller" Humor Martials, alles zielt auf eine Pointe

· vielfältige Formen von Parodie, Ironie, Witz und Wortspiel

· Vorwürfe an Martial: Obszönität, Servilität (Domitian, Freundschaft mit Regulus)

Martial: Klassiker des Epigramms (als Spottepigramm)

Sprache und Stil

· Martial sagt, was er meint, scheut auch vulgäre Wörter nicht : "

lasciva verborum veritas

" des

Latine loqui

(in 1. praefatio), er nennt die Dinge beim Namen.

· Der Dichter spielt mit Doppelbödigkeiten, also damit, dass Wörter eine harmlose und eine

obszöne Bedeutung haben können.

· Mythische Vergleiche werden sparsam verwendet, stehen immer im Dienste der Darstellung der

Realität und haben die Funktion einer kontrastierenden Folie.

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· Schwulst ist verpönt, Rhetorik nicht bloßer Selbstzweck.

http://www.uni-regensburg.de/Fakultaeten/phil_Fak_IV/Klass_Phil/Martialallgemeines.htm

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