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Hausarbeit, 2009, 72 Seiten
Autor: Renard Teipelke
Fach: Medien / Kommunikation - Medien und Politik, Pol. Kommunikation
Details
Institution/Hochschule: Freie Universität Berlin (Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft)
Tags: agenda setting, priming, framing, schröder, schroeder, stoiber, spd, cdu, csu, wahl, tv, duell, fernseh, debatte, 2002, flut, krieg, irak, einfluss, entscheid, meinung, modell, wirkung, kandidat, mainz, analyse, regression, korrelation
Jahr: 2009
Seiten: 72
Note: 1,3
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-640-40478-0
ISBN (Buch): 978-3-640-40551-0
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Zusammenfassung / Abstract
Bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde das erste Mal über das Agenda Setting-Modell gesprochen. „What to think about?“ war die Kernfrage des Modells. Es wurde angenommen, dass durch eine Prioritätensetzung von Seiten der Medien bestimmte Themen bevorzugt behandelt werden, wodurch ihnen eine höhere Wichtigkeit zugeschrieben wird, die auch entsprechend von der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Nach weiterführenden Studien zum Agenda Setting reifte die Vorstellung eines first level agenda setting und eines second level agenda setting heran. Während das Erstere eine genauere Bezeichnung für das Agenda Setting-Modell sein sollte, diente der zweite Begriff zur exakteren Beschreibung der durch das Agenda Setting ausgelösten Prozesse. Die Fragestellung war hier: „How to think about?“. Es geht dabei um die Massenmedien, welche durch eine bestimmte Selektion und Hervorhebung die Aufmerksamkeit der Rezipienten auf ausgewählte Themen lenken können. Die Idee des Priming und Framing war geboren. Zur Untersuchung dieser Aspekte führten Maurer und Reinemann an der Universität Mainz im Jahr 2002 eine Studie durch, welche 2003 mit den Titel „Schröder gegen Stoiber“ veröffentlicht wurde. Dabei wurde die Wahrnehmung und Wirkung des zweiten TV-Duells in einer quasi-experimentellen Untersuchung überprüft und zudem eine Inhaltsanalyse des Duells als auch der Vor- und Nachberichterstattung durchgeführt. Für die folgende Analyse waren die Befragungen direkt vor und direkt nach dem TV-Duell von Bedeutung. Beim zweiten Fragebogen war es also den Teilnehmern nicht möglich, sich durch interpersonale Kommunikation mit anderen Studienteilnehmern auszutauschen. Eine Interpretation der nachfolgenden Ergebnisse im Sinne einer Priming-Wirkung durch das Duell – ohne externe Einflüsse – ist somit möglich. In der vorliegenden Arbeit soll untersucht werden, inwiefern sich die Wichtigkeit der unabhängigen Variablen Parteiidentifikation, Sachkompetenzen-Index und Persönlichkeitseigenschaften-Index auf die Meinung (abhängige Variable) über Schröder beziehungsweise Stoiber durch das TV-Duell, dem Stimulus, veränderten. [...]
Textauszug (computergeneriert)
Freie Universität Berlin
Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften
Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft
Arbeitsstelle Kommunikationstheorie/ Medienwirkungsforschung
Hausarbeit von Renard Teipelke
Priming in Fernsehdebatten am Beispiel des zweiten TV-Duells des
Bundestagswahlkampfes 2002 zwischen Schröder und Stoiber
Modul:
Wahlpflichtmodul 3
Seminar:
Agenda Setting & Priming
Name
Vorname
Teipelke
Renard
Studienordnung
Modul kombiniert mit:
Bachelor 2006
28645
ÜS Politische
Medienwirkungen
Inhaltsverzeichnis
A.
Priming in Fernsehdebatten am Beispiel des zweiten TV-Duells des
Bundestagswahlkampfes 2002 zwischen Schröder und Stoiber 3
1.
Einleitung: Agenda Setting und Priming 3
2.
Vorstellung der Studie 5
3.
Kandidaten-Priming und das Ann-Arbor-Modell 6
4.
Fernsehdebatten und die TV-Duelle 2002 9
5.
Wahlkampfjahr 2002: Im Vorfeld der TV-Duelle 10
6.
Methodik der Analyse 12
7.
Ergebnisse der Analyse 15
8.
Schlussfolgerung und Diskussion 22
B.
Anhang 25
1. Fragebogen
1
25
2. Fragebogen
2
38
3. Syntax
50
4.
Wahlabsicht vor und nach dem Duell (in Prozent) 54
5.
Korrelationen zwischen den Items der Persönlichkeitseigenschaften und Meinung für
Schröder und Stoiber vor und nach dem Duell 54
6.
Korrelationen zwischen den Items der Sachkompetenzen und Meinung für Schröder und
Stoiber vor und nach dem Duell 59
7. Ausführliche
Regressionsanalyse
für Schröder vor dem Duell 64
8. Ausführliche
Regressionsanalyse
für Schröder nach dem Duell 65
9. Ausführliche
Regressionsanalyse für Stoiber vor dem Duell 67
10. Ausführliche
Regressionsanalyse für Stoiber nach dem Duell 69
C.
Bibliografie 71
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Visualisierung der Priming-Analyse 6
Abbildung 2: Ebenen des Kandidaten-Priming 7
Abbildung 3: Entwicklung der Wahlabsicht 2002 10
Abbildung 4: Parteiidentifikation 16
Abbildung 5: Meinung über Schröder vor und nach dem Duell 16
Abbildung 6: Meinung über Stoiber vor und nach dem Duell 17
Abbildung 7: Einschätzung der Sachkompetenz Schröders vor und nach dem Duell 17
Abbildung 8: Einschätzung der Sachkompetenz Stoibers vor und nach dem Duell 18
Abbildung 9: Einschätzung der Persönlichkeitseigenschaften Schröders vor und nach dem Duell 18
Abbildung 10: Einschätzung der Persönlichkeitseigenschaften Stoibers vor und nach dem Duell 19
Abbildung 11: Modelle der multiplen, linearen Regression für Schröder und Stoiber vor und nach dem
Duell 21
2
A. Priming in Fernsehdebatten am Beispiel des zweiten TV-Duells des
Bundestagswahlkampfes 2002 zwischen Schröder und Stoiber
1. Einleitung: Agenda Setting und Priming
Bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde das erste Mal über das Agenda
Setting-Modell gesprochen.
og
sich dabei auf die Hypothese, dass die Medien durch die Rahmung von Geschehnissen die
Tagesordnung, im speziellen die politische Medienagenda, bestimmen konnten. Es wurde
angenommen, dass durch eine Prioritätensetzung von Seiten der Medien bestimmte Themen
bevorzugt behandelt werden, wodurch ihnen eine höhere Wichtigkeit zugeschrieben wird, die
auch entsprechend von der Öffentlichkeit wahrgenommen wird1. Nach weiterführenden
Studien zum Agenda Setting reifte die Vorstellung eines
first level agenda setting
und eines
second level agenda setting
heran. Während das Erstere eine genauere Bezeichnung für das
Agenda Setting-Modell sein sollte, diente der zweite Begriff zur exakteren Beschreibung der
durch das Agenda Setting ausgelösten Prozesse. Die Fragestellung war hier
Es geht dabei um die Massenmedien, welche durch eine bestimmte Selektion und
Hervorhebung die Aufmerksamkeit der Rezipienten auf ausgewählte Themen lenken können2.
Die Idee des Priming und Framing war geboren. Framing, als Meinungs-Transfer, umzeichnet
dabei das Hervorrufen bestimmter Bewertungs- und Interpretationsprozesse bei den
Rezipienten durch die Salienz des Themas, also seiner Hervorhebung3. Priming, als Attribute-
Transfer, diente besonders der Beschreibungen der Konsequenzen des Agenda Setting.
Schenk umschreibt Priming wie folgt:
Ideen, Konzepte etc. als Knoten des Netzwerkes gespeichert und mit anderen solchen
Ideen über semantische Pfade verknüpft sind, dann kann Priming als Aktivierung
solcher Knoten durch externe Stimuli verstanden werden. Ein auf diese Weise
aktivierter Knoten dient als eine Art Filter, interpretativer Rahmen oder als Prämisse
für die weitere Informationsverarbeitung und Urteilsbildung. Wird ein solcher Knoten
aktiviert, erhöht sich dadurch die Wahrscheinlichkeit, daß bestimmte, mit ihm
1 Schenk, Michael: Medienwirkungsforschung. 2. Auflage. Mohr Siebeck: Tübingen 2002. S. 399 ff.
2 Ebd.: S. 403 ff.
3 Ebd.: S. 298 ff.
3
verbundene, Gedanken und Vorstellungen bewusst werden. Substantielle
Medienberichterstattung über einen Gegenstand hebt diesen Gegenstand aus den
Medieninhalten insgesamt hervor und erleichtert es dem einzelnen, sich Gedanken
darüber zu machen. Gleichzeitig wird dadurch sowohl die Breite als auch die Tiefe
von entsprechenden Assoziationen beeinflusst. Wie Iyengar zeigt, können solche
herausgehobenen Themen die Gedanken und Vorstellungen der Rezipienten derart
4
Noch enger gefasst, kann man Medien-Priming als Sonderform des eben gegebenen
psychologischen Konzepts des Priming verstehen. Hierbei bezeichnet Peter Medien-Priming
als den Prozess, in welchem
massenmedial vermittelte Informationen (als >>Primes<<) im Gedächtnis des
Rezipienten verfügbare Wissenseinheiten (2) temporär leichter zugänglich machen.
Dadurch erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, (3) dass die nunmehr leichter
zugänglichen Wissenseinheiten auch bei der Rezeption, Interpretation oder
Beurteilung nachfolgend angetroffener Umweltinformation (dem >>Zielstimulus<<)
eher aktiviert und benutzt werden als weniger leicht zugängliche Wissenseinheiten
5
Hierbei handelt es sich allerdings nicht um einen reflexhaften oder deterministischen Ablauf:
Die Aktivierung und Benutzung der entsprechenden Wissenseinheiten ist umso
wahrscheinlicher, je kürzer der Medien-Prime zeitlich zurückliegt beziehungsweise je öfter er
auftritt6. Hwang erkennt drei Kriterien für das Wirken eines Primes: Verfügbarkeit und
Anwendbarkeit (
availibility & applicability
), Zugänglichkeit (
accessibility
) und
Verwendbarkeit (
usability
)7.
Iyengar und Kinder legten 1987 ihr Werk News That Matters 8 vor, in welchem sie den
Priming-Effekt näher untersuchten. Ausgangspunkt war dabei vor allem die Erkenntnis, dass
dieser Effekt in der politischen Kommunikation eine entscheidende Rolle spielt. Priming
wurde auf Veränderungen in den Standards, in welchen die Menschen bestimmte politische
4 Siehe Anm. 1: S. 277.
5 Peter, Jochen: Medien-Priming Grundlagen, Befunde und Forschungstendenzen. In: Publizistik, Heft 1, März
2002. S. 22.
6 Ebd.: S. 23.
7 Hwang, Hyunseo et al.: Applying a Cognitive-Processing Model to Presidential Debate Effects: Postdebate
News Analysis and Primed Reflection. In: Journal of Communication 57, 2007. S. 42.
8 Iyengar, Shanto/Kinder, Donald R.: News that matters. Chicago: Chicago University Press 1987.
4
Einschätzungen treffen, bezogen. Dem einfachen Denken des Individuums im Vergleich zu
der komplexen Umwelt, die es umgibt, wurde die Idee unterstellt, dass es seine Vorstellungen
auf wenige zentrale Themen aufbaut. Wichtig ist hier, dass Priming nicht als Meinungs-
Transfer, sondern als Attribute-Transfer verstanden wurde. In ihrer Studie, die ursprünglich
zur Überprüfung der oben genannten Agenda Setting-Hypothese gedacht war, untersuchten
Iyengar und Kinder unter anderem die Zusammenhänge zwischen Priming und den Kriterien
beziehungsweise Themen, die auf die Einschätzung der Persönlichkeitseigenschaften und
Sachkompetenz des amerikanischen Präsidenten wirken. Sie konnten unter anderem
nachweisen, dass Priming sowohl bei negativer als auch positiver Konnotation eine Wirkung
erzielen kann und dass diese Wirkung ebenso wie das Agenda Setting sowohl von der
Nachricht als auch dem Publikum abhängt. Der Priming-Effekt ist dann am stärksten, wenn
ein bestimmtes Thema durch die Medien besonders betont wird und dieses Thema dem
Publikum besonders zugänglich ist. Iyengar und Kinder kamen zu dem Schluss, dass Priming
als Wirkungsfaktor durchaus bestimmen kann, welcher Kandidat als Sieger und welcher als
Verlierer aus einem Wahlkampf hervorgeht.
2. Vorstellung der Studie 9
Zur Untersuchung dieser Aspekte führten Maurer und Reinemann an der Universität Mainz
im Jahr 2002 eine Studie durch, welche 2003
veröffentlicht wurde. Dabei wurde die Wahrnehmung und Wirkung des zweiten TV-Duells in
einer quasi-experimentellen Untersuchung überprüft und zudem eine Inhaltsanalyse des
Duells als auch der Vor- und Nachberichterstattung durchgeführt. Die Panelbefragung wurde
vor dem zweiten Duell, direkt danach und mit einem zeitlichen Abstand von vier
beziehungsweise fünf Tagen ein drittes Mal durchgeführt.
Für die folgende Analyse waren die Befragungen direkt vor und direkt nach dem TV-Duell
von Bedeutung10. Beim zweiten Fragebogen war es also den Teilnehmern nicht möglich, sich
durch interpersonale Kommunikation mit anderen Studienteilnehmern auszutauschen. Eine
Interpretation der nachfolgenden Ergebnisse im Sinne einer Priming-Wirkung durch das Duell
ohne externe Einflüsse ist somit möglich.
9 Zur Anlage der Untersuchung: Maurer, Marcus/ Reinemann, Carsten: Schröder gegen Stoiber. Nutzung,
Wahrnehmung und Wirkung der TV-Duelle. Westdeutscher Verlag: Wiesbaden 2003. S. 55-64.
10 Siehe Anhang: 1. Fragebogen 1 und 2. Fragebogen 2.
5
Zum korrekten Verständnis der Ergebnisse ist zu sagen, dass es sich bei der Untersuchung
nicht um eine repräsentative Stichprobe oder ein Aggregat der Gesamtbevölkerung handelt,
da die Teilnehmer nicht zufällig ausgewählt wurden und die geringe Anzahl an Fällen die
Wahrscheinlichkeit von Zufallsschwankungen in den Berechnungen erhöht11.
In der vorliegenden Arbeit soll untersucht werden, inwiefern sich die Wichtigkeit der
unabhängigen Variablen Parteiidentifikation, Sachkompetenzen-Index und
Persönlichkeitseigenschaften-Index auf die Meinung (abhängige Variable) über Schröder
beziehungsweise Stoiber durch das TV-Duell, dem Stimulus, veränderten (Abb. 1).
Abbildung 1: Visualisierung der Priming-Analyse
Quelle: eigene Grafik
3. Kandidaten-Priming und das Ann-Arbor-Modell
Bei der Untersuchung des Priming-Effekts in dieser Arbeit wird von einem Modell des
Kandidaten-Priming ausgegangen, in welchem die ursächliche Wirkung von der
Medienberichterstattung, in diesem Fall vom TV-Duell ausgeht das Duell als Ganzes wird
also als Stimulus gesehen (Abb. 2). Beim Modell des Kandidaten-Priming gibt es
verschiedene Ebenen der Wirkung12. Auf der ersten Ebene urteilt der Rezipient des Duells
11 Siehe Anm. 9: S. 61.
12 Ebd.: S. 32 f.
6
über die Sachkompetenzen und die Persönlichkeitseigenschaften des Kandidaten. Je nach
Bedeutung einzelner Kriterien erzielen ganz bestimmte Kompetenzen oder Eigenschaften
beziehungsweise eher die Sachkompetenzen oder die Persönlichkeitseigenschaften einen
stärkeren Priming-Effekt. Auf der zweiten Ebene werden diese beiden Elemente
zusammengenommen und der Rezipient entwirft sich ein Gesamtbild vom Kandidaten. Auf
einer dritten Ebene werden außer diesem Gesamtbild auch die Parteiidentifikation und
themenbezogene Vorstellungen betrachtet, die zusammen zu einer Wahlentscheidung führen
können.
Für die folgende Untersuchung ist vor allem die zweite Ebene von Bedeutung. Es soll
analysiert werden, inwiefern die Sachkompetenzen und die Persönlichkeitseigenschaften, die
während des Duells transportiert wurden, die Meinung über den Kandidaten beeinflusst
haben. Als drittes Element wird die Parteiidentifikation hinzugenommen, da diese
vorgelagerte, über einen längeren Zeitraum gebildete Neigung das Urteil mit beeinflusst
haben dürfte.
Abbildung 2: Ebenen des Kandidaten-Priming
Quelle: Maurer, Marcus/ Reinemann, Carsten: Schröder gegen Stoiber. Nutzung, Wahrnehmung
und Wirkung der TV-Duelle. Westdeutscher Verlag: Wiesbaden 2003. S. 33
Hierbei kann auf das Standardmodell der Wahlforschung, dem
sozialpsychologischen Ansatz
,
zurückgegriffen werden. In diesem Sinne ist konkret das
Ann-Arbor-Modell
des
7
Wählerverhaltens zu betrachten13. Das von Campbell, Converse, Miller und Stokes in den
1950er
politisch-institutioneller, sozioökonomischer und psychischer Bedingungsfaktoren
14. Einflussfaktoren sind, wie auch in der folgenden Untersuchung, die
Parteiidentifikation, die Einstellung zu den Kandidaten selbst (Persönlichkeitseigenschaften)
und ihrer Problemlösungsfähigkeiten (Sachkompetenzen). Somit werden direkte Effekte
durch einen Stimulus wie das Duell mit vorgelagerten Erfahrungen beziehungsweise
Einstellungen verbunden. Diese Vergangenheitsfaktoren führen zu einer subjektiven
Wahrnehmung und somit auch Selektion der Inhalte des Duells und müssen daher auch in der
nachfolgenden Analyse beinhaltet sein.
Der Einfluss von kurzfristigen beziehungsweise variablen Urteilen über die Kandidaten und
Themen wird dabei nicht ausgenommen, aber es wird davon ausgegangen, dass sich die
Parteiidentifikation als
stabile, affektive Bindung an eine politische Partei 15 auf
die Beurteilung der Kandidaten in Form einer selektiven Wahrnehmung, Verarbeitung und
Erinnerung
16. Die Parteiidentifikation ist quasi wie ein
Mechanismus der Komplexitätsreduktion, welcher die Verarbeitung politischer Informationen
und die Meinungsbildung erleichtert. Der steigende Anteil an unentschlossenen Wählern in
der deutschen Bevölkerung und die jüngeren Wahlkämpfe mit ihrer sehr intensiven
politischen Kommunikation steigern nun aber die Bedeutung von TV-Duellen und machen
somit die Untersuchung der zugrundeliegenden Studie überaus lohnenswert17.
Da längerfristige und kurzfristige Einflussfaktoren im
Ann-Arbor-Modell
zusammen gedacht
werden, ermöglicht es bei den individuellen Einschätzungen in der Studie zu vergleichen,
inwiefern sich Einstellungen vor und direkt nach dem Duell unterscheiden und wie stark die
Wirkung der Sachkompetenzen, Persönlichkeitseigenschaften und der Parteiidentifikation auf
die Meinung über die Kandidaten tatsächlich ist.
13 Falter, Jürgen W./ Schumann, Siegfried/ Winkler, Jürgen: Erklärungsmodelle von Wählerverhalten. In: Aus
8 ff.
14 Ebd.: S. 8.
15 Siehe Anm. 9: S. 16.
16 Ebd.: S. 16.
17 Ebd.: S. 17.
8
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