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"Einkommende Zeitungen" - die erste Tageszeitung der Welt

Termpaper, 2009, 16 Pages
Author: Evelyn Glose
Subject: Communications: Print Media, Press

Details

Category: Termpaper
Year: 2009
Pages: 16
Grade: 1,3
Language: German
Archive No.: V134011
ISBN (E-book): 978-3-640-41645-5
ISBN (Book): 978-3-640-41200-6

Abstract

Die erste Tageszeitung der Welt – das mutet an wie ein Jahrhundertereignis, wie ein Meilenstein in der Kulturgeschichte Deutschlands. Doch das war es nur bedingt. Vor der ersten Tageszeitung gab es bereits periodisch erscheinende gedruckte Nachrichtenblätter. Schon die so genannten „Meßrelationen“, zu jeder Messe in Frankfurt oder Leipzig erscheinende Nachrichtensammlungen, können als Periodika gelten, auch wenn sie nur ein paar Mal im Jahr herauskamen. Die älteste bekannte Leipziger Meßrelation stammt aus dem Jahre 1599 (vgl. Schlimper 2000a: 11). Anfang des 17. Jahrhunderts entwickelten sich die ersten gedruckten Wochenzeitungen. Bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts nahm die Erscheinungshäufigkeit dieser Blätter von einmal zu vier- bis fünfmal pro Woche zu. Verantwortlich dafür waren sowohl die politischen Ereignisse während des Dreißigjährigen Krieges, als auch das infolge dessen gestiegene Informationsbedürfnis der Bevölkerung (vgl. Kutsch/Weber 2002: 7). Welke (1995: 50) spricht von einer „spezifisch »teutschen Lesewuth«“, die dafür sorgte, dass es im 17. Jahrhundert im deutschen Sprachraum mehr und meist auflagenstärkere Zeitungen als im übrigen Europa gab. Für die Vielzahl von deutschsprachigen Zeitungen war aber sicherlich auch die vorhandene Drucktechnik mit beweglichen Lettern verantwortlich, die Mitte des 15. Jahrhunderts auf deutschem Boden ihren Anfang nahm. Als schließlich 1650 in Leipzig auf die vier- bis fünfmal in der Woche erscheinende „Wöchentliche Zeitung“ das erste täglich erscheinende politische Nachrichtenblatt mit dem Namen „Einkommende Zeitungen“ folgt, ist dies kein Jahrhundertereignis, sondern die logische Konsequenz der vorhergehenden Entwicklung und „eigentlich nur ein sehr kleiner Schritt in einem kontinuierlichen Prozeß“ (Weber 2002a: 17). Innerhalb Europas allerdings setzten die „Einkommenden Zeitungen“ dann doch einen gewissen Meilenstein: „Die erste englische Tageszeitung erschien ein gutes halbes Jahrhundert später; Frankreich kannte erst am Vorabend seiner großen Revolution ein Tageblatt“ (Welke 1995: 51). Deutschland kann sich damit einer „stürmischen Entwicklung“ (Kutsch/Weber 2002: 7) der Nachrichtenpresse rühmen, von der die „Einkommenden Zeitungen“ den vorläufigen Höhepunkt darstellten. [...]


Excerpt (computer-generated)

Ludwig-Maximilians-Universität München

Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung

Seminararbeit im Hauptseminar

Entwicklung der Presse in Deutschland

Wintersemester 2008/2009

,,Einkommende Zeitungen" ­

die erste Tageszeitung der Welt

vorgelegt von

Evelyn Glose

Romanische Philologie (HF),

Kommunikationswissenschaften (NF),

Phonetik (NF)

8. Fachsemester


Gliederung

1. Einleitung 3

2. Historischer Hintergrund 4

3. Der Drucker Timotheus Ritzsch 6

4. Die ,,Einkommenden Zeitungen" 7

4.1 Formale und inhaltliche Aspekte 8
4.2. Argumente für Leipzig als Druckort 9


5. Andere (Tages-)Zeitungen und Druckkonkurrenten 10

6. Zusammenfassung und Schluss 12

7. Bibliographie 14

2


1. Einleitung

Die erste Tageszeitung der Welt ­ das mutet an wie ein Jahrhundertereignis, wie ein

Meilenstein in der Kulturgeschichte Deutschlands. Doch das war es nur bedingt. Vor

der ersten Tageszeitung gab es bereits periodisch erscheinende gedruckte

Nachrichtenblätter. Schon die so genannten ,,Meßrelationen", zu jeder Messe in

Frankfurt oder Leipzig erscheinende Nachrichtensammlungen, können als Periodika

gelten, auch wenn sie nur ein paar Mal im Jahr herauskamen. Die älteste bekannte

Leipziger Meßrelation stammt aus dem Jahre 1599 (vgl. Schlimper 2000a: 11). Anfang

des 17. Jahrhunderts entwickelten sich die ersten gedruckten Wochenzeitungen. Bis zur

Mitte des 17. Jahrhunderts nahm die Erscheinungshäufigkeit dieser Blätter von einmal

zu vier- bis fünfmal pro Woche zu. Verantwortlich dafür waren sowohl die politischen

Ereignisse während des Dreißigjährigen Krieges, als auch das infolge dessen gestiegene

Informationsbedürfnis der Bevölkerung (vgl. Kutsch/Weber 2002: 7). Welke (1995: 50)

spricht von einer ,,spezifisch »teutschen Lesewuth«", die dafür sorgte, dass es im 17.

Jahrhundert im deutschen Sprachraum mehr und meist auflagenstärkere Zeitungen als

im übrigen Europa gab. Für die Vielzahl von deutschsprachigen Zeitungen war aber

sicherlich auch die vorhandene Drucktechnik mit beweglichen Lettern verantwortlich,

die Mitte des 15. Jahrhunderts auf deutschem Boden ihren Anfang nahm.

Als schließlich 1650 in Leipzig auf die vier- bis fünfmal in der Woche erscheinende

,,Wöchentliche Zeitung" das erste täglich erscheinende politische Nachrichtenblatt mit

dem Namen ,,Einkommende Zeitungen" folgt, ist dies kein Jahrhundertereignis, sondern

die logische Konsequenz der vorhergehenden Entwicklung und ,,eigentlich nur ein sehr

kleiner Schritt in einem kontinuierlichen Prozeß" (Weber 2002a: 17). Innerhalb Europas

allerdings setzten die ,,Einkommenden Zeitungen" dann doch einen gewissen

Meilenstein: ,,Die erste englische Tageszeitung erschien ein gutes halbes Jahrhundert

später; Frankreich kannte erst am Vorabend seiner großen Revolution ein Tageblatt"

(Welke 1995: 51). Deutschland kann sich damit einer ,,stürmischen Entwicklung"

(Kutsch/Weber 2002: 7) der Nachrichtenpresse rühmen, von der die ,,Einkommenden

Zeitungen" den vorläufigen Höhepunkt darstellten.

In dieser Arbeit steht diese erste Tageszeitung im Mittelpunkt. Ihr Entstehen soll vor

dem historischen Hintergrund der Stadt Leipzig beleuchtet werden, die als Druckort der

Zeitung gilt. Dort war ein gewisser Timotheus Ritzsch ansässig, welcher der einzig

mögliche Drucker und Herausgeber der ,,Einkommenden Zeitungen" gewesen sein

kann. Seiner Biographie ist Kapitel 3 gewidmet. Kapitel 4 schließlich beschreibt die

3


,,Einkommenden Zeitungen" formal und inhaltlich und geht auf die Argumente ein, die

Leipzig als Druckort untermauern. Zuletzt sollen die Druckkonkurrenten Ritzschs

erwähnt werden, von denen einer dafür verantwortlich gemacht werden kann, dass die

,,Einkommenden Zeitungen" nur knapp zwei Jahre in ihrer Form bestanden. Außerdem

werden in diesem Zusammenhang weitere, zum Teil tagesaktuelle Zeitungen genannt,

die den ,,Einkommenden Zeitungen" nachfolgten.

2. Historischer Hintergrund

Im 17. Jahrhundert wurde Leipzig zum ,,Zentrum des deutschen Buchdrucks,

Buchhandels und Verlagswesens" (Herzog 1995: 12). Die Gründe hierfür sind in der

seit 1409 bestehenden Universität, den Handelsmessen, der verkehrsgünstigen Lage der

Stadt sowie der politischen Führung Kursachsens zu suchen (vgl. Herzog 1995: 12):

Durch die Universität entstand eine gebildete Schicht, die des Lesens mächtig war und

für die sich die Buchdrucker auf gelehrte, meist lateinische Schriften, spezialisierten

(vgl. Herzog 1995: 21f.; Schlimper 2000b: 206). Die Gelehrten und Studierenden

sorgten für regen Umsatz bei den ansässigen Buchdruckern, was wiederum

nichtansässige Drucker anzog. Diese kamen aber, neben anderen Handelsleuten, auch

zu den ab 1470 regelmäßig stattfindenden Messen, zu denen zusätzlich zu den

gedruckten Meßkatalogen ab 1599 auch so genannte Meßrelationen erschienen: ,,Diese

bei Abraham Lamberg zu den drei Messen erscheinenden Berichte gingen über die

politischen Nachrichten hinaus, sie befriedigten das Interesse der Menschen an

Hoffesten, Schiffbrüchen, Feuersbrünsten, an Duellen und Selbstmorden, an

Diebstählen und sonstigen Novellen" (Herzog 1995: 48). Schlimper vergleicht die

Meßrelationen mit Nachschlagewerken oder Jahrbüchern, ,,die zu Spezialthemen das

Geschehen des laufenden Jahres zusammenfassen" (Schlimper 2000a: 11).

Die Leipziger Handelsmessen fanden aufgrund der geographisch günstigen Lage der

Stadt und der Verkehrsanbindung großen Zuspruch: Leipzig lag an den wichtigsten

Handelsstraßen, und zwar am ,,Schnittpunkt der via regia als West-Ost- und der via

imperii als Nord-Süd-Verbindung" (Herzog 1995: 12). Die drei jährlich stattfindenden

Messen sicherten der Stadt ihre Stellung als wichtigster Handelsplatz in Mittel- und

Ostdeutschland (vgl. Herzog 1995: 23) und sorgten nicht nur für regen Warenumschlag,

sondern auch für Informationsfluss aus und in alle Welt (vgl. Schlimper 2000b: 206).

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