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Presentation (Elaboration), 2003, 31 Pages
Author: Michael Seemann
Subject: German Studies - Literature of History, Eras
Details
Institution/College: University of Lüneburg (Sprache und Kommunikation)
Tags: Gottfried, Benn, Intellektualist, Bann, Nationalsozialismus, Leitbild/Feindbild, Schriftsteller-Intellektuellen
Year: 2003
Pages: 31
Grade: 1,0
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-19110-4
File size: 329 KB
Sehr gute Arbeit (meine Beste). Die Literaturliste erhebt Anspruch auf Vollständigkeit.
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Excerpt (computer-generated)
Gottfried Benn, ein „Intellektualist“ im Bann des
Nationalsozialismus
Referent: Michael Seemann
1 Einleitung 4
2 Der Text „Der neue Staat und die Intellektuellen 5
2.1 Der neue Staat 6
2.1.1 Vom Irrationalismus zum Mythos 7
2.1.2 Die Legitimation durch die Geschichte 9
2.1.3 Das Formproblem und die Macht 12
2.2 ...und die Intellektuellen 14
2.2.1 Internationalismus und der Kampf der Dichter 15
2.2.2 Die Geistesfreiheit und die Position der Staatsmacht 18
2.2.3 Benns Antikapitalismus als Liberalismuskritik 20
3 Genealogie des „Intellektualisten 22
3.1 Der Gedanke und der, der sich ihm beugt 23
3.2 Das gezüchtete Gehirn, das militante Genie 25
3.3 Der Intellektualist, Krieger der Begriffe 26
4 Fazit 27
Literaturverzeichnis 30
1 Einleitung
In der Literaturgeschichte sind Arbeiten über Benn ohne eine separate Bezugnahme auf sein Bekenntnis zum Nationalsozialismus nicht vorstellbar. Es wird dort versucht zu erklären, zu ergründen, zu verteidigen, zu verurteilen und zu rehabilitieren. Es gibt viele Ansätze, die begreiflich machen sollen, wie ein gefeierter Dichter und Essayist, ein so sensibler und intelligenter Mann auf die plumpe Rhetorik der Nazis hat hereinfallen können. Auch seine intellektuellen Zeitgenossen, allen voran Klaus Mann, beschäftigt diese Frage. Doch seinerzeit, 1933, müssen sie ihn aufgeben. Er steht auf der anderen Seite und scheint für immer verloren.
Allgemein wird viel diskutiert zu jener Zeit. Nach dem ersten Weltkrieg sind alle Optionen offen. Alle Menschheitsutopien und Staatsformen erscheinen möglich und warten auf ihre Chance zur Verwirklichung. Auch nach dem Ausruf der Republik kämpft man weiter für den Sozialismus, den Kommunismus, die Anarchie oder sehnt sich zurück nach der Monarchie. Es gilt Rahmen abzustecken, Aufgaben zu definieren, Begriffe mit Bedeutung zu füllen wie zum Beispiel „intellektuell“, „Geistigkeit“. Es regiert die Hingabe an Ideen, Klassen, Wahrheiten, und nicht zu vergessen, die Kunst. Wo ist die Kunst? Vor allem die Schriftsteller melden sich zu Wort. Der Marxismus ist weit verbreitet und die noch junge Soziologie erobert in ihrem Windschatten die Gemüter. Hitzige Debatten über die Aufgabe der Lyrik entbrennen. Ob sie kritisch sein müsse, sich dem System entgegenstellen solle und ob unpolitische Lyrik nicht unterbewusst den Kapitalismus unterstütze.
Es ist schwer, in diesem Meer von Erkenntnis den Standort des Intellektuellen auszumachen. Soll er der Wahrheit verpflichtet sein, der Klasse, der Gerechtigkeit oder gar der Partei? Es gibt viele Meinungen, einigen kann man sich nicht. Obwohl er in dieser Debatte in den Zeiten der Weimarer Republik zunächst nicht in Erscheinung tritt, macht Benn vielleicht gerade dadurch seine Position deutlich. Erst nach den Angriffen Ende der zwanziger Jahre und schließlich nach der Machtergreifung Hitlers 1933 arbeitet er seine Position innerhalb dieses Diskurses öffentlich aus. Position ist wohl untertrieben. Eigentlich sind es Positionen. Eine davon, das Bekenntnis zum Nationalsozialismus, treibt eine Schockwelle durch die intellektuellen Schriftsteller. Die vorliegende Arbeit will versuchen, sich einem Denken zu nähern, dem Klaus Mann eine gewisse „Verführungskraft“ nicht abstreiten kann, aber dennoch ihre „Gefahren“ spürt.1 Den Bennschen Intellektualisten in das politische Spektrum der Intellektuellen innerhalb der Weimarer Republik einzuordnen soll hier nicht Hauptaugenmerk sein. Es soll vielmehr versucht werden, sich dem Weltbild Gottfried Benns individualistisch anzunähern.
Schlüsseltext für die Arbeit soll seine Rundfunkrede „Der neue Staat und die Intellektuellen“ von 1933 sein.
Man muss hier jedoch hinzufügen, dass das Bennsche „Doppelleben“, das Leben zwischen allen Stühlen, enorme Probleme aufwirft, wenn man Benns „Standpunkt“ verorten will. Er bleibt widersprüchlich durch und durch. Deshalb wird diese Arbeit auch versuchen, dem Pluralismus Benns Rechnung zu tragen, indem sie diese Widersprüche aufzudecken versucht.
2 Der Text „Der neue Staat und die Intellektuellen“
„Gottfried Benn - ein Zerrissener“2 So nannte ihn Werner Rübe in seiner Biografie. Ihn anders sehen zu wollen ist hilfreich, wenn man sich eine der Positionen Benns zu Eigen machen will, aber seinem Denken wird man sich damit nicht nähern. Er war der Artist und der Mensch, der Wissenschaftler und der radikale Irrationalist, der Freund vieler Juden und der Nationalsozialist, der Pazifist und der Soldat, der Intellektuelle und dessen Feind. Innerlich zerrissen hielt er sich selbst in einer Spannung, die sicherlich auch eine wichtige Antriebskraft für sein Schaffen war. Dass er sich dabei oft widersprach, dass seine „Härte des Gedankens, Verantwortung im Urteil, Sicherheit im Unterscheiden von Zufälligem und Gesetzlichem, vor allem aber die tiefe Skepsis“3, der er sich als Wissenschaftler rühmt, ihn nicht vor himmelschreienden Fehlschlüssen schützten, nicht vor den Schriften irrationalistischer Pseudowissenschaftler warnten, schien er nicht zu bemerken. Will man Benns Position verstehen, muss man sich in seinen Konflikt einlassen. Schon die Überschrift seines Bekenntnisses zum neuen Staat „Der neue Staat und die Intellektuellen“ lassen die doppelte Intention seines Denkens erkennen. Es sind zwei Adressaten angegeben, zwei Thematiken, zwei Begründungen für diesen Text. Der neue Staat auf der einen Seite, die Intellektuellen auf der anderen.
Genauso wie der Neue Staat ist dieser Text „gegen die Intellektuellen entstanden“4. So spart Benn auch keinesfalls mit Polemik gegen diese. Andererseits tauchen viele der Weltanschauungen Benns wieder auf, die er bereits in früheren Texten vertrat. Sein Irrationalismus, sein negatives Geschichtsbild und seine Hoffnung auf eine Erneuerung der europäischen Kultur reihen sich hier nahtlos in die Ideologie der Nazis ein.
2.1 Der neue Staat...
[...]
1Vgl.: Zitat nach : Benn, Gottfried: Prosa und Autobiographie, S. 401
2 Rübe, Werner: Provoziertes Leben, S. 304
3 Benn, Gottfried: Prosa und Autobiographie, S. 362
4 Benn, Gottfried: Essays und Reden, Der neue Staat und die Intellektuellen, S. 457
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