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"Ich weiß, dass ich nichts weiß"

Subtitle: Die Auffassung Sokrates bezüglich Wissen, Weisheit und Philosophie

Essay, 2008, 9 Pages
Author: Carli Wiegand
Subject: Philosophy - Philosophy of the Ancient World

Details

Category: Essay
Year: 2008
Pages: 9
Grade: 2,0
Language: German
Archive No.: V134459
ISBN (E-book): 978-3-640-42638-6
ISBN (Book): 978-3-640-42437-5

Abstract

Sokrates ist einer der bedeutendsten und bekanntesten griechischen Philosophen, er lebte von 469 bis 399 v. u. Z. in Athen. Seine Eltern gehörten zur gehobenen Mittelschicht, sein Vater war Bildhauer und seine Mutter Hebamme. Besonders die beruflichen Fähigkeiten seiner Mutter inspirierten ihn. Die Hebammenkunst nutze er später in seiner Philosophie als Gleichnis. Sein Leben wurde durch den Aufbau der attischen Demokratie und den Peloponnesischen Krieg, die zu einem tief greifenden politisch und gesellschaftlichen Wandel geführt haben, geprägt. Zu dieser Zeit waren in Athen die Entfaltungschancen für neue geistige Strömungen sehr bedeutend. Eine davon war die der Sophisten, die in der antiken Philosophie unter der Bezeichnung „Lehrer der Weisheit und der schönen Rede“ eingegangen ist. Obwohl Sokrates viel mit dieser Strömung verband, distanzierte er sich dennoch von ihr. Das machte ihn zur geistesgeschichtlichen Gründerfigur und leitete die so genannte sokratische Wende ein – die Verschiebung der Hauptinteressen der antiken Philosophie. Seine herausragende Bedeutung zeigt sich auch darin, dass alle griechischen Denker vor seiner Zeit als „Vorsokratiker“ bezeichnet wurden. Cicero war der Meinung, Sokrates habe als Erster die Philosophie vom Himmel geholt und unter den Menschen als Prüfungsinstrument der Lebensweisen, Sitten und Wertvorstellung angesiedelt. Am Ende seines Lebens wurde er wegen Gottlosigkeit und verderblichem Einfluss auf die Jugend angeklagt, für schuldig befunden und zum Tode verurteilt. Es gibt keine Originalschriften von ihm. Alles was heute über ihn bekannt ist, sind Überlieferungen von Zeitgenossen. Um sich die Philosophie von Sokrates zu vergegenwärtigen, ist es notwendig, die Schriften über ihn zu analysieren und zu deuten.


Excerpt (computer-generated)

Carolin Wiegand (3154397)

Institut für Philosophie

PS: "Das Philosophieren in der Antike"

Essay

zu dem Thema:

"Die Auffassung Sokrates bezüglich seiner

Hebammenkunst, der Weisheit und seiner

Philosophie"


Sokrates ist einer der bedeutendsten und bekanntesten griechischen Philosophen, er lebte von

469 bis 399 v. u. Z. in Athen. Seine Eltern gehörten zur gehobenen Mittelschicht, sein Vater

war Bildhauer und seine Mutter Hebamme.

Besonders die beruflichen Fähigkeiten seiner Mutter inspirierten ihn. Die Hebammenkunst

nutze er später in seiner Philosophie als Gleichnis. Sein Leben wurde durch den Aufbau der

attischen Demokratie und den Peloponnesischen Krieg, die zu einem tief greifenden politisch

und gesellschaftlichen Wandel geführt haben, geprägt. Zu dieser Zeit waren in Athen die

Entfaltungschancen für neue geistige Strömungen sehr bedeutend. Eine davon war die der

Sophisten, die in der antiken Philosophie unter der Bezeichnung ,,Lehrer der Weisheit und der

schönen Rede" eingegangen ist. Obwohl Sokrates viel mit dieser Strömung verband,

distanzierte er sich dennoch von ihr. Das machte ihn zur geistesgeschichtlichen Gründerfigur

und leitete die so genannte sokratische Wende ein ­ die Verschiebung der Hauptinteressen

der antiken Philosophie. Seine herausragende Bedeutung zeigt sich auch darin, dass alle

griechischen Denker vor seiner Zeit als ,,Vorsokratiker" bezeichnet wurden. Cicero war der

Meinung, Sokrates habe als Erster die Philosophie vom Himmel geholt und unter den

Menschen als Prüfungsinstrument der Lebensweisen, Sitten und Wertvorstellung angesiedelt.

Am Ende seines Lebens wurde er wegen Gottlosigkeit und verderblichem Einfluss auf die

Jugend angeklagt, für schuldig befunden und zum Tode verurteilt. Es gibt keine

Originalschriften von ihm. Alles was heute über ihn bekannt ist, sind Überlieferungen von

Zeitgenossen. Um sich die Philosophie von Sokrates zu vergegenwärtigen, ist es notwendig,

die Schriften über ihn zu analysieren und zu deuten.

In meiner Hausarbeit werde ich Textausschnitte von Xenophon und Platon interpretieren und

versuchen zu erläutern, wie die Auffassung Sokrates hinsichtlich seiner Hebammenkunst, der

Weisheit und seiner Philosophie zu verstehen ist.

Fragt man heutzutage nach dem Philosophen Sokrates, so sind viele Antworten mit seiner

Hebammenkunst verbunden. Aber was ist eigentlich seine Hebammenkunst, welche

Methoden verwendete er und wieso bezeichnet er sich als unwissend?

Platon, einer der Zeitgenossen, genauer ein Schüler Sokrates, hat in seinem Text "Theätet"

anhand eines Dialog zwischen Sokrates und Theätet, deutlich gemacht was Sokrates unter

seiner Hebammenkunst verstand. In diesem Dialog beginnt Sokrates Theätet mit Hilfe eines

Gleichnis zu erläutern, dass er wie eine Hebamme bei der Geburtshilfe vorgehe, nur dass er

dies bei Männer täte und ihre Seele gebäre. (vgl. Platon, Theätet , 150b) Denn er ging davon

aus, dass jeder Mensch aufgrund seiner Vernunft die Wahrheit schon verborgen in sich trägt

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und diese nur noch hervorgebracht, also "geboren" werden müsse. Weiter ist er der Meinung,

dass ihn Gott zu dieser Tätigkeit befähigt beziehungsweise zwingt und er selber nicht klug

sei. Das zeigt sich auch in einem bekannten Zitat von Sokrates "Ich weiß, dass ich nichts

weiß". Ist es wirklich so, dass Sokrates der Meinung ist nichts zu wissen?

Im Dialog mit Theätet jedenfalls lässt er keinen Zweifel daran, dies zeigt sich an der Aussage:

"Und was mir schon viele vorgeworfen haben, daß ich nämlich immer nur die anderen

frage,..., da ich eben keine Klugheit besäße, so ist dieser Vorwurf berechtigt." (Platon, Theätet

, 150c) Doch wenn man das ganze ein wenig genauer betrachtet, muss man feststellen, dass

jemand der Fragen stellt, die dazu führen, dass andere ihre Seelen gebähren, also zur

Erkenntnis gelangen, nicht Unklug sein kann. Denn Fragen setzt Zuhören voraus und

aufgrund von Zuhören die richtigen Fragen zu stellen, setzt ein gewisses Maß an Klugheit

voraus. Außerdem sind seine Fragen meistens schon bezüglich der richtigen Erkenntnis

ausgerichtet, dass heißt, dass er die Antwort kennen muss. Letztlich kann man also sagen,

dass die Aussage "Ich weiß, dass ich nichts weiß" eine Schutzbehauptung ist, ohne die der

sokratische Dialog, also die Hebammenkunst, nicht funktionieren würde. Denn dieses

bewusste sich "klein machen" fordert den Gesprächspartner noch stärker heraus, aufgrund

seiner eigenen Denkleistung die Wahrheiten hervorzubringen. Weiter erklärt Sokrates, dass

nur bestimmte Menschen dazu befähigt sind mit ihm in einen Dialog zu treten. Nämlich

solche, die einerseits Männer und frei sind und andererseits solche, die offen sind für seine

Fragen, ihm "schwanger" erscheinen und nicht hochmütig behaupten schon alles zu wissen.

Doch wie funktioniert nun eigentlich der sokratische Dialog?

Sokrates selber sagt: "Das Wichtigste an meiner Kunst jedoch ist die Fähigkeit mit allen

Mitteln zu prüfen, ob die Überlegung des jungen Mannes ein bloßes Trugbild" (Platon,

Theätet, 150e) sei. Genauer gesagt, versucht er die scheinbare Gewissheit dieser jungen

Männer bezüglich ihrer eigenen Antworten und Überzeugungen, über Selbstzweifel und

Widersprüche im Dialog zu begründeten Wissen, durch klar definierte Begriffe, zuführen.

Begründetes Wissen führt zu rechtem Handeln, einem Ziel der sokratischen Philosophie. Die

Selbstzweifel und Widersprüche erzeugt Sokrates durch das Stellen der richtigen Fragen.

Seine einzigen Forderungen an die jungen Männer sind dabei, zum einen dass sie versuchen

sollen, seine Fragen so gut es geht zu beantworten.(Platon, Theätet, 151c) Und zum anderen,

dass sie ihm vertrauen müssen, dass er ihnen Gutes will, auch wenn er Behauptungen als

Trugbild herausstellt. Denn das Prinzip des Sokrates ist es durch Einsicht zur Erkenntnis zu

gelangen und folglich begründetes Wissen hervorzubringen. Sein Ziel diesbezüglich war es

vor allem die Jugend, durch das Hinterfragen ihrer Gedanken, zur Weisheit zu bringen. Doch

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