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Subtitle: Betrachtung der Zensur des Internets in Bezug auf Technik und Auswirkungen
Scholary Paper (Seminar), 2008, 25 Pages
Author: Kim Kapischke
Subject: Communications: Multimedia, Internet, New Technologies
Details
Tags: Zensur, Internet, China, VR China
Year: 2008
Pages: 25
Grade: 2,0
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-44399-4
ISBN (Book): 978-3-640-44452-6
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Abstract
Seit den 90er Jahren macht China vor allem durch Industrialisierung und Modernisierung auf sich aufmerksam. Das Wirtschaftswachstum der Volksrepublik China zählt zu einem der höchsten der Welt. Neben dem schnellen Wachstum dieses Landes lässt sich eine andere, globale Entwicklung erkennen: Die weltweiten Kommunikations- und Informationsstrukturen werden immer schneller und immer mehr international verflochten. Diese weltweiten Kommunikationsmöglichkeiten, die vor allem dem Siegeszug des Internets zuzuschreiben sind, ermöglichen bessere weltweite Handelsbeziehungen. Auch die chinesische Regierung ist sich des Zusammenhangs zwischen der Informations-Infrastruktur und dem wirtschaftlichen Wachstum bewusst. Gleichzeitig stellt diese jedoch eine Gefährdung für die staatliche Medienkontrolle dar. Die chinesische Partei KPC nutzt alle in Ihrer Macht stehenden Mittel um die Meinungsbildung der Bevölkerung zu steuern und somit einer Destabilisierung des herrschenden Systems entgegenzuwirken. Ziel der vorliegenden Arbeit ist die Darstellung des Umgangs der chinesischen Regierung mit den Medien und der Anstrengungen der Aufrechterhaltung des regierungsseitigen Informationsmonopols. Dabei wird kurz auf die Situation der Nachrichtenagentur Xinhua und der ihr nachgelagerten Medien eingegangen. Der Hauptblick richtet sich auf die Frage, wie die politische Führung des rasant wachsenden Wirtschaftsstaates mit der neuen Informationstechnologie „Internet“ umgeht und welchen Einfluss dieses auf die Informationsmöglichkeiten der Bevölkerung hat. Die Erläuterung und Auswirkung des Begriffes „Zensur“ ist wichtiger Bestandteil dieser Seminararbeit. In diesem Zusammenhang wird beleuchtet, wie die Unternehmen google, Yahoo! und Microsoft mit der chinesischen Zensurproblematik umgehen. Da es aufgrund von fehlenden Sprach- bzw. Schriftkenntnissen und auch wegen der regierungspolitischen Einstellung Chinas nicht möglich ist, mit der chinesischen Nachrichtenagentur Kontakt aufzunehmen, ist es nahezu unmöglich, verlässliches Zahlenmaterial über die Nachrichtenberichterstattung in China zu erhalten. Somit beruft sich ein Großteil der Aussagen dieser Arbeit auf Sekundärquellen, welche wenig statistische Auswertungsmöglichkeiten bieten. Abschließendes Augenmerk wird der Frage gewidmet, welche Möglichkeiten bestehen, die Zensur im World Wide Web trotz aller Maßnahmen von Seiten der Regierung zu umgehen und somit der Bevölkerung Gelegenheit zu geben, unzensierte Nachrichten zu bekommen.
Excerpt (computer-generated)
Medienzensur in der VR China
Nachrichtenagenturen - Statistiken
Medienzensur in der Volksrepublik China
Autor
Name: Kim
Kapischke
Adresse:
Matrikelnummer:
Fachsemester: 5.
Fachsemester
Seminararbeit im Fach Multimedia I
Sommersemester 2008
Fachhochschule Wiesbaden
Fachbereich Design Informatik Medien
Studiengang Media Management
Kim Kapischke
Medienzensur in der VR China
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Hauptteil(e) der Arbeit 4
2.1. Medien und ihre Zensur in der Volksrepublik China 4
2.2. Zensur des World Wide Web 6
2.3. Die Rolle von Microsoft, Yahoo! und Google 9
2.3.1. Die Rolle von Microsoft 10
2.3.2. Die Rolle von Yahoo! 11
2.3.3. Die Rolle von Google 11
2.4. Wieviel Zukunft hat die Zensur? 12
3. Zusammenfassung / Resümee 15
4. Verzeichnisse 16
4.1. Abbildungsverzeichnis 16
4.2. Literatur- /Quellenverzeichnis 17
4.2.1. Kritische Quellenbetrachtung 24
Kim Kapischke
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Medienzensur in der VR China
1.
Einleitung
Sprechen wir über China, sprechen wir von einem Ein-Parteien-Staat, der von der größten
politischen Partei der Welt der KPC regiert wird. Wir sprechen von 1,3 Milliarden
Menschen von denen 37% in Städten und 63% auf dem Land leben und ein Fünftel der
Menschheit ausmachen. 86% der chinesischen Bevölkerung können lesen und schreiben
und im Jahr 2005 studierten 7,36 Millionen an einer Hochschule.1
Seit den 90er Jahren macht China vor allem durch Industrialisierung und Modernisierung
auf sich aufmerksam. Das Wirtschaftswachstum der Volksrepublik China zählt zu einem
der höchsten der Welt.
Neben dem schnellen Wachstum dieses Landes lässt sich eine andere, globale
Entwicklung erkennen: Die weltweiten Kommunikations- und Informationsstrukturen
werden immer schneller und mehr und mehr international verflochten.2
Diese weltweiten Kommunikationsmöglichkeiten, welche vor allem dem Siegeszug des
Internets zuzuschreiben sind, ermöglichen bessere weltweite Handelsbeziehungen.
Auch die chinesische Regierung ist sich des Zusammenhangs zwischen der Informations-
Infrastruktur und dem wirtschaftlichen Wachstum bewusst. Gleichzeitig stellt diese jedoch
eine Gefährdung für die staatliche Medienkontrolle dar.3 Die chinesische Partei KPC nutzt
alle in Ihrer Macht stehenden Mittel um die Meinungsbildung der Bevölkerung zu steuern
und somit einer Destabilisierung des herrschenden Systems entgegenzuwirken.
Ziel der vorliegenden Arbeit ist die Darstellung des Umgangs der chinesischen Regierung
mit den Medien und der Anstrengungen der Aufrechterhaltung des regierungsseitigen
Informationsmonopols. Dabei wird kurz auf die Situation der Nachrichtenagentur Xinhua
und der ihr nachgelagerten Medien eingegangen. Der Hauptblick richtet sich auf die
Frage, wie die politische Führung des rasant wachsenden Wirtschaftsstaates mit der
neuen Informationstechnologie ,,Internet" umgeht und welchen Einfluss dieses auf die
Informationsmöglichkeiten der Bevölkerung hat.
Die Erläuterung und Auswirkung des Begriffes ,,Zensur" ist wichtiger Bestandteil dieser
Seminararbeit. In diesem Zusammenhang wird beleuchtet, wie die Unternehmen google,
Yahoo! und Microsoft mit der chinesischen Zensurproblematik umgehen.
Da es aufgrund von fehlenden Sprach- bzw. Schriftkenntnissen und auch wegen der
regierungspolitischen Einstellung Chinas nicht möglich ist, mit der chinesischen
Nachrichtenagentur Kontakt aufzunehmen, ist es nahezu unmöglich, verlässliches
Zahlenmaterial über die Nachrichtenberichterstattung in China zu erhalten. Somit beruft
sich ein Großteil der Aussagen dieser Arbeit auf Sekundärquellen, welche wenig
statistische Auswertungsmöglichkeiten bieten.
Abschließendes Augenmerk wird der Frage gewidmet, welche Möglichkeiten bestehen, die
Zensur im World Wide Web trotz aller Maßnahmen von Seiten der Regierung zu umgehen
und somit der Bevölkerung Gelegenheit zu geben, unzensierte Nachrichten zu bekommen.
Kim Kapischke
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Medienzensur in der VR China
2.
Hauptteil(e) der Arbeit
2.1.
Medien und ihre Zensur in der Volksrepublik China
,,Citizens of the People′s Republic of China enjoy freedom of speech, of the press, of
assembly, of association, of procession, and of demonstration."
(Article 35, Constitutions of the Peoples Republic of China)4
Die chinesische Verfassung gewährt jedem Bürger Rede- und Publikationsfreiheit.
In China gibt es über 2000 Zeitungen, über 9000 Zeitschriften, 273 Rundfunkstationen
sowie 352 Fernsehstationen. 94,5 % der Bevölkerung konnten im Jahr 2006 Radio-
programme empfangen und 95,8 % haben die Möglichkeit, fernzusehen.5
Im Dezember 2007 nutzten 162 Millionen Chinesen das Internet, das sind 12,3 Prozent
der Bevölkerung. 1,3 Millionen hatten eine eigene Webseite und fast 20 % der Internetuser
einen Blog.6
Weisen diese Zahlen auf ein Land hin, in dem unterschiedliche Meinungen und
Standpunkte friedlich diskutiert und beleuchtet werden? Ganz im Gegenteil! Im Gegensatz
z.B. zu Deutschland, in dem allein die fünf großen Nachrichten-
agenturen dpa (deutsche Presse-Agentur), AP (Associated
Press), AFP (Agence France Presse), ddp (Deutscher
Depeschendienst) und Thomson Reuters7 neben weiteren
kleinen Nachrichtenagenturen existieren und unabhängige
Nachrichten produzieren, gibt es in China nur eine einzige
offiziell zugelassene Nachrichtenagentur.
Alle chinesischen Medien erhalten Ihre Meldungen von der
einzigen, staatlichen Presseagentur Xinhua (übersetzt: neues
China), welche Ihren Sitz in Beijing hat und mit über 100
Niederlassungen im asiatisch-pazifischen Raum, im nahen
Osten, Lateinamerika sowie in Afrika als eine der wichtigsten
Nachrichtenagenturen der Welt gilt.8
Abbildung 1 Xinhua Gebäude
Die chinesischen Medien werden allesamt von der chinesischen kommunistischen
Partei KPC überwacht. Zeitungen und TV-Sender fungieren als Propaganda-Werkzeuge
der Regierung. Liegt beispielsweise ein wichtiges Ereignis vor, wird von allen Medien
ohne Ausnahme erwartet, auf ähnliche Weise im Sinne der Partei zu berichten und zu
kommentieren.
Sogenannte ,,sensible Themen", wie z.B. Berichte über das Militär, ethnische Konflikte,
Religion sowie kritische politische Äußerungen und negative Berichte über die Partei
sind absolut untersagt.9
Der Journalist Xiao Fan arbeitete von 1975 bis 1988 für Radio Peking und gab in seiner
Rede zu den ,,Neun Kommentaren′′ in Melbourne im Juni 2007 folgenden Einblick in die
chinesische Medienkontrolle: ,,So gingen zum Beispiel am 5. April 1976 Menschen in
Peking zum Platz des himmlischen Friedens, um den Tod von Premierminister Zhou
Enlai zu betrauern, aber die Behörden wollten nicht, dass die Menschen den
Kim Kapischke
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Medienzensur in der VR China
Premierminister betrauerten. So wurde befohlen, sie mit Gewalt zu zerstreuen. Das
Politbüro-Mitglieds Yao Wenyuan, das für Propaganda zuständig war, kam zur
Verwaltung des Sende-Büros und gab Anweisung. Er erklärte die Versammlung zu
einem anti-revolutionären Akt. Daraufhin folgten alle Medien, die direkt der Zentral-
regierung unterstanden derselben Linie [...] Was die lokalen Medien angeht, so haben
sie keine redaktionellen Rechte für diese Art von bedeutenden Ereignissen, und sie
können nur die Berichte der Xinhua Nachrichtenagentur kopieren."10
Weitaus wirksamer als die Überwachung durch die staatliche Presse- und
Publikationsverwaltung ist die durch Einschüchterungen und Druck erzwungene
Selbstzensur der Medien. Journalisten, die der KPD nicht Folge leisten und Berichte
veröffentlichen, die nicht den Regierungsvorgaben entsprechen, laufen Gefahr ihre
Berufserlaubnis entzogen zu bekommen, ohne Urteilssprechung inhaftiert oder in
Umerziehungslager gesperrt zu werden.11
Ein sehr einfaches aber wirksames Mittel der Zensur ist das Vergütungssystem für
Journalisten: Diese bekommen nur einen sehr geringen Basislohn, welcher mit
Bonuszahlungen aufgestockt wird, wenn ein Artikel veröffentlicht wird. Ein Artikel mit
hohem Wert für die Aufrechterhaltung der kommunistischen Struktur wird
logischerweise mit einer höheren Chance veröffentlich als ein regierungskritischer Text.
Diese Vergütungsmethode steuert maßgeblich die Art der Berichterstattung der
Journalisten und erweist sich in Bezug auf die Zensur als wirkungsvolles Mittel.12
Diese strenge Handhabung hat zur Folge, dass es nirgendwo sonst auf der Welt so
viele inhaftierte Journalisten gibt wie in China. Das zeigt die folgende, auf Basis von
Angaben von Reportern ohne Grenzen, erstellte Grafik:
13
Grafik 1 in Anlehung an: www.reporter-ohne-grenzen.de, eigene Darstellung
Kim Kapischke
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Medienzensur in der VR China
Gemessen an der Bevölkerungszahl erscheint die Menge von derzeit 31 in China
inhaftierten Journalisten auf den ersten Blick relativ gering, jedoch ist zu beachten, dass
weltweit momentan insgesamt 121 Journalisten inhaftiert sind und der prozentuale
Anteil Chinas somit 26 % ausmacht. Ergänzend lässt sich bemerken, dass aktuell kein
Fall eines in Europa inhaftierten Journalisten bekannt ist.
Die KPC versucht weiterhin zu verhindern, dass Informationen ausländischer
Nachrichtenagenturen nach China gelangen. Meldungen und Fotos können nur über
Xinhua oder von ihr autorisierte Stellen verbreitet werden. Xinhua nimmt sich das Recht,
Informationen, die von ausländischen Agenturen veröffentlicht werden, auszuwählen
und wenn sie den strengen Richtlinien nicht standhalten zu entfernen. Bis 2006 war
es möglich, dass ausländische Agenturen ausgewählte Meldungen, wie z.B.
Finanzmeldungen, direkt an chinesische Kunden senden konnten. Im September 2006
wurden die Bestimmungen für internationale Nachrichtenmedien aber weiter verschärft,
Nachrichten, die die wirtschaftliche und soziale Ordnung sowie die nationale Stabilität
und die Interessen Chinas gefährden könnten, sind seitdem streng verboten. Bei
Verstößen gegen die verschärften Regeln drohen harte Strafen in Form von einem
Entzug der Betriebserlaubnis und weiteren disziplinarischen Maßnahmen.14
Entgegen anfänglicher Hoffnungen brachte auch das World Wide Web keinen Wandel in
Bezug auf die staatliche Medienkontrolle. Zwar entsteht durch dieses zum ersten mal
die Möglichkeit der Selbstdarstellung und Kommunikation für die chinesischen Bevölke-
rung15, jedoch scheint die chinesische Regierung das Internet schlichtweg als weiteres
zu zensierendes Medium zu betrachten.
2.2.
Zensur des World Wide Web
Seit 1995 wird das Internet in China kommerziell genutzt.16 Die KPC ist jedoch maßgeblich
an einer Kontrolle und Zensur des komplexen Mediums interessiert, um ,,die Zügel der
staatlichen Industrie- und Wirtschaftsplanung nicht aus der Hand [zu] geben, weil dies ihr
überaus wichtiges Informationsmonopol gefährden würde und einen Kontroll- und
Machtverlust zur Folge hätte."17
Die Regulierung des Internets findet auf zwei Arten statt: technisch und regulativ. Zum
einen verfügt China über ein Internetfiltersystem, das sogenannte ,,Golden Shield Project",
das weltweit die höchste technologische und umfassendste Entwicklung aufweist18 und
auch von anderen Ländern wie Vietnam, Zimbabwe oder Thailand angewendet wird.19
Dieses Filtersystem ermöglicht der Regierung, Internetinhalte zu filtern und gege-
benenfalls zu sperren. Internetseiten, die Wörter wie ,,Menschenrechte", ,,Demokratie" oder
,,Freiheit" enthalten haben keine Chance durch die Firewall zu kommen. Dieses Verfahren
erweist sich als sehr effektiv, da es keinerlei Transparenz aufweist. Weder ist irgendwo
veröffentlicht, welches die verbotenen Begriffe sind, noch nach welcher Methodik Themen
auf dem Index platziert werden. Wird die Seite eines chinesischen Bürgers von der
Regierung gesperrt, hat dieser keinerlei rechtliche Möglichkeit, dagegen vorzugehen.20
,,Im September 2005 erließ die Regierung
Bestimmungen über die Verwaltung von
Internet-Nachrichteninformationsdiensten
, denen zufolge alle Einzelpersonen und Organi-
sationen die Nachrichten veröffentlichen, einer behördlichen Genehmigung bedürfen."21
Kim Kapischke
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