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Zitatserklärungen zu Derrida "Freud und der Schauplatz der Schrift"

Subtitle: Von Freud zu Derrida, oder umgekehrt? Versuch einer Verständlichmachung

Termpaper, 2009, 18 Pages
Author: mag. Markus Luef
Subject: Philosophy - Theoretical (Realisation, Science, Logic, Language)

Details

Category: Termpaper
Year: 2009
Pages: 18
Grade: 1
Language: German
Archive No.: V134519
ISBN (E-book): 978-3-640-42229-6
ISBN (Book): 978-3-640-42213-5

Abstract

Derrida bearbeitet zwei Schriften von Freud, die 30 Jahre auseinander liegen. Abgesehen davon, dass er damit seine Kritik am Phonozentrismus und sein Programm einer immer schon existierenden, lautlosen Urschrift unterstreichen will – was in weiterer Folge weniger interessieren wird – zeigt er auch Folgendes: 1. Die Entwicklung des Freudschen Denkens weg von einer neurologischen, topischen Erklärung des Wahrnehmungsapparates hin zu einer psychologischen, ja meta-psychologischen Theorie, die ja bekanntermaßen in der Entdeckung oder Erfindung der Psychoanalyse als Psychotherapie sowie als Weltsicht mündet. 2. Die Wichtigkeit und Schwierigkeit einer einigermaßen vernünftigen Theorie des Gedächtnisses. 3. Die Unmöglichkeit in einem endlichen Wesen Unendliches auszumachen. Was mit nun bei Derrida interessanter erscheint als der Textkörper selbst, ist die Textauswahl. Beide Texte Freuds haben die gleichen Grundideen, zumindest wenn man Derridas Blick folgt. Dies ist ja auch das interessante Moment: zwingt die Auswahl uns eine Denkrichtung auf, oder schafft sie tatsächlich Raum für eine neuartige Lesart der Freudschen Metapsychologie? Diese Frage kann ich nicht beantworten, klar ist aber: Derridas Text funktioniert ohne diese beiden Texte nicht.


Excerpt (computer-generated)

1

Zitatserklärungen zu: Derrida Freud und der Schauplatz der Schrift

1. Entwurf einer Psychologie

2. Notiz zum Wunderblock

Versuch einer Verständlichmachung

Markus Luef


2

Wir wissen wohl, daß der Paranoiker,

in dem Maß, in dem er fortschreitet,

retroaktiv seine Vergangenheit überdenkt

und bis hinein in die frühesten Jahre den Ursprung der Verfolgungen findet,

deren Objekt er gewesen ist.1







3

Inhaltsverzeichnis


01 Warum? 4

1. Zur Einleitung 6

2. Entwurf einer Psychologie, I. Teil, [1] ­ [10] 7

0 Einleitung 7

1. Erster Hauptsatz ­ Die Quantitative Auffassung 7

2. Zweiter Hauptsatz ­ Die Neuronentheorie 8

3. Die Kontaktschranken 8

4. Der biologische Standpunkt 9

5. Quantitätsproblem 10

6. Der Schmerz 10

7. Qualitätsproblem 10

8. Das Bewusstsein 11

9. Das Funktionieren des Apparates 12

10. Die Leitungen 13

3. Notiz über den «Wunderblock» 14



4

01 Warum?

Die Linie, die Unendlichkeit, Unterbrechungen, Brechungen, das Kontinuum, die Dichte. Eine

Kurve, eine Krümmung, die Zeit. Alle diese Begriffe kommen natürlich in der Mathematik vor.

Ebenso haben sie ihren Platz in der Logik.

In der Philosophie hat man sich damit auch beschäftigt, und macht dies wohl immer noch. Zwei

Beispiele, mit denen ich sie verknüpfe, sind

1. die mittelalterliche Philosophie des 12. und 13. Jahrhunderts, vor allem eine Fragestellung von

Ibn Rushd, a.k.a. Averroes.2 Es dreht sich im Kern um die Frage der zeitlichen Kontinuität:

wenn die Welt von Gott geschaffen wurde, was tat er vor der Schöpfung? Oder wurde die Zeit

­ und damit das Kontinuum ­ mit geschaffen? Welche Art von Zeit existierte davor; eine

Engelszeit? Denn wenn Gott ewig und vollkommen ist, wie kann ihm dann zu einem gewissen

Zeitpunkt eine Idee zukommen? Dies erscheint beim vollkommenen Wesen kaum vorstellbar.

Aber auch die Ansicht, dass Gott die Schöpfungsidee schon unendliche Zeit in sich hatte, sie

sich aber zu einem realen Zeitpunkt manifestiert, ist schwer verständlich.

2. die psychologische Philosophie, die sich mit der Tatsache eines durchgehenden Lebens

beschäftigt. Wie können Träume in das Konzept des Bewusstseins integriert werden, wie ist es

möglich, dass wir Dinge falsch im Gedächtnis behalten, und sie dennoch als wahr empfinden?

Wie können wir in so vielen Situationen verschieden reagieren, uns aber als eine Person

erleben? Ein ­ wenn nicht der ­ Höhepunkt wurde Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts

erreicht. Franz Brentano3 und seine vielen Schüler4, allen voran Sigmund Freud5, haben diese

Problematik massiv in den Raum gebracht. So scheint es ja im Unbewussten eine unglaubliche

und schier unendliche Speicherkapazität zu geben, man denke nur an einen so genannten

Ohrwurm, also ein irgendwann gehörtes, plötzlich wieder ins Bewusstsein springendes

Musikstück. Wo war es die letzten Jahre abgelegt, wie kann es aus mir selbst kommend fremd

erschienen? 1912 schreibt Freud:

Eine Vorstellung ­ oder jedes andere psychische Element ­ kann jetzt in meinem Bewußtsein
gegenwärtig sein und im nächsten Augenblick daraus verschwinden; sie kann nach einer
Zwischenzeit ganz unverändert wiederum auftauchen, und zwar, wie wir es ausdrücken, aus der
Erinnerung, nicht als Folge einer neuen Sinneswahrnehmung. Um dieser Tatsache Rechnung zu
tragen, sind wir zu der Annahme genötigt, daß die Vorstellung auch während der Zwischenzeit in
unserem Geiste gegenwärtig gewesen sei, wenn sie auch im Bewußtsein latent blieb. In welcher
Gestalt sie aber existiert haben kann, während sie im Seelenleben gegenwärtig und im Bewußtsein
latent war, darüber können wir keine Vermutung aufstellen.6

Beide Ansätze ­ die natürlich nur zwei von unzähligen sein können ­ haben zumindest eine

Gemeinsamkeit: Aristoteles. Seit die islamische Philosophie seine Schriften nach Europa brachte

waren sein Kontinuumsbegriff und seine Lehre vom unbewegten Beweger, der das Denken denkt,

Thema. Andererseits hat Aristoteles bekanntermaßen in seiner Lehre des ,,Doppelten Intellekts" die

Seelenlehre Freuds schon vorprogrammiert.

Womit nun endlich der Übergang zu Jacques Derrida geschafft wäre. In seinem Essay

Freud und



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