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Die Verschriftung französischer Kreolsprachen zwischen Nähe und Distanz zum Französischen

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2003, 26 Pages
Author: Stephanie Klaus
Subject: Romance Languages - Other Languages

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2003
Pages: 26
Grade: 2
Language: German
Archive No.: V13457
ISBN (E-book): 978-3-638-19119-7

File size: 254 KB


Excerpt (computer-generated)

 

Verschriftung französischer Kreolsprachen
zwischen Nähe und Distanz zum Französischen






Stephanie Klaus

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung 3

2 Die Bedeutung der Verschriftung für die französischen Kreolsprachen vor ihrem soziolinguistischen Hintergrund 3

2.1 Mündlichkeit und Schriftlichkeit 3
2.2 Besonderheiten der französischen Kreolsprachen für die Standardisierung 4

3 Standardisierung und Normierung der kreolischen Schriftsprache im Spannungsfeld zwischen Nähe und Distanz zum Französische 8

3.1 Historischer Überblick zur Schriftlichkeit des Kreolischen 8
3.2 Orthographiesysteme 10

3.2.1 Die etymologische Schreibung 11
3.2.2 Die phonologische Schreibung 13
3.2.3 Die modifizierte phonologische Schreibung 16

3.3 Wortschatz: Neologismenbildung 19

4 Schlussbetrachtung 22

Literaturverzeichnis 24

 

 

 


1 Einleitung

Die französischen Kreolsprachen sind in Gebieten entstanden, in denen die Sprache der herrschenden Klasse das Französisch war. Sie ist dort bis heute die dominierende Sprache. Trotz erster Verschriftungen des Kreolischen im 17. Jahrhundert, fehlt den Kreolsprachen bislang die Standardisierung. Sie haben den Status einer mündlichen Sprache und inwieweit sie so überleben werden, ist ungewiss. Spätestens seit den 80er Jahren dieses Jahrhunderts ist das Kreolische nicht mehr Muttersprache und meistens auch nicht die einzige in der Kindheit erlernte Sprache (Prudent 1993: 630). Aufgrund politischer und soziokultureller Faktoren besteht jedoch zunehmend der Bedarf nach einer Aufwertung und damit verbunden einer Standardisierung der Kreolsprachen. Einer "natürlichen" Sprachentwicklung wird hierbei vorweggegriffen und die Verschriftung wird gezielt geplant. Kreolisch ist durch ihre Entstehungsgeschichte der französischen Sprache sehr nahe. Viele Kreolsprecher wünschen sich jedoch aufgrund ihres kulturellen und politischen Autonomiebestrebens eine Loslösung von dieser sprachlichen Vorlage. Die vor-liegende Arbeit beschäftigt sich mit den französischen Kreolsprachen der Antillen, die seit den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts auch zunehmend das Interesse der Sprachwissenschaft wecken. Es soll untersucht werden, wie sich die Problematik der Verschriftung in dem Spannungsfeld zwischen beabsichtigter sprachlicher Nähe zum Französischen und der Abgrenzung zum Französischen darstellt. Hierbei wird der Schwerpunkt auf das für die Standardisierung benötigte Orthographiesystem und die Wortbildung gelegt. Nach einer Einordnung der schrift-sprachlichen Situation, unter Berücksichtigung des soziokulturellen Hintergrunds, werden die Möglichkeiten der Verschriftung zwischen Nähe und Distanz des Kreolischen zum Französischen im Hinblick auf ihren Nutzen für die Kreolsprecher kritisch untersucht. Hierfür werden insbesondere die Vorschläge zur Verschriftung von Jean Bernabé und M.-C. Hazaël-Massieux diskutiert. Notwendige Hintergrundinformationen und weiterführende Erläuterungen sowie Sprachbeispiele stammen hauptsächlich aus den Arbeiten von Peter Stein und Michaela Strobel-Köhl.

2 Die Bedeutung der Verschriftung für die französischen Kreolsprachen vor ihrem soziolinguistischen Hintergrund

2.1 Mündlichkeit und Schriftlichkeit

Jede Sprache wird zunächst mündlich realisiert und nur wenige schaffen es bis zur Verschriftung. Der Weg zur Verschriftung durchläuft verschiedene Phasen, wobei die erste Phase die spontane mündliche Realisierung von Sprache ist. M.-C. Hazaël-Massieux (1993: 15ff.) bezeichnet sie als langue orale parlée. Sender und Empfänger sind in der Sprechsituation räumlich und zeitlich nicht voneinander getrennt und setzen Mimik, Gestik und Intonation in der Kommunikation ein. Dann folgt die graphische Wiedergabe des code parlé. Sie ist die Vorstufe der Schriftsprache und M.-C. Hazaël-Massieux (1993) bezeichnet sie als langue orale transcri-te. In dieser Phase gibt es noch keine graphischen Entsprechungen für die Ausdrucksmöglichkeiten der gesprochenen Sprache, wie z. B. die Intonation oder Gestik. Die reine Textfixierung ist aufgrund der Schwierigkeit des Textverständnisses noch keine Schriftsprache, die nach M.-C. Hazaël-Massieux die letzte Etappe der Verschriftung einer Sprache darstellt und als langue écrite bezeichnet wird. Die Kommunikationspartner sind räumlich voneinander getrennt und viele sprachliche Informationen, die in der gesprochenen Sprache nicht vorkommen, werden für ein besseres Textverständnis hinzugefügt. Die Schriftsprache besitzt eine grössere Redundanz und eignet sich für die Wiedergabe inhaltlich und sprachlich komplexer Themen. Die letzte Phase ist die langue écrite parlée, schriftlich konzipierte und mündlich realisierte Texte. Die Kreol-sprachen sind nach diesem Schema noch lange keine Schriftsprachen, sondern befinden sich zwischen der langue orale transcrite und der langue écrite (M.-C. Hazaël-Massieux 1993: 46). Nun existiert Kreolisch mit der Standardsprache Französisch in einem Verhältnis der Abhängigkeit, aus dem das Kreolische bestrebt ist, sich durch die Verschriftung zu lösen. Als eine sehr junge Sprache hat es die einzelnen Etappen nicht in einem "natürlichen" Prozess durchlaufen können wie das Französisch, das Jahrhunderte benötigte, um sich vom Latein zu lösen und zu einer normierten Schriftsprache zu werden (vgl. M.-C. Hazaël-Massieux 1993: 11). Der Übergang der Kreolsprachen von der Mündlichkeit zur Schriftlichkeit vollzieht sich bei den Kreol-sprachen durch ein bewusstes Eingreifen seitens der Sprecher oder der hierfür Beauftragten in die für diesen Eingriff möglichen Bereiche, der Orthographie und des Wortschatzes.

2.2 Besonderheiten der Kreolsprachen für die Standardisierung

[...]


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