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Ökonomische und deliberative Demokratietheorie: Ein Kritischer Vergleich close

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Ökonomische und deliberative Demokratietheorie: Ein Kritischer Vergleich

Termpaper, 2009, 22 Pages
Author: Eugen Breit
Subject: Politics - Political Systems - General

Details

Event: Demokratietheorien
Institution/College: University of Duisburg-Essen (Institut für Politikwissenschaft)
Category: Termpaper
Year: 2009
Pages: 22
Grade: 1,3
Language: German
Archive No.: V134655
ISBN (E-book): 978-3-640-42684-3
ISBN (Book): 978-3-640-42462-7

Abstract

Jürgen Habermas, 1929 in Düsseldorf geboren, studierte Philosophie, Geschichte und Psychologie in Göttingen, Zürich und Bonn und gilt heute als der bekannteste und renommierteste deutsche Philosoph. Von 1956 bis 1959 arbeitete Habermas als Assistent am Institut für Sozialforschung in Frankfurt am Main, an dem er wesentliche Impulse der Frankfurter Schule für sich aufnahm. Die Philosophie Habermas’ wird zur zweiten Generation der Frankfurter Schule gerechnet, die vor allem durch die Kritische Theorie von Theodor W. Adorno und Max Horkheimer in den 1960er und 1970er Jahren an interdisziplinärer Bekanntheit gewann. In seinen Arbeiten stellt sich Habermas stets den Anspruch, Theorie in praktischer Absicht betreiben zu wollen. Das gilt nicht zuletzt für seine Theorie der deliberativen Demokratie, dessen Denkrichtung u.a. von Bessette, Benhabib und Fishkin geprägt wurde. Habermas ist heute unumstritten der bedeutendste Vertreter der deliberativen Demokratietheorie, mit dessen theoretischer Konzeption er sich mittlerweile seit vier Jahrzehnten beschäftigt. Anthony Downs, 1930 in den USA geboren, ist studierter Politikwissenschaftler und Ökonom. Er lebt heute in Washington D.C. und ist Senior Fellow an der Brookings Institution, die als einer der einflussreichsten Think Tanks in den USA agiert. Im Anschluss an seine Promotion an der Stanford University war Downs u.a. Professor an der University of Chicago und Präsident der Real Estate Research Corporation. Downs ist mit seinem Werk „Ökonomische Theorie der Demokratie“ ein Mitbegründer der Ökonomischen Theorie der Politik und zählt zu der Denkrichtung der neuen politischen Ökonomie. Downs’ liberale Theorie der Demokratie gilt dabei als in „vielerlei Hinsicht (…) radikal“ . Die vorliegende Hausarbeit behandelt die beiden in ihren Theoriekonzeptionen unterschiedlichen Demokratietheorien, indem sie zuerst beide analytisch in ihren groben Zügen vorstellt. Danach werden beide Theorien untereinander kritisch verglichen, um ihre wesentlichen Unterschiede hervorzuheben. Anschließend werden beide Theorien einer Kritik unterzogen, welche die Theorien auf Realitätsanspruch und inhaltliche Schwächen untersucht. Abschließend folgen eine eigene Stellungnahme und ein Fazit.


Excerpt (computer-generated)

Universität Duisburg-Essen, Standort Duisburg

- Institut für Politikwissenschaft -






Ökonomische und deliberative Demokratietheorie: Ein

Kritischer Vergleich

Hausarbeit zum Seminar

Demokratietheorien

Eugen Breit

(5. Fachsemester)

Essen, 31. März 2009


2

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

3

2. Gegenüberstellung von zwei Demokratietheorien

4

2.1 Deliberative

Demokratietheorie

4

2.2 Ökonomische

Demokratietheorie

8

3. Ein analytischer Vergleich der beiden

Theorien

13

4. Eine kritische Auseinandersetzung mit beiden Theorien

16

5. Eigene

Stellungnahme

und

Fazit

19

6. Literaturverzeichnis

20


3

1. Einleitung

Jürgen Habermas

, 1929 in Düsseldorf geboren, studierte Philosophie, Geschichte und

Psychologie in Göttingen, Zürich und Bonn und gilt heute als der bekannteste und

renommierteste deutsche Philosoph. Von 1956 bis 1959 arbeitete Habermas als Assistent am

Institut für Sozialforschung in Frankfurt am Main, an dem er wesentliche Impulse der

Frankfurter Schule für sich aufnahm. Die Philosophie Habermas′ wird zur zweiten Generation

der Frankfurter Schule gerechnet, die vor allem durch die Kritische Theorie von Theodor W.

Adorno und Max Horkheimer in den 1960er und 1970er Jahren an interdisziplinärer

Bekanntheit gewann.1 In seinen Arbeiten stellt sich Habermas stets den Anspruch, Theorie in

praktischer Absicht betreiben zu wollen. 2 Das gilt nicht zuletzt für seine

Theorie der

deliberativen Demokratie

, dessen Denkrichtung u.a. von Bessette, Benhabib und Fishkin

geprägt wurde. Habermas ist heute unumstritten der bedeutendste Vertreter der deliberativen

Demokratietheorie, mit dessen theoretischer Konzeption er sich mittlerweile seit vier

Jahrzehnten beschäftigt.

Anthony Downs

, 1930 in den USA geboren, ist studierter Politikwissenschaftler und

Ökonom. Er lebt heute in Washington D.C. und ist Senior Fellow an der Brookings

Institution, die als einer der einflussreichsten Think Tanks in den USA agiert. Im Anschluss

an seine Promotion an der Stanford University war Downs u.a. Professor an der University of

Chicago und Präsident der Real Estate Research Corporation. Downs ist mit seinem Werk

,,Ökonomische Theorie der Demokratie" ein Mitbegründer der

Ökonomischen Theorie der

Politik

und zählt zu der Denkrichtung der

neuen politischen Ökonomie

.3 Downs′ liberale

Theorie der Demokratie gilt dabei als in ,,vielerlei Hinsicht (...) radikal"4.

Die vorliegende Hausarbeit behandelt die beiden in ihren Theoriekonzeptionen

unterschiedlichen Demokratietheorien, indem sie zuerst beide analytisch in ihren groben

Zügen vorstellt. Danach werden beide Theorien untereinander kritisch verglichen, um die

wesentlichen Unterschiede hervorzuheben. Anschließend werden beide Theorien einer

gemeinsamen Kritik unterzogen, welche die Theorien auf Realitätsanspruch und inhaltliche

Schwächen untersucht. Abschließend folgt eine eigene Stellungnahme und ein Fazit.

1 Vgl. Gripp, Helga: Jürgen Habermas. Paderborn 1984, S. 148.

2 Vgl. ebd., S. 17.

3 Vgl. anthonydowns.com: biography. http://www.anthonydowns.com/bio.htm, Stand: 12.03.2009.

4 Schmidt, Manfred G.: Demokratietheorien. Opladen 2008, S. 205.


4

2

Gegenüberstellung von zwei Demokratietheorien

2.1 Deliberative

Demokratietheorie

Bevor ausführlicher auf die Theorie der deliberativen Demokratie nach Jürgen

Habermas eingegangen wird, sollen zunächst die Begriffe Demokratie(-theorie), Deliberation

und deliberative Demokratie definiert werden, um eine hinreichende Grundlage für das

weitere Verständnis der Theorie zu schaffen.

Der

Begriff

Demokratie

setzt sich ursprünglich aus den griechischen Wörtern

demos

=

Volk und

kratein

= herrschen zusammen und bedeutet zusammengefasst ,,Volksherrschaft".

Die prägnanteste und bekannteste Demokratiedefinition stammt von Abraham Lincoln, der

Demokratie unter drei Wesensmerkmalen als ,,government of the people, by the people, for

the people" verstand. Demnach geht in einer Demokratie die Herrschaft aus dem Volk hervor,

wird durch das Volk ausgeübt und dient in allen Aspekten allein dem Volk.5

Unter

einer

Demokratietheorie

sind die begrifflichen, ideellen und systematischen

Entwürfe der Demokratie samt ihrer normativen Begründungen und ihren beschreibenden und

erklärenden Aussagen über die Natur ihrer empirischen Varianten zu fassen.6

Als

Deliberation

versteht man eine argumentativ abwägende,

verständigungsorientierte Beratschlagung (von lat.

deliberare

= abwägen, beraten).

Die

deliberative Domokratie

ist ein normatives Demokratiemodell, das auf die

Überzeugungskraft systematischer Erwägung und Schlussfolgerung in öffentlichen Debatten

und auf verständigungsorientiertes, kommunikatives Handeln der Bürger setzt.

Die

deliberative Demokratietheorie

ist eine normative Theorie über die deliberative

Demokratie - sie begründet, was Demokratie idealerweise ausmacht und nicht, wie die

Demokratie in der Realität beschaffen ist. Die Theorie ist im Gegensatz zu Output orientierten

politikwissenschaftlichen Theorierichtungen ein Input orientierter, beteiligungszentrierter

Theoriestrang. Als Input versteht man in der Politikwissenschaft die aus dem

Gesellschaftssystem in das politische System hineingetragenen Forderungen oder

Unterstützungsleistungen, z.B. in Form von politischer Partizipation.7

5 Vgl. Nohlen, Dieter/Schultze, Rainer-Olaf (Hrsg.): Lexikon der Politikwissenschaft. München 2005, S. 135.

6 Vgl. a.a.O.

7 Vgl. Patzelt, Werner J.: Einführung in die Politikwissenschaft. Passau 2007, S. 216.


5

Habermas′ Theorie der deliberativen Demokratie verspricht sich ein hohes Niveau des

öffentlichen Diskurses

. Ein solcher Diskurs mündet in Beratungen und Beschlussfassungen,

durch welche die kommunikativ erzeugte Macht in administrativ verwendbare Macht

transformiert wird.8 Diskurse vollziehen sich also öffentlich. Die

Öffentlichkeit

lässt sich als

ein Netzwerk für Kommunikation von Inhalten und Stellungnahmen, also von Meinungen

beschreiben.9 Da die Diskurse, wenn sie vernünftige Ergebnisse erzielen sollen, nicht ohne

Struktur verlaufen dürfen, sondern nach bestimmten Regeln organisiert sein müssen, führt

Habermas eine

ideale Sprechsituation

ein, welche er für die Diskurse als notwendig erachtet,

sollen sie reibungslos funktionieren. 10 In dieser konstruierten Sprechsituation werden

bestimmte Bedingungen genannt, auf die sich jeder Einzelne verpflichten muss, der in eine

diskursive Argumentation eintreten will. Jeder Konsens, der unter den gestellten Bedingungen

erzielt wird, gilt dabei als wahrer bzw. richtiger Konsens.11 Habermas charakterisiert die

Bedingungen der idealen Sprechsituation

wie folgt12:

1. Alle potentiellen Teilnehmer eines Diskurses müssen die gleiche Chance haben,

kommunikative Sprechakte zu verwenden, so dass sie jederzeit Diskurse eröffnen sowie

durch Rede und Gegenrede, Frage und Antwort perpetuieren können.

2. Alle Diskursteilnehmer müssen die gleiche Chance haben, konstative Sprechakte

(Behauptungen, Empfehlungen etc.) zu verwenden und deren Geltungsanspruch zu

problematisieren.

3. Zum Diskurs sind nur Sprecher zugelassen, die als Handelnde gleiche Chancen haben,

repräsentative

Sprechakte zu verwenden, d.h. ihre Einstellungen, Gefühle und Wünsche

zum Ausdruck zu bringen.

4. Zum Diskurs sind nur Sprecher zugelassen, die als Handelnde gleiche Chancen haben,

regulative

Sprechakte zu verwenden, d.h. zu befehlen und sich zu widersetzen, zu

erlauben und zu verbieten etc.13

Die genannten Bedingungen sind allesamt strukturelle Merkmale, welche die ideale

Sprechsituation bestimmen. Die Sprechsituation wird anhand dieser strukturellen Merkmale

und nicht durch die Persönlichkeitsmerkmale einzelner idealer Sprecher zum

Ort der

8 Vgl. Habermas, Jürgen: Faktizität und Geltung ­ Beiträge zur Diskurstheorie des Rechts und des

demokratischen Rechtsstaats. Frankfurt am Main 1992.

9 Vgl. ebd., S. 436.

10 Vgl. Horster, Detlef: Jürgen Habermas zur Einführung. Hamburg 1999, S. 56.

11 Vgl. ebd., S. 57.

12 Vgl. Habermas, Jürgen: Faktizität und Geltung ­ Beiträge zur Diskurstheorie des Rechts und des

demokratischen Rechtsstaats. Frankfurt am Main 1992, S. 370.

13 Vgl. Horster, Detlef: Jürgen Habermas zur Einführung. Hamburg 1999, S. 57-58.



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