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Termpaper, 2006, 29 Pages
Author: Lars Tischler
Subject: Psychology - Ancillary Science
Details
Institution/College: University of Bremen
Tags: LSD, LSD-Psychotherapie, Ken Wilber, Carl Gustav Jung, Stanislav Grof
Year: 2006
Pages: 29
Grade: 1
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-42763-5
ISBN (Book): 978-3-640-42520-4
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Abstract
Ziel dieser Ausarbeitung ist es, neue Wege in der Psychologie aufzuzeigen, die grosse Auswirkung auf unser Selbstkonzept haben können. Wegen ihrer recht innovativen und daher teilweise abschreckenden Inhalte werden wir deshalb auf die Entstehung von Lehrmeinungen eingehen und die Struktur wissenschaftlicher Entwicklung insbesondere unter Berücksichtigung der wissenschaftstheoretischen Arbeit Thomas Kuhns anreissen. Daraus folgend werden bisher von der Wissenschaft weitestgehend außer acht gelassene bzw. nicht als wissenschaftlich wahrgenommene mystische Modelle beleuchtet. Unser Augenmerk richtet sich hier vor allem auf die Arbeit von Ken Wilber, Carl Gustav Jung und Stanislav Grof. Nachdem wir dann auf transpersonale Aspekte der Psyche unter besonderer Berücksichtigung der Seele eingegangen sein werden, schliessen wir mit einer pamphletistischen Kritik, in der diese Arbeit kurz von einem positivistischen Standpunkt aus betrachtet wird.
Excerpt (computer-generated)
Mystische Dimensionen der Psyche
Lars Tischler
2
Inhaltsverzeichnis
1. Paradigmenwechsel über die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen 3
1.1. Wissenschaft und Paradigma 3
1.2. Die Entstehung eines neuen Paradigmas 5
1.3. Wider die Konsistenzbedingung 6
1.4. Was ist Mystik? 6
1.4.1 Geltungskriterien der Mystik 6
2. Psychologie und Religion bei C.G. Jung 8
2.1. Jungs Vorstellung von Religion 8
2.2. Kollektivpsyche und religiöse Archetypen 9
2.3. Der Christusarchetypus 10
2.4. Religion als Individuationsprozess 11
2.5. Zum Begriff des Symbols 11
3. Eine Topographie des Unbewussten 12
3.1. Das individuelle Unbewusste COEX-Systeme 12
3.2. Perinatale Grundmatrizen 14
3.2.1. PM 1 (Intrauterine Erfahrung vor dem Einsetzen der Geburt) 15
3.2.2. PM2 (Kontraktion in einem geschlossenen uterinen System) 16
3.2.3. PM3 (Vorwärtsbewegung durch den Geburtskanal) 17
3.2.4. PM 4 ( Beendigung des symbiotischen Einsseins und Bildung einer neuen
Beziehungsform ) 19
4. Transpersonale Aspekte der Psyche 21
4.1. Über die Seele 21
4.1.2. Jungs Seelenbegriff 22
4.2. Karma und Reinkarnation 22
4.2.1. Die perfekte Illusion? 23
5. Was nun? eine pamphletistische Kritik 24
5.1. Schlussbemerkung 26
6. Literaturverzeichnis 27
3
1. Paradigmenwechsel über die Struktur wissenschaftlicher
Revolutionen
Ziel dieser Ausarbeitung ist es, neue Wege in der Psychologie aufzuzeigen, die
grosse Auswirkung auf unser Selbstkonzept haben können. Wegen ihrer recht
innovativen und daher teilweise abschreckenden Inhalte werden wir deshalb auf die
Entstehung von Lehrmeinungen eingehen und die Struktur wissenschaftlicher
Entwicklung insbesondere unter Berücksichtigung der wissenschaftstheoretischen
Arbeit Thomas Kuhns anreissen. Daraus folgend werden bisher von der
Wissenschaft weitestgehend außer acht gelassene bzw. nicht als wissenschaftlich
wahrgenommene mystische Modelle beleuchtet. Unser Augenmerk richtet sich hier
vor allem auf die Arbeit von Ken Wilber, Carl Gustav Jung und Stanislav Grof.
Nachdem wir dann auf transpersonale Aspekte der Psyche unter besonderer
Berücksichtigung der Seele eingegangen sein werden, schliessen wir mit einer
pamphletistischen Kritik, in der diese Arbeit kurz von einem positivistischen
Standpunkt aus betrachtet wird.
1.1. Wissenschaft und Paradigma
Im Allgemeinen gehen die Menschen davon aus, der heutige Stand der Wissenschaft
sei das Ergebnis eines steten Ansammelns von Wissen, einer geradlinigen
Entwicklung, die im heutigen Wissensstand gipfelt.
Der durch Thomas S. Kuhn etablierte Terminus des Paradigmenwechsels jedoch
beschreibt die Veränderung von Ansichten und Auffassungen, den Fortschritt in der
Wissenschaft, anders. Grundgedanke ist, dass solche Veränderungen nicht fließend
verlaufen, sondern in einem revolutionären, sprunghaften Prozess stattfinden. Bisher
als gültig angesehene Gesetze werden durch neue Erkenntnisse und Methoden
umgewälzt und ersetzt.
Thomas Kuhn versteht normale Wissenschaft als ,,...eine Forschung, die fest auf
einer oder mehreren wissenschaftlichen Leistungen der Vergangenheit beruht, die
von einer bestimmten wissenschaftlichen Gemeinschaft eine Zeitlang als Grundlagen
für ihre weiteren Arbeiten anerkannt werden" (Kuhn, T.S. 1976, S.25).
Um sich einer wissenschaftlichen Gruppe anzuschließen, wird sich der Forschende
in seiner Ausbildung mit dem gleichen Fundament an Wissen auseinandersetzen,
welches auch die Mitglieder jener als Ausgangspunkt für ihre Arbeit nutzen. Diese
gemeinsame Bindung an Grundprinzipien der wissenschaftlichen Tätigkeit und ihrer
4
Inhalte ist die Voraussetzung für das dauerhafte Bestehen einer ,,...bestimmten
Forschungstradition" (Kuhn, T.S. 1976, S.26).
Ein Paradigma beschreibt er als eine eben solche Grundlage, die bei ihrer
Entstehung erstens so innovativ ist, dass sie über eine Anziehungskraft verfügt,
genug Wissenschaftler an sich zu binden, die vorher nach und an anderen Modellen
gearbeitet haben, und zweitens ,,...noch offen genug (ist), um der neuen Gruppe von
Fachleuten alle möglichen ungelösten Probleme zu stellen" (Kuhn, T.S. 1976, S.25).
Ein Paradigma kommt also aus Konsens zustande.
In bezug auf die Entstehung und Entwicklung zum Beispiel der Psychoanalyse als
Wissenschaft hatten sicherlich die großen Krankengeschichten Freuds ,,...als
Einzelfallstudien paradigmatische Bedeutung" (Schaumburg, C. 1974, S.355). Die
Entdeckungen neuer psychischer Zusammenhänge haben jeweils die
psychoanalytische Methode sowie die psychoanalytischen Theorien grundlegend
verändert. ,,Die Einzelfallstudien Freuds sind Dokumente einer ,,wissenschaftlichen
Revolution"" (Schaumburg, C. 1974, S.356).
Ein wissenschaftliches Paradigma ist jedoch nicht allein die Grundlage und der
Ausgangspunkt wissenschaftlicher Tätigkeit, es bestimmt auch die Ergebnisse und
Ziele dieser. Die wissenschaftliche Gemeinschaft erwirbt mit einem Paradigma auch
,,...ein Kriterium für die Wahl von Problemen..., von welchen solange das
Paradigma nicht in Frage gestellt wird vermutet werden kann, dass sie eine Lösung
haben" (Kuhn, T.S. 1976, S.51). Andere Probleme, die nicht zu dem Rüstzeug des
bestehenden Paradigmas passen, werden außer acht gelassen oder schlichtweg in
ihrem Wesen als Problem gar nicht erkannt.
Da nun die Welt und damit auch die Betätigungsfelder einer Wissenschaft in
höchstem Masse komplex sind, muss der Wissenschaftler ,,... das jeweils behandelte
Problem auf einen praktikablen Umfang reduzieren. Die damit verbundene Auslese
wird von dem augenblicklich vorherrschenden Paradigma bestimmt. Auf diese Weise
kann nicht vermieden werden, dass ein ganz bestimmtes Überzeugungssystem in
die Forschung" und damit auch in die Ergebnisse ,,einfließt" (Grof, S. 1998a,
S.14).
Weiter führt Grof aus: ,,Die Relativität eines jeden Paradigmas aber unabhängig
davon, wie zeitgemäß oder überzeugend es formuliert sein mag sollte vom
Wissenschaftler deutlich erkannt werden und von ihm nicht mit der Wahrheit über die
Wirklichkeit verwechselt werden" (Grof, S. 1998a, S.14). Mit Bezug darauf ist jedoch
zu betonen, dass es nicht ausreichend ist, ein Paradigma in eine bloße Theorie
5
umzudeuten, um in unausgegorenem Impetus den Kosmos neu auszulegen.
"Paradigmen sind ... zuerst und vor allem ... neue Techniken..., Methoden der
Erschließung neuer Daten auf dem jeweiligen Gebiet" (Wilber, K. 2001, S.341).
1.2. Die Entstehung eines neuen Paradigmas
Die Arbeit von Kuhn hat gezeigt, dass die Entwicklung der Wissenschaften dem
eingangs angeführten Irrglauben eines geradlinigen Anwachsens an Wissen
widerspricht. Die Geschichte der Wissenschaft hat vielmehr zyklischen Charakter mit
bestimmten Stufen und eigener Dynamik, die eigenen Gesetzen folgt.
Die normale Wissenschaft beschäftigt sich mit dem Lösen von Rätseln, deren
Ergebnisse schon bekannt sind. Im Vordergrund steht der Weg zur Lösung. Die
normale Wissenschaft betreibt also eine gewaltige Ansammlung von Daten, um
Zusammenhänge, die gemeinhin dem herrschenden Paradigma entsprechen und als
real anerkannt werden, zu erklären und die erlebte Wirklichkeit zu vermessen und sie
dem Paradigma anzupassen. Somit schafft sie nichts wirklich Neues.
Neue Entdeckungen können entsprechend nur gemacht werden, wenn die auf dem
aktuellen Paradigma basierenden Vorannahmen sich als unpassend erweisen. Eine
neue Theorie verlangt demzufolge eine Modulation des Paradigmas und kann nicht
als bloße Ergänzung bestehenden Wissens gesehen werden. Eine solche
Veränderung kann sich auf ein sehr kleines spezielles Wissensfeld beziehen oder
aber auch weitreichende Konsequenzen haben wie z.B. der Übergang vom
geozentrischen zum heliozentrischen Weltbild oder von der Newtonschen zur
Einsteinschen Physik. Ein solcher Wandel führt zu einer neuen Ausrichtung
wissenschaftlicher Arbeit und zur Definition neuer Probleme.
Allerdings wird ein Paradigma nicht beim ersten Auftreten wissenschaftlicher
Anomalien aufgegeben. Es bedarf eines wiederholten Auftretens und einer Häufung
solcher Anomalien und zudem eines neues Paradigmas, dass diese erklären kann.
Erst dann wird das alte Paradigma aufgegeben.
In einer Phase der Wissenschaft, die durch eine Häufung solcher Ungereimtheiten
geprägt ist, setzt die sogenannte außerordentliche Wissenschaft ein. ,,Die
Wissenschaftler öffnen sich philosophischen Überlegungen und sind bereit, über
Grundsätze zu diskutieren eine Situation, die im Stadium der normalen Forschung
unvorstellbar ist" (Grof, S. 1998a, S.18). Der Übergang zum neuen Paradigma
schließlich erfolgt plötzlich, wie der Figur-Grund-Wechsel in der visuellen
Wahrnehmung.
6
1.3. Wider die Konsistenzbedingung
Der österreichische Philosoph Paul K. Feyerabend (1924 1994) bestreitet, dass es
Regelmäßigkeiten in der Wissenschaft gibt. Die Entwicklung der Wissenschaft sei
eine einzige Ansammlung von Irrtümern und verworfenen Theorien. In seiner
Wissenschaftstheorie fordert Feyerabend das Formulieren von Anti-Regeln. Diese
Regeln widersprechen der wissenschaftlichen Methode der Induktion, bei der vom
Speziellen auf das Allgemeine geschlossen wird. So widersprechen die erzeugten
Hypothesen entsprechend auch den gängigen anerkannten wissenschaftlichen
Theorien. Der sogenannten Konsistenzbedingung zufolge allerdings wiederspricht
dies dem Falle, eine gültige Hypothese formulieren zu können. ,,Auf diese Weise
schützt und bewahrt sie in der Regel die ältere Theorie, nicht die bessere" (Grof,
1998a, S.25). Die ausgeschlossene Theorie ist somit nicht falsch sondern nur nicht
kompatibel. Durch den Ausschluss solcher Hypothesen wird nach Grof die
Produktivität der Wissenschaft unnötig eingeschränkt. ,,Bestimmte Tatsachen können
gar nicht erst ohne Hilfe von Alternativen zu den etablierten Theorien ans Tageslicht
gebracht werden.
1.4. Was ist Mystik?
,,
Mystik
[
gr.-lat.-mlat.;
,,Geheimlehre"]
die;
-: besondere Form der Religiosität, bei der
der Mensch durch Hingabe u. Versenkung zu persönlicher Vereinigung mit Gott zu
gelangen sucht; (Duden. 1990, S.522)". Somit ist die Mystik eine geistige Richtung,
sich religiöse Inhalte mittels direkter Erfahrung anzueignen. Thomas von Aquino
definierte sie als erfahrungsmässige Gotteserkenntnis, als ,cognitio dei
experimentalis′.
,,Die Mystik verspricht eine tiefere Erkenntnis, als die gewöhnliche, ja die tiefste,
welche möglich ist. Aber die Absicht, sich vor den Ungeweihten in dunklen Räthseln
abzusperren, hat sie nicht" (Lasson, A. 2003, S.4). Insbesondere zeichnen sich
mystische Erfahrungen durch die Widersprüchlichkeit des Erlebens aus. Typisch sind
Erkenntnisse dieser Art: das Innen ist das Aussen, das Unendliche liegt im Endlichen
usf. Mystische Strömungen gibt es in allen Kulturen und Religionen.
1.4.1 Geltungskriterien der Mystik
,,Der große Wert der Arbeit Thomas Kuhns ... besteht unter anderem darin, dass er
auf die Bedeutung aufmerksam machte, die Injunktionen oder die tatsächlich geübte
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