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Form und Funktion der Modernisierung des Mythos Medea in Christa Wolfs "Medea. Stimmen"

Scholary Paper (Seminar), 2002, 19 Pages
Author: Astrid Behrens
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Event: Seminar für Deutsche Sprache und ihre Didaktik
Institution/College: University of Cologne (Erziehungswissenschaft)
Tags: Form, Funktion, Modernisierung, Mythos, Medea, Christa, Wolfs, Medea, Stimmen, Seminar, Deutsche, Sprache, Didaktik
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2002
Pages: 19
Grade: sehr gut
Language: German
Archive No.: V13516
ISBN (E-book): 978-3-638-19160-9
ISBN (Book): 978-3-638-78762-8
File size: 222 KB

Abstract

Der Mythos ‚Medea‘ wurde in der Vergangenheit vielfach von Autoren aufgegriffen und in der Literatur verarbeitet und ist somit der wohl von allen antiken Stoffen am häufigsten behandeltste, wie die Dichtungen eines Ennius, Ovid, Seneca, Corneille, F. M. Klinger, Grillparzer, Jahn und Anouilh beweisen. Auch Christa Wolf nimmt in ihrem Roman „Medea. Stimmen” Elemente des antiken Mythos ,Medea’ auf und variiert und verändert ihn. In der vorliegenden Arbeit soll diese Bearbeitung des Medea-Mythos bei Christa Wolf sowohl in ihren Veränderungen als auch in ihren Parallelen analysiert werden. Dazu wird es zunächst im ersten Kapitel notwendig sein, einen kurzen Überblick über die wichtigsten Handlungselemente des Medea Mythos zu geben. Grundlage des ersten Kapitels und damit der gesamten Analyse wird der Medea-Mythos nach Euripides sein, da dieser den ursprünglichen Mythos als erster zusammenfassend erzählt hat. Auf dieser Vorlage soll anschließend analysiert werden, welche Veränderungen Christa Wolf für ihre Version der ,Medea‘ vornimmt und inwiefern Parallelen zum ursprünglichen Medea-Mythos zu ziehen sind. Dies wird anhand von ausgewählten Handlungen und Beziehungen dargestellt, um schließlich auch Medeas Schuldfrage klären zu können. Anschließend soll in einem weiteren Kapitel die aktuellen Thematik in Christa Wolfs Werk thematisiert und diskutiert werden. Interessant wird dabei sein, zu sehen, welche möglichen zeitgenössischen Probleme Christa Wolf mit dieser weit zurückliegenden Figur aufzeigen will. Abschließend erfolgt eine kurze Zusammenfassung der Analyse und Ergebnisse dieser Arbeit sowie ein Ausblick auf mögliche andere Analysepunkte in Christ Wolfs „Medea. Stimmen“.


Excerpt (computer-generated)


FORM UND FUNKTION DER MODERNISIERUNG
DES MYTHOS MEDEA IN: CHRISTA WOLFS MEDEA. STIMMEN

 

 

 

 

Astrid Behrens

Inhaltsverzeichnis

I. EINLEITUNG 2

II. ZUR MEDEA-FIGUR IN DER ANTIKE – MYTHISCHE GRUNDLAGEN BEI EURIPIDES 2

III. VERÄNDERUNGEN UND PARALLELEN IN DER DARSTELLUNG DER MEDEA-FIGUR BEI CHRISTA WOLF 3

1. Medeas Motiv zur Flucht 4
2. Medeas Beziehung zu Glauke 5
3. Die Rolle Kreons 6
4. Die Frage nach Medeas Schuld 8

IV. AUSGEWÄHLTE ASPEKTE DER AKTUELLEN THEMATIK DES VORLIEGENDEN WERKES 10

1. Das Sündenbock Phänomen 11
2. Streben nach Macht 13

V. SCHLUSSBEMERKUNG 14

VI. LITERATURVERZEICHNIS 16

 

 


I. EINLEITUNG

Der Mythos ‚Medea‘ wurde in der Vergangenheit vielfach von Autoren aufgegriffen und in der Literatur verarbeitet und ist somit der wohl von allen antiken Stoffen am häufigsten behandeltste, wie die Dichtungen eines Ennius, Ovid, Seneca, Corneille, F. M. Klinger, Grillparzer, Jahn und Anouilh beweisen.1

Auch Christa Wolf nimmt in ihrem Roman ,,Medea. Stimmen” Elemente des antiken Mythos ,Medea’ auf und variiert und verändert ihn. In der vorliegenden Arbeit soll diese Bearbeitung des Medea-Mythos bei Christa Wolf sowohl in ihren Veränderungen als auch in ihren Parallelen analysiert werden.

Dazu wird es zunächst im ersten Kapitel notwendig sein, einen kurzen Überblick über die wichtigsten Handlungselemente des Medea Mythos zu geben. Grundlage des ersten Kapitels und damit der gesamten Analyse wird der Medea-Mythos nach Euripides2 sein, da dieser den ursprünglichen Mythos als erster zusammenfassend erzählt hat. Auf dieser Vorlage soll anschließend analysiert werden, welche Veränderungen Christa Wolf für ihre Version der ,Medea‘ vornimmt und inwiefern Parallelen zum ursprünglichen Medea-Mythos zu ziehen sind. Dies wird anhand von ausgewählten Handlungen und Beziehungen dargestellt, um schließlich auch Medeas Schuldfrage klären zu können.

Anschließend soll in einem weiteren Kapitel die aktuellen Thematik in Christa Wolfs Werk thematisiert und diskutiert werden. Interessant wird dabei sein, zu sehen, welche möglichen zeitgenössischen Probleme Christa Wolf mit dieser weit zurückliegenden Figur aufzeigen will.3

Abschließend erfolgt eine kurze Zusammenfassung der Analyse und Ergebnisse dieser Arbeit sowie ein Ausblick auf mögliche andere Analysepunkte in Christ Wolfs „Medea. Stimmen“.

I. ZUR MEDEA-FIGUR IN DER ANTIKE – MYTHISCHE GRUNDLAGEN BEI EURIPIDES

Der Medea-Mythos ist in den letzten zwei Jahrtausenden immer wieder neu erzählt und literarisch bearbeitet worden. Charakteristisch ist dabei, dass es zu Beginn oft nur bruchstückhafte, teilweise widersprüchliche Überlieferungen gab. Erst Euripides hat mit seiner Tragödie diesen Mythos zu einer übersichtlichen Handlung zusammen gefasst. Er übernahm die Grundzüge des Mythos Medea in seine Tragödie und integrierte einige neue Elemente. So hat er die „Gestalt und [den] Mythos zu dem gemacht [...], wofür die Medea heute bekannt ist.“4

Ausgangspunkt der Tragödie bei Euripides ist, dass die zauberkundige Medea, aus leidenschaftlicher Liebe zu Jason, aus ihrer Heimat Kolchis nach Korinth flieht, nachdem sie Jason geholfen hat, das goldene Vlies von ihrem Vater zu stehlen. Doch dadurch begeht sie Verrat an ihrem Vater und Bruder. Zudem wird ihr vorgeworfen, letzteren sogar getötet und durch ihre Zauberkräfte den Rachemord an Pelias, Jasons Onkel, herbeigeführt zu haben.

In Korinth wird Medea jedoch von Jason verlassen, der Glauke, die Tochter des Königs heiraten will, um so seine Existenz zu sichern. Aus diesem Grund wird Medea eine von Hass erfüllte, grausame Frau, die sich durch Betrug und List an ihrem Mann rächen will. Mit scheinbar aufrichtiger Freude lässt sie der zukünftigen Braut ein festliches Kleid überbringen. Dieses ist jedoch von Medea verzaubert und tötet Glauke und ihren zur Hilfe eilenden Vater Kreon durch Gift und Feuer auf qualvolle Weise. Diese Grausamkeiten aus rasender Eifersucht finden ihren Höhepunkt, als Medea zur Mörderin ihrer eigenen Kinder wird, um sich an Jason zu rächen. Um diesen grausamen Mord in Erinnerung zu halten, stiftet sie ein Opferfest und trägt somit selbst zur Festigung des Mythos bei.5

Diese beiden wichtigen Handlungselemente, Medea als Kindesmörderin und der Mord Medeas an Glauke wurden von Euripides neu eingefügt und sind weitgehend unhinterfragte feste Bestandteile des ;Mythos Medea‘ geworden.6

II. VERÄNDERUNGEN UND PARALLELEN IN DER DARSTELLUNG DER MEDEA-FIGUR BEI CHRISTA WOLF

[...]


1 vgl.: Beck, Jan-Wilhelm: Euripides ‚Medea’: Dramatisches Vorbild oder misslungene Konzeption? In: Nachrichten der Akademie der Wissenschaften in Göttingen I. Historische Klasse 1998. S. 11ff. (künftig zitiert: Beck, Jan-Wilhelm)
2 Euripides: Medea. Tragödie. Übersetzung von J. J. C. Donner. Stuttgart: Reclam 1972. (=Reclams Universalbibliothek, Nr. 849) (künftig zitiert: Euripides: Medea).
3 vgl.: Warum Medea? Christa Wolf im Gespräch mit Petra Kammann am 25.1.1996. In: Christa Wolfs Medea. Voraussetzungen zu einem Text. Mythos und Bild. Hg. v. Marianne Hochgeschurz. Berlin: Janus press 1998. S. 49. (künftig zitiert: Warum Medea?).
4 Beck, Jan-Wilhelm: S.3.
5 vgl.: Euripides: Medea S. 5-56.
6vgl.: Roser, Birgit: Mythenbehandlung und Kompositionstechnik in Christa Wolfs "Medea. Stimmen“. Münchener Studien zur literarischen Kultur in Deutschland, 32. Frankfurt am Main [u.a.]: Lang 2000. S. 53. (künftig zitiert: Roser, Birgit: Mythenbehandlung)


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