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Das Tempus- und Aspektsystem im Deutschen und Türkischen

Untertitel: Versuch einer konfrontativen Untersuchung am Beispiel der Vergangenheitsformen

Doktorarbeit / Dissertation, 2003, 246 Seiten
Autor: Muzaffer Malkoc
Fach: Sprachwiss. / Sprachforschung (fachübergreifend)

Details

Kategorie: Doktorarbeit / Dissertation
Jahr: 2003
Seiten: 246
Note: gut
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V135203
ISBN (E-Book): 978-3-640-42792-5
ISBN (Buch): 978-3-640-42287-6

Zusammenfassung / Abstract

In der Arbeit habe ich versucht, das Tempus- und Aspektsystem im Deutschen und Türkischen zu formulieren. Die Untersuchung ist konfrontativ und umfasst drei Teile. Der erste Teil enthält die theoretische Grundlage zur Analyse dieser Arbeit. Im Hinblick auf die theoretischen Voraussetzungen wird versucht, zu klären, was man unter 'Tempus' 'Aspekt' und 'Aktionsart' verstehen soll und wie sie systematisch beschrieben werden. Das erste Kapitel beschäftigt sich vor allem mit Tempuskategorien im Deutschen. Im Rahmen des deutschen Tempussystems soll gezeigt werden, wie die Kategorien 'Tempus', 'Aspekt' im Deutschen realisiert werden. Dabei wird versucht, die Aspektkategorie gegen die Tempuskategorie sowie gegen die Aktionsarten abzugrenzen, um die terminologische Vielfalt überschaubar zu machen. Im Anschluss daran folgt die semantische Untersuchung der drei deutschen Vergangenheitsformen im Indikativ. Im Rahmen der Vergangenheitsformen, die auf Präteritum, Perfekt und Plusquamperfekt beschränkt sind, wird versucht, eine einheitliche Grundbedeutung für jede Tempusformen zuzuschreiben und sie dabei abzugrenzen. Der zeite Teil der Untersuchung bezieht sich auf das Tempus- Aspektsystem des Türkischen. Es wird zunächst auf die Tempus- und Aspektproblematik eingegangen und darauf hingewiesen, welche von Tempuskategorien als Tempus bezechnet werden sollen. Daran anschließend folgt die semantische Analyse der Vergangenheitsformen im Türkischen. Es wird versucht, jedem Tempus eine einheitliche Bedeutung zuzuschreiben. Da viele der Vergangenheitstempora ähnliche Bedeutungen haben, werden sie kontrastierend dargestellt. Der dritte Teil bringt die Konfrontierung dieser Teilsysteme der beiden Sprachen und bewertet die Ergebnisse der Untersuchung, indem authentische Texte, die zweisprachig erschienen, in die Analyse eingezogen werden.


Textauszug (computergeneriert)

Muzaffer MALKO

DAS TEMPUS- UND ASPEKTSYSTEM

IM DEUTSCHEN UND TÜRKISCHEN

Versuch einer konfrontativen Untersuchung

am Beispiel der Vergangenheitsformen

Inaugural-Dissertation

zur Erlangung des akademischen Grades

der Neuphilologischen Fakultät

der Ruprecht-Karls-Universität

Heidelberg

Gutachter:

Prof. Dr. Christiane von Stutterheim

Prof. Dr. Wolfgang Klein


1

Vorwort

Die vorliegende Arbeit wurde im Jahre 2003 von der Neuphilologischen Fakultät der

Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg als Dissertation angenommen. Sie soll zum besseren

Verständnis des Tempus- und Aspektsystems des Deutschen und Türkischen beitragen.

Mein besonderer Dank gilt vor allem meiner Doktormutter Frau Prof. Dr. Christiane von

Stutterheim, die diese Arbeit anregte und mich während ihrer Abfassung durch methodische

Kritik und menschliches Verständnis in reichem Maße unterstützte. Danken möchte ich

weiterhin Herrn Prof. Dr. Wolfgang Klein, der lebhaften Anteil an der Entstehung dieser Arbeit

nahm und bei persönlichen Gesprächen wertvolle Hinweise gab.

An dieser Stelle danke ich auch gPHU$OL6D÷ODPGHUPLUEHLGHU(UVWHOOXQJGHU′UXFNIDVVXQJ

dieser Dissertation mitgeholfen hat.

Heidelberg, den 10.08.2009

Muzaffer Malkoç


2


INHALTSVERZEICHNIS

EINLEITUNG 5

0.1 Gegenstand und Ziel der vorliegenden Arbeit 7

0.2 Theoretischer Hintergrund 8

Kapitel 1

TEMPUS UND ASPEKT

1.1 Problemstellung 11

1.2 Tempus 12

1.2.1 Begriffliche Darstellung des Tempus 12

1.2.2 Tempus und Zeit 12

1.2.3 Tempussystem im Deutschen 16

1.2.4 Zur Relation von Tempus und Zeit 20

1.2.5 Tempusbedeutung nach Klein 26

1.2.6 Zusammenfassung 30

1.3 Aspekt 32

1.3.1 Vorbemerkungen 32

1.3.2 Problematik und Definition der Kategorie Aspekt 33

1.3.3 Untergliederung der Kategorie Aspekt 40

1.3.4 Aspektsprachen 45

1.3.5 Aspekt im Deutschen 50

1.4 Temporaladverbiale 57

1.4.1 Positionale Adverbiale 58

1.4.2 Durativadverbiale 59

1.4.3 Frequenzadverbiale 60

1.4.4 Temporaladverbien und die Spezifizierung der Zeitparameter 60

1.5 Aktionsarten 62

1.6 Abgrenzung von Tempus, Aspekt und Aktionsart 73

1.7 Zusammenfassung 75


3

Kapitel 2

DIE VERGANGENHEITSTEMPORA IM DEUTSCHEN

2.1 Einleitung 77

2.2 Das Präteritum 78

2.3 Die Perfektformen 92

2.3.1 Das einfache Perfekt 92

2.3.2 Das Plusquamperfekt 110

2.4 Zusammenfassung 115

Kapitel 3

DAS TEMPUS- und ASPEKTSYSTEM IM TÜRKISCHEN

3.1 Problemstellung und Forschungsstand 117

3.2 Überblick über das türkische Verbsystem 119

3.2.1 Allgemein zur Struktur des Türkischen 119

3.2.2 Tempusbildung 122

3.2.3 Nominalformen mit Kopula 135

3.2.4 Tempuskategorien 140

3.2.5 Verbalaspekt im Türkischen 145

3.3 Verwendungsweisen der wichtigsten Tempusformen 148

3.3.1 Die Präsensformen 148

3.3.1.1 Präsens auf

yor

148

3.3.1.2 Präsens auf

ir

150

3.3.2 Die Vergangenheitsformen 152

3.3.2.1 Vergangenheit auf

di

152

3.3.2.2 Vergangenheit auf

PLú

152

3.3.2.3 Vergangenheit auf

yordu

153

3.3.2.4 Vergangenheit auf

irdi

154

3.3.2.5 Plusquamperfekt auf

PLúWL

/

diydi

154


4

3.3.3 Die Futurformen 155

3.3.3.1 Futur auf

ecek

155

3.3.3.2 Futur auf

ecekti

155

3.4 Semantische Darstellung der türkischen Einheiten 157

3.5 Die Vergangenheitsformen 159

3.5.1 Die Perfektformen 161

3.5.1.1

di

-Vergangenheit 162

3.5.1.2

PLú

-Vergangenheit 167

3.5.1.2.1

PLúWLU

-Form 180

3.5.1.2.2

PLúPLú

-Form 184

3.5.2 Die Imperfekta 186

3.5.2.1 Imperfekt auf

yordu

186

3.5.2.2 Imperfekt auf

irdi

191

3.5.3 Die Plusquamperfektformen 194

2 5.3.1 Plusquamperfekt auf

PLúWL

195

2.5.3.2 Plusquamperfekt auf

diydi

199

3.6 Zusammenfassung 205

Kapitel 4

EIN

VERGLEICH DES TEMPUSGEBRAUCHS

4.1 Die Verwendung in bestimmten Texttypen 209

4.2 Ein Vergleich der Tempusformen in Übersetzungen 219

4.2.1 Erzählungen 220

4.2.2 Interviews 224

4.2.3 Nachrichtentexte 225

4.3 Abschließende Bemerkungen 229

Literaturverzeichnis

Quellen sprachlicher Belege


5

EINLEITUNG

... The syllables be said and said again

Time shall belong to man

Dylan Thomas

Die vorliegende Arbeit ist eine konfrontative Untersuchung eines wesentlichen Bereichs der

deutschen und der türkischen Grammatik. Aus der Sprachwissenschaft wissen wir, dass es sich

die kontrastive Linguistik zur Aufgabe macht, im Allgemeinen die Unterschiede und

Gemeinsamkeiten zweier oder mehrerer Systeme festzustellen. Wir wollen in dieser Arbeit vor

allem das Tempus- und Aspektsystem der beiden Sprachen miteinander vergleichen und dabei

versuchen, sowohl das Abweichende als auch das Gemeinsame in Bezug auf die

Vergangenheitsformen aufzuzeigen. Eine solche vergleichende Analyse bringt allerdings

verschiedene Probleme mit sich. Das wichtigste, welches bei einer kontrastiven Analyse des

Deutschen und Türkischen zu nennen ist, wird von Jörg (1977:289) angesprochen:

Besondere Schwierigkeiten der KSA [kontrastiven Sprachanalyse] des Deutschen und

Türkischen liegen, wie mehrfach erwähnt, einmal in der ungleichen Quantität und

Qualität der linguistischen Beschreibungen, die für beide Sprachen vorliegen, auch im

ungleichen Entwicklungsstand der Sprachtheorie in den betreffenden Sprachgebieten,

sodann in der Gerichtetheit der praktischen Anwendbarkeit, d. h. der Verwendung der

Ergebnisse der KSA für Zwecke des Fremdsprachenunterrichts und schließlich in der

spezifischen Situation des Türkischen als einer Sprache im Übergang.

Ein weiteres Problem rührt daher, dass diese Sprachen zu verschiedenen Sprachfamilien

gehören und somit keinerlei genetische und sehr wenig strukturelle Verwandtschaft zueinander

aufweisen: Das Deutsche ist eine indogermanische und das Türkische hingegen eine altaische

Sprache. Wenn man ein Funktionssystem konfrontativ betrachtet, dann lässt sich feststellen,

dass es in der Regel Funktionen enthält, die in dem anderen System ihre genauen oder

ungefähren Entsprechungen haben; daneben auch solche, die dem anderen System fremd sind.

Infolgedessen ist zu erwarten, dass die beiden Sprachen die logischen Beziehungen

unterschiedlich kategorisieren und damit die existierenden Formen in jeden einzelnen Sprachen


6

gleichzeitig mehrere Bedeutungsnuancen ausdrücken. Für den in dieser Arbeit analysierten

Bereich scheint es eine Tendenz zu geben, dass etwa

relative

Zeit und Aspekt, oder

absolute

Zeit und Aspekt, Futurum und Modus usw. zusammenspielen.

Obwohl das Türkische im Hinblick auf die Tempora von der deutschen Sprache deutlich

abweichende Strukturen aufweist, möchten wir einen Versuch machen, das türkische

Tempussystem bzw. die Tempusformen in ihrer Grundbedeutung systematisch kontrastiv zum

deutschen darzustellen. Dabei muss man davon ausgehen, dass die inhaltlichen Kategorien

einer jeden Sprache und die Struktur der bestimmten Einheiten als für jedes Sprachsystem

verschieden anzunehmen sind, obwohl die Kategorien in manchen Sprachen mit gleichen

Termini bezeichnet werden. Was die kontrastive Analyse erleichtert, ist Lehmanns (1992)

Feststellung, die lautet, dass es trotz der Verschiedenheit der Aspekt- und Tempus-Systeme in

den Sprachen der Welt viele typologische Übereinstimmungen gibt, auch zwischen Systemen

von Sprachen verschiedener Herkunft. Darüber hinaus können auch die Kategorien

verschiedenen Typs im Text äquivalente Funktionen haben. Dies begründet Lehmann, bezogen

auf das Englische, Russische und Deutsche, durch zwei Beispielssätze:

(1)

She was smoking. And reading the letter.

2QDNXULOD,þLWDODSLV¶PR

Sie rauchte. Und las den Brief.

(2)

She opened the letter and sat down.

Ona otkryla pis′mo i sela.

Sie öffnete den Brief und setzte sich hin.

In den Sätzen unter (1) werden zeitlich parallele Verläufe verstanden, in den Sätzen unter (2)

zeitlich aufeinanderfolgende Ereignisse. Zudem ist erkennbar, dass sich der Unterschied

zwischen zeitlichem Parallelismus und Sequenz auch im Deutschen ergibt. Die funktionale

Äquivalenz beruht hier auf der Verlaufsfunktion (1) bzw. Ereignisfunktion (2). Der wichtigste

Unterschied des Deutschen zum Englischen und Russischen besteht darin, dass das

Standarddeutsche nicht mit grammatischen Mitteln zwei Partner eines einzigen Lexems

unterscheiden kann, während dies in den beiden anderen Sprachen ­ mit gewissen Ausnahmen

­ möglich ist.


7

0.1 Gegenstand und Ziel der vorliegenden Arbeit

In der vorliegenden Arbeit geht es um verschiedene Verbalkategorien des Deutschen und des

Türkischen wie Tempus, Aspekt, Aktionsart und Modus; diese Kategorien sind intensiv

erforscht worden, ohne dass es bis jetzt zu einem einheitlichen Bild gekommen wäre. Ihre

Analyse zählt zu den schwierigsten Problemen der Sprachwissenschaft überhaupt. Nicht zuletzt

ihr Zusammenspiel in einer Sprache wirft eine Reihe bislang ungelöster Fragen auf.

Nicht alle hier erwähnten Kategorien sind Gegenstand der Untersuchung; der zentrale

Gegenstand der vorliegenden Arbeit sind nur die erst genannten zwei Kategorien. Andere, mit

dem Aspekt zusammenhängende Kategorien, die Aktionsarten, werden hier mitberücksichtigt,

soweit es für eine adäquate Beleuchtung der Aspektkategorie notwendig erscheint. Außerhalb

der Betrachtung bleibt das Modalsystem der beiden Sprachen. Der Modus ist auch wie das

Tempus eine grammatische Kategorie, die in den Vergleichssprachen obligatorisch in der

Flexion eines jeden finiten Verbs bestimmt wird, aber auch (zusätzlich oder alternativ) durch

lexikalische Mittel ausgedrückt werden kann. Der Terminus

Modus

findet in unterschiedlichen

Ebenen Verwendung, ist daher sehr umfassend und komplex. Eine eingehende Erörterung und

Klärung des semantischen Feldes der Modalität ist im Zusammenhang mit dem Tempus

schwierig und würde eine eigene Arbeit erfordern.

Das Ziel dieser Arbeit ist es, das Tempus- und Aspektsystem des Deutschen und des

Türkischen in Bezug auf die Vergangenheitsformen darzustellen. Es geht in erster Linie darum,

die Bedeutungen der Tempusformen der jeweiligen Sprachen zu klären und dann miteinander

zu vergleichen. Zu fragen wäre freilich, ob sich überhaupt eine einzige Grundbedeutung der

Tempusformen der Vergleichssprachen ermitteln lässt. Zwar ist auch im Bereich der

Grammatik der Fall nicht auszuschließen, dass einer Tempusform mehrere

Tempusbedeutungen zugeordnet werden, wir hoffen jedoch, zeigen zu können, dass im Bereich

der Tempora kein Fall von Polysemie vorkommt, und dass jedes Tempus eine eigene,

einheitliche Bedeutung besitzt. Besondere Schwierigkeiten sind bei der Darstellung der

Tempusbedeutungen dadurch zu erwarten, dass einige Tempusformen verschiedene zeitliche

Perspektiven aufweisen, welche während der Untersuchung festzustellen und zu beschreiben

sind. In diesem Zusammenhang muss deutlich zwischen den Formen und Bedeutungen

unterschieden werden, da die Tempusformen mit den Inhalten der ihnen zugewiesenen

Zeitstufen (wie Gegenwart, Vergangenheit, Zukunft) nicht immer übereinstimmen. So z. B.

bezieht sich die Formkategorie

Präteritum

auf die sprachliche Begriffskategorie


8

Vergangenheit

. Auf die Kategorie der Vergangenheit können aber mehrere Tempora bezogen

werden wie z. B. Präteritum, Perfekt oder Präsens. Trotzdem wäre es falsch, die Funktionen der

genannten Tempusformen gleichzusetzen.

0.2 Theoretischer Hintergrund

Wenige Forschungsgebiete in der Sprachwissenschaft sind in der letzten Zeit so intensiv

bearbeitet worden wie gerade das Tempus, insbesondere unter semantischen Aspekt. Um

Tempus und Aspekt im Zusammenhang semantisch darzustellen, finden sich in der Literatur

zahlreiche Ansätze, die sich durch verschiedene Herangehensweisen und Terminologien

unterscheiden. Die Mehrheit der Tempusbeschreibungen stützt sich im Ausgangspunkt auf

Reichenbach (1947), auf dessen Ansatz wir im Verlauf der Arbeit auch eingehen werden. In der

vorliegenden Arbeit soll eine Analyse der Tempus- und Aspektsysteme vorgestellt werden. Es

werden also theoretische Kategorien benötigt, die es erlauben, temporale und aspektuelle

Bedeutung von Verbformen gleichermaßen zu beschreiben. Dies kann nur unter

Berücksichtigung der verschiedenen Temporalangaben erfolgen. Einen solchen integrativen

theoretischen Rahmen sehen wir in den Arbeiten von W. Klein, den wir deshalb unseren

Analysen zugrunde legen werden.

Klein weist zunächst darauf hin, dass man den Bedeutungsgehalt eines Wortes oder einer

Wortform oft sehr gut verdeutlichen kann, wenn man es durch kontrastive Betonung zu anderen

Wörtern in Gegensatz setzt ­ ein Gedanke, der letzten Endes auf die strukturelle Linguistik

Saussures zurückgeht: der Bedeutungsbeitrag eines Wortes ist durch seinen Kontrast zu

anderen Wörtern in derselben Sprache bestimmt. Durch eine Verbform wie z. B.

KLAUTE

1 in

dem Satz

(3) Hans

KLAUTE

das Brot

wird zumindest ein dreifacher Gegensatz markiert:

- ein im engeren Sinne lexikalischer:

KLAUTE

im Gegensatz zu

kaufte

,

stahl

,

verschenkte

,

usw.

- ein deiktisch-relationaler:

KLAUTE

im Gegensatz

klaut

,

wird klauen

, usw.

1 Großschreibung einer Verbform zeigt kontrastive Betonung an.


9

- einer, der sich auf den Status der Behauptung bezieht: (3) kann benutzt werden, um die

gegenteilige Behauptung

Hans klaute das Brot nicht

zu bestreiten.

Diese drei Bedeutungskomponenten bezeichnet Klein als die

deskriptive

, die

temporale

und die

assertative

. Die Verbform

klaute

in (3) verbindet einen

finiten

und einen

infiniten

Bestandteil,

die morphologisch zu einer Form verschmolzen sind. Wenn beide Bestandteile formal getrennt

sind, etwa in

(4) Hans

HAT

das Brot geklaut

so wird deutlich, dass die deskriptive Bedeutungskomponente mit dem infiniten Teil, temporale

und assertative Bedeutungskomponente aber mit dem finiten zusammenhängt. Wenn der finite

Teil

HAT

kontrastiv betont ist, so besteht der temporale und der assertative Gegensatz, nicht

aber der deskriptive. Hierzu müsste man

GEKLAUT

kontrastiv betonen. Die beiden Teile

werden hier als

FIN

und als

INF

bezeichnet. Zu ersterer zählen, wie gesagt, Tempus (im

unmittelbaren Sinne der deiktischen Relation) und Assertion; zu letzterer die im engeren Sinne

lexikalische ­ die

deskriptive

Bedeutung, aber auch die besonderen Rektionseigenschaften des

betreffenden Verbs (etwa, dass

klauen

ein Objekt im Akkusativ verlangt). Etwas schematisch:

klaute

FIN INF

Tempus Assertion (Modalität, ...) deskriptiver Gehalt Rektion

Diese Unterscheidung der semantischen Bestandteile des finiten Verbs erlaubt uns eine

vergleichsweise einfache Analyse von Tempus und Aspekt. Die Grundidee ist, dass sowohl für

FIN

wie für

INF

eine ihnen zugeordnete Zeitspanne, kurz

FIN-Zeit

und

INF-Zeit

, anzunehmen

ist. Die INF-Zeit ist die Zeit dessen, was von INF ausgedrückt wird, in (3) also die Zeit des

Klauens. Die FIN-Zeit ist jene Zeit, für die eine Assertion gemacht wird. Das jeweilige Tempus

gibt an, ob diese

Assertionszeit

,

also die Zeit, auf die die Assertion beschränkt ist, vor der

Sprechzeit, nach der Sprechzeit oder um die Sprechzeit liegt. Das Tempus an sich sagt also gar

nichts darüber, ob das Ereignis selbst vor, nach oder um die Sprechzeit herum liegt. Dazu muss

die INF-Zeit, also die Zeit des Geschehens selbst, zur FIN-Zeit in Beziehung gesetzt werden,



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