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Subtitle: Perspektiven einer Innovation
Scholarly Essay, 2008, 68 Pages
Author: Liam Hopewell
Subject: Technology
Details
Tags: Brooklyn Bridge, Niagara Bridge, Hängebrückenbau, Brückenbau, Brückenbau in den USA, Geschichte Brückenbau, Technikgeschichte, Drahtseil, Johann Röbling, John Roebling, Innavationen im Brückenbau, Washington Roebling, Emily Warren Roebling, New York, Liam Hopewell
Year: 2008
Pages: 68
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-43200-4
ISBN (Book): 978-3-640-46092-2
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Abstract
Die Brooklyn Bridge wurde zu Anfang für eine Träumerei gehalten, für eine Konstruktionsidee, die auf Grund der unglaublichen Spannweite von über 450 Metern überhaupt nicht realisierbar schien. Doch als Johann August Röbling 1857 seine ersten Pläne für eine Brücke über den East River vorstellte, errechnete dieser bereits, dass durch seine angewandte und erprobte Technik des Hängebrückenbaus, in Verbindung mit den richtigen Baumaterialien, nicht nur diese, sondern noch weit aus größere Spannweiten möglich waren. Den Beweis für seine Theorie wollte er mit der Brooklyn Bridge erbringen. Er wollte, wie er selbst in seinem Bericht von 1867 an die Brückenbau-Gesellschaft schrieb, eine Brücke bauen, die die größte und schönste Brücke aller Zeiten werden sollte und die zugleich die größte Ingenieursleistung des Kontinents und aller Zeiten darstellen würde. Im Jahre 1883 wurde die Brooklyn Bridge schließlich eröffnet und Johann Roeblings Vision schien Wirklichkeit geworden zu sein – die Zeitungen betitelten die Brücke als das „8. Weltwunder“ und brachten die East River Bridge (so wie die Brooklyn Bridge zu jener Zeit genannt wurde) in Vergleich mit den Pyramiden Ägyptens und der Akropolis in Athen. Johann Roebling jedoch war bereits 1869 gestorben und hatte den ersten Spatenstich ‚seiner‘ Brücke nicht mehr miterlebt. Erbaut worden war sie in den Jahren zwischen 1870 und 1883 von seinem ältesten Sohn Washington A. Roebling nach den Entwürfen seines Vaters und von zwei Städten für die die Brücke in dieser Zeit zu einer Nervenprobe geworden war. Folgende Fragen sind nun an diesem Punkt zu stellen: Was war so besonders an der Brooklyn Bridge? Was ermöglichte es den Roeblings, den zuvor für unüberbrückbar gehaltenen East River mit einer Hängebrücke zu überspannen? Welche besonderen Ideen steckten in der Brückenkonstruktion?
Excerpt (computer-generated)
LIAM HOPEWELL
Roeblings
Brooklyn Bridge
Perspektiven einer Innovation
Bochum 2008
Technik-
Geschichte
Neuzeit
Inhaltsverze
z ichnis
Roeblings Brooklyn Bridge Perspektiven einer Innovation
Fragestellung
Die Brooklyn Bridge wurde zu Anfang für eine Träumerei
gehalten, für eine Konstruktionsidee, die auf Grund der
unglaublichen Spannweite von über 450 Metern überhaupt
nicht realisierbar schien. Doch als Johann August Röbling
1857 seine ersten Pläne für eine Brücke über den East River
vorstellte, errechnete dieser bereits, dass durch seine
angewandte und erprobte Technik des Hängebrückenbaus, in
Verbindung mit den richtigen Baumaterialien, nicht nur diese,
sondern noch weit aus größere Spannweiten möglich waren.
Den Beweis für seine Theorie wollte er mit der Brooklyn
Bridge erbringen. Er wollte, wie er selbst in seinem Bericht
von 1867 an die Brückenbau-Gesellschaft schrieb, eine
Brücke bauen, die die größte und schönste Brücke aller
Zeiten werden sollte und die zugleich die größte
Ingenieursleistung des Kontinents und aller Zeiten darstellen
würde.1
Im Jahre 1883 wurde die Brooklyn Bridge schließlich eröffnet
und Johann Roeblings Vision schien Wirklichkeit geworden zu
sein die Zeitungen betitelten die Brücke als das ,,8.
Weltwunder" und brachten die East River Bridge (so wie die
1
Roebling, John August: Report of John A. Roebling, C.E., to the
president and directors of the New York Bridge Company, on the
proposed East River bridge, Brooklyn; N.Y. 1867, S. 3f, vorliegend
in digitalisierter Form:
http://digital.lib.lehigh.edu/cdm4/bridges_viewer.php?ptr=1599&vie
w=de, am 20.08.2008 um 14:57 Uhr. [Im Folgenden zitiert als:
Roebling, J.A.: Report].
1
Roeblings Brooklyn Bridge Perspektiven einer Innovation
Brooklyn Bridge zu jener Zeit genannt wurde) in Vergleich mit
den Pyramiden Ägyptens und der Akropolis in Athen.2
Johann Roebling jedoch war bereits 1869 gestorben und
hatte den ersten Spatenstich ,seiner` Brücke nicht mehr
miterlebt. Erbaut worden war sie in den Jahren zwischen
1870 und 1883 von seinem ältesten Sohn Washington A.
Roebling nach den Entwürfen seines Vaters und von zwei
Städten für die die Brücke in dieser Zeit zu einer Nervenprobe
geworden war.
Folgende Fragen sind nun an diesem Punkt zu stellen: Was
war so besonders an der Brooklyn Bridge? Was ermöglichte
es den Roeblings, den zuvor für unüberbrückbar gehaltenen
East River mit einer Hängebrücke zu überspannen? Welche
besonderen Ideen steckten in der Brückenkonstruktion?
Alleine aus diesen Fragen ergibt sich bereits die
Notwendigkeit die ,,Innovation Brooklyn Bridge" aus
mehreren Perspektiven zu betrachten. Wie bereits dargestellt
war es Washington Roebling, der letzten Endes die East River
Bridge baute. Doch er baute sie nach den Plänen seines
Vaters.
Diese Untersuchung möchte daher zuerst einen Blick auf das
Leben von Johann August Roebling werfen. Da von ihm die
Pläne für die Brücke stammen soll hier geschaut werden, wie
Johann Roebling seine Brückenbautechnik entwickelte,
welche Stationen sie durchlaufen hat und was seine
Bautechnik so innovativ machte. Hier heraus entwickeln sich
2
Haw, Richard: The Brooklyn Bridge. A Cultural History, New
Brunswick; u.a. 2005, S. 43. [Im Folgenden zitiert als: Haw:
Brooklyn Bridge].
2
Roeblings Brooklyn Bridge Perspektiven einer Innovation
weitere Betrachtungsoptionen. So kommt die Frage auf, was
die Basis für Johann Roeblings Ideen war?
Alleine zu schauen, woher die Innovationen für die Brooklyn
Bridge stammten reicht jedoch nicht aus. Wie noch zu zeigen
sein wird, ergibt sich mit Washington Roebling als
Chefingenieur der Brücke eine weitere Perspektive des Baus.
In über dreizehn Jahren Bauzeit ist es undenkbar, dass er die
Brücke allein basierend auf den Plänen seines Vaters hätte
errichten können. Washington Roebling selbst brachte eigene
Ideen in den Bau ein und veränderte zudem die
Originalpläne. Anhand einer exemplarischen Herausarbeitung
soll im zweiten Teil der Untersuchung aufgezeigt werden, wie
die Brücke tatsächlich konstruiert wurde und welche
Innovationen am Ende im wahrsten Sinne des Wortes zum
tragen kamen.
Diese Arbeit möchte daher neben weiteren Perspektiven die
Brooklyn Bridge im Hauptteil vor allem aus zwei Grund-
Perspektiven beleuchten: die Sicht des Planers und die des
Konstrukteurs.
Einleitend wird es nun aber wesentlich sein, die Brücke aus
der Perspektive der beiden involvierten Städte Brooklyn und
New York, welche die Brücke miteinander verbinden sollte,
zu betrachten.
3
Roeblings Brooklyn Bridge Perspektiven einer Innovation
Die Forderung nach einer Brücke
Im Jahre 1857 war die Vorstellung von einem, aus mehreren
umliegenden Städten primär aber den Städten New York
(bzw. Manhattan) und Brooklyn vereinten ,,New York City"
noch nicht denkbar. Ganz im Gegenteil schienen sich die
Städte New York und Brooklyn langsam aber sicher einen
Wettlauf zu bieten, denn die folgenden Jahre waren Jahre
energischer Expansion, die beide Städte zu den größten der
USA aufblähte.3 Die beiden Städte wuchsen dabei so rasant,
dass sie sich umliegende Gemeinden einverleibten und auch
über diese Gebiete hinaus weiterwuchsen.4
Dennoch war das Jahr 1857 der Beginn einer Vereinigung der
beiden größten Metropolen, denn im Juni diesen Jahres
richtete Johann August Roebling einen Brief an Abram S.
Hewitt, einem einflussreichen Geschäftsmann, und erklärte,
dass es möglich sei, eine Brücke über den East River zu bauen
und die beiden Städte so miteinander zu verbinden. Es war
der Startschuss zu einem Großprojekt von dem vor allem die
Bewohner Brooklyns seit fast einem halben Jahrhundert
träumten von einem besseren Weg, als die Fährschiffe,
über den East River hinüber nach Manhattan.5 Dennoch sollte
3
New York war größte Stadt der USA und Brooklyn nach einer
Volkszählung von 1880 mit etwa 600000 Einwohnern, die
drittgrößte Stadt, vgl. Latimer, Margaret: Two Cities. New York and
Brooklyn the year the great bridge opened, New York 1983, S. 7.
[Im Folgenden zitiert als: Latimer: Two Cities].
4
Latimer: Two Cities, S. 8f.
5
Steinman, David B.: Brücken für die Ewigkeit. Das Leben von
Johann Roebling und seinem Sohn, übers. von Schwerdtfeger,
4
Roeblings Brooklyn Bridge Perspektiven einer Innovation
es noch gute zwölf Jahre dauern, bis mit dem Brückenbau
begonnen werden konnte und noch einmal weitere dreizehn
Jahre bis diese fertiggestellt wurde. In dieser Zeit
entwickelten sich die Städte rasant weiter und konnten dabei
auch gut unabhängig voneinander existieren, da beide ein
ähnliches Angebot an Wirtschaft, Kultur und städtischer
Versorgung aufwiesen. Beide Städte verfügten in den
Jahrzehnten zwischen 1850 und 1890 über ein Wirtschafts-
und ein Finanzzentrum, über eigene Industrie und eigene
große Bankhäuser, über Geschäftsviertel und
Kulturpromenaden, selbst die großen Parkanlagen beider
Städte entstanden etwa zur gleichen Zeit.6
Ab den 1870er Jahren setzten zudem die Geschäftsleute
darauf, in beiden Städten Niederlassungen zu verwalten.
Große Geschäfte besaßen so eine Niederlassung in der
jeweils anderen Stadt, Banken eröffneten Filialen auf der
anderen Seite des East Rivers und auch Unternehmer
gründeten Niederlassungen in der anderen Stadt.7
Selbst die Probleme der beiden Großstädte waren fast
identisch und traten fast zeitgleich auf. So hatten sie vor
allem mit den Immigranten-Strömen zu kämpfen und
mussten so dafür sorgen, dass die immer stärker wachsende
Bevölkerung mit allem versorgt wurde. Dies galt natürlich in
erster Linie für die Versorgung mit Lebensmitteln, vor allem
Walther, New York 1950, S. 281f [Im Folgenden zitiert als:
Steinman: Brücken], als auch Saint George, Judith: The Brooklyn
Bridge. They said it couldn′t be built, New York 1982, S. 14 [Im
Folgenden zitiert als: St. George: Brooklyn Bridge].
6
Latimer: Two Cities, S. 84 95.
7
Latimer: Two Cities, S. 28.
5
Roeblings Brooklyn Bridge Perspektiven einer Innovation
aber der Versorgung der Stadt mit Wasser und dem Ausbau
der Kanalisation. Zudem musste die städtische Verwaltung
ausgebaut und Polizei-Stationen wie Krankhäuser errichtet
werden. Auch die Totenruhe so vieler Menschen musste
gewährleistet werden. New York und Brooklyn nutzen hier
einen gemeinsamen großen Friedhof am Rande der Stadt
Brooklyn, wo die Menschen begraben werden konnten.8
Der entscheidende Grund, warum nun gegen 1866/1867 die
Stimmen lauter wurden und nach einer Brücke über den East
River verlangten, war dabei jedoch, dass die Menschen
beider Städte mittlerweile oft ihren Wohnsitz in der einen
und ihren Arbeitsplatz in der anderen Stadt hatten. Möglich
war dieser Wandel durch die modernen Verkehrsmittel
geworden allen voran der Eisenbahn, die innerhalb der
Stadt alle Punkte in kürzester Zeit erreichbar machte.9
Arbeitsstellen konnten so auch in anderen Stadtteilen oder
aber eben in der Nachbarstadt wahrgenommen werden.
Dabei waren es vor allem die Brooklyner, die nach New York
übersetzen, um dort zu arbeiten.10 Manhattan wurde mehr
und mehr zum Finanzzentrum Amerikas und damit natürlich
auch zum Finanzzentrum der beiden Städte. Auch war die
Wirtschaftskraft New Yorks fast doppelt so groß, wie die
Brooklyns.11 Hier vollzog sich nun aber ein weiterer Wandel.
8
Latimer: Two Cities, S. 56f, als auch S. 75.
9
Latimer: Two Cities, S. 13.
10
Steinman gibt hier an, dass viele Menschen Brooklyns nach New
York übersetzen mussten, um dort in den ,,Gewerbe- und
Handelsbetrieben" zu arbeiten, während die New Yorker recht selten
übersetzen, vgl. Steinman: Brücken, S. 280f.
11
Latimer: Two Cities, S. 23f.
6
Roeblings Brooklyn Bridge Perspektiven einer Innovation
Während der Finanzsektor in New York ausgebaut wurde,
stieß die Industrie immer stärker an die natürlichen Grenzen
Manhattans, so dass der Platz für die Unternehmen immer
enger wurde. Es folgte die Ansiedlung New Yorker
Unternehmen in Brooklyn und damit eine zunehmende
Verlagerung der Industrie in die Nachbarstadt. Nun forderten
nicht mehr nur die Bewohner Brooklyns eine Brücke, um
ihren Arbeitsplatz in New York zu erreichen, sondern auch die
Unternehmen New Yorks einen besseren Zugang zu ihren
Fabriken in Brooklyn, um einen einfacheren Weg zum
Transport ihrer Erzeugnisse zu haben.12
Den Anstoß zu immer neuen Rufen nach einer Brücke über
den East River gaben schließlich die teils strengen Winter in
den Jahren zwischen 1850 und 1870. Immer wieder fror der
East River zu oder führte schwere Eisschollen, so dass ein
Fährbetrieb in dieser Zeit nicht möglich war. David Steinman
berichtet an dieser Stelle, dass eine Überfahrt über den East
River im Winter anstatt der gewöhnlichen zehn Minuten
zwischen zwei und sechs Stunden dauern konnte und in
jedem Fall mit großen Gefahren verbunden war.13 Für die
Menschen, die ihren Arbeitsplatz in New York erreichen
mussten, bedeutete dies so ein immer größer werdendes
Problem.
Schließlich forderten Bürger, Politiker und Zeitungen eine
Brücke über den East River und so kam es am 16. April 1867
12
Hierzu muss ergänzend gesagt werden, dass trotz Verlagerung der
Fabriken, die Verwaltung meist in New York angesiedelt blieb und
daher eine Verbindung noch nötiger wurde, vgl. Latimer: Two
Cities, S. 21ff.
13
Steinman: Brücken, S. 280 282.
7
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