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Atem, Stimme und Sprache aus der Sicht eines Sprechlehrers

Fachbuch, 2009, 32 Seiten
Autor: Robert Ernst Castellitz
Fach: Rhetorik / Phonetik / Sprechwissenschaft

Details

Kategorie: Fachbuch
Jahr: 2009
Seiten: 32
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V135357
ISBN (E-Book): 978-3-640-45119-7
ISBN (Buch): 978-3-640-45117-3

Zusammenfassung / Abstract

EINLEITUNG Allen Lebewesen mit Stimme ist es eigen, Seelenzustände durch Laute zu äußern. Wir kennen aus der Tierwelt die Lock- und Balzrufe der Vögel, das Hungergebrüll der Löwen oder das ängstliche Aufkreischen einer Stimme infolge von Gefahr oder Schmerz. Lautäußerungen dieser Art werden bei Tier und Mensch durch Reize ausgelöst und über Nervenbahnen zum Phonationsstrom weitergeleitet. Die menschliche Stimme ist an bestimmte von der Natur vorgegebene Eigenschaften des Organismus gebunden. Diese sind nicht veränderbar, aber „veredelbar“. Die Größe der Lunge, die Länge und Stärke der Stimmbänder, die Beschaffenheit der Resonanzräume sind fixe Größen, die auch durch viel Fleiß nicht verändert werden können. Die Muskulatur aber die, die Hauptorgane der Sprach- und Lautgestaltung umgibt und funktionstätig macht, kann durch ezieltes Üben angeregt werden. Ein Ton ist zunächst stimmlos, erst durch die Schwingungselemente der Resonanzräume erhält er seinen spezifischen Klang. Die Tonhöhe hängt von der Länge und Spannung der Stimmbänder und somit von der Anzahl der Schwingungen (Frequenz) ab. Die Lautstärke ist vom Luftvolumen abhängig, das durch die Hilfe der Atmungsmuskulatur gesteuert wird und die entsprechende Schwingungsweite (Amplitude) in den Stimmbändern hervorruft. Die Klangfarbe (Timbre) entsteht aus der Form der Schwingung und aus der individuellen Nutzung der Resonanzräume, wobei der aus der Stimmbandschwingung entstehende Primärton entsprechend abgewandelt und verstärkt wird.


Textauszug (computergeneriert)

ATEM ­ STIMME ­ SPRACHE

(Aus der Sicht eines Sprechlehrers)

von

Robert Ernst Castellitz

Juni 2009


Robert Ernst Castellitz

Ausbildung:

Schauspiel (F. Schubert Konservatorium Wien)

Atem- Stimm- Sprechtrainer (Atemzentrum Coblenzer Zürich)

Schauspieltrainer (Strassberg Institut New York)

Berufspraxis:

Engagements in Österreich, Deutschland, Schweiz, Tschechien

Regiearbeiten bei Sommerfestspielen in Wien und Umgebung

Lehrtätigkeiten am F. Schubert Konservatorium, Pädagogischen Instituten in

Österreich, Seminare für Firmen im In- und Ausland, der Universität Wien und

Einzelcoaching

Auszeichnung für Lehrtätigkeiten des Landes Niederösterreich

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EINLEITUNG

Allen Lebewesen mit Stimme ist es eigen, Seelenzustände durch Laute zu äußern.

Wir kennen aus der Tierwelt die Lock- und Balzrufe der Vögel, das Hungergebrüll der

Löwen oder das ängstliche Aufkreischen einer Stimme infolge von Gefahr oder

Schmerz. Lautäußerungen dieser Art werden bei Tier und Mensch durch Reize

ausgelöst und über Nervenbahnen zum Phonationsstrom weitergeleitet.

Die menschliche Stimme ist an bestimmte von der Natur vorgegebene Eigenschaften

des Organismus gebunden. Diese sind nicht veränderbar, aber ,,veredelbar".

Die Größe der Lunge, die Länge und Stärke der Stimmbänder, die Beschaffenheit

der Resonanzräume sind fixe Größen, die auch durch viel Fleiß nicht verändert

werden können. Die Muskulatur aber die, die Hauptorgane der Sprach- und

Lautgestaltung umgibt und funktionstätig macht, kann durch gezieltes Üben angeregt

werden.

Ein Ton ist zunächst stimmlos, erst durch die Schwingungselemente der

Resonanzräume erhält er seinen spezifischen Klang.

Die Tonhöhe hängt von der Länge und Spannung der Stimmbänder und somit von

der Anzahl der Schwingungen (Frequenz) ab.

Die Lautstärke ist vom Luftvolumen abhängig, das durch die Hilfe der

Atmungsmuskulatur gesteuert wird und die entsprechende Schwingungsweite

(Amplitude) in den Stimmbändern hervorruft.

Die Klangfarbe (Timbre) entsteht aus der Form der Schwingung und aus der

individuellen Nutzung der Resonanzräume, wobei der aus der

Stimmbandschwingung entstehende Primärton entsprechend abgewandelt und

verstärkt wird.

Die Wort- und Begriffsgestaltung ist mit einem Denkprozess verbunden. Bei diesen

Prozess werden die Impulse durch die verbale Äußerung vom Sprechzentrum im

Gehirn an das Sprechzentrum im Kehlkopf weitergeleitet. Dort wo die Phonation des

Lautes durch die entsprechende Einstellung der Stimmlippen zueinander vor sich

geht. Für die Bildung der Sprachlaute (Phoneme),ist vor allem die formgebundene

Gestalt der Mundhöhle und des Ansatzrohres, sowie das Zusammenwirken der

einzelnen Artikulationsorgane maßgebend.

Der Stimmumfang eines erwachsenen Menschen erstreckt sich etwa über zwei

Oktaven. Der Umfang der Sprechstimme in ihrer natürlichen Mittellage umfasst etwa

sechs Töne. Die männliche Stimme liegt im allgemeinen zwischen G und E, die

weibliche Stimme liegt um ca. eine Oktave höher.

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1. KAPITEL

DAS ATMUNGSORGAN

Das Atmungsorgan des Menschen ist die aus zwei Flügeln bestehende Lunge. Der

rechte Flügel besteht aus drei, der linke aus zwei Lappen. Jeder der beiden

Lungenflügel ist von einem luftleeren Sack umgeben, der Brustfell oder Pleura

genannt wird. Der den Lungenflügel anliegende Teil wird Lungenfell, der den Rippen

anliegende Rippenfell genannt. Die Organe der Bauchhöhle werden gegen den

Brustraum durch das Zwerchfell (Diaphragma) abgeschlossen.

Bei der Aufnahme der Atemluft passen sich die durch Vakuum

aneinandergehaltenen Pleurablätter der durch Muskeltätigkeit hervorgerufenen

Weitung des Brustraumes elastisch an. Innerhalb der Lungen entsteht ein

inspiratorischer Sog, der das Brustfell an die Wände des Brustkorbes bzw. an das

Zwerchfell heranzieht.

Beim Einatmen (Inspiration) gelangt die Luft durch die Mund- oder Nasenhöhle in die

Luftröhre (Trachea ­ ein ca. 12 cm lange aus einzelnen Knorpelringen bestehendes

Verbindungsrohr zwischen Kehlkopf und Lunge, das mit Schleimhaut ausgekleidet

ist). Bei ihrer Einmündung in die Lunge teilt sich die Luftröhre in zwei Stränge, die

sich wieder in kleine und kleinste Äste (Bronchien, Bronchiolen) verzweigen, um sich

am Ende in eine riesige Anzahl von Bläschen (300 ­ 400 Millionen!) zu erweitern

(Bronchialbaum). Die Lungenbläschen (Alveolen) sind von einem feinen Gefäßnetz

umgeben, in welchem der Kohlendioxyd ­ Sauerstoff ­ Austausch stattfindet.

Ein physikalisches Gesetz besagt, dass bei Arbeit Energie verbraucht wird. Für die

Umsetzung von Energie in Arbeit ist Sauerstoff nötig. Die Lungenbläschen

entnehmen den Sauerstoff aus der Atemluft und leiten ihn über das Gefäßnetz in die

Blutbahn, von wo aus jedes Organ, jeder Muskel, jede Zelle mit dem für die

Arbeitsleistung erforderten Treibstoff versorgt wird. Das frei werdende Kohlendioxyd

wird über das Blutgefäßnetz zu den Alveolen zurückgeführt und bei der Ausatmung

(Expiration) ausgeschieden.

Die gesamte Oberfläche der Lunge beträgt 80 ­ 100m2. Der Luftaustausch erfolgt

ca. 16x in der Minute. Bei normaler, ruhiger Atmung wird etwa ½ Liter Luft

gewechselt. Bei stärkster Ein- und Ausatmung wird eine Luftmenge von 3,5 ­ 5 Liter

ausgetauscht. Man bezeichnet diese Leistung als Vitalkapazität der Lunge. Es bleibt

jedoch immer eine Rest- oder Residialluft von ca. 2,5 ­ 3 Liter in der Lunge zurück.

Die Duplizität der Luftaufnahme durch Nase und Mund

Die drei lebenswichtige Substanzen, die der Mensch für seine Aufrechterhaltung des

Organismus benötigt, sind Sauerstoff, Flüssigkeit und feste Nahrung.

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Der Mensch vermag einige Wochen ohne Nahrung zu leben, einige Tage ohne

Flüssigkeit aber nur wenige Minuten ohne Sauerstoff. Wir haben zwei Möglichkeiten

um Luft aufzunehmen: Nase oder Mund.

Die Nase ist das vorzügliche Organ für die Aufnahme der Atemluft. Sie verfügt über

Schwellkörper, Drüsen und Flimmerzellen, welche die Aufgabe haben, die Luft zu

erwärmen, zu befeuchten und zu reinigen, bevor sie den Kehlkopf und die Lunge

erreicht.

Die Mundatmung sollte nur als Ersatzatmung bei Erkrankung der Nase, bei

übergroßer körperlichen Leistung oder bei raschem Redefluss verwendet werden.

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2. KAPITEL

DIE ATEMSTÜTZE

Zum Begriff Stützorgan gehören jene Muskeln, die am Atmungsvorgang und damit

auch an der Stimmführung unmittelbar beteiligt sind und diese Vorgänge wesentlich

beeinflussen. Da die Lunge selbst über keine Muskeln verfügt, ist die sie umgebende

Muskulatur von besonderer Wichtigkeit für die Atemführung.

Die Atmungsmuskulatur besteht in erster Linie aus Zwerchfell (Diaphragma) und der

Zwischenrippenmuskulatur (Intercostalmuskulatur) sowie aus der mit beiden in

Verbindung stehenden Bauch- und Flankenmuskulatur.

Das Zwerchfell ist für die Atmung der stärkste und wichtigste Muskel. Es handelt sich

dabei um eine flache, hochelastische quergelagerte Muskel-Sehnenplatte, die den

Brustraum gegen die Bauchhöhle abschließt. Seine Randmuskeln reichen tief in die

Bauchhöhle hinunter. Sie stehen mit allen anderen am Atmungsvorgang beteiligten

Muskeln in nervlicher Verbindung. Im Zustand der Ruhe, im ausgeatmeten Zustand

also, ist das Zwerchfell, gemäß der Struktur seiner Muskelfasern und infolge des

Eingeweidedruckes (abdominller Druck), nach oben, in den Brustraum hinein

gewölbt. Das Zwerchfell wird von der größten Schlagader des Körpers, der Aorta,

und der Speiseröhre sowie von Nervensträngen durchstoßen.

Es ist die Stelle, wo der zwischen den Lungenflügeln befindliche Herzbeutel mit dem

Gewebe des Zwerchfells verwachsen ist und die den ruhenden Punkt innerhalb

seines Bewegungsbereiches darstellt. Infolge der, durch den Befehl aus dem

verlängerten Rückenmark ausgelösten Abflachung der Zwerchfellkuppen werden die

Baucheingeweide nach unten verdrängt, was ein seitliches Ausweichen der Organe

zur Folge hat.

Eine Spannung der Bauchdecke und Weitung des Leibes unterhalb der Rippen bis

nach hinten zu beiden Seiten der Wirbelsäule wird fühlbar. Neben dem Zwerchfell

sind Bauchdecken- und Flankenmuskeln an dieser Bewegung beteiligt. Das

Zwerchfell wird durch seine Kontraktion und die damit verbundene Verschiebung von

Organen(Leber, Milz, Lunge) sowie durch den Druck auf Magen und Darm zu einer

merklich fühlbaren Kraft gegen den Eingeweidedruck. Außerdem übt es auch eine

Massagefunktion für die Baucheingeweide aus, die mit jedem Atemzug angeregt und

durchblutet werden.

Infolge dieser Vertikalhebung ermöglicht das Zwerchfell die maximale Ausdehnung

der Lungen gegen den Weichteilbereich des Unterbauches und damit die Nutzung

der gesamten Lungenkapazität. Es trägt somit den Hauptteil des

Atmungsgeschehens.

Die Zwischenrippenmuskeln sind auf die Tätigkeit des Zwerchfells genau

abgestimmt. Durch die Inspirationsstellung des Zwerchfells nimmt auch der

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