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Subtitle: Marketing als Medizin - Placebo oder Allheilmittel?
Scholary Paper (Seminar), 2008, 68 Pages
Authors: Sascha Radewald, Deniz Yesil
Subject: Economics / Business: Marketing, Corporate Communication, CRM, Market Research
Details
Tags: OTC, Pharmamarketing, Markenmacht
Year: 2008
Pages: 68
Grade: 1,7
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-43589-0
ISBN (Book): 978-3-640-43622-4
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Abstract
Der Over-the-Counter (OTC) Markt der Pharmabranche unterliegt gegenwärtig signifikanten strukturellen Veränderungen. Die Gesundheitsreform im Jahre 2004 hat mit Einschränkungen in der Erstattungsfähigkeit von OTC Produkten durch gesetzliche Krankenversicherungen und dem Fall der gesetzlichen Preisbindung für Apotheken einen großen Anteil an diesen neuen Marktstrukturen. Renommierte Studien belegen eine Konzentration der OTC Umsätze auf die Top Ten Marken der jeweiligen OTC Segmente. Diese Studie erklärt welchen Einfluss die Marke, neben weiteren Produkteigenschaften eines OTC-Grippepräparats, auf die Nutzenstiftung und Auswahlentscheidung des Patienten bezüglich eines Produktes hat. Die empirische Untersuchung mittels der Choice-Based Conjoint-Analyse zeigt, dass der Preis als Produkteigenschaft die höchste relative Wichtigkeit besitzt. Die Marke als Merkmal eines Produktes stellt nicht das entscheidende Kriterium bei der Wahl eines Grippemedikaments dar, hat jedoch ebenfalls einen signifikanten Einfluss auf die Auswahlentscheidung. Überraschenderweise zeigt die Untersuchung, dass dem Vertriebskanal die zweithöchste Wichtigkeit seitens des Patienten zugeordnet wird, knapp vor der Marke. Die Empfehlung eines Grippemedikaments durch den Arzt, Apotheker oder eines Bekannten, nimmt für die Probanden Rang vier der relativen Wichtigkeiten ein. Abgeschlagen mit minimaler Nutzenstiftung und nahezu bedeutungslos für die Auswahl eines Medikamentes ist die Darreichungsform auf dem letzten Rang. Somit zeigt sich, dass Anbieter von OTC Präparaten preispolitisch einen relativ geringen Handlungsspielraum besitzen und gewisse Preisobergrenzen nicht überschreiten dürfen. Jedoch sind Patienten bereit, unter der Voraussetzung einer als stark empfundenen Marke, Premium Preise zu bezahlen. Eine starke Marke setzt allerdings langwierige und hohe Investitionen in Markenaufbau- und Markenführungsstrategien voraus. Für Hersteller bieten sich durch weitere gesetzliche Änderungen sowohl Chancen als auch Risiken bezüglich der Vertriebskanäle. Sie müssen den Trend erkennen und frühzeitig neu entstehende Vertriebskanäle erschließen, vor allem weil auch Patienten bereit sind neben der Apotheke neue Wege beim Erwerb vom OTC Produkten zu gehen. Seitens der Hersteller empfiehlt sich ein guter Kontakt zu den Absatzmittlern, Apotheker und Arzt, um ihre Markenprodukte in deren Produktportfolio zu positionieren. Nur so kann ein dauerhafter Erfolg am Absatzmarkt realisiert werden.
Excerpt (computer-generated)
Pharmamarketing
Marketing als Medizin - Placebo oder Allheilmittel??
Thema 13
,,Mega-Macht Marke" Der Wert der Marke bei OTC-Produkten
Seminararbeit
Vorgelegt am
Lehrstuhl für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Marketing I
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Von:
Sascha Radewald
Deniz Yesil
13.
Fachsemester
BWL
13.
Fachsemester
BWL
Mainz, 12. November 2008
Abstract
Der Over-the-Counter (OTC) Markt der Pharmabranche unterliegt gegenwärtig signifikanten
strukturellen Veränderungen. Die Gesundheitsreform im Jahre 2004 hat mit Einschränkungen
in der Erstattungsfähigkeit von OTC Produkten durch gesetzliche Krankenversicherungen und
dem Fall der gesetzlichen Preisbindung für Apotheken einen großen Anteil an diesen neuen
Marktstrukturen. Renommierte Studien belegen eine Konzentration der OTC Umsätze auf die
Top Ten Marken der jeweiligen OTC Segmente. Diese Studie erklärt welchen Einfluss die
Marke, neben weiteren Produkteigenschaften eines OTC-Grippepräparats, auf die
Nutzenstiftung und Auswahlentscheidung des Patienten bezüglich eines Produktes hat. Die
empirische Untersuchung mittels der Choice-Based Conjoint-Analyse zeigt, dass der Preis als
Produkteigenschaft die höchste relative Wichtigkeit besitzt. Die Marke als Merkmal eines
Produktes stellt nicht das entscheidende Kriterium bei der Wahl eines Grippemedikaments
dar, hat jedoch ebenfalls einen signifikanten Einfluss auf die Auswahlentscheidung.
Überraschenderweise zeigt die Untersuchung, dass dem Vertriebskanal die zweithöchste
Wichtigkeit seitens des Patienten zugeordnet wird, knapp vor der Marke. Die Empfehlung
eines Grippemedikaments durch den Arzt, Apotheker oder eines Bekannten, nimmt für die
Probanden Rang vier der relativen Wichtigkeiten ein. Abgeschlagen mit minimaler
Nutzenstiftung und nahezu bedeutungslos für die Auswahl eines Medikamentes ist die
Darreichungsform auf dem letzten Rang. Somit zeigt sich, dass Anbieter von OTC Präparaten
preispolitisch einen relativ geringen Handlungsspielraum besitzen und gewisse
Preisobergrenzen nicht überschreiten dürfen. Jedoch sind Patienten bereit, unter der
Voraussetzung einer als stark empfundenen Marke, Premium Preise zu bezahlen. Eine starke
Marke setzt allerdings langwierige und hohe Investitionen in Markenaufbau- und
Markenführungsstrategien voraus. Für Hersteller bieten sich durch weitere gesetzliche
Änderungen sowohl Chancen als auch Risiken bezüglich der Vertriebskanäle. Sie müssen den
Trend erkennen und frühzeitig neu entstehende Vertriebskanäle erschließen, vor allem weil
auch Patienten bereit sind neben der Apotheke neue Wege beim Erwerb vom OTC Produkten
zu gehen. Seitens der Hersteller empfiehlt sich ein guter Kontakt zu den Absatzmittlern,
Apotheker und Arzt, um ihre Markenprodukte in deren Produktportfolio zu positionieren. Nur
so kann ein dauerhafter Erfolg am Absatzmarkt realisiert werden.
Inhaltsverzeichnis
I
Inhaltsverzeichnis
Seite
Inhaltsverzeichnis I
Abbildungsverzeichnis II
Tabellenverzeichnis III
Abkürzungsverzeichnis IV
1
Zur Relevanz des Wertes der Marke bei OTC-Produkten 1
2
Grundlegende Erläuterungen zum OTC Markt in Deutschland 3
2.1
Der OTC Markt in Deutschland
3
2.2 Begriff der Marke und deren Relevanz im Pharmamarkt
4
2.3 Der informierte Patient im Wandel
6
3
Generierung eines Hypothesensystems über die nutzenoptimalen Eigenschaften eines
Grippemittels 9
3.1
Herleitung von Merkmalen
9
3.2
Generierung von Hypothesen
11
4
Eine Choice-Based-Conjoint-Analyse zur Bestimmung der patientengerechten
Ausgestaltung eines Grippemittels 20
4.1
Die Conjoint-Analyse als Instrument
20
4.1.1
Grundidee und Ablaufschritte der Conjoint-Analyse
20
4.1.2
Die Choice-Based-Conjoint-Analyse
26
4.2
Erhebungsdesign und Datenerhebung
27
4.3
Darstellung und Interpretation der Ergebnisse
29
4.4
Implikationen für Praxis und Forschung
44
5
Schlussbetrachtung 46
Anhang VI
Literaturverzeichnis XV
Abkürzungsverzeichnis
II
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Der OTC-Markt in Deutschland 4
Abbildung 2: Nutzen der Marke 5
Abbildung 3: Abstraktionseben des Means-End-Ansatz. 13
Abbildung 4: Bedürfniskonkretisierungsprozess 17
Abbildung 5: Ablaufschritte bei der Conjoint-Analyse. 22
Abbildung 6: Alternative Bewertungsmethoden 24
Abbildung 7: Erhebungsdesign der Choice-Based-Conjoint-Analyse 28
Abbildung 8: Chi-Quadrat-Werte und Freiheitsgrade 32
Abbildung 9: Relative Wichtigkeiten 33
Abbildung 10: Die Teilnutzenwerte des Merkmals Preis 34
Abbildung 11: Die Teilnutzenwerte des Merkmals Vertriebskanal 36
Abbildung 12: Die Teilnutzenwerte des Merkmals Marke 37
Abbildung 13: Die Teilnutzenwerte des Merkmals Empfehlung durch 38
Abbildung 14: Die Teilnutzenwerte des Merkmals Darreichungsform 39
Tabellenverzeichnis
III
Tabellenverzeichnis
Seite
Tabelle 1: Merkmale und Ausprägungen 11
Tabelle 2: Hypothesen relevanter Eigenschaften bei der Wahl von OTC-Produkten 20
Tabelle 3: Zusammensetzung der Stichprobe 32
Tabelle 4: Nutzenoptimale Ausgestaltung eines Grippemittels 40
Tabelle 5: Nutzenminimale Ausgestaltung eines Grippemittels 40
Tabelle 6: Relative Faktorgewichtung in den Einkommenssegmenten 41
Tabelle 7: Präferenzanteile der simulierten Produkte 43
Tabelle 8: Auswertung der Zusatzfragen XII
Tabelle 9: Untersuchungsergebnisse der Merkmale und Ausprägungen XIII
Tabelle 10: Umsatzzahlen der 5 führenden Grippemittel XIV
Abkürzungsverzeichnis
IV
Abkürzungsverzeichnis
bspw.
beispielsweise
bzw. beziehungsweise
CBC
Choice-Based Conjoint
d.h.
das heißt
f.
und folgende (Seite)
ff.
und folgenden (Seiten)
ggf.
gegebenenfalls
GKV
Gesetzliche
Krankenversicherung
K.O.
Knock
Out
Mrd.
Milliarden
Nr.
Nummer
OTC
over
the
counter
OTX
OTC-Verordnungsmarkt
O.V.
ohne
Verfasserangabe
S. Seite
SM
OTC-Selbstmedikationsmarkt
u.a.
unter anderem
USP
Unique Selling Proposition
u.s.w.
und so weiter
Vgl.
vergleiche
z.B.
zum
Beispiel
Sacha Radewald und Deniz Yesil
Mega Macht Marke Der Wert der Marke bei OTC - Produkten
1
1 Zur Relevanz des Wertes der Marke bei OTC-Produkten
Eine imposante und zeitgleich zweifelhafte Aussage Marken mit Mega-Mächten
gleichzusetzen, dies möge nun so mancher Leser auf Anhieb denken. Viele Studien
bekräftigen jedoch den immensen Einfluss einer starken Marke auf den Unternehmenserfolg
und preisen den Markenwert folglich mit einer exorbitanten Bedeutung in bezug auf das
Fortbestehen einer Unternehmung. ,,Brand-guided companies significantly outperform their
competitors", zu dieser Feststellung kam eine kürzlich durchgeführte Studie der
Unternehmensberatung
Booz Allen Hamilton
.
Demnach ist der operative Gewinn bei 80% der mit starkem Markenfokus geführten
Unternehmen fast doppelt so hoch wie im Branchenvergleich.1 In Anlehnung daran schreibt
Philip Kotler
,,[...] one study found that 72 percent of customers would pay a 20 percent
premium for their brand of choice relative to the closest competing brand."2 Unternehmen wie
Coca-Cola, IBM und Microsoft gehören zu den mächtigsten Marken der Welt mit einem
geschätzten Markenwert zwischen 50 und 100 Mrd. US $ und deren Unternehmensgewinne
liegen im Vergleich zum Branchendurchschnitt erheblich höher. Diese Erkenntnisse
unterstreichen die Bedeutung eines hohen Markenwertes als wichtigen immateriellen
Vermögensgegenstand und unabdingbare Grundlage für einen langfristigen
Unternehmenserfolg.3
Veränderungen der Unternehmensumwelt der Pharmabranche haben in den letzten Jahren den
Handlungsspielraum im Gesundheitswesen agierender Unternehmen enorm beeinflusst.
Gesundheitsreformen, die Erweiterung der EU, Generika, die steigende Bedeutung des E-
Commerce und vor allem Veränderungen im soziokulturellen Umfeld der
Pharmaunternehmen zwingen die Pharmabranche ihre Markenführungs- und
Promotionsstrategien neu auszurichten.4 Dieses neue Markenbewusstsein der Pharmaindustrie
belegen Zahlen, wonach in den USA Hersteller im Jahre 2004 mit 57,5 Mrd. US $ mehr für
Werbung als mit 31,5 Mrd. US $ für Forschung & Entwicklung ausgaben. Dieser Trend ist
auch in Europa zu beobachten, demnach investierten europäische Unternehmen sogar
zwischen 31 und 50 Prozent ihrer Einnahmen aus dem Verkauf in das Marketing.5
1 Vgl. Harter, Gregor et al. (2005), S. 1ff.
2 Kotler, Philip/ Armstrong, Gary (2007), S. 249.
3 Vgl. Sattler (2001), S. 7.
4 Vgl. Schmidt/ Kuschmann (2005), S. 2.
5 Vgl. Schulte von Drach (2008), S. 1ff.
Sacha Radewald und Deniz Yesil
Mega Macht Marke Der Wert der Marke bei OTC - Produkten
2
Folglich ist es offensichtlich, dass für Pharmaunternehmen der Aufbau einer starken Marke
ein entscheidendes Kriterium zur Differenzierung gegenüber Konkurrenzangeboten und zur
einhergehenden dauerhaften Bindung der Patienten darstellt.
Besonderes Augenmerk in bezug auf die Veränderungen im deutschen Pharmamarkt und im
speziellen dem OTC6-Markt liegt auf der Gesundheitsreform von 2004 und dem Wandel der
Patientenrolle. Seit dem 1. Januar 2004 ist die Preisbindung für Medikamente in Apotheken
gefallen und die Erstattung von rezeptfreien Medikamenten durch die gesetzlichen
Krankenkassen stark beschränkt worden. OTC-Anbieter sehen sich mit einer völlig neuen
Situation konfrontiert, da sie nun auf bisherige GKV-Umsätze verzichten müssen. Es müssen
aus bisher vom Arzt verschriebenen Produkten, vom Apotheker empfohlene oder vom
Konsumenten aktiv nachgefragte Marken werden, die sich über ihren Charakter, ihre
Einzigartigkeit und ihren USP einen vorderen Platz im Mind-Set des Apothekers und des
Verbrauchers erkämpfen müssen.7 Der Wandel zum informierten Patienten, welcher sich
zunehmend kritisch mit seiner Medikation auseinandersetzt, führt vor dem Hintergrund einer
regelrechten Informationsflut zunehmend zur Suche nach einem Orientierungspunkt um
Leistungsangebote der Pharmaunternehmen differenzierter bewerten zu können. Starke
Marken können hier eine entscheidende Orientierungshilfe darstellen.
Diese Studie fokussiert sich auf die Marke als Einflussgröße der Nutzenstiftung. Dabei
werden jedoch auch andere Einflussgrößen analysiert um eine stärkere Aussagekraft
bezüglich der Marke und deren Nutzenstiftung zu erhalten. Die Feststellung der Präferenzen
der Patienten erfolgt hierbei mittels einer Choice-Based Conjoint-Analyse. Sie stellt dem
Probanden online verschiedene Produktbündel zur Auswahl und ermöglicht es anhand der
Entscheidungen der Befragten die Merkmale und Ausprägungen in eine Rangordnung zu
bringen. Es soll deutlich werden, welche Merkmale den Patienten einen hohen Nutzen
erbringen.
Der Aufbau einer Marke und die damit verbundenen Prozesse sind nicht Gegenstand dieser
Arbeit, ebenso wenig wird auf die Markenbewertung im finanzorientierten Sinn eingegangen.
Im folgenden Kapitel werden grundlegende Erläuterungen zum OTC-Markt in Deutschland,
der Marke im Pharmabereich und neuer Marktstrukturen gegeben. Im dritten Kapitel werden
die für die Untersuchung relevanten Merkmale hergeleitet (Kapitel 3.1) und Hypothesen
generiert (Kapitel 3.2). Die Durchführung der Conjoint-Analyse folgt im vierten Kapitel. Hier
wird in Kapitel 4.1.1 das Ziel und der Ablauf der Conjoint-Analyse erklärt und in Kapitel
6 OTC = Over the Counter (rezeptfreie, freiverkäufliche Arzneimittel).
7
Vgl. press1: Health Relations
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