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Modelle zum Entscheiden unter Risiko fokusiert auf Geschlechtsunterschiede im Entscheidungsverhalten

Scholarly Essay, 1999, 25 Pages
Author: Barbara Scheibner
Subject: Psychology - Cognition

Details

Category: Scholarly Essay
Year: 1999
Pages: 25
Language: German
Archive No.: V135653
ISBN (E-book): 978-3-640-43760-3
ISBN (Book): 978-3-640-43766-5

Abstract

Im folgenden Artikel werden, unter der Perspektive des informationsverarbeitenden Ansatzes, Modelle über das Entscheiden unter Risiko im Zusammenhang mit Geschlechtsunterschieden beleuchtet. Im allgemeinen Kontext besteht die Auffassung Frauen würden weniger risikofreudig entscheiden als Männer. Obwohl diese Auffassung von zahlreichen Studien belegt werden konnte, verschwindet der Unterschied wenn man die unterschiedlichen Kombinationen von Faktoren und Kontexten, die das Entscheidungsverhalten beeinflussen, berücksichtigt. Nach einer Einführung in den Gegenstandsbereich werden die Subjektiv Expected Utility –Theory. die Rank Dependent Utility-Theory, die Prospect-Theory, die Dissapointment-Theory und die Regret –Theory näher beleuchtet und mit Geschlechtsunterschieden im Entscheidungsverhalten in Zusammenhang gebracht.


Excerpt (computer-generated)

Modelle zum Entscheiden unter Risiko mit Seitenblick auf

Geschlechtsunterschiede im Entscheidungsverhalten

1. Gegenstandsbereich Entscheiden Seite 2

1.1 Entscheiden unter Unsicherheit Seite 3

1.2 Geschlechtsunterschiede beim Entscheiden unter Risiko Seite 3

2. Subjektiv Expected Utility Theory Seite 4

2.1 Nutzenfunktion Seite 8

2.2 Risikoeinstellung Seite 9

3. Prospect-Theory Seite 12

3.1 Die Wertfunktion in der Prospect-Theory Seite12

3.2 Framing in der Prospect- Theory

Seite 13

4. Dissapointment-Theory und Regret ­Theory Seite 16

4.1 Die Dissapointment-Theory Seite 16

4.2 Regret-Theory

Seite 16

5. Rank Dependent Utility-Theory Seite 17

6.References Seite 21


Modelle zum Entscheiden unter Risiko mit Seitenblick auf Geschlechtsunterschiede im

Entscheidungsverhalten

Abstract:

Im folgenden Artikel werden, unter der Perspektive des

informationsverarbeitenden Ansatzes, Modelle über das Entscheiden unter Risiko im

Zusammenhang mit Geschlechtsunterschieden beleuchtet. Im allgemeinen Kontext besteht die

Auffassung Frauen würden weniger risikofreudig entscheiden als Männer. Obwohl diese

Auffassung von zahlreichen Studien belegt werden konnte, verschwindet der Unterschied

wenn man die unterschiedlichen Kombinationen von Faktoren und Kontexten, die das

Entscheidungsverhalten beeinflussen, berücksichtigt. Nach einer Einführung in den

Gegenstandsbereich werden die Subjektiv Expected Utility ­Theory. die Rank Dependent

Utility-Theory, die Prospect-Theory, die Dissapointment-Theory und die Regret ­Theory

näher beleuchtet und mit Geschlechtsunterschieden im Entscheidungsverhalten in

Zusammenhang gebracht.

1. Gegenstandsbereich Entscheiden

Entscheiden kann durch einen informationstheoretischen Ansatz definiert werden, der den

Mensch als informationsverarbeitendes System beschreibt. Entscheiden wird als eine

kognitive Funktion gesehen werden, stellt einen zielgerichteten, nach Regeln operierenden

Prozess dar.

Die Entscheidung besteht darin, eine von mehreren Optionen auszuwählen. Jungermann,

Pfister, & Fischer (2005) sprechen von ,,einem Prozess der vergleichenden Beurteilung und

Wahl." Die Wahl einer Option führt zu einer Konsequenz. Oft wählt man nicht die Option an

sich, sondern die Konsequenz die auf die Option folgt.

Optionen können Objekte sein (z.B. welche Automarke bei der Anschaffung eines neuen

Autos), Handlungen (z.B. Einführung eines neuen Studiensystems vs. das bisherige System

beibehalten), Regeln (z.B. wird eine Entscheidung intuitiv getroffen vs. wird eine Situation

genauer geprüft, unter Einbezug von Beratung und Evaluation) oder Strategien (z.B.

2


Auswahl von Studienanfängern durch Aufnahmeprüfung vs. Knock-Out Prüfungen während

der Studieneingangsphase) .

Externe Ereignisse (z.B. die Anmeldezahl von Studienanwärtern) und Interne Ereignisse (

z.B. Motiv nur die Personen mit dem höchsten Intelligenzquotienten für ein Studium

auszuwählen ) beeinflussen die Wahl von Optionen (z.B. ob und für welches

Auswahlverfahren man sich entscheidet)

Ein bei der Entscheidung verfolgtes Ziel grenzt die unendliche Menge an Optionen ein.

Beispielsweise wird das Ziel t, an der Universität Wien nur die kompetentesten

Studienabsolventen der Psychologie auszubilden, verfolg, was die unendliche Menge an

Optionen zu möglichen Optionen ( Anzahl der zugelassenen Studenten, Aufnahmeklausur,

Studieneingangsphase, Themenbereich) eingrenzt.

Gründe für eine Optionswahl stimmen nicht zwingend mit den Zielen und der Wertigkeit der

Konsequenzen überein. So kann jemand das Ziel verfolgend nur die kompetentesten

Studienabsolventen auszubilden, der Grund für die Wahl einer Studieneingangsphase kann

jedoch sein , dass auf Grund der großen Menge an Studienanfänger nicht genügend

Ressourcen zur Verfügung stehen um jeden Studienanwärter aufzunehmen , gleichzeitig das

Gesetz eine Mindestanzahl an Studienanfängern vorschreibt und dadurch trotz der

Studieneingangsphase eine optimale Ausbildung mit ausreichend Ressourcen nicht möglich

ist ( Jungermann, Pfister, & Fischer, 2005).

1.1 Entscheiden unter Unsicherheit

Vom Entscheiden unter Unsicherheit spricht man, wenn die Konsequenz, die auf eine

gewählte Option folgen soll, nicht mit Sicherheit vorhergesagt werden kann.

Mit dieser Art von Entscheidungen beschäftigen sich die Subjektiv Expected Utility-

Theory(SEU ­ Theory), die Rank Dependent Expected-Utility Theory, die Prospect Theory

und die Security Potential /Aspiration Theory .

1.2 Geschlechtsunterschiede beim Entscheiden unter Risiko

Im allgemeinen Kontext werden Frauen als weniger risikofreudig bezeichnet als Männer.

Diese Auffassung wird von zahlreichen Studien unterstützt ( Levin et al., 1988; Johnson und

Powell, 1994; Powell und Ansic, 1997; Powell und Ansic, 1999). Unter bestimmten

3


Gesichtspunkten konnte dieser Unterschied allerdings widerlegt werden (Johnson und Powell,

1994; Schubert et al., 1999).

Das Entscheidungsverhalten ist von zahlreichen Faktoren und Kontexten abhängig. Die Frage

ob sich Frauen weniger risikofreudig verhalten als Männer wird auf Grund unterschiedlicher

Kombinationen von Faktoren und Kontexten und in Anlehnung an unterschiedliche

Entscheidungsmodelle auch unterschiedlich beantwortet. Zum Beispiel konnte gezeigt

werden, dass Geschlechtsunterschiede verschwinden, wenn es sich um

Entscheidungsprobleme handelt, die ein hohes Maß an Vertrautheit aufweisen (Johnson und

Powell, 1994).

Allgemeine Übereinstimmung besteht in der Annahme, die sagt, dass Männer ein höheres

Selbstvertrauen im Entscheidungsverhalten unter Risiko zeigen als Frauen (Estes und

Hosseini, 1988; Stinerock et al., 1991; Zinkhan und Karnade, 1991; Beyer und

Bowden,1997). Dieses Phänomen wurde jedoch mehrfach auf den Grad der Mehrdeutigkeit,

der Präsentation der Wahrscheinlichkeiten im Entscheidungsproblem, zurückgeführt ( Powell

und Ansic, 1999).

2. Subjektiv Expected Utility Theory

Die Subjektiv Expected Utility ­Theory (Edwards, 1954) geht von der Maximierung des

subjektiven Nutzens aus, d.h. es wird jene Option gewählt, von deren Konsequenz am meisten

Nutzen erwartet wird.

Der Nutzenwert einer Option ist die Summe der Nutzenwerte der einzelnen möglichen

Konsequenzen gewichtet mit den Wahrscheinlichkeiten ihres Eintretens ( Savage, 1954).

SEU = Summe pj* uj

uj= Nutzen der Konsequenz j

pj = Wahrscheinlichkeit des Eintretens der Konsequenz j

4


Beispielsweise steht Student A vor der Wahl ein unattraktives Jobangebot anzunehmen um

die Miete für seine Wohnung bezahlen zu können.

Folgende Handlungsalternativen stehen ihm zur Verfügung:

H1: unattraktives Jobangebot nicht annehmen und dafür mehr Zeit ins Studium investieren

H2: unattraktives Jobangebot annehmen und dafür weniger Zeit ins Studium investieren

Die Konsequenzen sind:

C1: in Wohngemeinschaft ziehen, wo Miete leistbar ist

C2: Miete für ursprüngliche Wohnung zahlen können

C3: Restriktion

Die Nutzenwerte lauten, wie folgt:

U1: U (c1) = Nutzenwert für das Einziehen in eine Wohngemeinschaft = 7

U2: U (c2) = Nutzenwert für Miete für ursprüngliche Wohnung zahlen können = 8

U3: U (c3) = Nutzenwert für Restriktion = -3

Wahrscheinlichkeiten lauten, wie folgt:

P (11) = Wahrscheinlichkeit man nimmt unattraktiven Job nicht an und zieht in eine

Wohngemeinschaft, wo Miete leistbar ist = 0,9

P ( 12) = Wahrscheinlichkeit man nimmt unattraktiven Job nicht an und kann die Miete für

ursprüngliche Wohnung bezahlen = 0,5

5


P ( 13) = Wahrscheinlichkeit man nimmt unattraktiven Job nicht an und kann weder in eine

Wohngemeinschaft ziehen noch kann man die Miete für die ursprüngliche Wohnung zahlen =

0,5

P ( 21) = Wahrscheinlichkeit man nimmt unattraktiven Job an, muss trotzdem in eine

Wohngemeinschaft ziehen, um sich die Miete leisten zu können = 0,2

P (22) = Wahrscheinlichkeit man nimmt unattraktiven Job an und kann die Miete für

ursprüngliche Wohnung bezahlen. = 0,9

P(23) = Wahrscheinlichkeit man nimmt schlecht bezahlten Job an und kann weder in eine

Wohngemeinschaft ziehen noch die Miete für die ursprüngliche Wohnung bezahlen. = 0,5

Menge der

Menge der

Subjektiv erwarteter Nutzen der Handlung

Handlungen

möglichen

Konsequenzen

U (Nutzen)

P ( WS)

SEU = Summe u

*p

Job nicht

In WG ziehen

U (c1) = 7

P11 = 0,9

(7* 0,9) +

annehmen

Miete zahlen

U (c2) = 8

P12 = 0,5

(8 * 0,5) +

Restriktion

U (c3) = -3

P13 = 0,5

(-3 * 0,5) = 8,8

Job annehmen

In WG ziehen

U ( c1) = 7

P 21= 0,5

( 7 *0,5) +

Miete zahlen

U (c2) = 8

P22 = 0,9

(8 * 0,9 ) +

Restriktion

U (c3) = -3

P23 = 0,5

(-3 * 0,5) = 9,2

Man entscheidet sich für die Handlung: Job annehmen, weil SEU (Job nicht annehmen) <

SEU (Job annehmen)

6



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