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Bildung und Erziehung in der Rechtfertigungsdiskussion zum ´Menschsein´ - eine Chance oder Gefahr für schwerstbehinderte Menschen?

Termpaper, 1999, 10 Pages
Author: Andrea Hoesch
Subject: Pedagogy - Orthopaedagogy and Special Education

Details

Category: Termpaper
Year: 1999
Pages: 10
Grade: befried.
Bibliography: ~ 7  Entries
Language: German
Archive No.: V1358
ISBN (E-book): 978-3-638-10835-5

File size: 63 KB


Excerpt (computer-generated)

Bildung und Erziehung in der Rechtfertigungsdiskussion
zum ,,Menschsein" - eine Chance oder Gefahr
für schwerstbehinderte Menschen?

von

Andrea Hoesch

 

Inhaltsverzeichnis

Einleitung 2

1. Begriffsklärungen 2
1.1 Erziehung 2
1.2 Bildung 3
1.2.1 Kritische Anmerkung 3
1.3 Der Zusammenhang von Erziehung und Bildung 4
1.4 Schwerstbehinderung 4

2. Die Bedeutung der Definitionsinhalte von Erziehung und Bildung  für schwerstbehinderte Menschen 5

3. Bildungsfähigkeit und Recht auf Bildung - Eine Gratwanderung? 5

4. Schlußbemerkungen 7

Literaturverzeichnis 9

 

 

Einleitung

Historisch betrachtet kann aus heutiger Sicht der Eindruck entstehen, behinderten Menschen sei über Jahrhunderte hinweg die Menschenwürde aberkannt worden. Gerade sie sahen sich vielfach an Idealen und Wertvorstellungen ihrer Zeit gemessen und ,,verurteilt" . Einerseits als ,,Ausgeburten der Hölle" verschrien und verstoßen, konnten sie andererseits als eine Art wertloser sozialer Ballast ,,weggeworfen" (ertränkt, erstickt, ausgesetzt oder anderweitig getötet) werden. Ohne aufrichtige Ambitionen schmälern zu wollen, dienten sie manchem in seiner Hilfsbereitschaft aber auch als willkommenes Sprungbrett für ein adäquates himmlisches Leben nach dem Tode. So haben viele behinderte Menschen in vergangenen Jahrhunderten als Opfer einer vermessenen Mittel-Zweck-Relation für Beweg- und Abgründe menschlicher Existenzen hinhalten müssen. Auf dem Boden gedanklicher Umorientierungen der Neuzeit und einer Rückbesinnung auf christliche Motive wie Fürsorge und Bildung entwickelte sich ein neuer Maßstab, an dem die Anerkennung zum Menschen festgemacht werden sollte - eine Bildungs- und Erziehungsfähigkeit, die sowohl die Bedürftigkeit als auch den Anspruch auf Befriedigung der Bedürftigkeit als gleichzeitige Rechtfertigung für menschliches Leben ableiten ließ. In diesem Sinne wurde der Mensch erst zum Menschen durch Erziehung und Bildung. Vor dem Hintergrund historischer Entwicklungen und unter Berücksichtigung der Texte von Antor/Bleidick und Seifert sollen sich die folgenden Ausführungen in kritischer Weise sowohl mit den Chancen als auch mit den möglichen Gefahren einer Orientierung auseinandersetzen, die das ,,Menschsein" an einem außerhalb seiner selbst liegenden Wertmaßstab festzumachen versucht und nicht an seiner bloßen Existenz.

1. Begriffsklärungen

1.1 Erziehung

Seifert bezieht sich in seinen Ausführungen auf Bürgel, Langeveld und Dilthey, wenn er Erziehung als jenes gesellschaftliche Streben bezeichnet, dem Kind unter Berücksichtigung seiner individuellen besonderen Eigenschaften eine Lebenswelt zu gestalteten, die auf seinen Bedürfnisse aufbaut und für die es auch in zukunftorientierter Hinsicht lernt Verantwortung sowohl für sich als auch für eine gesellschaftliche Erneuerung zu übernehmen.1

1.2 Bildung

Der Bildungsbegriff ist Teil einer bildungstheoretischen Didaktik, die - etwa in der Zeit der Aufklärung verwurzelt - als eine doch recht alte theoretische Grundlage auch heute noch zu den gebräuchlichen Didaktiken an Schulen zählt.2 Historisch betrachtet haben Personen wie Humboldt, Pestalozzi, Schleiermacher, Herbart und schließlich auch Kant wesentlich zur Prägung und Weiterentwicklung des Verständnisses von Bildung beigetragen.3 Unter anderem hat sich Klafki als Vertreter einer modernen Bildungstheorie mit dem Bildungsbegriff auseinandergesetzt. Unter einer Vielfalt von Definitionsmöglichkeiten und -ansätzen kann Bildung in diesem Sinne verstanden werden als


prozeßartige, selbsttätige Auseinandersetzung mit der Welt im Austausch mit anderen Menschen vor dem Hintergrund historisch-gesellschaftlich-kultureller Gegebenheiten und mit dem Ziel, zu vernünftiger Selbstbestimmung befähigt zu werden, ohne die Freiheit des anderen durch das eigene Freiheitsbestreben
einengen zu wollen.4

[...]


1 Seiffert, Rainer: Schwerbehinderte Menschen und das Recht auf Bildung. In: Antor, Georg/ Bleidick, Ulrich: Recht auf Leben - Recht auf Bildung. Aktuelle Fragen der Behindertenpädagogik. Heidelberg: Ed. Schindele, Winter, 1995, S. 298.

2 Jank, Werner / Meyer, Hilbert: Didaktische Modelle. 5. Aufl. [1994]. Frankfurt a. M.: Cornelsen Scriptor 1996, S. 137.

3 Siehe Jank / Meyer (S. 137)

4 Siehe Jank/Meyer (S. 138, 139).


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