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Berufswahlmotive angehender Lehrerinnen und Lehrer

Subtitle: Eine Studie nach Schultyp und Geschlecht

Research Paper, 2008, 22 Pages
Authors: Tobias Rausch, Lena Hecht, Christiane Wallstein, Nicole Staudt
Subject: Pedagogy - The Teacher

Details

Category: Research Paper
Year: 2008
Pages: 22
Grade: 1,3
Language: German
Archive No.: V135810
ISBN (E-book): 978-3-640-43134-2
ISBN (Book): 978-3-640-43107-6

Abstract

Die vorliegende Arbeit fragt nach allgemeinen, pädagogischen, gesellschaftlichen sowie sozioökonomischen Motiven, die zu der Entscheidung für das Studium eines Lehramts-Studienfaches geführt haben. An einer Stichprobe von 185 Lehramts-Studierenden in den ersten Semestern an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg wurde dieser Fragestellung nachgegangen. Die Motivationslagen unterscheiden sich nach Geschlecht und nach den verschiedenen Schultypen, die studiert werden. So herrschen sowohl bei weiblichen als auch bei männlichen Studierenden vornehmlich pädagogisch-gesellschaftliche Motive bei der Wahl ihres Studienganges vor. Weiterhin weisen Studierende des Lehramts an Grund- und an Hauptschulen eher pädagogisch-gesellschaftliche Motive auf, Studierende des Lehramts an Realschulen, Gymnasien und Beruflichen Schulen scheinen sich eher aus sozioökonomischen Gründen für das Lehramtsstudium entschieden zu haben.


Excerpt (computer-generated)

Otto-Friedrich-Universität Bamberg

Fakultät Humanwissenschaften

Tobias Rausch

Lena Hecht

Christiane Wallstein

Nicole Staudt

Berufswahlmotive angehender Lehrerinnen und Lehrer.

Eine Studie nach Schultyp und Geschlecht.

Hausarbeit im Seminar Anwendung empirischer Forschungsmethoden

WS 2007/08


Berufswahlmotive angehender LehrerInnen

2

Zusammenfassung

Die vorliegende Arbeit fragt nach allgemeinen, pädagogischen, gesellschaftlichen sowie

sozioökonomischen Motiven, die zu der Entscheidung für das Studium eines Lehramts-

Studienfaches geführt haben.

An einer Stichprobe von 185 Lehramts-Studierenden in den ersten Semestern an der

Otto-Friedrich-Universität Bamberg wurde dieser Fragestellung nachgegangen.

Die Motivationslagen unterscheiden sich nach Geschlecht und nach den verschiedenen

Schultypen, die studiert werden. So herrschen sowohl bei weiblichen als auch bei

männlichen Studierenden vornehmlich pädagogisch-gesellschaftliche Motive bei der

Wahl ihres Studienganges vor. Weiterhin weisen Studierende des Lehramts an Grund-

und an Hauptschulen eher pädagogisch-gesellschaftliche Motive auf, Studierende des

Lehramts an Realschulen, Gymnasien und Beruflichen Schulen scheinen sich eher aus

sozioökonomischen Gründen für das Lehramtsstudium entschieden zu haben.


Berufswahlmotive angehender LehrerInnen

3

Inhaltsverzeichnis

1. Problemwahl und Fragestellungen

2. Theoretischer Teil

2.1 Hypothesen

2.2 Operationalisierung

3. Beschreibung der Stichprobe

4. Ergebnisse

4.1 Allgemeine Motive

4.2 Sozioökonomische Motive

4.3 Pädagogisch-gesellschaftliche Motive

4.4 Faktorenanalyse über die Motive

5. Diskussion

Literatur

Anhang


Berufswahlmotive angehender LehrerInnen

4

1. Problemwahl und Fragestellungen

,Warum willst du Lehrer werden?′ - eine Frage auf die es unzählige Antworten geben

kann. Man möchte fast meinen, dass bei keinem Berufsbild so unzählig viele

Berufswahlmotive in Frage kommen, wie es bei Lehrern der Fall ist.

Die Wahl eines Berufes stellt einen komplizierten Entscheidungsprozess dar, der unter

anderem durch Aspekte wie individuelle Motive, Wünsche und Sozialisationsprozesse

beeinflusst wird. Weitere Aspekte können die Vorstellungen und Informationen sein, die

man über das jeweilige Berufsbild hat. Ebenso beeinflussen die persönlichen

Einschätzungen der eigenen Fähigkeiten (,,das liegt mir, dass kann ich schaffen" oder

,,damit wäre ich überfordert") die Berufswahl. Ein weiteres Entscheidungsmerkmal

können Dauer und Kosten des Studiums bzw. der Ausbildung sein. Hillmann (2007, 492)

zufolge interessieren in der Pädagogischen Soziologie ,,soziale Herkunft und die

schichtenspezifischen Wertvorstellungen und Gesellschaftsbilder der Lehrer, (sowie) die

sozialen und beruflichen Erwartungen, die mit dem Berufswunsch Lehrer zu werden,

verbunden werden".

Wir gehen davon aus, dass es unterschiedliche Motive zwischen den jeweiligen

Studienbereichen (Grundschule, Hauptschule, Realschule, Gymnasium, Lehramt an

Beruflichen Schulen) gibt. Unsere Fragestellung hierzu lautet:

Gibt es schulartspezifische (Motivations-) Unterschiede hinsichtlich der Aufnahme eines

Lehramtsstudiums?

Eine weitere Bezugsgröße der Untersuchung soll die Differenzierung nach dem

Geschlecht darstellen. Wir nehmen an, dass Männer und Frauen zum Teil aus

unterschiedlichen Gründen den Beruf des Lehrers ergreifen. Hierzu lautet unsere

Fragestellung:

Gibt es geschlechtsspezifische (Motivations-) Unterschiede hinsichtlich der Aufnahme

eines Lehramtsstudiums?

Nach längerer Beschäftigung mit dem Thema der Berufsmotivation angehender Lehrer,

ergab sich für uns folgende zentrale Fragestellung:

Welche Motive stecken hinter der Aufnahme eines Lehramtsstudiums?


Berufswahlmotive angehender LehrerInnen

5

2. Theoretischer Teil

Als Ausgangspunkt stellten wir uns mit den Worten von Beinke (1997, 14) die Frage

,,... nach dem ,Warum′ einer bestimmten Berufswahl" und schlossen uns seiner Meinung,

dies sei ,,bis heute nicht eindeutig geklärt" (ebd.) an. Um einen kleinen Beitrag zur

Klärung dieser Frage zu leisten, begannen wir, uns mit Berufswahltheorien und Ideal-

sowie Medienbildern von Lehrern auseinander zu setzen.

Die persönlichkeitsorientierte Berufswahltheorie von John Holland geht davon aus, dass

für die Wahl einer Profession sowohl individuelle Prämissen als auch Umweltprämissen in

gleicher Weise eine Rolle spielen. Ein bestimmter Persönlichkeitstyp strebt zu einem ihm

entsprechenden Umweltmodell (vgl. das RIASEC-Modell bei Bergmann & Eder 2005).

Wenn es eine Passung gibt zwischen dem Persönlichkeitstyp und dem Umweltmodell, in

dem sich die Person befindet, dann verspricht dies, nach Holland, Berufserfolg und

Zufriedenheit (vgl. Beinke). Auch die These vom Person-Environment-Misfit, also der

Nicht-Passung zwischen Person und (Arbeits-) Umwelt, als Stressor spielt hier eine Rolle:

,,Bei einem Ungleichgewicht zwischen Belastungen und Belastbarkeit ­ auch als Person-

Environment-Misfit bezeichnet ­ resultiert eine hohe Beanspruchung im Sinne eines

krankheitsfördernden negativen Stresses" (Weber 2002, 31).

Um unserer Problemwahl und unseren Ausgangsfragestellungen gerecht zu werden, soll

nun zum einen ausdifferenziert werden, was den Beruf des Lehrers allgemein ausmacht

(Welche Motive stehen hinter der Aufnahme eines Lehramtsstudiums?). Wie sieht also

die Umwelt aus, zu der die angehenden Lehramtsstudenten streben? Zum anderen muss

nun auch eine Umwelt definiert werden, die für die einzelnen Schultypen (bzw. von uns zu

definierenden Gruppen von Schultypen) gilt (Gibt es schulartspezifische Unterschiede?)

sowie eine wahrscheinlich von äußeren Erwartungen geprägte geschlechtsspezifische

Umwelt (Gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede?).

Was macht nun also den Beruf des Lehrers idealiter aus?

Der Deutsche Bildungsrat beschrieb bereits 1970 die ,klassische′ Lehrerrolle. Die

Hauptfunktionen sind demnach:

1. Lehren ­ dazu gehört die Vermittlung von Kenntnissen und Fertigkeiten ebenso wie Verständnis

für Zusammenhänge und Problembewusstsein.

2. Erziehen als Hilfe zur persönlichen Entfaltung und Selbstbestimmung des Schülers.

3. Beurteilen ­ als Feststellung der Leistungen, aber auch als fördernde Diagnose der

individuellen Entwicklungs- und Entfaltungsmöglichkeiten.

4. Beraten ­ sowohl hinsichtlich der persönlichen Schullaufbahn als auch bei

Verhaltensschwierigkeiten.

5. Innovieren ­ Lehrende sind zentrale Figuren für Reformkonzepte, Schul- und Bildungsreform

sind Sache der Lehrer und Lehrerinnen, nicht allein der Wissenschaft oder Kultusverwaltung.

(Deutscher Bildungsrat 1970, zit. n. Gudjons 2003, 257).



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