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Didaktisch-methodisches Vorgehen im Praktikum „Instrumentelle Analytik“ für PharmaziestudentInnen zur Herausbildung von Fähigkeiten und Fertigkeiten in der HPLC-Analytik

Examination Thesis, 2000, 58 Pages
Author: Sylvia Kaap
Subject: Chemistry

Details

Institution/College: Dresden Technical University
Category: Examination Thesis
Year: 2000
Pages: 58
Grade: 1
Language: German
Archive No.: V135909
ISBN (E-book): 978-3-640-42180-0
ISBN (Book): 978-3-640-42145-9

Abstract

Ziel dieser Arbeit war die Entwicklung einer Unterrichtsverlaufsplanung für das Praktikum „Instrumentelle Analytik“/Teilgebiet HPLC-Analytik. Diese sollte den besonderen Bedingungen von Praktika im Pharmaziestudium gerecht werden. Die dazu eingangs geschilderte Problematik macht deutlich, daß die vorhandenen Bedingungen nicht optimal für die Erfüllung der Funktion der Praktika geeignet sind. Auf motivationaler Ebene wirken sich die unzureichende Anerkennung guter Lehre gegenüber guter Forschung sowie die hohe Lehr- und Betreuungslast negativ auf die Lehrkräfte aus. Die unzureichende pädagogische Ausbildung akademischer Lehrkräfte führt dazu, daß die guten Voraussetzungen für eine problemorientierte Lehrform an der Universität nur ungenügend genutzt werden. Im Praktikum „Instrumentelle Analytik“/Teilgebiet HPLC-Analytik sollen Fähigkeiten auf dem Gebiet der Pharmazeutischen Chemie erworben werden, die in aufbauenden Praktika zu Fertigkeiten ausgebaut werden können, um eine berufliche Handlungskompetenz des Absolventen zu erlangen. Fähigkeiten und Fertigkeiten können im Praktikum schwerpunktmäßig durch rezeptives oder problemorientiertes Lehren vermittelt werden. Gerade weil in zukünftigen Berufsanforderungen das Fachwissen allein nicht ausreicht, sind problemorientierte Ansätze gefragt, um die nötige Selbständigkeit und Variabilität der Lernenden zu fördern. Nach Einführung in die Thematik des problemorientierten Lernens (POL) wurde auf ein Konzept nach TÜMMERS (A-V-EB-E-Konzept) fokussiert. Innerhalb dieser Arbeit konnte gezeigt werden, wie dieses Konzept für den Teilabschnitt HPLC-Analytik des Praktikums „Instrumentelle Analytik“ angewendet werden kann und daß es den besonderen Bedingungen im Pharmaziestudium gerecht wird. Das Konzept bietet grundsätzlich die Möglichkeit ohne größeren Zeitaufwand in modifizierter Form auf andere Teilgebiete des Praktikums „Instrumentelle Analytik“ angewendet werden zu können. Der geringfügig höhere Zeitaufwand sollte dabei in Kauf genommen werden.


Excerpt (computer-generated)

Technische Universität Dresden

Fakultät für Erziehungswissenschaften

Institut für Berufspädagogik

Wissenschaftliche Abschlußarbeit

im Ergänzungsstudium

Berufliche Bildung/Berufliche Erwachsenenbildung

Thema:

Didaktisch-methodisches Vorgehen im Praktikum ,,Instrumentelle Analytik" für

PharmaziestudentInnen zur Herausbildung von Fähigkeiten und Fertigkeiten in

der HPLC-Analytik

vorgelegt von:

Diplom-Biochemikerin

Sylvia Kaap


GLIEDERUNG

1 VORBEMERKUNGEN

1

2 DIE PROBLEMATIK DER GESTALTUNG VON PRAKTIKA IN DER AUSBILDUNG VON
PHARMAZIESTUDENTEN

2

2.1 ZUR FUNKTION VON PRAKTIKA IM PHARMAZIESTUDIUM

2

2.2 PROBLEME BEI DER GESTALTUNG DER PRAKTIKA IM PHARMAZIESTUDIUM

3

2.2.1 PÄDAGOGISCHE AUSBILDUNG UND MOTIVATION DER AKADEMISCHEN LEHRKRÄFTE

3

2.2.2 ANDERE BEDINGUNGEN FÜR DIE DURCHFÜHRUNG VON PRAKTIKA

6

2.3 FRAGESTELLUNGEN ZUR GESTALTUNG SOLCHER PRAKTIKA

7

2.4 METHODISCHES VORGEHEN

8

3 METHODEN ZUR HERAUSBILDUNG VON FÄHIGKEITEN UND FERTIGKEITEN IM
PRAKTIKUM

8

3.1 BEGRIFFE: FÄHIGKEIT, FERTIGKEIT

8

3.1.1 INTENTIONALITÄT VON FÄHIGKEITEN UND FERTIGKEITEN

8

3.1.2 BEGRIFFLICHKEITEN

11

3.2 DIDAKTISCHE KONZEPTE FÜR DAS PRAKTIKUM

12

3.2.1 VORBEMERKUNGEN

12

3.2.2 PROBLEMORIENTIERTES LERNEN (POL) UND PROBLEMORIENTIERTE ANSÄTZE 14

3.2.2.1 Zum Begriff Problem

14

3.2.2.2 Problemlöseprozeß 16

3.2.2.3 POL nach TÜMMERS

17

3.2.2.3.1 Problemstellung 17

3.2.2.3.2 Problemstrukturierung 18

3.2.2.3.3 Lösungssuche 18

3.2.2.3.4 Lösungsprüfung 19

3.2.2.3.5 Lösungsbereitstellung 19

3.2.2.3.6 Schlußbemerkung zu den diskutierten Konzepten

20

3.2.2.3.7 A-V-EB-E-Konzeption 20

3.2.2.4 Die Rolle des Lehrenden und Bedingungen für POL

23

3.2.2.5 Die Herausbildung von Fähigkeiten und Fertigkeiten im Praktikum mit Hilfe von POL

26

4 PLANUNG DER STOFFEINHEIT ,,HPLC-ANALYTIK" IM PRAKTIKUM
,,INSTRUMENTELLE ANALYTIK" FÜR PHARMAZIESTUDENTEN 29

4.1 DAS PRAKTIKUM ,,INSTRUMENTELLE ANALYTIK" 29
4.2 UNTERRICHTSVERLAUFSPLANUNG DER STOFFEINHEIT ,,HPLC-ANALYTIK" 30

4.2.1 ALLGEMEINE UNTERRICHTSBEDINGUNGEN

30

4.2.2 VORBEREITUNG DES ARBEITSPLATZES UND DER ARBEITSMITTEL 31

4.2.3 LEHRZIELE

32

4.2.4 THEMATIK

32

4.2.5 ÜBERSICHT

35

4.2.6 BESCHREIBUNG DER UNTERRICHTSVERLAUFSPLANUNG 37

4.2.6.1 Problemstellung 37

I


4.2.6.2 Problemstrukturierung 38

4.2.6.3 Lösungssuche 41

4.2.6.4 Lösungsprüfung 41

4.2.6.5 Lösungsbereitstellung 42

4.2.6.6 Bewertung der Unterrichtsverlaufsplanung

42

5 ZUSAMMENFASSUNG

44

6 LITERATURVERZEICHNIS

46

7 DANKSAGUNG

49

8

ANLAGEN

51

II


Abkürzungsverzeichnis

AAppO Approbationsordnung

für

Apotheker

AB

Arzneibuch

AM

Arzneimittel

DAB

Deutsches

Arzneibuch

DC

Dünnschichtchromatographie, ein physikalisch-chemisches Analyseverfahren

EAB

Europäisches

Arzneibuch

GC

Gaschromatographie, ein physikalisch-chemisches Analyseverfahren

HPLC Hochdruckflüssigkeitschromatographie, ein physikalisch-chemisches

Analyseverfahren

HRG

Hochschulrahmengesetz

IR

Infrarotspektroskopie, ein physikalisch-chemisches Analyseverfahren

MeOH

Methanol

MS

Massenspektroskopie, ein physikalisch-chemisches Analyseverfahren

NMR

Kernspinresonanzspektroskopie, ein physikalisch-chemisches

Analyseverfahren

POL

problemorientiertes

Lernen

SHG

Sächsisches

Hochschulgesetz

UV

Spektroskopie im ultravioletten Lichtbereich, ein physikalisch-chemisches

Analyseverfahren

III


,,Die deutschen Universitäten sind der Stolz unserer Nation, unvergänglich scheint uns ihr

Glanz, ... und doch beginnen seit einiger Zeit Schatten aufzusteigen, die uns um die Wahrung

des alten Glanzes ernstlich besorgt machen müssen, so viel auch gerade neuerdings für die

äußere Ausstattung des akademischen Unterrichts gethan wird ... Ist vielleicht der

Universitätsunterricht selber verbesserungswürdig?" (BERNHEIM 1898)

IV


1 Vorbemerkungen

Wie die eingangs zitierten Zeilen von BERNHEIM belegen sollen, war auch schon vor mehr als

100 Jahren eine Unzufriedenheit mit der universitären Lehrqualität vorhanden. Dieser

Problemkreis ist auch heute noch aktuell. Zudem gewinnt er im Rahmen von Plänen zum

Stellenabbau an den Universitäten und der damit einhergehenden Evaluation zusätzlich an

Bedeutung. An moderner technischer Ausstattung mangelt es an deutschen Universitäten

nicht; viele neue, zeitgemäße Forschungsstätten sind in den letzten Jahren entstanden. Die

Qualität der Lehre läßt dennoch zu wünschen übrig: es existiert ein Mangel an guten

pädagogischen Konzepten für universitäre Lehrveranstaltungen, insbesondere in den

Naturwissensschaften. Eine mögliche Erklärungsgrundlage stellt die größtenteils fehlende

pädagogische Ausbildung akademischer Lehrkräfte in diesem Wissenschaftszweig dar. Neben

der hohen Betreuungslast tragen verschiedene andere Bedingungen zusätzlich zur

Demotivierung der Lehrenden bei. Die verbreitete rezeptive Lehrform ist für die Vermittlung

zukünftiger Berufsanforderungen nur ungenügend geeignet. Daraus ergibt sich die

Notwendigkeit praxisorientierte, sowie leicht handhabbare Konzepte zu entwickeln, die diesen

besonderen Bedingungen an den Hochschulen gerecht werden können.

In der vorliegenden Arbeit soll ein Baustein für eine verbesserte Lehre und zukunftsorientierte

Ausbildung der Studenten, speziell im Praktikum des Pharmaziestudiums entwickelt werden.

Anmerkungen:

Grundsätzlich soll in der bearbeiteten Thematik die Interaktion zwischen Lehrendem und

Lernendem im Mittelpunkt stehen. Nicht immer werden diese Personen in den zahlreichen,

zitierten Veröffentlichungen, welche z.T. auch aus der Berufsausbildung (und nicht aus der

Hochschuldidaktik) stammen, so bezeichnet. Deshalb gelten synonym für Lehrende auch die

Begriffe Lehrer, Lehrkraft, Pädagogen und Praktikumsleiter bzw. für Lernende werden die

Begriffe Schüler, Studenten, Lehrlinge sowie Auszubildende eingesetzt.

Grammatisch maskuline Personenbezeichnungen in dieser Arbeit gelten ebenso für Personen

weiblichen Geschlechts.

1


2 Die Problematik der Gestaltung von Praktika in der Ausbildung von

Pharmaziestudenten

2.1 Zur Funktion von Praktika im Pharmaziestudium

Lehre und Forschung sind die Hauptaufgaben der Hochschule. Zur Lehrverpflichtung heißt es

in § 7 des Hochschulrahmengesetz (HRG): ,,Lehre und Studium sollen den Studenten auf ein

berufliches Tätigkeitsfeld vorbereiten und ihm die dafür erforderlichen fachlichen Kenntnisse,

Fähigkeiten und Methoden ... vermitteln ... ."

Die Lehrveranstaltungen an Hochschulen und Universitäten können in verschiedenen Formen

durchgeführt werden. Neben Vorlesungen existieren Seminare, Übungen, Exkursionen und

Praktikumsveranstaltungen. Während Vorlesungen die Aufgabe haben, theoretisches Wissen

in Form von Lehrvorträgen zu vermitteln, wird in Seminaren und Übungen ein größeres

Augenmerk auf die Aneignung von theoretischem Wissen durch ein gelenktes Gespräch oder

auch Gruppenarbeit gelegt. Exkursionen dienen als Anschauungsunterricht außerhalb der

Hochschule.

Laut Studienordnung des Studiengangs Pharmazie an der Universität Leipzig ist die Funktion

von Praktika folgendermaßen definiert: ,,Erwerb ... von Kenntnissen durch Bearbeitung

praktischer und experimenteller Aufgaben im Zusammenhang mit der Erarbeitung

wissenschaftlicher Grundlagen, Erkenntnissen und Methoden. Eine praktische

Lehrveranstaltung gliedert sich in einen praktischen und einen theoretischen Teil." D.h. es

werden praktische Aufgabenstellungen zur Erarbeitung von Methoden genutzt; Praktika sollen

also zur Aneignung von praktischen Fähigkeiten und Fertigkeiten dienen, die verbunden mit

theoretischen Kenntnissen und Erkenntnissen vermittelt werden. Dem letztgenannten Aspekt

trägt besonders die Tatsache Rechnung, daß auch praktische Lehrveranstaltungen einen

theoretischen Teil enthalten sollen. Dieser sollte jedoch nur eine kurze theoretische

Einführung sein und stellt keinesfalls den Ersatz für die dazugehörige Vorlesung/Seminar dar.

Deshalb ist es unbedingte Voraussetzung, daß thematisch verbundene Vorlesungen zu den

jeweiligen Praktikumsveranstaltungen zeitlich korrelieren.

Das Pharmaziestudium in Deutschland (vgl. Approbationsordnung; AAppO) gliedert sich

analog zu Berufsausbildungen im Dualen System in 3 Stufen. Die fünfjährige Ausbildung

umfaßt ein jeweils zweijähriges Grund- und Hauptstudium sowie eine einjährige

außeruniversitäre Stufe. Dementsprechend dienen die Lehrveranstaltungen der ersten Stufe

mehr zur Vermittlung von Grundkenntnissen bzw. Fähigkeiten im Praktikum. Darauf

aufbauend zielt das Hauptstudium auf die Ausbildung von Erkenntnissen in den theoretisch

2


orientierten Lehrveranstaltungen und Fertigkeiten in den Praktika ab. In der letzten

außeruniversitären Phase steht die Ausbildung der beruflichen Handlungskompetenz im

Vordergrund, so daß die Absolventen ausreichend für eine berufliche Tätigkeit in der

öffentlichen Apotheke, der Krankenhausapotheke oder in der Industrie, vorbereitet sind. Aber

auch die universitäre Ausbildung, also die Veranstaltungen im Grund- und Hauptstudium,

sollen schon einen ,, ... Bezug zur Praxis ...", herstellen (§ 8, Sächsisches Hochschulgesetz -

SHG).

Zusammenfassend kann gesagt werden, daß die Funktion von Praktika im Pharmaziestudium

in der Herausbildung von praktischen, theoretisch untermauerten Fähigkeiten und Fertigkeiten

besteht, die zum Bestehen von Prüfungsleistungen befähigen und damit zur Erlangung

praxisorientierter, beruflicher Handlungskompetenz führen.

2.2 Probleme bei der Gestaltung der Praktika im Pharmaziestudium

2.2.1 Pädagogische Ausbildung und Motivation der akademischen Lehrkräfte

Obwohl Lehre und Forschung als gleichberechtigte Aufgaben der Hochschulen definiert sind,

ist ein problemlos-funktionierender Ablauf von Lehrveranstaltungen immer noch das Idealbild

universitärer Lehre. Für die Mitarbeiter ist die Lehre nur ein Segment ihrer wissenschaftlichen

Aktivitäten; ihr beruflicher Werdegang ist primär vom Erbringen wissenschaftlicher

Forschungsleistungen abhängig. Zudem spielt eine pädagogische Ausbildung innerhalb des

Studiums bis zur Erlangung einer universitären Lehrbefugnis, der Habilitation, keine Rolle.

Ein naturwissenschaftliches Hochschulstudium, wie z.B. das Pharmaziestudium umfaßt keine

pädagogischen Inhalte. Selbst innerhalb des Habilitationsverfahrens reicht eine

Probevorlesung zur Erlangung der Lehrerlaubnis aus. Habilitation und Lehrbefugnis für eine

Universität werden zwar letztendlich getrennt vergeben, der Aufwand für die fachliche

Qualifizierung ist jedoch ungleich höher, als für die Anerkennung der pädagogischen

Eignung. Lt. § 8 SHG sollen ,, ... Formen der Lehre und des Studiums ... den methodischen

und didaktischen Erkenntnissen entsprechen ...", das heißt nicht, daß die Universität zur

höheren Lehranstalt mutieren sollte, sondern Forschung UND Lehre als gleichberechtigte

Aufgabenbereiche gelten, über die sich Universität definiert.

Demgegenüber steht noch die traurige Tatsache, daß die Hochschulmitarbeiter ihr

pädagogisches Defizit mitunter nicht erkennen. So hat z.B. eine Umfrage an österreichischen

Hochschulen ergeben (LEITNER 1993 S. 59), daß Probleme in der Lehre in folgenden

3



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