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Subtitle: Eine Analyse der Darstellung der Stasi im Film anhand des Films "Das Leben der Anderen"
Termpaper, 2009, 26 Pages
Author: Roman Behrens
Subject: History - Postwar Period, Cold War
Details
Institution/College: Carl von Ossietzky University of Oldenburg (Institut für Geschichte)
Tags: Stasi, Ulrich Mühe, DDR, Staatssicherheit, MfS, Ministerium für Staatssicherheit, Deutsche Demokratische Republik, Erich Mielke, Erich Honnecker, System, Die Sonate vom guten Menschen, Künstlerpaar, Georg Dreymann, Christa Maria Sieland, Bruno Hempf, Florian Henkel von Donnersmarck, Oscar, Oskar, Hollywood, Berlin
Year: 2009
Pages: 26
Grade: 1,7
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-43554-8
ISBN (Book): 978-3-640-43564-7
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Abstract
„Mit dem MfS entstand ein spezielles Organ der Diktatur des Proletariats, das in der Lage ist und über alle Mittel verfügt, unter der Führung der SED gemeinsam mit den anderen staatlichen Organen und bewaffneten Kräften und in enger Verbundenheit mit den Werktätigen die Arbeiter-und-Bauern-Macht und die revolutionäre Entwicklung zuverlässig gegen jede konterrevolutionäre Tätigkeit äußerer und innerer Feinde der DDR zu schützen sowie die innere Sicherheit und Ordnung allseitig zu gewährleisten“. Diese programmatische Beschreibung des Ministeriums für Staatssicherheit durch dessen langjährigen Leiter, Erich Mielke, ist ein interessantes Zeugnis dafür, dass es in der ehemaligen DDR nur unter größten Gefahren möglich war, ein unbeschwertes Leben zu führen, in dem man frei von Zwängen seine Meinung äußern und dabei einen vielleicht kritischen Blick auf die Partei und das Land werfen konnte. Ganz besonders deutlich wird dieser Punkt wenn man sich fragt, inwiefern es für Mitarbeiter der Stasi möglich war neben der ideologischen Doktrin eine eigene Meinung zum System zu vertreten, die vielleicht nicht politisch oder ideologisch gefärbt war. Der deutsche Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck nahm sich dieser Thematik an und drehte mit ‚Das Leben der Anderen’ einen Film, der genau ein solches Schicksal zu beleuchten versucht. Seine Hauptfigur, Hauptmann Wiesler, begegnet dem Zuschauer zu Beginn des Films als starres, von der Ideologie der Staatssicherheit durchdrungenes Instrument, welches im weiteren Verlauf des Films einen Wandel durchmacht. Alle gängigen Stereotypen der Stasi als perfides und verbrecherisch wirkendes Ministerium innerhalb der DDR finden Einklang in der Darstellung des Hauptmanns, der im Film einen Auftrag seines Vorgesetzten bekommt und einen potentiellen „konterrevolutionären“ Autor überwachen soll. Diese Tätigkeit zieht sich wie ein roter Faden durch den Film und man bemerkt als Zuschauer eine Entwicklung Wieslers vom linientreuen Stasi-Hauptmann hin zum nachdenklichen, emotionalen Menschen. Welches Bild zeichnet der Regisseur von der Stasi, welche Stereotypen greift er auf und wie setzt er diese im Film um? Inwiefern benutzt er filmästhetische Mittel wie Kameraeinstellungen, Licht oder Kostüme um zu betonen, zu entkräften oder den Zuschauer vielleicht zu beeinflussen?
Excerpt (computer-generated)
Fakultät IV Institut für Geschichte
AM6 Geschichtskultur
,,Die Sonate vom guten Menschen"
Eine Analyse der Darstellung der Stasi im Film
,,Das Leben der Anderen"
Roman Behrens
Bachelor of Arts
Geschichte/ Sozialwissenschaften
Fachsemester: 4
1
Fakultät IV Institut für Geschichte
AM6 Geschichtskultur
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Das Leben der Anderen eine kurze Inhaltsangabe 4
3. Die Filmische Darstellung der Stasi
3.1
Minister Bruno Hempf 5
3.2
Oberstleutnant Anton Grubitz 7
3.3
Hauptmann Gerd Wiesler 9
4. Historischer Hintergrund, Geschichtsbild und öffentliche Wahrnehmung 13
5. Fazit 18
6. Literaturverzeichnis 20
7. Anhang 21
2
Fakultät IV Institut für Geschichte
AM6 Geschichtskultur
1. Einleitung
,,Mit dem MfS entstand ein spezielles Organ der Diktatur des Proletariats, das in der Lage
ist und über alle Mittel verfügt, unter der Führung der SED gemeinsam mit den anderen
staatlichen Organen und bewaffneten Kräften und in enger Verbundenheit mit den
Werktätigen die Arbeiter-und-Bauern-Macht und die revolutionäre Entwicklung zuverlässig
gegen jede konterrevolutionäre Tätigkeit äußerer und innerer Feinde der DDR zu schützen
sowie die innere Sicherheit und Ordnung allseitig zu gewährleisten".1
Diese programmatische Beschreibung des Ministeriums für Staatssicherheit2 durch dessen
langjährigen Leiter, Erich Mielke, ist ein interessantes Zeugnis dafür, dass es in der
ehemaligen DDR nur unter größten Gefahren möglich war, ein unbeschwertes Leben zu
führen, in dem man frei von Zwängen seine Meinung äußern und dabei einen vielleicht
kritischen Blick auf die Partei und das Land werfen konnte. Ganz besonders deutlich wird
dieser Punkt wenn man sich fragt, inwiefern es für Mitarbeiter der Stasi möglich war
neben der ideologischen Doktrin eine eigene Meinung zum System zu vertreten, die
vielleicht nicht politisch oder ideologisch gefärbt war. Der deutsche Regisseur Florian
Henckel von Donnersmarck nahm sich dieser Thematik an und drehte mit ,Das Leben der
Anderen′ einen Film, der genau ein solches Schicksal zu beleuchten versucht. Seine
Hauptfigur, Hauptmann Wiesler, begegnet dem Zuschauer zu Beginn des Films als starres,
von der Ideologie der Staatssicherheit durchdrungenes Instrument, welches im weiteren
Verlauf des Films einen Wandel durchmacht. Alle gängigen Stereotypen der Stasi als
perfides und verbrecherisch wirkendes Ministerium innerhalb der DDR3 finden Einklang in
der Darstellung des Hauptmanns, der im Film einen Auftrag seines Vorgesetzten bekommt
und einen potentiellen ,,konterrevolutionären" Autor überwachen soll. Diese Tätigkeit zieht
sich wie ein roter Faden durch den Film und man bemerkt als Zuschauer eine Entwicklung
Wieslers vom linientreuen Stasi-Hauptmann hin zum nachdenklichen, emotionalen
Menschen. ,,Das Leben der Anderen", mit unzähligen internationalen Preisen
ausgezeichnet, darunter u.a. der Oscar für den besten ausländischen Film sowie mehrere
Bayerische Filmpreise, soll als Untersuchungsgegenstand für die Frage nach dem Leben im
System fungieren. Welches Bild zeichnet der Regisseur von der Stasi, welche Stereotypen
greift er auf und wie setzt er diese im Film um? Inwiefern benutzt er filmästhetische Mittel
wie Kameraeinstellungen, Licht oder Kostüme um zu betonen, zu entkräften oder den
Zuschauer vielleicht zu beeinflussen?
1 Gieseke, Jens: Die DDR-Staatssicherheit. Schild und Schwert der Partei. Berlin 2000. S.6.
2 Aus Gründen der Lesefreundlichkeit wird im Folgenden das Kürzel MfS verwendet.
3 Dümmel, Karsten/ Schmidt, Christian (Hg.): Was war die Stasi Einblicke in das Ministerium für Staatssicherheit
der DDR (MfS) (Zukunftsforum Politik, Nr.43), Sankt Augustin 2002, S.7.
3
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AM6 Geschichtskultur
Ich möchte mich daher im Folgenden auf die filmische Umsetzung der Stasi konzentrieren
und dies auch am Wandel der Hauptfigur festmachen. Dass es in den letzten Jahren ein
großes Interesse an der Aufarbeitung der DDR und seiner Geschichte gegeben hat,
beweisen vermehrte wissenschaftliche Studien und auch die breite Öffentlichkeit erfährt
anhand von Filmen wie z.B. ,Sonnenallee′, ,NVA′ oder ,Das Leben der Anderen′ eine
Fokussierung auf diese Thematik. Daher soll in dieser Hausarbeit aufgezeigt werden, wie
und mit welchen Mitteln die Stasi im Film dargestellt wurde, inwiefern ein innerer Wandel
in diesem System möglich war und letztlich ob es sich bei ,,Das Leben der Anderen" nur
um eine Ode an die Pflicht und die Verantwortung handelt oder der Film vielleicht doch
eine Sonate vom guten Menschen darstellt.
2. Das Leben der Anderen eine kurze Inhaltsangabe
Gerd Wiesler, ein linientreuer Hauptmann der Staatssicherheit erhält von seinem
Vorgesetzten Anton Grubitz den Auftrag, den erfolgreichen Dramatiker und Autor Georg
Dreymann zu überwachen und Beweise für angeblich regimefeindliche Aktivität zu
sammeln. Dieser Auftrag wird von Minister Bruno Hempf überwacht, der in Dreymann nur
einen Konkurrenten sieht, da er selbst um Dreymanns Freundin, die bekannte
Schauspielerin Christa-Maria Sieland buhlt. Wiesler observiert das Paar und nimmt somit
einen entscheidenden Anteil am Leben der beiden. Im Verlauf der Observation entwickelt
sich eine Sympathie für dieses ,,Leben der anderen" und er beginnt, wichtige Erkenntnisse
und Beweise zu unterschlagen. Nachdem Sieland unter Druck eine Affäre mit Hempf
beginnt, lässt Wiesler den Autor Dreymann Zeuge dieser Verbindung werden und das
darauf folgende Leben des Künsterpaares verändert sich nun spürbar. Als sich Albert
Jerska, ein befreundeter Theaterregisseur mit Berufsverbot das Leben nimmt, beginnt
Dreymann für das westdeutsche Nachrichtenmagazin ,,Der Spiegel" einen Artikel über die
hohe Suizidrate in der DDR zu schreiben, den er auf einer ihm von einem West-Redakteur
bereitgestellten Schreibmaschine verfasst. Als der Artikel erscheint, ruft er unter den
Machthabern enorme Unruhe hervor, jedoch kann man Dreymann nichts nachweisen, da
Wiesler schon lange Abhörprotokolle fälscht. Da sich Christa-Maria nicht mehr mit Hempf
treffen will, erpresst er sie mit ihrem Medikamentenmissbrauch und lässt sie durch den
Hauptmann verhören. Unter Druck offenbart sie den Ort der Schreibmaschine und fährt,
nun freigelassen, zu Dreymann. Wiesler lässt die Schreibmaschine währenddessen
verschwinden und somit ist Dreymann bei der darauf folgenden Durchsuchung unschuldig.
Sieland stürzt sich aus Verzweiflung vor einen LKW und stirbt. Die Observation wird
abgebrochen und Wiesler strafversetzt. Nach Jahren beginnt Dreymann seine Geschichte
4
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zu recherchieren und veröffentlicht die Erkenntnisse im Buch ,,Die Sonate vom guten
Menschen", welches sich auch der mittlerweile als Briefträger tätige Wiesler kauft und sich
selbst wiedererkennt.
3. Die filmische Darstellung der Stasi
3.1. Minister Bruno Hempf
Bruno Hempf (gespielt von Thomas Thieme) taucht in mehreren Szenen des Films auf, die
allesamt einen Schlüsselcharakter besitzen. Zum Einen in den ersten Szenen des Films,
als er im Theater seinem Abteilungsleiter Oberstleutnant Anton Grubitz den Auftrag erteilt,
etwas über den Autor Georg Dreymann herauszufinden und so die Geschichte ihren
eigentlichen Lauf nimmt. Im weiteren Geschehen taucht er immer wieder als der
skrupellose Minister in seiner Dienstlimousine auf, als er Christa-Maria Sieland zu den
Treffen abholt und vor der Wohnung wieder absetzt. Und zu guter letzt, als sich Dreymann
und Hempf nach der Wende bei der Premiere eines Stückes wiedersehen und er dem
Autor erzählt, dass er abgehört und observiert wurde, woraufhin Dreymann zu
recherchieren beginnt und diese Zeit in seinem Roman verarbeitet. Hempf, der vor seiner
Stellung als Kulturminister im Zentralkomitee ebenfalls beim MfS tätig war, wird im
gesamten Film mittels Sprache, Einstellungsgrößen und Kameraperspektiven als ein skru-
pelloser und machtbewusster Mensch dargestellt, dem seine eigenen Interessen über alles
gehen. Er weiß alles und er kennt die Mittel und Möglichkeiten, seine Ziele zu erreichen.
Auch wenn er dabei Menschen wie Marionetten aussehen lässt und damit das
Instrumentarium der Erpressung bedient, so ist er sich keiner Schuld bewusst und steht
auch weit nach der Wende immer noch zu seiner ,,kleinen Republik, welche von dieser BRD
wieder eingegliedert wurde"4 Besessen von seiner Liebe, sofern man davon sprechen
kann, zu Sieland ist ihm jedes Mittel recht seinen Gegner zu kompromittieren und auch
Sieland selbst stellt er wegen ihres Medikamentenkonsums bloß und lässt sie durch
Grubitz im Verhör erpressen.
Bruno Hempf wird im Film durchweg als Minister mit ihm eigenen Attributen wie Limousine
nebst Chauffeur, persönlichem Assistent und großer Machtfülle gezeigt. Das Perfide an
seiner Person ist der Missbrauch und die Skrupellosigkeit, die er mit seinem Amt vereinigt.
Er wird filmästhetisch mit verschiedenen Mitteln portraitiert, die man im Film sehr gut
herausarbeiten kann. Wenn z.B. Hickethier von der Eigenschaft der Lichtgestaltung als
entscheidende Rolle schreibt, weil die Beleuchtung unterschiedliche Stimmungen erzeugt
4 Anlage 1.
5
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und diese als Eigenschaften einer Situation oder auch eines Charakters verstanden
werden5, so kommt diesem Aspekt in ,,Das Leben der Anderen" eine besondere Rolle zu.
Szenen, in denen Hempf erscheint, erhalten durch die Ausleuchtung eine ganz eigene
Stimmung. Exemplarisch sei hier die Szene in der Limousine genannt, in der er Christa-
Maria Sieland begehrt und mit ihr intim wird. Seine Person bleibt wie im ganzen Film
mysteriös und geheimnisvoll, belegt durch die nur leichte Ausleuchtung im Fahrzeug.6
Ganz im Gegensatz dazu Christa-Maria, welche viel deutlicher und damit wahrnehmbarer
ausgeleuchtet wird. Ein anderes Beispiel ist die Sachstandsmitteilung durch Grubitz im
Auto des Ministers. Wieder wird er als geheimnisvoll und damit fast unnahbar dargestellt,
diesmal aber durch verschlossene Gardinen und getönte Fensterscheiben, die seiner
Autorität als Kulturminister und damit als ,,hoher Bonze"7 gerecht werden. Bei Blick auf die
Kameraperspektive fällt auf, dass der Minister immer aus leicht niederer Sicht gefilmt
wird. Diese Untersicht oder auch Froschperspektive lässt ihn als bedeutend und mächtig
erscheinen.8 Im Wechselspiel zwischen Grubitz und Hempf wechseln ebenfalls die
Einstellungsgrößen, je nachdem welche Figur zu sehen ist. Hempf wird grundsätzlich in
Großaufnahme gezeigt, Grubitz jedoch nur in der Naheinstellung, das heißt vom Kopf bis
zur Mitte des Oberkörpers. Dies zeigt deutlich welcher von beiden an der Macht steht und
auf den anderen blickt, und damit einhergehend die Befehlsgewalt inne hat.
Bruno Hempf ist die bestimmende Figur in der gesamten Observation. Er lenkt, dirigiert,
weist an und entscheidet. Dies macht ihn unbewusst zum unerbittlichen Regisseur des
ganzen Dramas. Würde er nicht seinen Chauffeur und Mitarbeiter beauftragen, Christa-
Maria Sieland auszuspionieren, wenn sie nicht in der gemeinsamen Wohnung ist, hätte er
auch keine Handhabe bezüglich ihrer Tablettensucht und damit ein geeignetes Mittel sie zu
erpressen, um so ihrer habhaft zu werden. Insgeheim zeichnet der Film hier ein Portrait
eines Menschen, das so sehr mit negativen Eigenschaften wie Skrupellosigkeit,
Kaltblütigkeit und Egoismus geprägt ist, dass es sich hierbei um das Paradebeispiel für
einen Funktionär erster Klasse handelt. Denn Hempf wird stets als das unnahbare und
machtbewusste Wesen dargestellt, das er ist. So scheut er beispielsweise auch nicht davor
zurück bei der Premierenfeier von Dreymanns Stück zu Beginn des Films, während des
Tanzes von Dreymann und Sieland einfach auf die Bühne zu stolpern und die Musik zu
beenden, die daraufhin abrupt endet. Ihm ist es egal, dass er damit die ausgelassene, fast
ungezwungene Premierenstimmung zerstört und den Geist der Partei einbringt, indem er
5 Hickethier, Knut: Film- und Fernsehanalyse. Weimar 20013, S. 79.
6 Anlage 2.
7 Henckel von Donnersmarck, Florian: Das Leben der Anderen. Filmbuch.Suhrkamp Taschenbuch 3786, Frankfurt
2006, S.23.
8 Mikos, Lothar: Film- und Fernsehanalyse, Konstanz 2003, S.187.
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