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Eine Untersuchung der Determinanten des Suizids in der Inneren-Monolog-Novelle 'Fräulein Else', 1924 von Arthur Schnitzler

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2003, 36 Pages
Author: Claudia Sellhoff
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2003
Pages: 36
Grade: 1
Language: German
Archive No.: V13647
ISBN (E-book): 978-3-638-19248-4
ISBN (Book): 978-3-638-64304-7
File size: 238 KB

Abstract

Als "Kenner des menschlichen Seelenlebens" hat Arthur Schnitler 1924 auf psychologisch-literarische Weise in der Novelle "Fräulein Else" den Suizid der Protagonistin als logische Konsequenz ihrer sozialen und psychischen Bedingungen dargestellt. Diese Determinanten des Suizids werden in der vorliegenden Arbeit untersucht. Zunächst wird an Hand Schnitzlers Biographie der Frage nachgegangen, woher dieser sein psychologisch fundiertes Wissen hatte und welchen Einfluss sein Zeitgenosse Sigmund Freud auf sein literarisches Schaffen nahm. Schnitzler erreicht beim Rezipienten ein hohes Maß an Empathie mit der Protagonistin, die Frage, wie er das technisch umsetzt, wird in der formalen Analyse des Inneren Monologes sowie im Aufbau der Novelle betrachtet. Elses gesellschaftliche Situation, ihre Beziehungen zum Vater, zur Mutter, Cissy und Paul werden mit dem Fokus auf die Forderung Herrn von Dorsdays als nicht lösbaren Konflikt, untersucht. Warum sie an diesem Konflikt scheitert, wird an Hand ihrer psychischen Disposition, ihren inadäquaten Lösungsstrategien und ihrem problematischen Liebeskonzept, herausgestellt. Zuletzt interessiert die Frage, ob die Protagonistin literarisch tatsächlich stirbt. Wie wahrscheinlich ist das letale Ende Elses, bedenkt sie doch selbst, "vielleicht habe ich nicht einmal genug Veronal."?


Excerpt (computer-generated)

Universität zu Köln
Institut für Deutsche Sprache und ihre Didaktik der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät
Seminar für Literaturwissenschaft und Didaktik

Hausarbeit:

"Geheimnisvoller Selbstmord einer jungen Dame der Wiener Gesellschaft"

Eine Untersuchung der Determinanten des Suizids in der Inneren-Monolog-Novelle "Fräulein Else", 1924 von Arthur Schnitzler

Seminar: 7354
Liebeskonzepte und Geschlechterkonstellationen in
ausgewählten Texten des 19. und 20. Jahrhunderts

Semester: Wintersemester 2002/2003

Claudia Mergen

8. Semester, Sonderschulpädagogik LA, Deutsch Sek I

 

Inhaltsverzeichnis 

Vorwort 1

Einleitung 1

1. Biographische Angaben zu Arthur Schnitzler 2
1.1 Arthur Schnitzler und Sigmund Freud 4
1.2 Vorbilder und Einflüsse der Novelle 5

2. Inhaltsangabe "Fräulein Else" 6

3. Formale Analyse 7
3.1 Die Erzähltechnik Innerer Monolog 7
3.2 Der Aufbau der Novelle 8
3.3 Die Motive 9

4. Inhaltsanalyse 10
4.1 Soziale Determinanten des Suizids der Protagonistin 10
4.1.1 Familiäre Situation 12
4.1.2 Soziale Bedingungen ihres weiteren Umfeldes 16
4.1.2.1 Die sexuelle Nötigung Herrn von Dorsdays 16
4.1.1.1 Die distanzierte Beziehung Elses zu ihrem Cousin Paul 18
4.1.1.2 Cissy Mohr als auslösender Moment des Suizids 19
4.2 Innerpsychische Determinanten des Suizids 21
4.2.1 Elses Liebeskonzept 22
4.2.2 Inadäquate Strategien der Konfliktbewältigung 25
4.3 Die öffentliche Inszenierung ihrer Exhibition 27
4.4 Das prämenstruellle Syndrom als Einflussfaktor auf die Stimmungslage 27

5. Zusammenfassende Begründung des Suizids 28

6. Die Wahrscheinlichkeit des letalen Ausgangs 29

7. Schlussbetrachtung 31

Literaturverzeichnis




Vorwort

Im Rahmen des Seminars 7354 "Geschlechterkonstellationen und Liebeskonzepte in ausgewählten Texten des 19. und 20. Jahrhunderts" im Wintersemester 02/03 habe ich mich vertieft mit dem Suizid in der Inneren-Monolog-Novelle "Fräulein Else" (1924) von Arthur Schnitzler beschäftigt.

Einleitung

Einleiten möchte ich mit Franz Kafkas "Kleine Fabel" (1920):
"Ach", sagte die kleine Maus, "die Welt wird enger mit jedem Tag. Zuerst war sie so breit, dass ich Angst hatte, ich lief weiter und war glücklich, dass ich endlich rechts und links in der Ferne Mauern sah, aber diese lange Mauern eilen so schnell aufeinander zu, dass ich schon im letzten Zimmer bin, und dort im Winkel steht die Falle, in die ich laufe."
"Du musst nur die Laufrichtung ändern." sagte die Katze und fraß sie.1

Unausweichlich ist der Weg des Scheiterns der "kleinen Maus" in Kafkas Fabel, und so unausweichlich gestaltet auch Arthur Schnitzler das Scheitern der Fräulein Else. Die "persönliche Katastrophe"2 ist in der Novelle "Fräulein Else" der Suizid der Protagonistin, die antizipiert, "Geheimnisvoller Selbstmord einer jungen Dame der Wiener Gesellschaft".3
Schnitzler hat 1924 als "Kenner des menschlichen Seelenlebens"4 auf psychologisch-literarische Weise den Selbstmord Elses als logische Konsequenz äußerer Bedingungen als auch ihrem inneren Gefühlsleben dargestellt. Dabei sind die psychopathologischen Aspekte Elses Verhaltens als Symptom eines gesellschaftlichen Auslösers anzusehen. In der vorliegenden Hausarbeit sollen nun diese Determinanten des Suizids, sowohl die sozialen als auch die psychisch-individuellen, herausgearbeitet werden.
Zunächst werde ich anhand Schnitzlers Biographie der Frage nachgehen, woher dieser ein solch psychologisch fundiertes Wissen hatte und welchen Einfluss sein Zeitgenosse Sigmund Freud auf sein literarisches Schaffen nahm. Schnitzler erreicht beim Rezipienten ein hohes Maß an Empathie mit der Protagonistin, die Frage danach, wie er das technisch umsetzt, werde ich in der formalen Analyse des Inneren Monologes sowie im Aufbau der Novelle betrachten. 

Zur Begründung des Suizids werde ich dann Elses gesellschaftliche Bedingungen, hier vor allem ihre Beziehung zum Vater, aber auch der Mutter, Cissy und Paul untersuchen. Schließlich stellt die Forderung Herrn von Dorsdays Else vor einen nicht lösbaren Konflikt. Warum sie an diesem Konflikt scheitert, werde ich anhand ihrer psychischen Determinanten, ihren inadäquaten Lösungsstrategien und ihrem problematischen Liebeskonzept herausstellen. Zuletzt interessiert mich die Frage, ob die Protagonistin literarisch tatsächlich stirbt. Wie wahrscheinlich ist das letale Ende Elses, bedenkt sie doch selbst, "vielleicht habe ich nicht einmal genug Veronal."?5

1. Biographische Angaben zu Arthur Schnitzler

[...]


1 Franz Kafka in "Texte, Themen und Strukturen", Seite 18
2 Scheible, Hartmut, "Arthur Schnitzler und die Aufklärung", Seite 70
3 Schnitzler, Arthur "Fräulein Else", Seite 447
4 Reh, Albert, "Literatur und Psychologie", Seite 21
5 Schnitzler, Arthur "Fräulein Else", Seite 447


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