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Termpaper, 2002, 28 Pages
Author: Melanie Feurle
Subject: German Studies - Modern German Literature
Details
Institution/College: University of Hagen (ESG)
Tags: Darstellung, Schizophrenie, Georg, Büchners, Lenz, Zusammenhang, Text, Natur-, Menschenbild, Georg, Büchner, Leben, Werke
Year: 2002
Pages: 28
Grade: 2,3
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-19251-4
ISBN (Book): 978-3-638-64305-4
File size: 170 KB
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Abstract
In dieser Arbeit werde ich mich nicht etwa einer klinischen Krankheitsdarstellung widmen, sondern vielmehr werde ich versuchen die Zusammenhänge herauszufinden zwischen der Art, wie Büchner Lenzens Krankheit darstellt, und dem im Text entfalteten Menschen- und Naturbild. Weiterhin werde ich versuchen das Neuartige von Büchners Darstellung durch Untersuchung des Stils aufzuzeigen. Selbstverständlich wird ebenfalls zu klären sein, welche Rolle die Sprache im ,,Lenz" spielt, wobei besonders das Kunstgespräch im Mittelpunkt stehen wird. Grundsätzlich erschwert werden meine Untersuchungen - genau wie die so vieler anderer - von dem Zustand des Unvollendenseins der Erzählung. Es wird also Untersuchungspunkte, bzw. Untersuchungsergebnisse in dieser Arbeit geben, bei denen ich mich an die Meinung der dann angegebenen Sekundärliteratur halten und einen Grad der Vollendung unterstellen werde, der ein entsprechend wahrscheinliches Untersuchungsergebnis erlaubt. Auch wenn es wohl unmöglich ist, festzustellen in wie weit und an welchen Stellen speziell Büchner seinen Text als vollendet oder noch überarbeitungswürdig empfand.
Excerpt (computer-generated)
Datum: SS 2002
Fachberech: Erziehungs-, Sozial- und Geisteswissenschaften
Kurs: Georg Büchner. Sein Leben und seine literarischen Werke
Die Darstellung der Schizophrenie
in Georg Büchners ,,Lenz" - Fragment
und deren Zusammenhang
mit dem im Text entfalteten Natur- und Menschenbild
Melanie Feurle
6. Semester MA,
Neuere deutsche Literaturwissenschaft, Geschichte
Inhalt:
1.Einleitung
2.Die Darstellung Lenzens und der Nebenpersonen
2.1.Lenz
2.2.Oberlin und Kaufmann
2.3.Die Dorfbewohner
2.4.Lenzens Mutter und Friederike
3.Leitmotive der Lenzerzählung und deren Rolle in der Wahnsinnsdarstellung
3.1.Mensch und Natur
3.2.Göttliches
4.Die Sprache
4.1.Lenzens Sprache
4.2.Symbole der Sprache
4.2.1.Mond - Mutter - Tod
4.2.2.Das Wellenmotiv
4.3.Das Kunstgespräch
5.Zusammenfassung
Anhang: Literaturverzeichnis
1. Einleitung
In dieser Arbeit werde ich mich nicht etwa einer klinischen Krankheitsdarstellung widmen, sondern vielmehr werde ich versuchen die Zusammenhänge herauszufinden zwischen der Art, wie Büchner Lenzens Krankheit darstellt, und dem im Text entfalteten Menschen- und Naturbild. Weiterhin werde ich versuchen das Neuartige von Büchners Darstellung durch Untersuchung des Stils aufzuzeigen. Selbstverständlich wird ebenfalls zu klären sein, welche Rolle die Sprache im ,,Lenz" spielt, wobei besonders das Kunstgespräch im Mittelpunkt stehen wird.
Grundsätzlich erschwert werden meine Untersuchungen - genau wie die so vieler anderer - von dem Zustand des Unvollendenseins der Erzählung. Es wird also Untersuchungspunkte, bzw. Untersuchungsergebnisse in dieser Arbeit geben, bei denen ich mich an die Meinung der dann angegebenen Sekundärliteratur halten und einen Grad der Vollendung unterstellen werde, der ein entsprechend wahrscheinliches Untersuchungsergebnis erlaubt. Auch wenn es wohl unmöglich ist, festzustellen in wie weit und an welchen Stellen speziell Büchner seinen Text als vollendet oder noch überarbeitungswürdig empfand.
2. Die Darstellung Lenzens und die der Nebenpersonen
2.1.Lenz:
Sehr schnell wird klar, dass Büchner seinen ,,Lenz" eine überdeutliche Hauptrolle zugedenkt. Das äußert sich bereits darin, dass die ganze Erzählung seinen Namen und nur seinen Namen trägt. Zu Beginn der Erzählung widmet Büchner mehr als 1 ½ Seiten der Beschreibung von Lenzens Gang durchs Gebirge und den Gefühlregungen, die er dabei empfindet. Er lässt den Leser quasi ungestört - sprich ohne Nebenpersonen auch nur zu erwähnen - Lenz und seine Gedankengänge begleiten. Äußere Beschreibung von Lenz finden sich in der Erzählung kaum. Passagen wie:
,,die blonden Locken hingen ihm um das bleiche Gesicht, es zuckte ihm in den Augen und um den Mund, seine Kleider waren zerrissen."1
,,er war rot geworden über dem Reden, und bald lächelnd, bald ernst, schüttelte er die blonden Locken."2
kommen nur wenig vor. Doch jede Stelle, an der Lenzens Äußeres beschrieben wird, zeigt ihn in einer ruhigen, wahnsinnsfreien Situation:
,,sein blasses Kindergesicht, das jetzt lächelte, sein lebendiges Erzählen;"3
,,sein Gesicht veränderte sich vorteilhaft"4
oder direkt nach einem wahnhaften Anfall, wie hier:
,,...Lenz hereintrat mit vorwärts gebogenem Leib, niederwärts hängendem Haupt, das Gesicht über und über und das Kleid hie und da mit Asche bestreut, mit der rechten Hand den linken Arm haltend."5
Wo also auch immer Büchner die Äußerlichkeiten Lenzens in den Vordergrund treten lässt, tritt sein Wahnsinn in den Hintergrund. So beschreibt Büchner seinen Protagonisten also nur dort äußerlich, wo er frei von Wahnsinn ist und eine ,,Umleitung" über die Wahrnehmung der Natur oder der Menschen unnötig wird.
2.2 Oberlin und Kaufmann:
Das erste Auftauchen einer Nebenperson ist überhaupt das Eintreffen bei Oberlin und die Begrüßung durch ihn. Damit sind wir auch schon bei der wohl wichtigsten Nebenperson angelangt. Sie nimmt in der Figurenkonstellation, der Handlung und der damit verbundenen Wahnsinnsentwicklung und deren Darstellung einen besonderen Status ein. Das äußert sich vor allem in zwei Punkten.
a) Büchner gewährt dem Leser Innensicht in Oberlin, er ist zusammen mit Lenz die einzige Person der Erzählung, wo er dies zulässt.
,,es führte ihn zu weit von seiner einfachen Art ab."6
,,Oberlin wusste von Allem nichts; er hatte ihn aufgenommen, gepflegt; er sah es als eine Schickung Gottes, der den Unglücklichen ihm zugesandt hätte, er liebte ihn herzlich"7
b) Oberlin ist die einzige der Nebenpersonen, die Büchner die wörtliche Rede erteilt. Niemand sonst - nur einmal Mme. Oberlin, aber in dem Augenblick vertritt sie quasi Oberlin - wird mit wörtlicher Rede dargestellt.
,,Sein sie mir willkommen, obschon Sie mir unbekannt."8
,,"Sind sie Theologe?"9
Nicht einmal Kaufmann, mit dem Lenz das wohl wichtigste Gespräch der Erzählung überhaupt - das Kunstgespräch - führt, bekommt die wörtliche Rede erteilt.
Es ist wahrscheinlich, dass Büchner Oberlin so von den anderen Figuren abhebt, da er eine besondere Rolle in der Bekämpfung, bzw. der Hoffnung Lenzens auf die Bekämpfung des drohenden Wahnsinns spielt. Oberlin entspricht dem beruhigenden Teil der Natur, und er ist ein Mann Gottes. Und dank dieser zwei Punkte ist er Lenzens einziger und letzter Hoffnungsschimmer:
,,er stürzte sich in Oberlins Arme, er klammerte sich an ihn, als wolle er sich in ihn drängen, er war das einzige Wesen, das für ihn lebt und durch den ihm wieder das Leben offenbart wurde."10
Insofern steht Oberlin Kaufmann gegenüber. Denn während Lenz selbst sogar die heilende Wirkung von Oberlins Gegenwart bemerkt, ihn als sicheren Hafen, als Rettungsanker sieht, stellt Kaufmann die den endgültigen Bruch herbeiführende Kraft dar, indem er Lenz auffordert dem Wunsch seines Vaters zu entsprechen und nach Hause zurückzukehren. Lenz erkennt es selbst:
,,Ich verstehe das nicht, mit den zwei Worten ist die Welt verhunzt."11
Doch insofern wird auch klar, dass Büchner die Hoffnung auf Heilung, die Oberlin verkörpert, für gewichtiger, für zentraler hält, als die zerstörerische Wirkung von Kaufmann; das ist allein an der hervorgehobenen Darstellung Oberlins zu erkennen.
Zwar führt Kaufmann das Kunstgespräch mit Lenz - Büchner lässt Oberlin hier sogar völlig außen vor, er schließt ihn aus dem Kunstgespräch aus - doch wird bei genauerem Hinsehen ohnehin klar, dass das Kunstgespräch eher ein Monolog als ein Gespräch ist, da Kaufmann trotz der Darlegung seines idealistischen Standpunktes nur eine untergeordnete Rolle im Vergleich zu Lenz spielt.
2.3. Die Dorfbewohner
[...]
1 Georg Büchner, Werke und Briefe S. 70
2 Georg Büchner, Werke und Briefe S. 77
3 Georg Büchner, Werke und Briefe S. 71
4 Georg Büchner, Werke und Briefe S. 85
5 Georg Büchner, Werke und Briefe S: 84
6 Georg Büchner, Werke und Briefe S.75
7 ebenso
8 Georg Büchner, Werke und Briefe S. 70
9 Georg Büchner, Werke und Briefe S. 73
10 Georg Büchner, Werke und Briefe S. 87
11 Georg Büchner, Werke und Briefe S. 78
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