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Der Pessimismus und die Möglichkeiten seiner Überwindung in Friedrich Nietzsches "Die Geburt der Tragödie"

Hausarbeit, 2008, 22 Seiten
Autor: Sebastian Gebeler
Fach: Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Details

Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2008
Seiten: 22
Note: 1,3
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V136714
ISBN (E-Book): 978-3-640-44970-5
ISBN (Buch): 978-3-640-44992-7

Zusammenfassung / Abstract

Im Vorwort der unverändert erschienen Neuauflage von 1886 betont Nietzsche, dass das Fundament, auf dem er die Entstehung und den Zerfall der Tragödie deutet, der Pessimismus ist. Vorliegende Arbeit versucht diesen Begriff des Pessimismus, wie er in „Die Geburt der Tragödie“ konzipiert wurde, zu erörtern und darzustellen, welche tragende Rolle ihm zukommt. Zudem wird untersucht werden, inwiefern die Kunst und das künstlerische Schaffen als Möglichkeiten entworfen wurden, den Pessimismus zu überwinden. Hierfür werden zwei Lesarten des Nietzscheschen Kunstbegriffes herangezogen. Die eine umfasst die eigentliche ästhetische Produktion, als deren höchste Ausformung die griechische Tragödie erscheint. Die andere beinhaltet jede lebensdienliche metaphysische Tätigkeit und schließt, wie sich zeigen wird, die Leistungen der Wissenschaft ein. Die Arbeit gliedert sich in drei Teile. Zunächst werden der Inhalt und die Konsequenzen des Pessimismus erörtert. Auf der Basis der Untersuchungsergebnisse werden sodann die Implikationen betrachtet, die sich für die Überwindung des Leids ergeben. Die Kategorien des Apollinischen und des Dionysischen werden hierbei als Strategien verstanden, die das Ziel verfolgen, die Konsequenzen des Pessimismus zu kompensieren. Die Komplexität der Darstellung ergibt sich aus dem Umstand, dass Nietzsche die beiden Kategorien nicht allein als Deutungsschema für die Kunst herangezogen hat, sondern ebenso auf Historie, Metaphysik, Physiologie, Psychologie und Erkenntnistheorie angewandt hat. Im dritten Teil der Darstellung werden zunächst einige Bestimmungen getroffen, die das Verhältnis von Wissenschaft und Kunst vergegenwärtigen sollen, um dann eine dritte Strategie erörtern zu können. Als diese wird der metaphysische Wahn bzw. der sokratische Trieb verstanden.


Textauszug (computergeneriert)

Universität Leipzig

Institut für Germanistik

Hauptseminar: Friedrich Nietzsche und die Kunst

WS 2007/08

Der Pessimismus

und die Möglichkeiten seiner Überwindung

in

Friedrich Nietzsches "Die Geburt der Tragödie"

Sebastian Gebeler

Germanistik, Philosophie

9. Sem MA


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung und Zielsetzung 3

2. Hauptteil 4

2.1. Der Begriff des Pessimismus 4

2.2. Die Überwindung des Pessimismus durch die ästhetische Produktion 8

2.2.1. Das Apollinische als Strategie der Leidensbewältigung 11

2.2.2. Das Dionysische als Strategie der Leidensbewältigung 13

2. 3. Das Verhältnis von Kunst und Wissenschaft 15

2.3.1. Wissenschaft als Vernichtung der Illusion und des Lebens 15

2.3.2. Der metaphysischer Wahn 17

3. Literaturverzeichnis 20

Werke 20

Schriften zur Nietzsche-Interpretation 20

2


1. Einleitung und Zielsetzung

Im Vorwort der unverändert erschienen Neuauflage von 1886 betont Nietzsche, dass das

Fundament, auf dem er die Entstehung und den Zerfall der Tragödie deutet, der

Pessimismus ist.1 Vorliegende Arbeit versucht diesen Begriff des Pessimismus, wie er in

,,Die Geburt der Tragödie" konzipiert wurde, zu erörtern und darzustellen, welche tragende

Rolle ihm zukommt. Zudem wird untersucht werden, inwiefern die Kunst und das

künstlerische Schaffen als Möglichkeiten entworfen wurden, den Pessimismus zu

überwinden.

Hierfür werden zwei Lesarten des Nietzscheschen Kunstbegriffes herangezogen. Die eine

umfasst die eigentliche ästhetische Produktion, als deren höchste Ausformung die

griechische Tragödie erscheint. Die andere beinhaltet jede lebensdienliche metaphysische

Tätigkeit und schließt, wie sich zeigen wird, die Leistungen der Wissenschaft ein.

Die Arbeit gliedert sich in drei Teile. Zunächst werden der Inhalt und die Konsequenzen

des Pessimismus erörtert. Auf der Basis der Untersuchungsergebnisse werden sodann die

Implikationen betrachtet, die sich für die Überwindung des Leids ergeben. Die Kategorien

des Apollinischen und des Dionysischen werden hierbei als Strategien verstanden, die das

Ziel verfolgen, die Konsequenzen des Pessimismus zu kompensieren. Die Komplexität der

Darstellung ergibt sich aus dem Umstand, dass Nietzsche die beiden Kategorien nicht

allein als Deutungsschema für die Kunst herangezogen hat, sondern ebenso auf Historie,

Metaphysik, Physiologie, Psychologie und Erkenntnistheorie angewandt hat.2 Im dritten

Teil der Darstellung werden zunächst einige Bestimmungen getroffen, die das Verhältnis

von Wissenschaft und Kunst vergegenwärtigen sollen, um dann eine dritte Strategie

erörtern zu können. Als diese wird der metaphysische Wahn bzw. der sokratische Trieb

verstanden.

1 Vgl.: KSA 1, S. 12

Gleichermaßen äußert sich Nietzsche in Ecce Homo: "`Griechenthum und Pessimismus´ das wäre ein

unzweideutiger Titel gewesen: nämlich als erste Belehrung darüber, wie die Griechen fertig wurden mit

dem Pessimismus, - womit sie ihn

überwanden

..." (KSA 6, S. 309)

Nietzsche wird im Folgenden unter Angabe der Band- und Seitenzahl zitiert nach: Kritische

Studienausgabe in 15 Bänden. Hrsg. von Giorgio Colli und Mazzino Montinari, 2. durchgesehen A.

München/Berlin/New York: dtv-de Gruyter, 1988. Ebenso wird bei der Angabe von Verweisen verfahren.

2 Vgl.: Meyer: Nietzsche und die Kunst, S. 28

3


Die Arbeit stütz sich zum einen auf "Die Geburt der Tragödie" zum anderen auf Schriften,

die als Vorarbeiten für das Hautpwerk entstanden sind oder Themenkreise der

Tragödienschrift streifen. Hierbei sind vorallem "Die Philosophie im tragischen Zeitalter

der Griechen" und "Die dionysische Weltanschauung" sowie frühe Nachlassfragmente

relevant. Da Nietzsche entscheidende Grundlagen in diesen Schriften legte und teilweise

nicht erneut explizierte, erscheint der Rückgriff auf die genannten Werke gerechtfertigt.

2. Hauptteil

"Die Geburt der Tragödie glaubt an die Kunst vor dem Hintergrund eines anderen

Glaubens: dass es

nicht möglich ist, mit der Wahrheit zu leben

."3

Diese rückblickende Spätanalyse verweist auf den Maßstab, den Nietzsche für die Gegen-

überstellung von Kunst und Wissenschaft herangezogen hat: die Lebensdienlichkeit oder

die Optik des Lebens.4

Zudem deutet sie das stimulierende und kompensierende Potential der Kunst

an.

An dieser Stelle sollen zunächst Inhalt und Folgen der Wahrheit, mit der es unmöglich sei

zu leben, analysiert werden, um den Nietzscheschen Pessimismusbegriff zu bestimmen.

2.1. Der Begriff des Pessimismus

Die hellenische Kultur ruhte auf einem "verhüllten Untergrund des Leidens und der

Erkenntnis".5 Diese Setzung bildet den Ausgangspunkt, auf dem Nietzsches Deutung der

griechischen Kultur basiert.

Der Terminus der Erkenntnis wird an dieser Stelle als Auswuchs einer Intitution

verwendet.6 Der Inhalt bzw. der Gegenstand der intiutiven Erkenntnis war die Einsicht in

die "Schrecken und Entsetzlichkeiten des Daseins".7

Im Bewusstsein dieser einmal erblickten Wahrheit sehe der Mensch "überall nur das

3 KSA 13, S. 500

4 Vgl.: KSA 1, S. 16

5 KSA 1, S. 40

6 Vgl.: KSA 1, S. 35

7 KSA 1, S. 35

4


Entsetzliche oder Absurde des Menschseins".8 Zugleich aber erscheint die Kunst als

Möglichkeit sich von den Abscheulichkeiten zu befreien. Sie vermag es "jene

Ekelgedanken [...] in Vorstellungen umzubiegen, mit denen sich leben lässt."9

Die als furchtbar und scheußlich beschriebene Wirkung des Daseins auf den Menschen

geht aus der Auseinandersetzung Nietzsches mit den vorsokratischen Philosophen hervor,

die er in "Die Philosophie im tragischen Zeitalter der Griechen" vorgenommen hat und die

er in "Die Geburt der Tragödie" nicht erneut expliziert.10

In "Die Philosophie im tragischen Zeitalter der Griechen" folgt Nietzsche der Lehre

Heraklits, nach der Dasein und Wirklichkeit als ewiges und alleiniges Werden zu verstehen

sind. Dort heißt es: "Die gänzliche Unbeständigkeit alles Wirklichen, das fortwährend nur

wirkt und wird und nicht ist, wie sie Heraklit lehrt, ist die eine furchtbare und betäubende

Vorstellung[...]".11 Die Welt stellt sich somit als Werden und nicht als Sein dar. Was

entsteht, vergeht ebenso unweigerlich. Das Werden ist ein Resultat des Kampfes der

Gegensätze.12 Das jeweils als bleibend und bestimmt Erscheinende ist nur das momentane

Überwiegen eines der beiden Gegensätze.

An diesem Punkt stellen sich zwei Fragen:

Inwiefern kann die unbeständige Wirklichkeit eine solche Wirkung beim erkennenden

Subjekt hervorrufen? Und: Wie kann der Effekt kompensiert werden?

Zuvorderst kann der Einblick in die Beschaffenheit des Daseins, in den ständigen Wechsel,

dahingehend beschrieben werden, dass er zu der intuitven Erkenntnis führt, dass die

Wirklichkeit unabhängig und unbeeinträchtigt vom menschlichen Handeln bleibt.

Der menschliche Teil dieser Wirklichkeit zeigt sich somit als sinnlos, wobei Sinn als

Relation zwischen Bedürfnissen bzw. Wünschen und deren Erfüllung definiert werden

kann. Diese Sinn- und Ziellosigkeit macht das Leiden der Griechen aus, bildet den

Gegenstand entsetzlicher Empfindungen.

Zudem ergeben sich psychologisch-existenzielle Implikationen. Das erkennende Subjekt

bezieht die Ziel- und Sinnlosigkeit auf das eigene Leben. Die Konesequenzen dieser

8 KSA 1, S. 566

9 KSA 1, S. 57

10 Vgl.: Glatzeder, S. 130

11 KSA 1, S. 824

12 In "Die Geburt der Tragödie" nennt Nietzsche Heraklit den "Vater aller Dinge", insofern dieser den

"ewigen Widerspruch" als erster formulierte. (KSA 1, S. 39)

Vgl. auch: Reibnitz: Kommentar, S. 145

5



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