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Subtitle: Eine Fall- und Therapieanalyse
Termpaper, 2007, 20 Pages
Author: Marlen Berg
Subject: Pedagogy - Pedagogic Psychology
Details
Institution/College: University of Potsdam (Institut für Erziehungswissenschaft)
Year: 2007
Pages: 20
Grade: 2,7
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-45252-1
ISBN (Book): 978-3-640-45278-1
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Abstract
Diese Arbeit soll den Zusammenhang zwischen der Psychoanalyse (nach Freud) und der Erziehung klären. Hierbei soll zuerst der Einfluss der Psychoanalyse auf die Pädagogik und die Erziehungswissenschaft diskutiert werden. Diesbezüglich möchte ich kurz auf Einsatzgebiete und die veränderte pädagogische Situation verweisen. Der Hauptteil der Arbeit befasst sich mit dem exemplarischen Fall der 6jährigen Betty (Name geändert). In diesem Zusammenhang arbeite ich mit dem als Buch veröffentlichten Protokoll einer Kinderpsychotherapie von Anneliese Ude-Pestel. Zuerst möchte ich den Fall und das Verhalten des Kindes vor und während der fast 2jährigen Therapie darstellen. Des Weiteren will ich das familiäre, private und schulische Umfeld der Patientin umreißen, um im Folgenden die darauf abgestimmten Methoden und Schritte der Psychologin zu beleuchten. Hierfür sollen die Ergebnisse der Elterngespräche und der eigentlichen Sitzungen weitere Aufschlüsse liefern. Nach dieser Fallvorstellung sollen die Interpretationen und Untersuchungsthesen der Therapeutin dargelegt werden, um deren Stimmigkeit und Herleitung an den Theorien von Sigmund Freud zu überprüfen. In diesem Sinne möchte ich die Problematik der kindlichen Entwicklungsstufen und Sexualität anführen. Die letzte Auseinandersetzung befasst sich mit den Zeichnungen der Patienten, da sowohl die Anzahl, als auch die Motive eine besondere Verbildlichung des inneren Gefühlslebens und der Entwicklung von Betty sichtbar machen. Zusammenfassend will ich die Arbeit und den Fall bewerten und einen resümierenden Blick auf die Arbeit mit Kindern werfen und die kindliche Psyche betrachten.
Excerpt (computer-generated)
Universität Potsdam, Humanwissenschaftliche Fakultät
Institut für Erziehungswissenschaft
S ,,Psychoanalyse und Erziehung"
WS 06/07
,,Betty" von Anneliese Ude-Pestel
Eine Fall- und Therapieanalyse
Marlen Berg
Magister: EW (5 neue Studienordnung), Germanistik (4)
Gliederung
1. Vorwort 3
2. Der Einfluss der Psychoanalyse auf die Pädagogik bzw. die Erziehungswissenschaft 3
3.1. Auffälligkeiten und Symptome 7
3.2. Die Familie und Bettys Umfeld 9
3.3. Elterngespräche 10
3.4. Therapiesitzungen mit Betty 11
3.5. Die Deutungen und Interpretationen der Psychologen und deren Stützung durch die
Freudschen Theorien 12
3.6. Die Bedeutungen der Kinderzeichnungen 15
4. Zusammenfassung 18
5. Literaturverzeichnis 19
2
1. Vorwort
Diese Arbeit soll den Zusammenhang zwischen der Psychoanalyse (nach Freud) und der
Erziehung klären. Hierbei soll zuerst der Einfluss der Psychoanalyse auf die Pädagogik und
die Erziehungswissenschaft diskutiert werden. Diesbezüglich möchte ich kurz auf
Einsatzgebiete und die veränderte pädagogische Situation verweisen.
Der Hauptteil der Arbeit befasst sich mit dem exemplarischen Fall der 6jährigen Betty (Name
geändert). In diesem Zusammenhang arbeite ich mit dem als Buch veröffentlichten Protokoll
einer Kinderpsychotherapie von Anneliese Ude-Pestel.
Zuerst möchte ich den Fall und das Verhalten des Kindes vor und während der fast 2jährigen
Therapie darstellen. Des Weiteren will ich das familiäre, private und schulische Umfeld der
Patientin umreißen, um im Folgenden die darauf abgestimmten Methoden und Schritte der
Psychologin zu beleuchten. Hierfür sollen die Ergebnisse der Elterngespräche und der
eigentlichen Sitzungen weitere Aufschlüsse liefern.
Nach dieser Fallvorstellung sollen die Interpretationen und Untersuchungsthesen der
Therapeutin dargelegt werden, um deren Stimmigkeit und Herleitung an den Theorien von
Sigmund Freud zu überprüfen. In diesem Sinne möchte ich die Problematik der kindlichen
Entwicklungsstufen und Sexualität anführen.
Die letzte Auseinandersetzung befasst sich mit den Zeichnungen der Patienten, da sowohl die
Anzahl, als auch die Motive eine besondere Verbildlichung des inneren Gefühlslebens und
der Entwicklung von Betty sichtbar machen.
Zusammenfassend will ich die Arbeit und den Fall bewerten und einen resümierenden Blick
auf die Arbeit mit Kindern werfen und die kindliche Psyche betrachten.
2. Der Einfluss der Psychoanalyse auf die Pädagogik bzw. die Erziehungswissenschaft
,,Die pädagogische Anthropologie ist auf die Ergebnisse der Entwicklungspsychologie
angewiesen."1 Diese Äußerung von Bittner scheint zutreffend, denn die Theorien von
Sigmund Freud haben eine veränderte Sicht auf den Menschen und dessen Entwicklung
hervorgerufen. Freud selbst befasste sich mit der Frage, welche Auswirkungen seine
Ansichten auf das bestehende Umfeld und die Kultur hätten. Die Entdeckung der
Psychoanalyse als neue Wissenschaft wurde von Freud als durchaus positiv gewertet und er
betrachtete sie nicht nur als ein Heilverfahren für Psychosen und Neurosen. Seiner Meinung
nach hätte die Psychoanalyse eine tiefergehende Bedeutung für beispielsweise die
1 In: Bittner, Günther: Psychoanalyse und soziale Erziehung. München. 1972 .S. 24.
3
Sprachwissenschaft, die Philosophie, die Soziologie und die Pädagogik. Diese Auffassung
begründet er mit der Tatsache, dass die Traumsprache und die Entdeckung des Traumes als
Ausdruck des Unbewussten eine Möglichkeit der Verständigung seien. Zudem kann die
Kenntnis über die Seelentätigkeit zu einer (philosophischen) Neubewertung des Unbewussten
führen.2 Für die Pädagogik und die Erziehungswissenschaft kamen die Annahme der
infantilen Sexualität bei Kindern und die Existenz der erogenen Zonen hinzu, sodass der
Betrachtungsschwerpunkt für Verhaltensstörungen und Seelenkonflikte, als auch das
Hauptaugenmerk der Erziehung auf die frühe Kindheit gelegt wurden. Bittner fasst dieses
Entwicklungsdenken wie folgt zusammen:
,,Der Mensch schreitet voran auf dem Lebensweg, aber er kommt nie über sich hinaus, steht
immer wieder am Anfang, immer wieder vor den gleichen Problemen. Wenn ein neues
Lebensthema akut wird, sind die vergangenen Stadien damit nicht ausgelöscht. Sie bestehen
fort und sind allenfalls überlagert."3
Diese veränderten Annahmen führten zu der Notwendigkeit, dass der Erzieher seine
Maßnahmen überdenken und sich mit dem kindlichen Seelenleben auseinandersetzen musste,
denn die Erlebnisse und Konflikte der Kindheit prägen das spätere Verhalten und da die
frühkindlichen Wünsche und Triebregungen auch beim Erwachsenen erhalten bleiben, stellte
sich die Frage, welche Konsequenzen die erzieherischen Methoden auf das spätere Leben
ausüben.
Durch Freuds Ausführungen finden Begriffe wie Regression, Fixierung und ödipale Phase
Einklang in den Erziehungs- und Verhaltensalltag. Seit Freud kann man die
psychoanalytischen Annahmen in verschiedenen Anwendungsgebieten entdecken. Seine
Kenntnisse sammelte Freud aus den Untersuchungen mit Erwachsenen. Seither haben sich
viele Psychoanalytiker auf die Kinderpsychologie und Kinderpsychotherapie spezialisiert.
Diese (Zu-)Wendung begründet Melanie Klein folgendermaßen:
,,Kinderanalysen, vor allem die frühkindlichen im Alter zwischen drei und sechs Jahren,
zeigen besonders deutlich, wie früh der Kampf zwischen dem einer Kultur angepaßten und
dem primitiven Anteil einer Persönlichkeit beginnt."4
Dieser Kampf führt zu verschiedenen Konflikten, welche manche Kinder nicht erfolgreich
bewältigen können, sodass sich psychische Krankheiten herausbilden. Darüber hinaus
versucht das Kind durch Zeichnungen und Spielsituationen seinen Ängsten, Leiden und
allgemein seinen (Trieb-)Regungen Ausdruck zu verleihen. Auf die Notwendigkeit der
2 Vgl. hierzu ,,Das Interesse an der Psychoanalyse" (1913) in: Schmidt-Hellerau, Cornelia (Hrsg.): Sigmund
Freud. Das Lesebuch. Schriften aus vier Jahrzehnten. Frankfurt am Main. 2006. S.215-246.
3 In: Bittner 1972. S. 29.
4 In: Klein, Melanie: Frühstadien des Ödipuskomplexes. Frühe Schriften 1928-1945. S. 22.
4
geschulten Beobachtung, des Wissens über psychoanalytische Methoden und Symbole und
den Nutzen des kindlichen Spiels verweist Klein in ihrer Arbeit zum Ödipuskomplex.
,,Beobachten wir von unserem psychoanalytischen Standpunkt aus das Spiel des Kindes und
verringern wir durch eine spezielle Technik seine Hemmung, dann können wir diese
Phantasien und Vorstellungen herausbringen, können wir die Erfahrungen herausfinden, die
das Kind hatte, können all seine Triebregungen erkennen und seine reaktiven kritisierenden
Fähigkeiten. Diese Technik ist nicht leicht; sie erfordert eine starke Identifizierung mit den
Phantasien des Kindes und eine besondere Haltung dem Kind gegenüber, aber sie ist äußerst
produktiv. Diese Technik führt uns in die Tiefen des Unbewußten, die sogar für den
Analytiker von Erwachsenen überraschend sind."5
,,Wir dürfen diese Triebregungen nicht mit ethnischen Normen belegen; wir müssen ihre
Existenz als gegeben hinnehmen, ohne jede Kritik, und müssen dem Kind helfen, damit fertig
zu werden, wobei wir gleichzeitig sein Leiden mildern, seine Fähigkeiten und sein seelisches
Gleichgewicht stärken und letztlich eine Aufgabe von großer sozialer Bedeutung erfüllen."6
Daraus wird ersichtlich welche besondere Bedeutung die Psychoanalyse für die Erziehung
und den Umgang mit Kindern innehat.
,,Das psychoanalytische Entwicklungsmodell kann dem Erzieher helfen, seinen Blick für die
Reichhaltigkeit und Variabilität menschlicher Entwicklungsverläufe und Erziehungsschicksale
zu schärfen."7
Folglich wird das Verhältnis zwischen Erwachsenem bzw. dem Erzieher und dem Kind in ein
besonderes Licht gerückt. Seitens des Erwachsenen erfolgen eine Horizonterweitung und ein
weiterer Zugang zum Verständnis des Kindes. Allerdings werden ebenso Probleme
ersichtlich. Trotz der vielseitigen Beschäftigung mit der Psychoanalyse fehlen ,,Patentrezepte"
für die Erziehung. Die Erzieherrolle halten Lehrer, als auch Eltern inne, so dass nach dem
Einfluss der Psychoanalyse auf die Lehrerausbildung gefragt werden sollte. Generell kommt
der Schule als Erziehungs- und Lernanstalt eine besondere Bedeutung zu, da das Kind hier
mit Autoritätskonflikten zu kämpfen hat, die Schule zur Triebkontrolle ,,nötigt" und aufgrund
der Benotung Gefühle der Bestrafung oder Belohnung hervorgerufen werden. Auf das jedoch
größte Problem, mit dem der Erzieher nach psychoanalytischer Annahme zu kämpfen hat,
verweist Fürstenau durch ein Zitat von Sigfried Bernfeld; in Anlehnung an das Problem, dass
selbst der Erwachsene mit inneren Konflikten zu kämpfen hat. ,,So steht der Erzieher vor zwei
Kindern: dem zu erziehenden vor ihm und dem verdrängten in ihm."8
Diese Problematik greift auch Horst E. Richter in seinem Buch auf, indem er sich mit der
Frage auseinandersetzt welche Konsequenzen die affektiven Strebungen und Ängste der
Eltern für die kindliche Rolle und für das kindliche Verhalten hätten? Hierbei ist er der
Ansicht, dass Freud die affektive Rolle der Eltern außer Acht gelassen hätte und bezüglich der
5 In: Ebd. S. 27.
6 In: Ebd. S. 30.
7 In: Bittner 1972. S. 39.
8 In: Fürstenau, Peter: Zur Theorie psychoanalytischer Praxis. Stuttgart. 1992. S. 189.
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