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Albert Speers Lichtdome und zeitgenössische Lichtinszenierungen

Seminararbeit, 2008, 20 Seiten
Autor: Sophie Nagel
Fach: Theaterwissenschaft

Details

Veranstaltung: Forschungsseminar zur Theaterwissenschaft - Raumlicht/Lichträume
Institution/Hochschule: Universität Wien (Theater-, Film- und Medienwissenschaft)
Tags: Albert Speer, Lichtdome, Lichtinszenierung
Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2008
Seiten: 20
Note: 1
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V136904
ISBN (E-Book): 978-3-640-45372-6
ISBN (Buch): 978-3-640-45388-7

Zusammenfassung / Abstract

Albert Speer, Architekt und Minister der Nationalsozialisten, bekam in den 1930er Jahren neben den Bauaufträgen die Aufgabe übertragen, die Nürnberger Reichsparteitage zu inszenieren. Für dieses Ereignis entwarf er ein spezielles Lichtkonzept – den Lichtdom. Das Licht wurde hierfür als propagandistisches Mittel eingesetzt und somit politisiert. Diese Inszenierung war ein voller Erfolg und wurde in den folgenden Jahren wiederholt. „Erlebnisse im Kollektiv, Erlebnisse von Massenveranstaltungen wurden von Hitler als wirkungsvoller Weg zur unmittelbaren persönlichen Beeinflussung und Gewinnung großer Volksteile erkannt, „weil in ihr [der Massenversammlung] der einzelne, der sich zunächst als werdender Anhänger einer jungen Bewegung vereinsamt fühlt und leicht der Angst verfällt, allein zu sein, zum erstenmal das Bild einer größeren Gemeinschaft erhält, was bei den meisten Menschen kräftigend und ermutigend wirkt.“ Nach dem Zweiten Weltkrieg stellt sich die Frage, ob man den Lichtdom als eigenständiges Werk von seinem nationalsozialistischen Hintergrund gelöst ansehen kann oder eine Beschäftigung und Bewertung nur auf dieser ideologischen Basis möglich ist.


Textauszug (computergeneriert)

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 2

2. Biographie 2

3. Zur Vorgeschichte des Lichtdomes: Indirekte Beleuchtung und leistungsfähigere Technik. 3

4. Der Lichtstrahl 6

5. Licht als Material 7

6. Der Schein des Lichtes: Wahrnehmung und Rezeption 9

7. Der Lichtdom von Albert Speer 11

8. Zeitgenössische Lichtkonzepte 15

9. Resümee 17

10. Bibliographie 18

11. Bildquellen 19


1. Einleitung

Albert Speer, Architekt und Minister der Nationalsozialisten, bekam in den 1930er Jahren

neben den Bauaufträgen die Aufgabe übertragen, die Nürnberger Reichsparteitage zu

inszenieren. Für dieses Ereignis entwarf er ein spezielles Lichtkonzept ­ den Lichtdom. Das

Licht wurde hierfür als propagandistisches Mittel eingesetzt und somit politisiert. Diese

Inszenierung war ein voller Erfolg und wurde in den folgenden Jahren wiederholt.

,,Erlebnisse im Kollektiv, Erlebnisse von Massenveranstaltungen wurden von

Hitler als wirkungsvoller Weg zur unmittelbaren persönlichen Beeinflussung

und Gewinnung großer Volksteile erkannt, ,,weil in ihr [der

Massenversammlung] der einzelne, der sich zunächst als werdender

Anhänger einer jungen Bewegung vereinsamt fühlt und leicht der Angst

verfällt, allein zu sein, zum erstenmal das Bild einer größeren Gemeinschaft

erhält, was bei den meisten Menschen kräftigend und ermutigend wirkt."1

Nach dem Zweiten Weltkrieg stellt sich die Frage, ob man den Lichtdom als eigenständiges

Werk von seinem nationalsozialistischen Hintergrund gelöst ansehen kann oder eine

Beschäftigung und Bewertung nur auf dieser ideologischen Basis möglich ist.

2. Biographie

Albert Speer wird am 19. März 1905 in Mannheim geboren.

Bild 1: Albert Speer

Zwischen 1923 und 1928 studiert er in München und Berlin-Charlottenburg Architektur.

1933 begegnet der Architekt Speer zum ersten Mal dem Reichskanzler Adolf Hitler. Im

selben Jahr beginnt Speer mit der Planung des Reichsparteitagsgeländes in Nürnberg. Als

1934 Hitlers bevorzugter Architekt Paul Ludwig Troost stirbt, tritt Albert Speer an dessen

Stelle. 1937 wir der zum Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt ernannt. Berlin soll

zur Welthauptstadt Germania umgebaut werden. In den folgenden Jahren wird Albert Speer

nach und nach mit weiteren Führungspositionen beauftragt. So wird er 1942 zum

1 Pross/Buß: Soziologie der Masse. Heidelberg: Quelle & Meyer, 1984. S. 148-149.

2


Reichsminister für Bewaffnung und Munition ernannt, 1943 kann er sich Reichsminister für

Rüstung und Kriegsproduktion nennen.

Am 1. Oktober 1946 auf dem Nürnberger Prozess wird Albert Speer zu 20 Jahren Haft wegen

Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt.

1966 wird er aus dem Gefängnis Spandau entlassen und stirbt 1981 an den Folgen eines

Schlaganfalls in London.2

3. Zur Vorgeschichte des Lichtdomes: Indirekte Beleuchtung und
leistungsfähigere Technik

Indirekte Beleuchtung

Albert Speer nutzte bei seinen architektonischen Arbeiten die elektrische Beleuchtung, vor

allem in Form von indirekter Außenbeleuchtung. Diese Form der Beleuchtung kam in den

1930ern auf, weil die Leistungen der Lichtquellen zu dieser Zeit soweit verbessert waren,

dass sie für das menschliche Auge zu stark geworden waren. Daher musste das Licht

abgeschirmt werden. Die indirekte Beleuchtung fand auch starke Verbreitung in der

Innenarchitektur, hier jedoch soll die Außenbeleuchtung im Vordergrund stehen.

Es gibt nach Wolfgang Schivelbusch3 zwei Wirkungen, die erreicht werden können: bei voller

Ausleuchtung und gleichmäßiger Helligkeit wirkt das Gebäude erhaben, weiträumig, festlich.

Verliert sich das Licht und gibt es einen fließenden Übergang zum Schatten, entsteht eine

geheimnisvolle, mythische, sakrale Wirkung.

Beleuchtung von außen kann entweder Illumination bereits bestehender, meist alter Gebäude

sein, oder in Form von Lichtarchitektur auftreten: In die Architektur wird, so auch von Albert

Speer, die Beleuchtung bereits eingeplant, und zwar in Form von Lichtrinnen, -gräben und -

kanälen. So leuchtet ein Gebäude wie aus sich selbst heraus. Diese Art der Lichtarchitektur

fand sich beispielsweise bei der von Speer entworfenen Neuen Reichskanzlei, deren

nächtliche Beleuchtung keineswegs hell ausleuchtete, sondern Lichtverläufe und Schatten

zeichnete, die das Gebäude mystisch zu überhöhen schienen.

2 Fest Joachim C.: Speer. Eine Biographie. Berlin: Alexander Fest Verlag, 1999.

3 Schivelbusch, Wolfgang: Licht Schein und Wahn. Auftritte der elektrischen Beleuchtung im 20. Jahrhundert.

Darmstadt: Ernst und Sohn, 1992.

3


Bild 2: Neue Reichskanzlei, nächtliche Beleuchtung

Besonders anschaulich wurde sie aber vor allem bei den Weltausstellungen 1933/34 in

Chicago und 1937 in Paris eingesetzt. Hier ist nach Schivelbusch der direkte Vergleich der

Verwendung von Lichtarchitektur bei demokratischen Staatsformen und autoritären Regimes

möglich: flächige, helle Ausleuchtung einschließlich eines ,,aufklärenden" Lichtstrahls beim

Palais de la Lumière als Beispiel für den Einsatz von Licht im demokratischen System -hier

Frankreich- gegenüber Lichtspalte und -strahl, sich verlierende, sakrale Lichtstreifen und

Licht / Schatten-Kontraste bei Speers deutschem Pavillon (beide Paris 1937)4:

Bild 3: Elektrizitätspavillon Mallet /

Stevenson, Pariser Weltausstellung 1937

4 Schivelbusch, Wolfgang: Licht Schein und Wahn. Auftritte der elektrischen Beleuchtung im 20. Jahrhundert.

Darmstadt: Ernst und Sohn, 1992. S. 35 ­ 41.

4


Bild 4: Deutscher Pavillon, Pariser Weltausstellung 1937

Leistungsfähigere Technik

Der Lichtdom selbst wurde letzten Endes nur durch technischen Fortschritt ermöglicht, der

wiederum militärisch motiviert war: die technisch leistungsfähigeren Scheinwerfer, die für die

Kriegsführung entwickelt und gebaut wurden. Die Flakscheinwerfer, die Speer als

,,Baumaterial" für seinen Lichtdom nutzte, kamen im Ersten Weltkrieg auf, um den von der

Luftwaffe eroberten Luftraum zu überwachen und zu verteidigen. Sie mussten einige

Kilometer Reichweite haben, um die Flugzeuge als Ziele der Fliegerabwehr anzuleuchten und

die Piloten zu blenden. Je weiter die Entwicklung voranschritt, desto heller und desto weiter

leuchteten die Flakscheinwerfer, bis sie Mitte der 1930er für Speers Lichtdom technisch

,,tauglich" geworden waren.

Bild 5: Flakscheinwerfer (1930er)

5



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