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Termpaper, 2005, 34 Pages
Author: Ulrike M. S. Röhl
Subject: Theology - Historic Theology, Ecclesiastical History
Details
Institution/College: University of Applied Sciences North Rhine-Westphalia Paderborn
Tags: Toleranzbegriff, Thomas von Aquin
Year: 2005
Pages: 34
Grade: 1,0
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-44605-6
ISBN (Book): 978-3-640-44618-6
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Abstract
Mit Hilfe der angefertigten Hausarbeit „Toleranz: Ketzer, Häretiker im Zuge der Inquisition - am Paradigma der Jeanne d`Arc“ möchte ich mich einerseits konzentrierter mit den historischen sowie christlichen Aspekten bzw. Ursprüngen der Inquisition betreffend des Toleranzbegriffes auseinandersetzen, sowie zum anderen den Blick auf Ketzerschicksale, explizit auf das Schicksal der Jeanne d`Arc richten und schauen, in wieweit der Begriff der Toleranz im Ketzerprozess verankert wurden ist. Inquisition - lateinisch für eine gerichtliche Untersuchung - bezeichnet die seit dem Mittelalter eingerichtete Behörde der katholischen Kirche, deren Aufgabe darin bestand, Ketzer sowie Häretiker zu verfolgen, vor Gericht zu stellen und zu verurteilen. Die Inquisition - ein historischer Begriff, der die Phantasie anregt und starke Bilder hervorruft: fanatische und sadistische Ketzerverfolger, düstere Folterkeller, massenhafter Tod in den Flammen. Die Inquisition steht für die Schattenseiten abendländischer Geschichte schlechthin. Wer sich auf das Wagnis einer Inquisitionsgeschichte einlässt, begibt sich somit in ein Spannungsfeld von empörter Verurteilung und bemühter Verteidigung.
Excerpt (computer-generated)
Katholische Fachhochschule Nordrheinwestfalen
- Abt. Paderborn -
Hausarbeit im Grundstudium
Theologie
Name:
Vorname:
Röhl Ulrike Margarethe
Fachbereich
: Soziale Arbeit
Sommersemester 2005
Thema
:
Toleranz: Ketzer, Häretiker im Zuge der Inquisition - am Paradigma der Jeanne d´Arc
Kassel, Juni 2005
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1
2 Definition
Toleranz 2
3 Vorstellung
der
Inquisition 4
3.1 Geschichtliche
Entwicklung der Inquisition 4
3.2 Französische
Inquisition 9
3.3 Kirche
und
Ketzer 10
3.3.1
Definition von Häresie in der Katholischen Kirche 15
3.4
Toleranzgedanke im Zeitalter der Inquisition 16
4 Jeanne
d´Arc 21
4.1 Biographie
Jeanne
d´Arc 21
4.2 Der
Prozess 24
4.3
Toleranzgedanke im Fall der Jeanne d´Arc 25
5
Toleranz und Inquisition heute 26
6 Fazit 29
7 Literaturverzeichnis 31
II
- 1 -
1 Einleitung
Mit Hilfe der hier vorliegenden, von mir persönlich angefertigten Hausarbeit
,,Toleranz: Ketzer, Häretiker im Zuge der Inquisition - am Paradigma der
Jeanne d`Arc" möchte ich mich einerseits konzentrierter mit den historischen
sowie christlichen Aspekten bzw. Ursprüngen der Inquisition betreffend des
Toleranzbegriffes auseinandersetzen, sowie zum anderen den Blick auf
Ketzerschicksale, explizit auf das Schicksal der Jeanne d`Arc richten und
schauen, in wieweit der Begriff der Toleranz im Ketzerprozess verankert
wurden ist.
Inquisition - lateinisch für eine gerichtliche Untersuchung - bezeichnet die
seit dem Mittelalter eingerichtete Behörde der katholischen Kirche, deren
Aufgabe darin bestand, Ketzer sowie Häretiker zu verfolgen, vor Gericht zu
stellen und zu verurteilen.
Die Inquisition - ein historischer Begriff, der die Phantasie anregt und starke
Bilder hervorruft: fanatische und sadistische Ketzerverfolger, düstere
Folterkeller, massenhafter Tod in den Flammen. Die Inquisition steht für die
Schattenseiten abendländischer Geschichte schlechthin.
Die lodernden Scheiterhaufen, auf denen die Opfer der Inquisition standen,
gehören zu den aufregenden und heftig diskutierten Themen der Geschichte.
Die Menschen von heute sind zugleich abgeschreckt und zum anderen
angezogen von den Ereignissen einer Zeit, in der der Mensch vergeblich um
sein Recht auf Glaubens- und Gewissensfreiheit kämpfte.
Wer sich auf das Wagnis einer Inquisitionsgeschichte einlässt, begibt sich
somit in ein Spannungsfeld von empörter Verurteilung und bemühter
Verteidigung.
Mich persönlich tangiert dieses Thema ,,Toleranz: Ketzer, Häretiker im Zuge
der Inquisition - am Paradigma der Jeanne d´Arc" im speziellen Maße,
aufgrund dessen, dass ich ein gewisses Interesse für geschichtliche
- 2 -
Ereignisse, wie die Inquisition im Mittelalter, vorzuweisen habe. Aus
kirchengeschichtlicher Sicht erachte ich jene Epoche für durchaus spannend,
ausgehend von der Entstehungszeit, der Ketzergesetzgebung, der
theologischen Begründung, bis hin zum Aufkommen der Neuzeit und der
Aufklärung, die der europäischen Inquisition keinen Lebens- bzw.
Handlungsraum mehr boten. Des weiteren bin ich besonders fasziniert von
der Person Jeanne d `Arc, die sich so bedingungslos für den christlichen
Glauben, den göttlichen Plan und ihre eigenen, individuellen Idealen
eingesetzt und radikal für diese gekämpft hat. So wurde sie mir bereits in
meiner frühsten Kindheit zu einem wahrhaftigen Vorbild, das ich stets mit
vollster Hochachtung und größter Bewunderung betrachtet habe. Aufgrund
dessen ist es mir ein besonderes Anliegen das Schicksal der Jungfrau von
Orlèans zu beleuchten sowie exemplarisch darzulegen.
2 Definition Toleranz
Zunächst sollte der Begriff der Toleranz geklärt werden, um ihn anschließend
in den historischen Kontext der Inquisition einbetten zu können; sowie
abschließend eine adäquate Bewertung bezüglich des Ausmaßes der
Einbeziehung des Toleranzgedankens in den gerichtlichen Untersuchung der
katholischen Kirche, vorzunehmen.
Toleranz meint gemeinhin die religiöse, weltanschauliche sowie politische
Duldsamkeit und Achtung gegenüber anderen Personen. Über den formalen
Gesichtspunkt bloßer Duldsamkeit hinaus versteht man unter Toleranz in
einem inhaltlich qualifizierten Sinne eine Tugend humanitärer Gesinnung, die
sich einer gemeinsamen, kollektiven Wahrheit verpflichtet weiß. Toleranz ist
daher nicht zu verwechseln mit einer Haltung der Gleichgültigkeit gegenüber
Gewissensüberzeugungen und -forderungen in religiösen, politischen und
weltanschaulichen Fragen. Sie erfüllt sich vielmehr erst in einer wirklich,
wahrhaftigen gegenseitigen Anerkennung, die jedem sein Recht zukommen
lässt.
- 3 -
Die Problematik der Toleranz begegnet zunächst in der Religionsgeschichte.
Während sich in den Volksreligionen die Duldung fremder Religionen aus
der selbstverständlichen Annahme ergibt, dass andere Völker ihre eigenen
Götter haben, führt der Anspruch der sogenannten Universalreligionen
zumeist zur Intoleranz und in extremen Formen zum Fanatismus. Das gilt
auch für die Geschichte des Christentums, in der sich der Toleranzgedanke
erst im Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit herausgebildet hat. Obgleich
das Christentum dem Römischen Reich gegenüber für sich selbst Toleranz
forderte und schließlich durchsetze, blieb das Christentum im Verhältnis zu
Andersgläubigen und Häretikern1 trotz pragmatischen Regelungen
weitgehend intolerant. Eine Wende im Verständnis von Toleranz bahnt sich
erst im 16. Jahrhundert mit der Reformation und dem Humanismus an. So
konnte Martin Luther2 anerkennen, dass auch die Irrgläubigen und
Schwärmer3 nach ihrem Gewissen handeln und deshalb nicht durch Gewalt,
sondern durch die Heilige Schrift zu überwinden seien. Wie weit Luther aber
damit noch von einem politisch-rechtlichlichen Verständnis der Toleranz
entfernt war, zeigt der Umstand, dass er unter dem Eindruck der - mit dem
Auftreten der Täufer4 verbunden - Unruhen die politische Gewalt zu
unnachsichtigem Eingreifen aufforderte. Zwar bilden sich bereits früh als
Resultat der Glaubensspaltung praktische Regelungen zur Duldung religiöser
Minoritäten aus, aber erst der Dreißigjährige Krieg5 (1618-1648), der den
dramatischen Höhepunkt, die Klimax der Konfessionsstreitigkeiten bildete,
1 Der Begriff ,,Häresie" stammt vom Griechischen heresis und meint ursprünglich einfach
,,Nehmen, Auswahl". Später wurde es dann im Sinne von ,,Lehre, Auffassung" verwendet.
Erst in römischer Zeit bekam das Wort seine negative Konnotation von ,,Abweichung und
Sekte" und wurde dann zur Bezeichnung der vom katholischen Glauben abweichenden
Lehren gebraucht.
2 Martin Luther, deutscher Reformator, geboren am 10.11.1483 in Eisleben, gestorben am
18.02.1546 in Eisleben; Sohn des Bergmanns Hans Luther.
3 Schwärmertum, Schwarmgeister, radikale, teils revolutionäre, mystisch-subjektivistische,
oft apokalyptische und wiedertäuferische Bewegungen der Reformationszeit (z. B. die
Anhänger von A. Karlstadt, T. Münzer, B. Hubmaier, K. Schwenckfeld). Gemeinsam war
ihnen der Glaube an die innere Erleuchtung unabhängig vom Wort der Bibel
(Spiritualismus).
4 Täufer, im Gegensatz zu den Kirchen stehende, von Zürich ausgehende Bewegung der
Reformationszeit; die ersten Vorkämpfer der persönlichen Religionsfreiheit.
5 Dreißigjähriger Krieg ist die Sammelbezeichnung für mehrere Kriege um die Vorherrschaft
in Europa von 1618 bis 1648.
- 4 -
brachte die Notwendigkeit wirklich religiösen Toleranz im Interesse der
Erhaltung staatlicher Ordnung voll zum Bewusstsein.
Der Toleranzgedanke kommt daher erst im 17. und 18. Jahrhundert mit den
staatsrechtlichen Theorien des aufgeklärten Absolutismus6 zum Durchbruch,
die die Religionsfreiheit des Staates forderten und aus dem Naturrecht
begründeten. In der Folgezeit wird der Toleranzgedanke zunehmend durch
die Differenzierung und Pluralisierung des gesellschaftlichen Lebens
beeinflusst. Die Demokratisierung der politischen Ordnung, die
Herausbildung des Wirtschaftsliberalismus sowie der beschleunigte
gesellschaftliche Wandel insgesamt lassen die Forderung nach Toleranz zur
praktischen Notwendigkeit werden. Unter den Bedingungen der Neuzeit
droht die Forderung nach Toleranz lediglich die Kehrseite des religiös-
weltanschaulichen Pluralismus zu werden. Die Toleranzidee drängt zum
Verzicht auf die Klärung jeglichen religiösen Wahrheitsanspruch überhaupt.
Wirkliche Toleranz bleibt jedoch nur erhalten, wenn die unterschiedlichen
Gewissensforderungen zur gemeinsamen Suche nach einem verbindenden
Einverständnis führen.
3 Vorstellung der Inquisition
Die Inquisition (inquisitio = lateinisch: Erforschung), bezeichnet allgemein
die Untersuchung gegen Häretiker und Ketzer7 zur Reinhaltung des Glaubens
mit anschließender Verfolgung durch die weltliche Macht bzw. den Staat.
3.1 Geschichtliche Entwicklung der Inquisition
Die Inquisition (lateinisch: Erforschung), charakterisiert ursprünglich die
Untersuchung rechtswidriger Fakten, anmaßender Gegebenheiten, durch die
6Absolutismus [lateinisch], absolute Monarchie, die vorherrschende Regierungsform im
Europa des 17./18. Jahrhunderts, nach der die ganze Epoche benannt wurde.
7Ketzer, mittelalterliche, von den Katharern abgeleitete, im heutigen Sprachgebrauch
diffamierende Bezeichnung für Häretiker. Als Ketzer/Häretiker galten alle diewjenigen, die
innerhalb der katholischen Kirche von den als rechtsgläubig anerkannten Lehren abwichen,
oder gar eigene Lehren aufstellten.
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