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Ältere Mitmenschen als Randgruppe in der Diaspora-Gemeinde – in der soziologischen sowie christlich ethischen Diskussion

Termpaper, 2006, 23 Pages
Author: Ulrike M. S. Röhl
Subject: Sociology - Age and Aging

Details

Category: Termpaper
Year: 2006
Pages: 23
Grade: 1,0
Language: German
Archive No.: V136981
ISBN (E-book): 978-3-640-44652-0
ISBN (Book): 978-3-640-44681-0

Abstract

Die Kirchenbänke in den Bistümern der Bundesrepublik Deutschland werden zunehmend leerer, ein Prozess, der kaum aufzuhalten scheint. Der Anteil der jungen Familien, die regelmäßig den Gottesdienst besuchen sowie sich in der Kirchengemeinde aktiv engagieren, ist erschreckend niedrig. Es sind vorwiegend ältere Menschen, die das Kirchenbild entscheidend prägen. Jedoch genießt gerade diese Gruppe von Gemeindemitgliedern geringes Ansehen innerhalb des Kollektivs, sie werden eher belächelt, kaum beachtet oder gar aus dem Kommunenleben ausgegrenzt. In unserer heutigen Leistungs- sowie Konsumgesellschaft, die lediglich darauf bedacht ist, Menschen ausschließlich nach ihren Beitrag zum Sozialprodukt, ihrem beruflichen Erfolg und Prestige sowie nach physischen und psychischen Fähigkeiten zu messen, wird unaufhörlich ein Netz gebildet, indem immer mehr Menschen zu exklusieren drohen. Es liegt nahe, dass unter diesen Bedingungen, gar Belastungen minder leistungsstarke, in der Marktwirtschaft erfolglose Personen oder Gruppen bzw. die Gesamtheit der Individuen, die nicht dem Idealbild der profanen Gesellschaftsordnung entsprechen, von vornherein als lästig sowie der Zielsetzung unserer Gesellschaft im Widerspruch stehend angesehen werden und somit schnell zur Randgruppe deklariert werden. Mit Hilfe der hier vorliegenden, von mir persönlich, im Rahmen des im Sommersemester 2006 an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt belegten Soziologieseminar „Soziale Randgruppen in der Gemeinde“, angefertigten Hausarbeit „Ältere Mitmenschen als Randgruppe in der Diaspora -Gemeinde– in der soziologischen sowie christlich ethischen Diskussion“, möchte ich mich konzentrierter mit dem im soziologischen und theologischen Bereich auftretenden Phänomen der Randgruppe, explizit mit der Klientelgruppe der älteren Mitmenschen in der Diaspora-Pfarrgemeinde, auseinandersetzen, um anschließend verschiedene Integrationsmodelle vorzustellen, die es jenen, oftmals als Randgruppe deklarierten Menschen ermöglichen, wieder in die Kirchengemeinde zu inklusieren sowie sie erneut zum festen Bestandteil der christlichen Gemeinschaft werden zu lassen. Abschließend werde ich ein bewertendes Urteil bezüglich der Diskriminierung, der Ausgrenzung und Herabsetzung von älteren Glaubensmitgliedern in den Pfarrgemeinden, in Blick auf die von Jesus aufgetragene apostolische Sukzession, formulieren.


Excerpt (computer-generated)


Hausarbeit im Grundstudium

Fachwissenschaftliches Wahlpflichtfach Soziologie

Seminar: ,,Soziale Randgruppen in der Gemeinde"

Name:

Vorname:

Röhl Ulrike Margarethe

Studiengang:

Religionspädagogik /

Sommersemester 2006

Kirchliche Bildungsarbeit 2. Semester

Thema

:

Ältere Mitmenschen als Randgruppe in der Diaspora

-

Gemeinde ­ in der soziologischen

sowie christlich ethischen Diskussion

Kassel, März 2006



Hausarbeit im Grundstudium

Fachwissenschaftliches Wahlpflichtfach Soziologie

Seminar: ,,Soziale Randgruppen in der Gemeinde"

Sommersemester 2006

Thema:

,,Ältere Mitmenschen als Randgruppe in der Diaspora

-

Gemeinde ­ in der

soziologischen sowie christlich ethischen Diskussion"

vorgelegt von

Ulrike Margarethe Röhl

Kassel, März 2006




Und wieder habe ich etwas unter der Sonne beobachtet,

das Windhauch ist.

Es kommt vor,

dass jemand allein steht und niemanden bei sich hat.

Ja, er besitzt nicht einmal einen Sohn oder Bruder.

Aber sein Besitz ist ohne Grenzen,

und überdies kann sein Auge vom Reichtum nicht genug

bekommen.

Doch für wen strenge ich mich dann an,

und warum gönne ich mir kein Glück?

Auch das ist Windhauch und ein schlechtes Geschäft.

Zwei sind besser als einer allein,

falls sie nur reichen Ertrag aus ihrem Besitz ziehen.

Denn wenn sie hinfallen,

richtet einer den anderen auf.

Doch wehe dem,

der alleine ist,

wenn er hinfällt,

ohne dass einer bei ihm ist,

der ihn aufrichtet.

Außerdem:

Wenn zwei zusammen schlafen,

wärmt einer den anderen;

einer allein ­ wie soll er warm werden?

Und wenn jemand einen einzelnen auch überwältigt,

zwei sind ihm gewachsen,

und eine dreifache Schnur reißt nicht so schnell.

aus dem Buch Kohelet


II


Vorbemerkungen

Die Kirchenbänke in den Bistümern der Bundesrepublik Deutschland werden

zunehmend leerer, ein Prozess, der kaum aufzuhalten scheint. Der Anteil der

jungen Familien, die regelmäßig den Gottesdienst besuchen sowie sich in der

Kirchengemeinde aktiv engagieren, ist erschreckend niedrig. Es sind

vorwiegend ältere Menschen, die das Kirchenbild entscheidend prägen. Jedoch

genießt gerade diese Gruppe von Gemeindemitgliedern geringes Ansehen

innerhalb des Kollektivs, sie werden eher belächelt, kaum beachtet oder gar aus

dem Kommunenleben ausgegrenzt.

In unserer heutigen Leistungs

-

sowie Konsumgesellschaft, die lediglich darauf

bedacht ist, Menschen ausschließlich nach ihren Beitrag zum Sozialprodukt,

ihrem beruflichen Erfolg und Prestige sowie nach physischen und psychischen

Fähigkeiten zu messen, wird unaufhörlich ein Netz gebildet, indem immer

mehr Menschen zu exklusieren drohen. Es liegt nahe, dass unter diesen

Bedingungen, gar Belastungen minder leistungsstarke, in der Marktwirtschaft

erfolglose Personen oder Gruppen bzw. die Gesamtheit der Individuen, die

nicht dem Idealbild der profanen Gesellschaftsordnung entsprechen, von

vornherein als lästig sowie der Zielsetzung unserer Gesellschaft im

Widerspruch stehend angesehen werden und somit schnell zur Randgruppe

deklariert werden.

War früher der Prozess des Alterns ein natürlicher Vorgang, der sich in der

-

meist bäuerlichen

-

Mehrgenerationenfamilie organisch vollzog, indem die

jeweils nächste Generation die Verpflichtung für den Unterhalt, die Fürsorge

der älteren Familienmitglieder übernahm, so ist er heute weitgehend

anonymisiert worden. Altern wird in unserer Jugendideologie, als Makel

verstanden, der durch biologischen Verfall und sozialökonomischen Verschleiß

gekennzeichnet ist.

Die Religionspädagogik bzw. die kirchliche Bildungsarbeit, eine professionell

ausgeübte Tätigkeit der

personenbezogenen Dienstleistungen, stellt sich der

Aufgabe der Bearbeitung von Problemlagen, interveniert aktiv in normative

III


Diskurse und ermöglicht somit Menschen an unser Gesellschaftssystem und

seinen Ressourcen zu partizipieren sowie sie in demokratischen Verfahren

inaugurieren zu können. Des weiteren setzt sie sich für die rechtschaffende

Aushandlung von Interessen und die Kreierung von strukturellen Modalitäten

ein, unter denen sich Menschen korrelativ achten. Religionspädagogische

Arbeit versucht somit, sei es auch nur ansatzweise, die Probleme,

Schwierigkeiten und Komplikationen der betroffenen Personen, zu dezimieren

oder bestmöglich zu eliminieren und dadurch den Klienten einen Teil an

Lebensqualität zurückgeben zu können.

Das Leitziel professioneller kirchlicher Bildungsarbeit lässt sich dahingehend

erklären, dass einzelne Menschen oder gewisse Gruppierungen, insbesondere

benachteiligte und unprivilegierte ihr Leben sowie ihr zwischenmenschliches

Zusammenleben im Sinne des christlichen Verständnisses der Nächstenliebe

zunehmend mehr autonom bestimmen und in solidarischen Beziehungen

bewältigen sollen.

Die Achtung des Lebensrechtes, sowie der Würde des Menschen, der

Selbstbestimmung des Einzelnen und von Gemeinschaften insbesondere im

Blick auf ihre Werteorientierung, die Zuversicht in die positive

Veränderbarkeit sozialer Verhältnisse und das Vertrauen in die Kraft und den

Willen von Menschen, belastende Lebensverhältnisse bei geeigneter

Unterstützung selbst anzugehen, sind oberste Prinzipien im professionellen

Handeln und genießen höchste Priorität.

Völlig subjektiv vollviert erachte ich jene oben genannten Aufgaben, Ziele und

auch Leitmaxime der religionspädagogischen Arbeit aus ethischen, religiösen

sowie moralischen Gesichtspunkten betrachtet für durchaus elementar und

gerade im Blick auf die Integrationsarbeit im kirchlichen Bereich, für essentiell

sowie notwendig.

Im Speziellen im Verband der Kirche, die sich im Glaubenssinn aller

Gläubigen, unabhängig von Alter, Geschlecht oder sonst irgendeinem

Unterscheidungsmerkmal versteht, sollte ein jeder Christ mit Verweis auf die

IV



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