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Subtitle: Die Markierung der Kasusrollen im Lateinischen und im Französischen
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2009, 45 Pages
Author: Stefanie Wind
Subject: French - Pedagogy, Didactics, Literature Studies
Details
Institution/College: LMU Munich (Institut für Romanische Philologie)
Year: 2009
Pages: 45
Grade: 1,5
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-45787-8
ISBN (Book): 978-3-640-45801-1
Die Arbeit führt unter Berücksichtigung umfangreicher Sekundärliteratur und anhand ausführlicher Korpusanalysen lateinischer und französischer Texte sowie daraus erschlossener Statistiken vor, wie sich aus dem System klassisch-lateinischer Sprache, in dem Kasusrollen durch Markierung am Wortende gekennzeichnet sind, über die Zwischenstationen des Vulgärlateinischen und Altfranzösischen im Romanischen, speziell im Französischen, ein vom Präpositionsgebrauch geprägtes System entwickelte. Tabellarische Übersichten und Gegenüberstellungen fördern dabei die Anschaulichkeit.
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Abstract
Obwohl die romanischen Sprachen alle aus dem Lateinischen hervorgegangen sind und daraus zahlreiche sprachliche Erscheinungen übernommen haben, weisen sie gegenüber der gemeinsamen Ursprungssprache einen deutlichen Unterschied in einem zentralen Teil der Syntax auf: Das lateinische Kasussystem baute sich im Laufe der Sprachentwicklung radikal ab und formte sich um in ein sprachliches System, in dem die Mehrzahl der syntaktischen Relationen durch Präpositionen markiert werden. Die Menge dieser kleinen, für die Herstellung syntaktischer Zusammenhänge aber enorm wichtigen Wörter fand bereits würdiges Interesse in der Sprachwissenschaft. Besonders in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts erfuhr die Forschung um die französischen Präpositionen neuen Aufwind unter verschiedenen Aspekten. Zumeist handelt es sich in den einschlägigen Arbeiten jedoch um synchronische Betrachtungen. Diachronische Untersuchungen liegen weiter zurück. Wie und warum sich im Französischen und in den romanischen Sprachen überhaupt die Präpositionen in solchem Maß, wie Textuntersuchungen es beweisen, durchgesetzt haben, ist bisher nicht zufriedenstellend beantwortet worden. Auch in den Monographien, die ausdrücklich den Übergang vom Lateinischen zum Romanischen oder auch konkret zum Französischen untersuchen, wird zwar stets auf den Verlust der lateinischen Kasus hingewiesen, aber die Frage, durch welche Mittel die im Lateinischen durch Kasusendungen ausgedrückten Satzfunktionen in den modernen romanischen Sprachen markiert werden, wurde noch nicht systematisch aufgearbeitet. Die vorliegende Arbeit soll zumindest einen Schritt in diese Richtung machen. Nach einer knappen Darstellung der Problematiken bei der Markierung von Satzgliedern durch Kasusendungen im Lateinischen soll die Häufigkeit von Präpositionen, die bereits in den frühesten lateinischen Sprachstufung eine Alternative oder Ergänzung zum kasuellen System bildeten, in verschiedenen Epochen und Sprachstufen des Lateinischen untersucht werden. Ein starker Fokus wird dabei auf das Vulgärlateinische als Scharnierstelle zwischen klassischem Latein und romanischen Entwicklungen geworfen. Aufgrund des begrenzten Umfangs der Arbeit wird die Situation im Altfranzösischen nur in knappen Grundzügen einbezogen. [...]
Excerpt (computer-generated)
LMU München
Institut für Romanische Philologie
Hauptseminar: Romanische Syntax
Sommersemester 2008
FLEXIONSENDUNG VS. PRÄPOSITION
DIE MARKIERUNG DER KASUSROLLEN
IM LATEINISCHEN UND IM FRANZÖSISCHEN
STEFANIE WIND
Studiengang: LEHRAMT GYMNASIUM
LATEIN FRANZÖSISCH ITALIENISCH
Semesterzahl: 4
Inhaltsverzeichnis
1.
Hinführung 4
2.
Die Syntax des klassischen Latein Regeln und Ausnahmen 5
2.1
Das Grundprinzip der Flexion und seine Schwachstellen 5
2.2
Der Gebrauch von Präpositionen 6
2.3
Das Inventar der lateinischen Präpositionen 9
2.4
Auswertung vorklassischer und klassisch-lateinischer Texte 10
2.4.1 Vorgehen bei der Auswertung 10
2.4.2 Zur Textauswahl 12
2.4.3 Statistische Auswertung der Texte im Vergleich 13
2.4.4 Besondere Feststellungen zur Auswertung des Präpositionsgebrauchs 14
3.
Die Entwicklung der lateinischen Syntax auf dem Weg zu den 15
modernen romanischen Sprachen 15
3.1
Entwicklungstendenzen im gesprochenen Latein und im Protoromanischen 15
3.2
Verdeutlichungsprozesse und Umstrukturierung des Systems 16
3.2.1 Abbau der Kasusflexion 16
3.2.2 Folge: Zunahme im Gebrauch von Präpositionen? 16
3.2.3 Die vulgärlateinischen Präpositionen 17
3.3
Auswertung vulgär- und spätlateinischer Texte 18
3.3.1 Zur Textauswahl 18
3.3.2 Statische Auswertung hinsichtlich des Präpositionsgebrauchs 19
3.3.3 Einzelauswertung von den Freigelassenengesprächen in Petrons
Satyricon
21
3.3.3.1 Allgemeine Erkenntnisse 21
3.3.3.2 Präposition in Verbindung mit einem falschen Kasus 21
3.3.3.3 Unübliche Verwendung von Präpositionen 22
3.3.4 Einzelauswertung des Reiseberichts der Nonne Egeria 23
3.3.4.1 Allgemeine Erkenntnisse 23
3.3.4.2 Präpositionen in Verbindung mit einem falschen Kasus 23
3.3.4.3 Präpositionen in Verbindung mit einem indeklinablen Eigennamen 25
3.3.4.4 Unübliche Verwendung von Präpositionen 26
3.3.4.5 Präpositionalkonstruktion als Kasusersatz 26
3.3.4.6 Präposition + Präposition / Adverb 27
2
3.3.5 Fazit 28
4.
Die romanischen Präpositionen 29
4.1
Allgemeine Entwicklungen 29
4.2
Beispiel: Altfranzösisch 30
5.
Kasusmarkierung im modernen Französisch 31
5.1
Allgemeine Tendenzen 31
5.2
Inventar der französischen Präpositionen 31
5.3
Auswertung französischer Texte 32
5.4
Gegenüberstellung lateinischer Kasus und französischer Präpositionalphrasen. 33
6.
Abschließende Bemerkungen 38
7.
Anhang: Textauswertungen 39
7.1
Auswertung der lateinischen Texte 39
7.2
Auswertung der französischen Texte 41
8.
Literaturverzeichnis 42
8.1
Fachliche Sekundärliteratur 42
8.2
Quellen für das Textkorpus 45
3
1. Hinführung
Obwohl die romanischen Sprachen alle aus dem Lateinischen hervorgegangen sind und dar-
aus zahlreiche sprachliche Erscheinungen übernommen haben, weisen sie gegenüber der ge-
meinsamen Ursprungssprache einen deutlichen Unterschied in einem zentralen Teil der Syn-
tax auf: Das lateinische Kasussystem baute sich im Laufe der Sprachentwicklung radikal ab
und formte sich um in ein sprachliches System, in dem die Mehrzahl der syntaktischen Rela-
tionen durch Präpositionen markiert werden.
Die Menge dieser kleinen, für die Herstellung syntaktischer Zusammenhänge aber enorm
wichtigen Wörter fand bereits würdiges Interesse in der Sprachwissenschaft. Besonders in den
90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts erfuhr die Forschung um die französischen Präpo-
sitionen neuen Aufwind unter verschiedenen Aspekten. Zumeist handelt es sich in den ein-
schlägigen Arbeiten jedoch um synchronische Betrachtungen.1 Diachronische Untersuchun-
gen liegen weiter zurück.2 Wie und warum sich im Französischen und in den romanischen
Sprachen überhaupt die Präpositionen in solchem Maß, wie Textuntersuchungen es beweisen,
durchgesetzt haben, ist bisher nicht zufriedenstellend beantwortet worden. Auch in den Mo-
nographien, die ausdrücklich den Übergang vom Lateinischen zum Romanischen oder auch
konkret zum Französischen untersuchen, wird zwar stets auf den Verlust der lateinischen Ka-
sus hingewiesen, aber die Frage, durch welche Mittel die im Lateinischen durch Kasusendun-
gen ausgedrückten Satzfunktionen in den modernen romanischen Sprachen markiert werden,
wurde noch nicht systematisch aufgearbeitet.3
Die vorliegende Arbeit soll zumindest einen Schritt in diese Richtung machen. Nach einer
knappen Darstellung der Problematiken bei der Markierung von Satzgliedern durch Kasusen-
dungen im Lateinischen soll die Häufigkeit von Präpositionen, die bereits in den frühesten
lateinischen Sprachstufung eine Alternative oder Ergänzung zum kasuellen System bildeten,
in verschiedenen Epochen und Sprachstufen des Lateinischen untersucht werden. Ein starker
Fokus wird dabei auf das Vulgärlateinische als Scharnierstelle zwischen klassischem Latein
und romanischen Entwicklungen geworfen. Aufgrund des begrenzten Umfangs der Arbeit
wird die Situation im Altfranzösischen nur in knappen Grundzügen einbezogen. Den Ab-
schluss bildet eine Betrachtung des Präpositionsgebrauchs im Neufranzösischen, und zwar in
Original- wie Übersetzungstexten, wobei anschließend eine umfassende Gegenüberstellung
1 So etwa LANG, Jürgen:
Die französischen Präpositionen. Funktion und Bedeutung
, Heidelberg 1991, CER-
VONI, Jean:
La préposition. Etude sémantique et pragmatique
, Paris 1991, CADIOT, Pierre:
Les prépositions
abstraites en français
, Paris 1997, oder MELIS, Ludo:
La préposition en français
, Ophrys 2003.
2 Z.B. die Syntaxuntersuchung von SNEYDERS DE VOGEL, Kornelis:
Syntaxe historique du français
, La Haye
1919 oder diverse historische Grammatiken.
3 So etwa in ROHLFS, Gerhard:
Vom Vulgärlatein zum Altfranzösischen
, Tübingen 31968 und in MA-CHONIS,
Peter A.:
Histoire de la langue. Du latin à l′ancien français
, London 1990.
4
der lateinischen Kasus in ihren verschiedenen Funktionen mit den entsprechenden durch eine
Präposition markierten Ausdrucksmöglichkeiten des Französischen versucht wird.
1. Die Syntax des klassischen Latein Regeln und Ausnahmen
1.1 Das Grundprinzip der Flexion und seine Schwachstellen
Im Lateinischen ist das Prinzip der Flexion tief verankert4 und tatsächlich lässt sich in dieser
Sprache eine Vielzahl an synthetischen Wortformen im Nominal- und Verbalbereich feststel-
len, die ihr trotz der prinzipiellen Grundwortstellung SOV5 eine große Stellungsfreiheit hin-
sichtlich der einzelnen Elemente im Satzsyntagma erlauben. Semantisch gleichbedeutend und
wegen der Endungen eindeutig verständlich sind die beiden folgenden Propositionen (1) und
(2):
(1)
Publius filio parvo librum pulchrum dat
.
(2)
Librum pulchrum dat Publius filio parvo
.
Die einzelnen Satzbausteine können sogar noch weiter verschoben und voneinander getrennt
positioniert werden:
(3) Librum Publius pulchrum filio dat parvo.
Zugegebener Maßen weicht das Beispiel (3) von der usuelle Wortstellung, die das Lateinische
präferiert, erheblich ab, zerstört aber nicht den Sinn der Proposition. Grund dafür sind die
sowohl im Verbal- als auch im Nominalbereich vorhandenen Endungen, die eine genaue Ka-
susmarkierung am Wort erlauben. Unabhängig von der Position, die das Wort im Satz ein-
nimmt, drückt die Endung an
Publius
aus, dass es sich hier um ein Subjekt handelt, und zeigt
die Endung
librum
an, dass dieses Wort die Funktion eines Akkusativobjekts erfüllt. Das Ad-
jektiv
pulchrum
identifiziert sich durch seine Kongruenz zu
librum
als Attribut zu selbigem.
Etwas schwieriger verhält es sich mit der Kasuserkennung bei
filio
, da diese Wortform zwei
Kasus, den Dativ und den Ablativ ausdrücken kann und der Leser oder Hörer aufgrund des
Kontextes die Endung richtig interpretieren muss.
Gerade diese Mehrdeutigkeit einzelner Endungen SERBAT (1994) spricht von ,,bi-" und
,,polyvalence de certaines désinences"6 ist es, die das flektierende System schwächt, sowohl
im Bereich der Substantive als auch im Bereich der Verben.7 Ein besonders stichhaltiges Bei-
spiel aus dem Nominalbereich bieten die Formen der
u
-Deklination, in der der Wortausgang -
4 Nicht umsonst überschreibt SERBAT (1994), S. 51 sein Kapitel zur Morphosyntax des lateinischen Nomens
mit dem Untertitel ,,Le latin, langue flexionnelle".
5 Vgl. dazu DEVINE (2006), S. 79ff.
6 SERBAT (1994), S. 54.
7 Beispielsweise fallen außer in der ersten Person des Singulars die Formen des Konjunktiv Perfekt mit denen
des Futur II in allen Konjugationsklassen zusammen.
5
us
sogar vier Funktionen einnehmen kann, die zumindest im Schriftbild, in den gesprochenen
Varietäten ab dem Spätlatein aber auch akustisch8 nicht zu unterscheiden sind:
Klat.:
Kasus / Numerus:
Vlat.:
magistrt
us
Nominativ
Singular
Genitiv Singular
magistratus
magistrt
s
Nominativ Plural
Akkusativ Plural
Insbesondere die Übereinstimmung der beiden hochfrequenten Kasus Nominativ und Akkusa-
tiv, die in vielen Sätzen in Kombination auftreten, dürfte Probleme im Verständnis bereitet
haben. Man stelle sich nun einen prototypischen Aussagesatz mit Subjekt und Objekt vor, in
dem sowohl die Subjekt- als auch die Objektstelle mit einem Substantiv der
u
-Deklination
besetzt ist.
(4)
Magistratus fructus vendunt
.
Beziehung evident
(5)
Magistratus senatus exercitus laudant
.
Beziehung logisch zu erschließen
(6)
Equitatus peditatus sequuntur
.
Beziehung unklar, Kontext
In Satz (4) ist klar, dass das Element
magistratus
aufgrund des Kontextes und der Belebt-
heitskriterien, die es erfüllt, Agens und Subjekt sein muss und
fructus
das von der Valenz des
Verbs
vendere
geforderte Akkusativobjekt darstellt. Im Beispiel (5) wären grammatikalisch
mehrere Deutungen des Satzinhalts denkbar, einfache Logik lässt jedoch darauf schließen,
dass
magis-tratus
Nominativ Plural,
senatus
das zu
magistratus
gehörige Genitivobjekt und
exercitus
ein Akkusativ Plural ist. Der propositionale Sinn und die Kasusverhältnisse des Bei-
spielsatzes (6) können nur aus einem größeren Kontext erschlossen werden. Selbstverständ-
lich sind derartige Sätze konstruiert und ihr Vorkommen in authentischen Texten dürfte eher
die Ausnahme sein. Dennoch sollen die Beispiele (4) bis (6) in überspitzter Weise die Ambi-
guität des lateinischen Kasussystems exemplarisch verdeutlichen.
1.2 Der Gebrauch von Präpositionen
Es ist offensichtlich nicht davon auszugehen, dass es in einem sehr frühen Stadium des Latei-
nischen nur reine Kasus und keine Präpositionen gegeben hat und diese sich erst im Laufe der
Zeit aus Adverbien entwickelt haben, wie die ältere Forschung bisweilen zu beweisen ver-
sucht.9 RENZI (1984) sieht im Lateinischen, welches zwei Strukturen der Funktionsmarkie-
rung erlaubt, eine mit und eine ohne Präposition, einen Übergang vom System des Indoeuro-
päischen, das ohne Präpositionen funktionierte, zum Romanischen, in dem der Präpositions-
8 Endgültig nicht mehr zu unterscheiden sind die Formen seit dem Quantitätenkollaps.
9 So beschreiben es beispielsweise BOUET (1975), S. 91.
6
gebrauch stark zunahm.10 Mit der Einräumung, dass Präpositionen im frühen Latein viel sel-
tener zu finden seien, als später,11 argumentiert PINKSTER (1988), dass es in allen Sprachen,
auch in solchen, die ein äußerst ausgeprägtes Kasussystem haben, Präpositionen gebe, und
schließt daraus, dass auch das Lateinische bereits in seinen Anfängen Präpositionen besaß, die
zumindest eine Spezifikationsfunktion des schon vom Kasus ausgedrückten semantischen
Werts einer Nominalphrase erfüllen konnten.12
Bereits in frühen Stadien der lateinischen Sprache kommen also neben den bloßen Kasus
auch Präpositionen als Funktionsmarker vor. TEKAVCI (1972) stellt übersichtlich dar, dass
die Markierung der Funktion eines Substantivs im Lateinischen auf drei Weisen vollzogen
werden kann: durch die Kasusendung allein, durch eine Präposition, die einen bestimmten
Kasus fordert,13 also durch Präposition und Kasusendung, und schließlich allein durch eine
Präposition.14 Im zweiten Fall, in dem die Präposition den Kasus regiert, muss beachtet wer-
den, dass zwar in vielen Fällen die Präposition den semantischen Wert des Kasus, vor dem sie
steht, nur verstärkt, es aber bereits im klassischen Latein vorkommen kann, dass allein die
Präposition über den semantischen Gehalt einer Phrase entscheidet. Beispielsweise fordern
die Präpositionen
intra
und
extra
beide den Akkusativ nach sich, geben der Präpositional-
phrase aber eine gerade entgegengesetzte Bedeutung:
(7)
tum statuistis etiam intra muros Antoni scelus audaciam que uersari.
(Cic. Phil. 3, 13)
(8)
magis ausi egredi extra muros ad Himeram amnem posuerunt castra.
(Liv. 25, 40, 8)
TEKAVCI sieht in solchen Paaren, deren es mehrere gibt (z.B. auch
cum / sine
oder
super /
sub
) die Keimzelle der romanischen Entwicklung zum verstärkten Präpositionsgebrauch be-
gründet.15
In einigen Fällen erlaubt das System der lateinischen Sprache eine Abwechslung zwischen
der Verwendung eines bloßen und eines präponierten Kasus, wobei der semantische Wert
einer solchen Präpositionalphrase gegenüber dem alleinstehenden Kasus sich oft dahingehend
intensiviert, dass die Variante mit Präposition eine stärkere affektive und / oder stilistische
10 Vgl. RENZI (1984), S. 50.
11 Die Untersuchung dieses Themas wird dadurch erschwert, dass aus der Epoche des vorliterarischen Lateins
keine schriftlichen Texte überlebt haben. Aus den in dieser Arbeit untersuchten Texten (vgl. Kap. 2.4.3, S. 13)
lässt sich PINKSTERs These jedenfalls höchstens andeutungsweise bestätigen.
12 Vgl. PINKSTER (1988), S. 101f.
13 Siehe dazu Kap. 2.3, S. 9.
14 Vgl. TEKAVCI (1972), S. 36. Der zuletzt genannte Fall tritt im klassischen Latein sehr selten und nur bei
den wenigen indeklinablen Substantiven auf. Anzumerken bleibt, dass in solchen Fällen theoretisch ein beige-
stelltes Adjektivattribut Klarheit über den Kasus geben könnte. Davon abgesehen findet man in der klassisch-
lateinischen Literatur kaum Beispiele für eine Verwendung beispielsweise von
fas / nefas
in Verbindung mit
einer Präposition. Ein erster Beleg findet sich bei Arnobius dem Älteren, der im vierten nachchristlichen Jahr-
hundert schrieb:
et in nefas extraneum mea vita et innocentia producatur?
(Arnob. nat. 7, 9). An diesem Bei-
spiel ist einerseits die indirekte Kasusmarkierung des Wortes
nefas
durch
extraneum
zu erkennen, andererseits ist
nefas
ein Neutrum, bei dem ohnehin auch bei deklinablen Wörtern der Akkusativ dem Nominativ formal gleicht.
15 Vgl. TEKAVCI (1972), S. 36f.
7
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